Naturstrom AG

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Naturstrom AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 16. April 1998 in Düsseldorf
Sitz Düsseldorf und Forchheim
Leitung Thomas E. Banning,
Oliver Hummel
Mitarbeiter über 280 (2016) [1]
Umsatz 245,6 Mio. Euro (2014)[2]
Branche Energieversorger
Website www.naturstrom.de

Die Naturstrom AG wurde 1998 als Anbieter erneuerbarer Energien für den Privat- und Gewerbeverbrauch gegründet und trat 1999 in den Markt ein. Damit war die Naturstrom AG der erste unabhängige Händler für Ökostrom in Deutschland. Das Unternehmen beliefert nach eigenen Angaben rund 250.000 Kunden in Deutschland (Stand: 28. März 2014).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Naturstrom AG wurde am 16. April 1998 in Düsseldorf gegründet und war der erste unabhängige Ökostromhändler in Deutschland.[4] 2003 wurde die 100. Erzeugungsanlage durch Unterstützung des Unternehmens verwirklicht und 2009 überstieg die Anzahl der Kunden 50.000. 2004 wurde das Unternehmen umstrukturiert; das Stromhandelsgeschäft wurde in die NaturStromHandel GmbH ausgegliedert. Im Januar 2013 nahm die NaturStrom XL GmbH die Belieferung von Bündel- und Gewerbekunden der Naturstrom-Gruppe auf und die ebenfalls neugegründete NaturStromTrading GmbH die Vermarktung von Ökostrom nach dem Marktprämienmodell.[5] Die verbundenen Unternehmen treten am Markt als Naturstrom-Gruppe auf.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alleiniger Vorstand der Naturstrom AG war bis 2002 Ralf Bischof, danach übernahm Thomas E. Banning dieses Amt. Im Februar 2011 wurde Oliver Hummel vom Aufsichtsrat ebenfalls in den Vorstand und Thomas E. Banning zum Vorstandssprecher berufen.[6] Mitglieder des Aufsichtsrats sind zurzeit Hermann Falk (Vorsitzender), Manfred Rauschen, Olaf Koester, Christine Banning, Michael Ritzau und Christine Scheel (Stand: Oktober 2013). Bei der Naturstrom AG und ihren Beteiligungen sind etwa 210 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Unternehmen ist in Düsseldorf ansässig und hat ein Büro in Forchheim, wo vor allem die Projektentwicklung und die Betriebsführung stattfinden.

Die NaturStromQuelle Eins GmbH & Co KG, die NaturStromQuelle Drei GmbH & Co KG und die WindStrom Hüll GmbH & Co KG sind drei Projektgesellschaften, die regenerative Erzeugungsanlagen betreiben und an denen die Naturstrom AG mit mindestens 50 % beteiligt ist. Die NaturStromAnlagen GmbH (50-%-Tochterunternehmen, die anderen 50 % werden von der eco eco AG gehalten) projektiert und errichtet Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien und kümmert sich um Betriebsführung und Service. Darüber hinaus bestehen weitere Minderheitsbeteiligungen.

Im Bereich Elektromobilität betreibt die Naturstrom AG derzeit rund einhundert Ladesäulen in Deutschland, über die das Unternehmen Ökostrom für Elektrofahrzeuge zu marktüblichen Konditionen anbietet. Damit ist die Naturstrom AG einer der markanten Ladestromanbieter in Deutschland, welcher dem Nachhaltigkeitsaspekt in der Elektromobilität die nötige Durchsetzung zu verschaffen versucht. Zugang zum Laden an den Ladesäulen erhalten Kunden durch eine Ladekarte.[7]

Etwa zweimal jährlich erscheint das Kundenmagazin energiezukunft, das seit August 2012 auch ein gleichnamiges Newsportal als Onlineableger hat.[8][9] Schwerpunkt sind Themen zur Entwicklung des Energiesektors und insbesondere der erneuerbaren Energien.

Aktie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grundkapital der Naturstrom AG beträgt aktuell 30,5 Millionen Euro und ist in 2.440.000 Stückaktien eingeteilt. Der rechnerische Anteil am Grundkapital beträgt somit aktuell 12,50 Euro. Es gibt rund 980 Aktionäre, Hauptaktionär ist die Familie Banning mit zusammen über 35 % der Aktien (davon 25,0 % über die eco eco AG).[10] Für das Geschäftsjahr 2015 wurde eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie ausgeschüttet.[11]

Die Aktie der Naturstrom AG ist nicht an einer Börse notiert, jedoch vermittelt die Gesellschaft selbst zwischen Kauf- und Verkaufsinteressenten mittels Adressweitergabe. [12] Weiter kann man die Aktie über die Plattform der Umweltfinanz AG handeln.[13]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stromerzeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Naturstrom Handel investiert je nach Stromtarif 1 bis 2 Cent/kWh netto in den Bau neuer Stromerzeugungsanlagen. Für den Gasverbrauch und Kunden der Naturstrom XL liegt der Betrag bei 0,25 Cent/kWh netto. Dadurch wurden bis März 2016 über 270 neue Stromerzeugungsanlagen [14] ermöglicht. Dies geschieht durch Fördergelder, nachrangige Darlehen oder die Bereitstellung von Eigenkapital. Das Unternehmen setzt ferner auf Bürgerbeteiligungsmodelle zur Realisierung neuer Anlagen. [2]

Die seit 1999 neu errichteten Erzeugungsanlagen teilen sich dabei wie folgt auf:[14]

Stromhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NaturStromHandel GmbH (100 % Tochterunternehmen) versorgt ihre Kunden gemäß Stromkennzeichnung nach § 42 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) mit Strom, der zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Die Naturstrom AG verwendet keine RECS-Zertifikate.[14] Auch für Lastspitzen wird kein Graustrom an der Leipziger EEX-Börse hinzugekauft. Der vom Netzbetreiber zugewiesene Regelstrom ist jedoch nicht notwendig zu 100 % regenerativer Strom.

Seit 1999 (und somit als erster Anbieter überhaupt) wird Naturstrom jährlich mit dem Grüner Strom Label (GSL) zertifiziert.[15] Das Label wird von Deutschlands größten Umweltverbänden getragen, u.a. dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU). Diese überwachen die Qualität des Stroms und die Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien.

Seit 2008 bezieht das Unternehmen als erster deutscher Stromhändler mehr als 50 % seines Ökostroms aus kleinen und mittleren Erzeugungsanlagen aus Deutschland, die bisher ausschließlich das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nutzten. 2014 bezog sich dies ausschließlich auf Windkraftanlagen mit mindestens 500.000 kWh/Jahr. Die Erzeuger erhalten von Naturstrom eine etwas höhere Vergütung, als sie bisher durch das EEG erhalten. Für die Erneuerbaren Energien ist diese Direktvermarktung ein Schritt in Richtung Marktintegration, die politisch gewollt ist. Im Gegenzug zahlt Naturstrom deshalb gesetzlich zwei Cent/kWh EEG-Umlage weniger (Grünstromprivileg). Allerdings entfallen 23 % des Strompreises auf Entgelte, die an die Netzbetreiber zu zahlen sind. [14]

Gemäß § 42 Energiewirtschaftsgesetz wurden folgende Informationen zum Strommix veröffentlicht:

Energiequelle NaturStromHandel GmbH
2010
NaturStromHandel GmbH
2011 [16]
NaturStromHandel GmbH
2012
NaturStromHandel GmbH
2013
NaturStromHandel GmbH
2014
Erneuerbare Energien 100 % 100 % 100 % 100 % 100 %
    Wasserkraft 72 % 63 % 60 % 55 % 55,1 %
    Windenergie 28 % 37 % 27 % 25 % 13,3 %
    Solarstrom 0 % 0 % 0 % 0 % 0,9 %
    Biomasse 0 % 0 % 0 % 0 % 0 %
    EEG-Strom 0 % 0 % 13 % 20 % 30,7 %
Kernenergie 0 % 0 % 0 % 0 % 0 %
Fossile Energieträger
+ Sonstiges
0 % 0 % 0 % 0 % 0 %
Radioaktiver Abfall
(µg/kWh)
0 0 0 0 0
CO2-Emissionen
(g/kWh)
0 0 0 0 0

Sonstiges Stromgeschäft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturstrom bietet Event-Strom für Veranstaltungen an, zertifiziert vom Grüner Strom Label e. V.[17]

Gasgeschäft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Dezember 2009 bietet die Naturstrom AG bundesweit auch ein Biogasprodukt an. Dabei kann zwischen einer Beimischung von 10 %, 20 % oder reinem Biogas gewählt werden. Wie beim Strom ist auch hier eine Förderung zum Bau von neuen Erzeugungsanlagen im Preis enthalten.[18] Der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen sowie Gülle aus Massentierhaltung wird dabei von Naturstrom ausgeschlossen.[19] Seit Januar 2014 ist das Biogas-Angebot mit dem Grünes Gas Label (GGL) zertifiziert.[20]

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich Elektromobilität unterstützt Naturstrom den Ausbau des Individualverkehrs durch Kooperationen mit den Automobilkonzernen Ford und BMW.[21] Daneben unterhält das Unternehmen zahlreiche weitere Kooperationen mit Umweltverbänden, wie BUND[22] und NABU,[23] und umweltorientierten Unternehmen.

Verschiedene lokale Stadtwerke und Stromversorger bieten ihren Kunden ebenfalls Strom in Kooperation mit der Naturstrom AG an (u.a. BS Energy[24] und Stadtwerke Kiel[25]).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Naturstrom AG erhielt im Jahr 1999 den Deutschen Solarpreis, unter anderem „für ihre Pilotfunktion als Anbieter eines kompletten Stromangebotes aus Erneuerbaren Energien.“[4]

Im Jahr 2008 wurde Naturstrom vom Deutschen Institut für Servicequalität zum besten bundesweit aktiven Anbieter von Ökostrom gekürt.[26][27]

Die Stiftung Warentest hat im Oktober 2009 Deutschlands Stromanbieter auf ihre Verbraucherfreundlichkeit getestet. Naturstrom erreichte in allen Gesamtbewertungen vordere Ränge und war Testsieger bei der Beratung.[28]

In einer vom Handelsblatt in Auftrag gegebenen Studie wurde Naturstrom im März 2010 Servicesieger unter 28 getesteten Stromanbietern.[29] Einen Monat später erreichte Naturstrom in einem Vergleich von 106 Ökostrom-Tarifen des Verbrauchermagazins Öko-Test den ersten Platz. Dabei landeten weitere zehn Tarife ebenfalls auf dem ersten Rang, darunter Lichtblick, NaturWatt und Greenpeace Energy.[30]

Die Naturstrom AG ist einer der vier empfohlenen Ökostromanbieter der Aktion Atomausstieg selber machen der großen Umweltverbände Deutschlands, die Ende 2006 ins Leben gerufen wurde.[31]

2013 erhielt das Unternehmen den Europäischen Solarpreis für die „beispielhafte Systemintegration Erneuerbarer Energien im Ökostromhandel“.[32]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das NATURSTROM-Team. naturstrom.de. Abgerufen am 8. August 2016.
  2. a b Geschäftsbericht 2014. Abgerufen am 28. Dezember 2015 (PDF 2,7MB).
  3. Ökostrom-Pionier seit 10 Jahren in Forchheim. naturstrom.de. 28. März 2014. Abgerufen am 8. April 2016.
  4. a b Deutscher Solarpreis 1999 im Kunstmuseum Bonn verliehen (Memento vom 3. Oktober 2013 im Internet Archive)
  5. Vision. naturstrom.de. Abgerufen am 8. April 2016.
  6. Wachstum nicht nur auf Kundeseite: naturstrom erweitert Vorstand. fair-news.de. 10. Februar 2011. Abgerufen am 8. April 2016.
  7. Angela Schmid: Elektromobilität: Die Ökostrom-Ladesäulen kommen. Wirtschaftswoche online, 4. Juli 2016
  8. naturstrom launcht Infoportal energiezukunft.eu. sonnenseite.com. Archiviert vom Original am 14. November 2012. Abgerufen am 8. April 2016.
  9. energiezukunft: Das Newsportal zu Erneuerbaren Energien und Umweltthemen. energiezukunft.eu. Abgerufen am 8. April 2016.
  10. Eigentümerstruktur. naturstrom.de. Abgerufen am 8. April 2016.
  11. https://www.naturstrom.de/Investoren/Aktien_und_Aktionaere/NATURSTROM_AG_HV_2016_Tagesordnung.pdf
  12. Eigentümerstruktur. naturstrom.de. Abgerufen am 8. April 2016.
  13. Offenes Orderbuch der Naturstrom AG. Umweltfinanz. 8. Oktober 2015. Abgerufen am 8. April 2016.
  14. a b c d Naturstrom AG: Strommix, Anlagenbau und Preiszusammensetzung. Abgerufen am 8. August 2016.
  15. Ökostrom mit Brief und Siegel. solarserver.de. 15. Dezember 1999. Abgerufen am 8. April 2016.
  16. Stromherkunft 2011. Abgerufen am 14. April 2013.
  17. energiezukunft: Startschuss für „powered by naturstrom“. energiezukunft.eu. Archiviert vom Original am 13. Februar 2013. Abgerufen am 8. April 2016.
  18. Naturstrom AG: Biogas von Naturstrom
  19. NATURSTROM AG bietet bundesweites Biogas-Produkt an und begrüßt 50.000. Kunden. oekonews.de. 10. Dezember 2009. Abgerufen am 8. April 2016.
  20. Naturstrom AG: Biogas von Naturstrom erhält "Grünes Gas Label", abgerufen am 12. Januar 2016
  21. Ford Focus Electric fährt CO2-frei mit Naturstrom. IWR. 29. Januar 2013. Abgerufen am 8. April 2016.
  22. BUND: Die eigene Energiewende umsetzen. Jetzt zu Ökostrom wechseln! (abgerufen am 14. August 2011)
  23. Atomausstieg selber machen. NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V.. Abgerufen am 8. April 2016.
  24. Naturstrom von BS|ENERGY – Erneuerbare Energien pur (PDF) bs-energy.de. Abgerufen am 8. April 2016.
  25. Naturstrom AG baut Zusammenarbeit mit Stadtwerken weiter aus. presseservice.pressrelations.de. 9. Mai 2003. Abgerufen am 8. April 2016.
  26. Studie Stromanbieter (28.02.2008). disq.de. 28. Februar 2008. Abgerufen am 8. April 2016.
  27. Studie Stromanbieter (28.02.2008). klima-aktiv.com. Abgerufen am 30. März 2008.
  28. Stiftung Warentest: Ökostromanbieter vorn test.de, 24. September 2009
  29. Tanja Königshagen: Stadtwerke Flensburg und NaturWatt sind Testsieger, Naturstrom ist beim Service vorn. business-on.de. 31. März 2010. Abgerufen am 8. April 2016.
  30. Thomas Meyer: Test von Ökostrom. stromtip.de. 1. April 2010. Abgerufen am 8. April 2016.
  31. Atomausstieg selber machen: Empfehlenswerte Stromanbieter (Memento vom 10. August 2011 im Internet Archive) (abgerufen am 14. August 2011)
  32. Eurosolar: Europäischer Solarpreis 2013 – Auszeichnungen gehen in acht Länder. Pressemitteilung Eurosolar, 25. November 2013