Neinstedt

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Dieser Artikel behandelt den Thalenser Ortsteil Neinstedt im Landkreis Harz. Für den Ortsteil der Gemeinde Huy im selben Landkreis siehe Huy-Neinstedt.
Neinstedt
Stadt Thale
Ehemaliges Gemeindewappen von Neinstedt
Koordinaten: 51° 45′ 0″ N, 11° 5′ 0″ O
Höhe: 142 m
Fläche: 5,57 km²
Einwohner: 1795 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 322 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2009
Postleitzahl: 06502
Vorwahl: 03947
Neinstedt, Luftaufnahme 2015
Neinstedt, Luftaufnahme 2015

Neinstedt ist ein Ortsteil der Stadt Thale im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederschlagsdiagramm

Neinstedt liegt am nordöstlichen Rand des Harzes, etwa drei Kilometer östlich von Thale an der Bode.

Durch den Regenschatten des Harzes fällt vergleichsweise wenig Niederschlag. Das langjährige Mittel im Zeitraum 1961–1990 betrug 525 mm; das benachbarte Quedlinburg kommt auf lediglich 438 mm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptstraße und Lindenstraße, 2015
Notgeld der Gemeinde Neinstedt von 1921

Das Kloster Corvey verfügte im Mittelalter über eine Grundherrschaft in Neinstedt. Der Ort hatte im 13. Jahrhundert 13 Hofstellen. 1236 kaufte das Kloster Michaelstein mehrere davon.[2] Trotz dieses Wechsels in der Grundherrschaft verblieb die Leibherrschaft bis zu einer Aufhebung in einer Urkunde des Klosters Gröningen bis 1301 bei Corvey.[3][4]

1312 verzichtete Simon von Dassel auf seine Vogteirechte über mehrere Höfe in Hötensleben und Neinstedt, die er für das Kloster Mariental wahrgenommen hatte.[5] Zudem gingen Güter von ihm an das Haus Regenstein über.[6] Nach der Ermordung des Albrecht II. von Regenstein ging Neinstedt 1351 zur Hälfte von der Grafschaft Regenstein an das Bistum Halberstadt, das zeitgleich die Vogtei über Quedlinburg sowie Hettstedt und Krottorf erwarb und in Neinstedt das Haus Hoym als Lehensnehmer einsetzte.[7][8] Die Regensteiner Güter in Neinstedt machten im Wesentlichen den für die Burg Regenstein geltenden Besitzerwechsel mit.[9]

Ab etwa 1500 nutzten die Nienstedter die Wasserkraft und trieben damit zwei Öl- und zwei Getreidemühlen an.[10]

1661 kam es durch die Neubesetzung der Neinstedter Pfarre zu Besitzstreitigkeiten der Grundherren Brandenburg, Braunschweig und Tattenbach. Diese führten zum Schlüssel- und Klöppelkrieg, einer lokalen Auseinandersetzung um Türschlüssel und Glockenklöppel der Dorfkirche.

Das Geschlecht Nathasius erwarb 1849 das Gut Neinstedt.[11]

1921 wurde vom Neinstedter Gemeindevorstand ein eigenes Notgeld herausgegeben. Auf 6 Scheinen ist die Geschichte vom Schlüssel- und Klöppelkrieg von 1661 dargestellt.

Der Ort ist heute bekannt durch die Neinstedter Anstalten, die als Stiftung 1850 für die Beherbergung junger Männer eingerichtet wurde und heute unter kirchlicher Leitung etwa 650 behinderte Menschen betreut.

Von 1803 bis 1817 war Neinstedt ein Ort im Landkanton Quedlinburg im Distrikt Blankenburg. Seit 1994 gehörte Neinstedt wie bis 1952 zum Landkreis Quedlinburg; von 1952 bis 1994 war dies der Kreis Quedlinburg. Vor der Eingemeindung nach Thale zum 1. Januar 2009 gehörte Neinstedt zur Verwaltungsgemeinschaft Thale.[12]

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner Quelle
31. Dezember 2002 2161
31. Dezember 2004 1997
31. Dezember 2006 1949
31. Dezember 2007 1950
23. Januar 2017 1795

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortschaftsrat besteht aus 7 Personen.[13] Vor der Eingemeindung nach Thale war der im Januar 2010 verstorbene Malte Koepp (CDU) letzter Bürgermeister.[14] Seitdem ist Detlev Knust Ortsbürgermeister.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 19. November 1996 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt. Blasonierung: „In Rot ein mit einem silbernen Klöppel schräg gekreuzter silberner Schlüssel, der Bart rechts oben abwärts gekehrt, das Schließblatt oval.“ Die Farben der Gemeinde sind Silber (Weiß) – Rot. Die Darstellung bezieht sich auf den Schlüssel- und Klöppelkrieg.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neinstedt liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Thale, auf der eine Linie des HarzElbeExpresses fährt. Am Wochenende gibt es zusätzlich Fahrten nach Berlin mit dem Harz-Berlin-Express. Täglich nutzen etwa 350 Fahrgäste den Haltepunkt, der 2010 umfassend saniert wurde.[15] Drei Linien der Harzer Verkehrsbetriebe bedienen insgesamt vier Haltestellen im Ortsteil Neinstedt. Die Ziele sind dabei Quedlinburg, Thale und Ballenstedt.

Durch den Ort hindurch führt die Landesstraße 92. Seit 1997 bestand die Absicht, eine Ortsumfahrung für Neinstedt zu realisieren, auch um den Menschen der Neinstedter Anstalten zusätzliche Sicherheit zu geben. Zunächst wurde durch die Anstalt eine Fußgängerunterführung unter der L92 erbaut, damit zwischen dem Wohngebiet Osterberg und der Werkstatt für behinderte Menschen ein kreuzungsfreier Weg besteht. Im weiteren Verlauf wurde bis Ende 2009 eine 2,3 Kilometer lange Umgehungsstraße für rund 10,5 Millionen Euro gebaut.[16] Der Bau der Ortsumgehung war nicht von allen Seiten befürwortet. So ist beispielsweise das Verkehrsaufkommen durch die zwischenzeitliche Eröffnung der etwa 10 Fahrkilometer entfernten Bundesstraße 6n erheblich gesunken. Auch die Verkehrsführung istAnlass für Kritik:[16] So führt die neue Straße aus Richtung Quedlinburg kommend vor dem Ort nach Norden, um das Wohngebiet Osterberg der Neinstedter Anstalten herum, über die Bahnstrecke und die Quedlinburger Straße auf die Alte Ladestraße und den Kramerring, bevor sie in Höhe des ehemaligen Bahnübergangs der Thalenser Straße wieder auf den alten Verlauf einschwenkt. Durch die Parallelführung zur Bahnstrecke wurde der Weg zum Marienhof mit Wohnheim, Arbeitsstätte und Streichelzoo der Anstalten durch die Umgehung durchquert. Die Außenwohngruppe Kramerring liegt nun nicht mehr in einer ruhigen Nebenstraße sondern direkt an der neuen Straße.[17] Des Weiteren liegt die Freie Ganztagsschule Neinstedt nun nicht mehr an einer Sackgasse, sondern an der L92.

Die nächstgelegenen Flughäfen sind Flughafen Hannover und Flughafen Leipzig/Halle sowie die Verkehrslandeplätze in Ballenstedt und Aschersleben.

Außerdem verläuft hier der Europaradweg R1.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Arbeitgeber sind die Neinstedter Anstalten, heute Evangelische Stiftung Neinstedt. Des Weiteren gibt es eine Gärtnerei, einen Friseursalon, eine Sattlerei, eine Spedition sowie einen Discounter, außerdem ein Ärztehaus mit Apotheke und Physiotherapie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfkirche St. Katharinen wurde im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt.[18][19]

Die Friedensbrücke ist eine als technisches Denkmal eingestufte 1884 gebaute Stahlbrücke mit einer Stützweite von 32 m. Die Friedensbrücke ist gesperrt und soll abgerissen werden, da ihr Zustand eine Benutzung nicht mehr zulässt. Eine Sanierung im Zuge des Neubaus der anliegenden L92 wurde nicht realisiert, vielmehr in unmittelbarer Nähe eine Betonbrücke neu erbaut.[20]

Auf dem Gelände des Marienhofs gibt es einen Streichelzoo und einen Hofladen.

Nördlich Neistedts befindet sich die Teufelsmauer.

Vereine
  • Freiwillige Feuerwehr Neinstedt
  • Fußballverein SV Germania Neinstedt
  • 2 Schützenvereine
  • Dorfgruppe des CVJM

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neinstedt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Detlef Horenburg: Statistik: Thale hat wieder mehr Einwohner, Mitteldeutsche Zeitung 23. Januar 2017, abgerufen am 10. Juni 2017
  2. Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde. Bände 50-53, 1917, S. 21
  3. Hans Wiswe: Grangien niedersächsischer Zisterzienserklöster, in: Hans Goetting (Hrsg.): Braunschweigisches Jahrbuch, 1953, S. 58
  4. Christiane Raabe: Das Zisterzienserkloster Mariental bei Helmstedt von der Gründung 1138 bis 1337: die Besitz- und Wirtschaftsgeschichte unter Einbeziehung der politischen und ordensgeschichtlichen Stellung. Duncker und Humblot, Berlin 1995, ISBN 3-428-08630-9, S. 338
  5. Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde. Bände 43-44, 1910, S. 49
  6. Georg Bode: Urkundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar belegenen geistlichen Stiftungen. 1905, S. 813
  7. Michael Scholz: Der Bischof als Landesherr. In: Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): Harz-Zeitschrift, 2011, S. 29
  8. Friedrich III. (1440-1493) auf regesta-imperii.de, abgerufen am 10. Juni 2017
  9. Alfred Kirchoff: Die territoriale Zusammensetzung der Provinz Sachsen. In: Archiv Für Landes- Und Volkskunde Der Provinz Sachsen. Bände 1-3, 1891, S. 7
  10. Cilda Schrader: Wassermühlen am Bodelauf zwischen Thale und Neinstedt. In: Qvedlinbvrger Annalen – Heimatkundliches Jahrbuch für Stadt und Region Quedlinburg. Quedlinburg 2011, ISSN 1436-7432
  11. Ramona Myrrhe: Die Familie von Nathusius. In: Eva Labouvie (Hrsg.): Adel in Sachsen-Anhalt. 2007, S. 331
  12. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 1. Liste
  13. Rathaus online: Neinstedt auf bodetal.de, abgerufen am 10. Juni 2017
  14. Trauer um Bürgermeister Malte Koepp. Neinstedter Anstalten, 20. Januar 2010, abgerufen am 2. Februar 2010.
  15. Neuer Bahn-Haltepunkt in Betrieb genommen. Neinstedter Anstalten, 1. Oktober 2010, archiviert vom Original am 5. September 2012, abgerufen am 17. Januar 2016.
  16. a b Holger Hadinga: Ortsumgehung: Der verkehr kann rollen – Minister gibt die neue Straße frei – Neinstedter Innenstadt wird entlastet Mitteldeutsche Zeitung 4. Dezember 2009, abgerufen am 10. Juni 2017
  17. Verkehrsfreigabe für Ortsumgehung Neinstedt, vom 4. Dezember 2009, abgerufen am 22. Januar 2010
  18. Neinstedt. Familienverein der Familien v. Nathusius und Nathusius, archiviert vom Original am 22. Januar 2012, abgerufen am 22. Januar 2010.
  19. Th. Peters: Die Neinstedter Dorfkirche St. Katharinen. In: Qvedlinbvrger Annalen – Heimatkundliches Jahrbuch für Stadt und Region Quedlinburg. Quedlinburg 2000, ISSN 1436-7432
  20. Gerd Alpermann: Friedensbrücke nicht mehr zu halten – Landkreis wird Antrag auf Abriss des technischen Denkmals stellen – Sicherheit nicht mehr gewährleistet Mitteldeutsche Zeitung 22. Januar 2010, abgerufen am 10. Juni 2017