Nesselröden (Herleshausen)

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51.02583333333310.110833333333229Koordinaten: 51° 1′ 33″ N, 10° 6′ 39″ O

Nesselröden
Gemeinde Herleshausen
Höhe: 229 m
Fläche: 3,61 km²
Einwohner: 460 (2006)
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 37293
Vorwahl: 05654

Nesselröden ist ein Ortsteil von Herleshausen im Werra-Meißner-Kreis in Hessen, Deutschland. Das Dorf hat 460 Einwohner in 124 Haushaltungen (Stand: 2006). Im Jahre 1895 war die Einwohnerzahl mit 432 der heutigen sehr ähnlich.[1]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Nesselröden liegt an der Südabdachung des Ringgaus etwa 4 km nordwestlich des Kernorts von Herleshausen. Durchflossen wird es von der Nesse, in die dort der Schindgraben und Breitzbach münden. Durch die Ortschaft verläuft die Landesstraße 3243, auf die dort die aus Richtung Norden von Markershausen kommende Kreisstraße 20 stößt und die etwa von Nordwesten aus Richtung Holzhausen kommt und direkt südlich der Ortschaft auf die Bundesstraße 400 mit Anbindung an die nahe Bundesautobahn 4 (Anschlussstelle Wommen) trifft.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ersterwähnung des Ortes erfolgte im Jahre 1268. Vermutlich von hier stammt die im 18. Jahrhundert erloschene hessisch-thüringische Adelsfamilie von Nesselröden (später: von Nesselrodt), die sich im 14. Jahrhundert im nahen Krauthausen (Thüringen) niederließ und deren Wappen eine fünfblättrige Brennnessel mit Wurzel war.

Im Ort bestand ab dem 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, die Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu 100 Mitglieder hatte. Um 1900 existierte eine Synagoge, eine jüdische Schule (im Gebäude der Synagoge), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Um 1924 zählte die jüdische Gemeinde noch 12 Personen, was 2,9 % der Einwohner des Ortes entsprach. 1937 lebten noch 10 Juden im Ort, 1938 noch fünf. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurden deren Wohnhäuser demoliert. Die 1940 noch registrierten zwei letzten jüdischen Bewohner wurden vermutlich deportiert.[2] Die frühere Synagoge wird heute als Wohnhaus genutzt.

Die Eingemeindung Nesselrödens nach Herleshausen erfolgte am 1. Dezember 1970.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die evangelische Pfarrkirche wurde 1852 nach einem Entwurf von Anton Jakob Spangenberg errichtet. Es handelt sich um einen schlichten, klassizistischen Saalbau. [4]

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das 1592 bis 1594 durch die Familie Treusch von Buttlar erbaute Renaissance-Schloss. Es gilt als bedeutendste Renaissance-Anlage der unteren Werra. [4] Im 19. Jahrhundert ging das Schloss an die Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld über. 1930 wurde es unter Landgraf Chlodwig von Hessen-Philippsthal-Barchfeld[5] restauriert und dabei der Treppenturm mit einem Fachwerkobergeschoss versehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Schloss für einige Jahre Wohnungen eingerichtet. Seit 1980 ist es im Besitz der Familie Kruse. [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.herleshausen.de/WebomatGo.php?Menu=
  2. Jüdische Gemeinde Nesselröden auf alemannia-judaica.de, aufgerufen am 6. November 2013
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 388.
  4. vgl. Schloss Nesselroeden auf forschung.gnm.de

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. München und Berlin 1975
  • Evangelische Kirchengemeinde Nesselröden (Hrsg.): 150. Kirchweihjubiläum - Evangelische Kirche Nesselröden 1852 - 2002. Herleshausen-Nesselröden 2002
  • Großmann, G.U.: Renaissance-Schlösser in Hessen: Architektur zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg. Regensburg 2010
  • Kruse, Ragnhild: Schloss Nesselroeden im Suedringgau. In: Das Werraland, Bd. 39 (1987), 4, S.73-75
  • Merian. Werraland. Hrsg. von H. Leippe. Hamburg 1952
  • Nesselröden: vor 800 Jahren. Festschrift zum historischen Heimatfest. Hrsg. von Kurt Gonnermann. Herleshausen-Nesselröden 1983
  • Schwerdtfeger, Erich: Die jüdischen Gemeinden in Herleshausen und Nesselröden: Beiträge zu ihrer Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Gemeinde Herleshausen 1988
  • Südringgau: Erinnerungen an vergangene Zeiten. Hrsg. von Uwe Hartmann. Geiger-Verlag 1985