Naegleria fowleri

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Naegleria fowleri
Naegleria fowleri

Naegleria fowleri

Systematik
ohne Rang: Discoba
ohne Rang: Discicristata
ohne Rang: Heterolobosea
ohne Rang: Vahlkampfiidae
Gattung: Naegleria
Art: Naegleria fowleri
Wissenschaftlicher Name
Naegleria fowleri
Carter, 1970

Naegleria fowleri ist ein amöbenähnlicher Rhizopode (Wurzelfüßer), der als fakultativer (nicht auf einen Wirt angewiesener) Parasit den Menschen befallen kann.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Trophozoit hat Naegleria Ähnlichkeit mit Amöben, da sie sich mit Pseudopodien (Scheinfüßchen) fortbewegt. Fällt jedoch der Elektrolytwert der Umgebung, so bildet die Zelle Geißeln aus, mit denen sie aus dem ungünstigen Milieu fliehen kann. Der Trophozoit hat eine Größe von bis zu 30 Mikrometer, seine Cysten nur bis 15 Mikrometer.

Lebenszyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadien von Naegleria fowleri

Naegleria fowleri bildet Kolonien aus, in denen mehrere Hundert Trophozoiten zusammen leben. Sie ernähren sich hauptsächlich von Bakterien und Detritus (abgestorbenen Pflanzen). Wenn Trophozoiten beim Schwimmen oder anderen Tätigkeiten in die Nase gelangen, dringen sie entlang des Riechnervs ins Gehirn vor.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naegleria fowleri ist auf der ganzen Welt verbreitet, mit Schwerpunkten in Australien und den USA. Da N. fowleri auf Feuchtigkeit angewiesen ist, kommt sie vor allem im feuchten Erdreich und in stehenden Gewässern vor. Sie kann sich optimal in warmen Gewässern ausbreiten und bildet dort kleinere Kolonien. Ihr Vorkommen ist daher meist auf Schwimmbäder, Badeseen und Industrieabwässer beschränkt.

Von 1962 bis 2018 wurden in den USA 145 Infektionsfälle bekannt, von denen nur vier überlebten.[1]

Unter anderem sind folgende Fälle bekannt:

  • 2011 wurde in Louisiana von zwei Todesfällen nach Nasenspülungen mit Leitungswasser berichtet.[2]
  • 2012 starben in Karatschi (Pakistan) innerhalb von sechs Monaten neun Männer und ein vierjähriges Kind an einer Infektion mit Naegleria fowleri; der Infektionsweg ist nicht geklärt, z. B. hatte nur einer der Betroffenen vorher in einem Gewässer gebadet.[3]
  • 2015 wurde der Fall einer 21-jährigen Frau vom Northern Inyo Hospital, Bishop, Kalifornien, gemeldet.[4]
  • Am 19. Juni 2016 starb eine 18-jährige Frau in Charlotte (North Carolina) in den USA nach einer Bootskenterung im Rahmen einer Rafting-Tour im Whitewater River (Keowee River) an den Folgen der Infektion.[5]
  • 2018 wurde der Fall eines US-Amerikaners berichtet, der vor seinem Tod eine Surf- und Wasserskianlage besucht hatte.[6]
  • Im Juli 2019 erkrankte und starb ein Schwimmer, nachdem er im Fantasy Lake Water Park in Cumberland County in North Carolina geschwommen war.[1]
  • Im September 2019 starb ein zehnjähriges Mädchen in Texas, nachdem es gut eine Woche zuvor im Brazos River bzw. Lake Whitney geschwommen war.[7][8]

Pathogenität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Histopathologie der Amöben-Meningoenzephalitis.

Naegleria fowleri erzeugt eine eitrige Hirnhautentzündung, die Primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAME), vorwiegend bei Kindern und jungen Erwachsenen. PAME wird auch als Naegleriasis beziehungsweise Schwimmbadamöbose bezeichnet. Drei bis sieben, spätestens 14 Tage nach einer Infektion kann PAME plötzlich ausbrechen. Nach massivem Auftreten von Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Nackensteifheit kommt es zu einer pyogenen Meningoenzephalitis, gefolgt von Koma und dem Tod innerhalb einer Woche. Es sind nur wenige Fälle bekannt, bei denen eine frühzeitige Behandlung zum Überleben geführt hat. Die CDC empfehlen, Infizierte mit dem Wirkstoff Miltefosin zu behandeln.[9] Zur Behandlung von Infektionen mit weiteren Naegleria-Arten steht auch Amphotericin B, ggf. in Kombination mit Rifampicin, zur Verfügung.[10]

In Endemiegebieten sind bei vielen Jugendlichen spezifische Antikörpertiter nachweisbar, weswegen viele Naegleria-Infektionen wahrscheinlich symptomlos verlaufen.

Eine Vorbeugung kann durch Desinfektion von Schwimmbädern und Meidung von Abwässern und Flachwässern vor allem in wärmeren Gebieten erfolgen. Auch Nasenklammern beim Schwimmen können einer Infektion vorbeugen.[11] Es gibt keine gesetzlichen Regelungen (wie Meldepflicht) für diese Krankheit. Die Diagnose kann durch Nachweis schnell beweglicher Amöben im Liquor erfolgen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. C. Parija, S. R. Jayakeerthee: Naegleria fowleri. A free living amoeba of emerging medical importance. In: The Journal of Communicable Diseases, Bd. 31 (1999), Heft 3, S. 153–159, ISSN 0019-5138 PMID 10916609

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Naegleria fowleri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jacey Fortin: Man Dies of ‘Brain-Eating’ Amoeba After Swimming in Lake. New York Times, 25. Juli 2019
  2. Bericht zu den Todesfällen 2011
  3. Bericht zu den Todesfällen 2012 (Memento vom 11. September 2013 im Internet Archive)
  4. http://www.abendblatt.de/nachrichten/article205445505/Toedlicher-Parasit-Einzeller-frisst-sich-durchs-Gehirn.html
  5. http://wncn.com/2016/06/22/ohio-girl-dies-from-suspected-amoeba-after-visiting-whitewater-center-in-nc/
  6. https://www.nytimes.com/2018/10/01/science/brain-eating-amoeba-death.html
  7. https://edition.cnn.com/2019/09/16/us/texas-brain-eating-amoeba-girl-dies-trnd/index.html
  8. Dt. Bericht (17. Sept. 2019)
  9. Tod eines 29-Jährigen: Gehirn zerstörende Amöbe - das müssen Sie wissen. In: Spiegel Online. 2. Oktober 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  10. Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 293.
  11. Facts About Naegleria fowleri andPrimary Amebic Meningoencephalitis