Neue Religiöse Bewegung

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Der Begriff Neue Religiöse Bewegung wird verwendet, um möglichst wertfrei religiöse oder religiomorphe Gruppen zu bezeichnen. Es gibt verschiedene mögliche Definitionen des Begriffs. Der Begriff wird bei manchen Bewegungen als Ausweichbegriff für den ursprünglich wertneutralen Begriff "Sekte" verwendet.

Für einige der heute als Neue Religiöse Bewegung kategorisierte religiös-weltanschauliche Gruppen, die insbesondere Jugendliche ansprechen, wurde bis zu den 1980er Jahren der Begriff „Jugendreligion“ verwendet.

Definitionskriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht alle hier gelisteten Definitionen treffen auf jede neureligiöse Bewegung zu. Typische Kriterien für neue religiöse Bewegungen sind:

Wie der Name bereits andeutet, ist insbesondere eine, im Vergleich zu etablierten Religionsgemeinschaften, relativ kurze Geschichte, sowie eine Abweichung von tradierten Glaubenssystemen entscheidendes Wesensmerkmal.[5]

Enquete-Kommission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1996 eingesetzte Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ des Deutschen Bundestages verzichtete auf den Begriff Sekte. Die Kommission „wendet sich ausdrücklich gegen eine pauschale Stigmatisierung solcher Gruppen und lehnt die Verwendung des Begriffs ‚Sekte‘ wegen seiner negativen Konnotation ab.“ Das deutsche Grundgesetz kennt nur religiöse Vereine, Religionsgesellschaften und Religionsgemeinschaften. Daher gibt es staatsrechtlich „in dieser Beziehung keinen Unterschied zwischen Kirche und anderen religiösen Organisationsformen.“[6]

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Endbericht der Enquete-Kommission[7] scheint die aktuelle Rechtsprechung davon auszugehen, dass insbesondere das Heilpraktikergesetz den Gedanken einer Schadensabwehr enthält. Behandlungen, Therapien und Rituale, die nach Auffassung der Gerichte prinzipiell nicht geeignet sind, einen Schaden zu verursachen, bspw. Handauflegen, Pendelbehandlungen oder Geisterheilung, machen keine speziellen rechtlichen Einschränkungen über das Gewerbe- und Vereinsrecht erforderlich, solange den Behandelten nicht von der Inanspruchnahme von Ärzten abgeraten wird.[8]

Auch mit den Gedanken, den Bewegungsspielraum nicht-konventioneller religiöser Vereinigungen deshalb einzuschränken, werden seit längeren so genannte verpflichtende Schutzklauseln im Gesundheitssektor und öffentlicher Verwaltung diskutiert und von privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen vereinzelt auch schon angewandt[9]. Diese zielen darauf, dass der Unterzeichende erklärt, Gedankengut einzelner oder mehrerer Gruppen abzulehnen, um im Fall eines Verstoßes entsprechend des vorgesehenen Vetragsstrafe belangt zu werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Neue Religiöse Bewegungen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Neue Religiöse Bewegungen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Clarke: Encyclopedia of New Religious Movements. Routledge, 2005, ISBN 0-415-26707-2.
  • Reinhard Hempelmann u.a.: Panorama der neuen Religiosität. 2. Auflage, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2005, ISBN 3-579-02320-9.
  • Douglas E. Cowan, David G. Bromley: Neureligionen und ihre Kulte. Insel, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3458710318.[10]
  • Dominic Akyel: Neue religiöse Bewegungen und Gewalt. Erklärungsansätze zur Dynamik gewaltsamer Eskalationsprozesse. Diplomica Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8366-5326-8 (Zugleich Diplomarbeit an der FU Berlin 2006 unter dem Titel: Erklärungsansätze zur Dynamik gewaltsamer Eskalation im Kontext neuer religiöser Bewegungen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eileen Barker: Perspective: What Are We Studying? In: Nova Religio 8, 2004, Heft 1, S. 88–102.
  2. a b c Eileen Barker: New religious movements: A practical introduction. Her Majesty’s Stationary Office, London 1989, S. 10f.
  3. Hubert Knoblauch: Das Unsichtbare Neue Zeitalter: ‘New Age’, Privatisierte Religion und Kultisches Milieu. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 41, 1989, S. 504–525, hier S. 517. Vgl. Thomas Robbins: Cults, Converts and Charisma: The Sociology of New Religious Movements. In: Current Sociology 36, 1988, S. 1–255, hier S. 4.
  4. David G. Bromley, Anson D. Shupe: Anti-Cultism in the United States: Origins, Ideology and Organizational Development. In: Social Compass 42, 1995, S. 221–236, hier S. 228.
  5. Clarke, Peter B.: New Religions in Global Perspective: A Study of Religious Change in the Modern World. Routledge, New York 2006.
  6. Endbericht der Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ (PDF; 6,5 MB). Deutscher Bundestag, Drucksache 13/10950, 9. Juni 1998, S. 4, S. 17 ff.
  7. Endbericht der Enquete-Kommission (PDF, 6.2 MB). Abgerufen am 9. Juli 2016.
  8. openJur e.V.: AG Gießen, Urteil vom 12. Juni 2014 - Az. 507 Cs 402 Js 6823/11. In: openjur.de. Abgerufen am 9. Juli 2016.
  9. Martin Mendler - SPD Fraktion: Gesundheitsbereich immer mehr von Scientology und Psychogruppen unterwandert. In: www.spd.landtag-bw.de. Abgerufen am 9. Juli 2016.
  10. Vgl. Claudia Wustmann: Rezension zu: Cowan, Douglas E.; Bromley, David G.: Neureligionen und ihre Kulte. Frankfurt am Main 2010. In: H-Soz-u-Kult, 14. April 2011, abgerufen am 14. April 2011.