Nesta Webster

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Nesta Webster

Nesta Helen Webster (* 24. August 1876; † 16. Mai 1960) war eine britische Verschwörungstheoretikerin, Faschistin und Antisemitin.

Leben[Bearbeiten]

Sie wurde als jüngstes von 14 Kindern des Bankiers Robert Cooper Lee Bevan und dessen zweiter Frau, Emma Francis Shuttleworth, in Trent Park, Cockfosters, geboren. Bis 1897 besuchte sie das Westfield College in Hampstead, machte aber keinen Abschluss. Über ihren wohlhabenden Vater ökonomisch unabhängig, unternahm sie ausgiebige Reisen nach Ostasien, Burma und Indien, wo sie im Jahr 1904 den 1866 geborenen Polizeiinspektor Arthur Webster heiratete. Die beiden hatten zwei Kinder, Rosalind und Marjorie.

Auf einer weiteren Reise durch die Schweiz hatte Webster im Winter 1910 ein mystisches Erlebnis: Sie glaubte fortan, die Inkarnation einer Comtesse zur Zeit der Französischen Revolution zu sein, deren Familie unter dem Terror der Jakobiner zu leiden hatte. Seitdem vertrat sie deutlich monarchistische und gegenaufklärerische Positionen, wie es ihrer Ansicht nach auch die französische Gräfin ihrer Phantasie getan hätte. Nach England zurückgekehrt, begann sie historische Romane zu schreiben, deren zweiter, The Chevalier de Boufflers. A romance of the French Revolution (1916) positiv rezensiert wurde und fünfzehn Auflagen erlebte.

Webster vertiefte sich in die wissenschaftliche Literatur und die Quellen zu ihrem Lieblingsthema. Das Ergebnis dieser Bemühungen war ihr erstes verschwörungstheoretisches Werk: The French Revolution: A Study in Democracy. Hier verbreitete sie die These, die Ereignisse von 1789 bis 1794 seien keineswegs das Ergebnis der Wirtschaftskrise, der schlechten Regierung Ludwigs XVI. und des dadurch provozierten Volkszorns, sondern einer Intrige Preußens, des Hauses D'Orléans und der „illuminierten Freimaurerei“ gewesen. Damit war gemeint, dass der deutsche Geheimbund der Illuminaten, der seit 1786 verboten war, die gesamte französische Freimaurerei unterwandert hätte – eine Auffassung, die seit den Veröffentlichungen von John Robison und Augustin Barruel 1798 weit verbreitet war. Webster betonte, sie sei die erste, die diese Zusammenhänge aufgedeckt hätte.

Der publizistische Erfolg und die bedrohlichen Entwicklungen im Ersten Weltkrieg inspirierten dann in rascher Folge drei weitere geschichtsrevisionistische Werke: Das antikommunistische World Revolution: The Plot against Civilisation, Secret Societies and Subversive Movements, das ihre Grundgedanken zusammenfasste, und schließlich The Surrender of an Empire.

1926 trat sie den British Fascists bei und stieg rasch bis in deren Führungsgremium auf. In den 1930er Jahren engagierte sie sich in der NS-freundlichen Organisation The Link und in Oswald Mosleys British Union of Fascists. Wiederholt äußerte sie ihre Sympathien für das NS-Regime in Deutschland und für den italienischen Faschismus Benito Mussolinis. Diese Bewegungen und dergleichen Äußerungen waren ab dem Beginn des Zweiten Weltkriegs in Großbritannien verboten.[1]

Weitere Bücher von ihr waren The Need for Fascism in Great Britain, The Origin and Progress of the World Revolution, Germany and England, wo sie Hitler dafür lobt, die jüdische Weltverschwörung aufgehalten zu haben, sowie ihre 1949 erschienene Autobiographie Spacious days.

Verschwörungstheorien und Antisemitismus[Bearbeiten]

Der Glaube an das Bestehen subversiver Kräfte, die den Plan verfolgen würden, die bestehende Weltordnung zu zersetzen und umzustürzen, nahm bei Webster paranoide Züge an. Sie neigte dazu, überall Agenten einer Weltverschwörung zu sehen, weshalb sie ihre Haustür stets mit einem geladenen Revolver in der Hand zu öffnen pflegte.[2] Am ausgeprägtesten kam ihre Paranoia in ihrem 1921 erschienenen Werk Secret societies and subversive movements zum Ausdruck, das sechs Printauflagen erlebte. Darin versuchte sie, eine gewaltige Weltverschwörung nachzuweisen, die seit Beginn der Zeitrechnung konspiriert und die ganze Welt unterwandert habe. Alle Bewegungen und Strömungen, die seitdem den Lehren des wahren (gemeint ist: des trinitarischen) Christentums widersprochen hätten, seien es Juden, Gnostiker, Drusen, Freidenker oder Sozialisten, identifiziert Webster ausnahmslos als Freimaurer und damit als Teile einer einzigen satanistischen bzw. antichristlichen Verschwörung.

Im Mittelpunkt von Websters Verschwörungstheorien stand ihre ausgesprochene Feindschaft gegen „die Juden“, denen sie vorwarf, der Antichrist zu sein und absichtlich dem Satan in seinen Bestrebungen dienstbar zu sein, das Christentum zu unterminieren. Dabei stützte sie sich auf die Protokolle der Weisen von Zion, eine Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlichte antisemitische und auf Fälschungen basierende Schrift, welche die jüdische Weltverschwörung belegen soll, sowie auf das Ideologem vom angeblich jüdischen Bolschewismus.[3] Die Verknüpfung der beiden Hauptstränge verschwörungstheoretischen Spekulierens, des anti-illuminatischen und des antisemitischen Zweiges, die im 20. Jahrhundert einflussreich werden sollte, geht im Wesentlichen auf Webster zurück.[4]

Rezeption durch antisemitische und rechtsextreme Kreise[Bearbeiten]

Nach dem Krieg war Webster als Faschistin desavouiert, und ihre Werke wurden nur noch von amerikanischen Konspirationisten wie dem Ku Klux Klan, der John Birch Society oder der Milizbewegung rezipiert. Seit einigen Jahren sind ihre Verschwörungstheorien vermehrt im Internet zu finden. [5] Auch der deutsche Verschwörungstheoretiker Jan Udo Holey stützt sich auf Websters Thesen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christof Czech: Webster, Nesta H. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 877 f. (abgerufen über De Gruyter Online).
  2. James Webb:The Occult Establishment. Open Court, La Salle IL 1976, ISBN 0-912050-56-X. S. 129.
  3. Christof Czech: Webster, Nesta H. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 877 f. (abgerufen über De Gruyter Online).
  4. Markku Ruotsila: Antisemitism. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara/ Denver/ London 2003, Band 1, S. 82 f.
  5. Christof Czech: Webster, Nesta H. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 878. (abgerufen über De Gruyter Online).
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