Neues Museum Weimar

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Neues Museum Weimar
Luftbild vom Neuen Museum Weimar

Das Neue Museum (1920 bis 1990er Jahre: Landesmuseum) ist ein Museum für zeitgenössische Kunst in Weimar (Thüringen). Es war das erste Museum auf diesem Gebiet in den neuen Bundesländern und gehört zur Klassik Stiftung Weimar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzogliches Museum / Thüringisches Landesmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eröffnung der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes im Großherzoglichen Museum, 1906

Das erste Museumsgebäude Thüringens wurde als Großherzogliches Museum[1] zwischen 1864 und 1869 vom Prager Architekten Josef Zítek errichtet. Da es ein öffentliches Gebäude war, unterstand das Bauvorhaben dem Großherzoglichen Oberbaudirektor Carl Heinrich Ferdinand Streichhan. Die Bauleitung lag bei Carl Martin von Stegmann Dabei wurden vor allem zeitgenössische Formen der Neorenaissance verwendet.

„Als das Museum am 27. Juni 1869 feierlich eröffnet wurde, sparte die Presse wiederum nicht mit Lob: Entstanden sei „ein prächtiger Bau von seltener Reinheit des Stils und Schönheit der Form.“ Zítek hatte ein in jeder Hinsicht überzeugendes Werk geschaffen, das sich in seiner Baugestalt, im Formenvokabular und in der Ausstattung am Stil der italienischen Hochrenaissance orientierte. Die Zeitgenossen hoben als besonderes bemerkenswert auch den „Materialbau“ und die hier erzielte, erlesene Polychromie hervor. Mit dem Weimarer Museum, seinem Erstlingswerk, hatte Zítek nicht nur in der kleinen Residenzstadt neue Maßstäbe gesetzt (...), sondern sich einen Platz in der deutschen, ja internationalen Architekturszene erobert.“

Kerstin Vogel (2009) über Ziteks Bauwerk[2]

Im Museum war zunächst die Kunstsammlung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach untergebracht; später stellte es Werke der Weimarer Malerschule aus.

Nach der Abdankung der Weimarer Herzogsfamilie wurde das Museum im Jahr 1919 in „Thüringisches Landesmuseum“ umbenannt.[3]

In den 1920er Jahren wurde hier die umstrittene Avantgarde präsentiert.[3]

Gauforum und Luftangriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neues Museum und Gauforum Weimar

Ab 1937 wurde es baulich in das Gauforum Weimar einbezogen. Bei den Luftangriffen auf Weimar im März 1945 beschädigten Luftminen das Dach des Gebäudes.

Verfall des Gebäudes in der Nachkriegszeit und in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude konnte für die 1. Thüringer Kunstausstellung 1946 instandgesetzt werden. Danach begann der Ausbau aller verwertbaren Materialien für andere Gebäude. So erhielt das wiederaufgebaute Deutsche Nationaltheater die Heizungsanlage des Museums. Dies führte ab 1948 zum Verfall des Gebäudes.[4] Zur DDR-Zeit verkam der Bau zur (Nachkriegs-)Ruine, und es gab Überlegungen zu seiner Sprengung.[5]

Wiederaufbau und heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statuen von Friedrich Nietzsche vor Wandbildern von Friedrich Preller dem Älteren

Schon vor der Friedlichen Revolution 1989/1990 wurde in Weimar durch engagierte Bürger die Forderung zum Wiederaufbau des Museums erhoben. 1988 begannen Sanierungsmaßnahmen an dem verfallenden Gebäude. Der Wiederaufbau erfolgte dann auf der noch soliden Bausubstanz zwischen 1996 und 1998.

1999 wurde das Gebäude als "Neues Museum" wiedereröffnet. Volker Wahl tritt bei der Benennung des Museums hingegen dafür ein, ihm wieder den Namen "Landesmuseum" zu geben.[6]

Bis 2017 wurden im Gebäude Wechselausstellungen zu verschiedenen Themen gezeigt.[3]

Im April 2019 wurde die Dauerausstellung "Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900" eröffnet, welche die Kunst der frühen Moderne von der Weimarer Malerschule bis zu Henry van de Velde präsentiert.[7]

Seit 2019 ist das Neue Museum Weimar Teil des "Quartiers Weimarer Moderne".[8]

Interieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goethe und Psyche (Statue von Carl Steinhäuser, 1851)

Zum wichtigsten Interieur gehören die Gemälde von Friedrich Preller dem Älteren, die Themen der homerischen Epen darstellen. Von ihm befindet sich auch eine Büste dort. Im Treppenhaus ist die monumentale Plastik Goethe und Psyche zu sehen, die Carl Steinhäuser 1851 nach einem Entwurf von Bettina von Arnim gestaltet hat. Am Eingang verneigt sich die von dem Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte 2004 geschaffene, 2,5 m hohe Bronze-Skulptur Großer Geist Nr. 4 vor dem Besucher und vor der ausgestellten Kunst.[9]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900 (seit April 2019)

Sonder- und Wechselausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "... zum Raum wird hier die Zeit" – Günther Uecker, Bühnenskulpturen und optische Partituren (08.04.2001 – 08.07.2001)
  • Norbert Tadeusz, Italien sichten (17.05.2003 – 03.08.2003)
  • Kunst der Weimarer Republik – Meisterwerke der Nationalgalerie Berlin (22.08.2004 – 24.10.2004)
  • Der erste Blick, die Sammlung GAG (19.03.2006 – 16.07.2006)
  • Die Nacht und ihre Kinder (27.08.2006 – 15.11.2006)
  • Candida Höfer, Weimarer Räume (18.10.2007 – 17.02.2008)
  • Vom Labor zum Projekt – Ausstellung, Symposium Fakultät Gestaltung Bauhaus-Universität Weimar (16.10.2009 – 29.11.2009)
  • Franz Ehrlich – Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager (02.08.2009 – 11.10.2009)
  • Hinaus in die Natur! Barbizon, die Weimarer Malerschule und der Aufbruch zum Impressionismus (14.03.2010 – 30.05.2010)
  • Hans-Christian Schink – Fotografien 1980 bis 2010 (08.04.2011 – 13.06.2011)
  • Arte Povera – aus der Sammlung des Kunstmuseum Liechtenstein (18.08.2012 – 21.09.2012)
  • Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR – neu gesehen (19.10.2012 – 03.02.2013)
  • Henry van de Velde – Leidenschaft, Funktion und Schönheit und sein Beitrag zur europäischen Moderne (24.03.2013 – 23.06.2014)
  • Walter Sachs – Rückblick auf Gegenwärtiges (28.02.2014 – 21.04.2014)
  • StipVisite – Thüringer Stipendiaten für Bildende Kunst 2013 (21.03.2014 – 11.05.2014)
  • Claus Bury, meine Sicht (11.05.2014 – 22.06.2014)
  • Krieg der Geister – Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914 (01.08.2014 – 09.11.2014)
  • Was bleibt? – Ein Versuch zur Gegenwart (08.08.2014 – 03.11.2014)
  • Winckelmann – Moderne Antike (07.04.2017 – 02.07.2017)
  • Wege aus dem Bauhaus – Gerhard Marcks und sein Freundeskreis (17.08.2017 – 05.11.2017)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumsgeschichte und Dauerausstellungen

  • Catalog des Grossherzoglichen Museums zu Weimar. 3. Auflage. Hof-Buchdruckerei, Weimar 1873 (Digitalisat im Internet Archive).
  • Rolf Bothe: Neues Museum Weimar – Geschichte und Ausblick. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1997, ISBN 3-422-06211-4.
  • Hendrik Ziegler: Karlsruhe als Vorbild? Das Großherzogliche Museum in Weimar und seine Ursprünge. In: Gert-Dieter Ulferts, Thomas Föhl (Hrsg.): Von Berlin nach Weimar. Band 2: Von der Kunstkammer zum Neuen Museum. 300 Jahre Sammlungen und Museen in Weimar. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2003, DNB 968475167, S. 126–143 (PDF).
  • Thomas Föhl, Wolfgang Holler, Sabine Walter (Hrsg.): Neues Museum Weimar – Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900. (= Begleitband zur gleichnamigen Dauerausstellung). Hirmer, München 2019, ISBN 978-3-7774-3277-9.

Sonder- und Wechselausstellungen

  • Ulrike Bestgen (Hrsg.): "... zum Raum wird hier die Zeit" – Günther Uecker, Bühnenskulpturen und optische Partituren. G + H Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931768-60-0.
  • Thomas Föhl (Hrsg.): Norbert Tadeusz, Italien sichten. Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen, Weimar 2003, DNB 97426475X.
  • Moritz Wullen, Maren Eichhorn(Hrsg.): Kunst der Weimarer Republik – Meisterwerke der Nationalgalerie Berlin. DuMont, Köln 2004, ISBN 978-3-8321-7499-6.
  • Ernst-Gerhard Güse, Ulrike Bestgen (Hrsg.): Der erste Blick, die Sammlung GAG. Klassik-Stiftung Weimar, Weimar 2006, ISBN 978-3-7443-0133-6.
  • Jörg Völlnagel, Moritz Wullen (Hrsg.): Die Nacht und ihre Kinder. Staatliche Museen zu Berlin u. a., Berlin 2006, ISBN 3-88609-538-X.
  • Gerda Wendermann, Wulf Kirsten: Candida Höfer, Weimar. Schirmer Mosel, München 2007, ISBN 978-3-8296-0327-0.
  • Volkhard Knigge, Harry Stein (Hrsg.): Franz Ehrlich – Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager. Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Weimar 2009, ISBN 978-3-935598-15-6.
  • Gerda Wendermann: Hinaus in die Natur! Barbizon, die Weimarer Malerschule und der Aufbruch zum Impressionismus. Kerber, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-86678-381-2.
  • Siegfried Gronert, Thomas von Taschitzki (Hrsg.): Vom Labor zum Projekt – Ausstellung, Symposium Fakultät Gestaltung Bauhaus-Universität Weimar. Bauhaus-Universitätsverlag, Weimar 2011, ISBN 978-3-86068-459-7.
  • Ulrike Bestgen u. a. (Hrsg.): Hans-Christian Schink – Fotografien 1980 bis 2010. Hatje Cantz, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7757-2826-3.
  • Friedemann Malsch (Hrsg.): Arte Povera – aus der Sammlung des Kunstmuseum Liechtenstein Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2012, ISBN 978-3-412-21000-7.
  • Karl-Siegbert Rehberg, Wolfgang Holler, Paul Kaiser (Hrsg.): Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR – neu gesehen. König, Köln 2012, ISBN 978-3-86335-224-0.
  • Thomas Föhl, Sabine Walter: Henry van de Velde – Leidenschaft, Funktion und Schönheit und sein Beitrag zur europäischen Moderne. Weimarer Verlagsgesellschaft, Weimar 2013, ISBN 978-3-86539-685-3.
  • Klassik Stiftung Weimar, Stadt Weimar (Hrsg.): Walter Sachs – Rückblick auf Gegenwärtiges. Klassik Stiftung Weimar, Weimar 2014, ISBN 978-3-7443-0182-4.
  • Nicole Mende (Hrsg.): Claus Bury, meine Sicht. Wienand, Köln 2014, ISBN 978-3-86832-218-7.
  • Wolfgang Holler, Gerda Wendermann, Gudrun Püschel: Krieg der Geister – Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914. Sandstein, Dresden 2014, ISBN 978-3-95498-072-7.
  • Michael Merkel: Was bleibt? – Ein Versuch zur Gegenwart. Lucia Verlag, Weimar 2014, ISBN 978-3-945301-19-7.
  • Elisabeth Décultot, Martin Dönikeu. a. (Hrsg.): Winckelmann – Moderne Antike. Hirmer, München 2017, ISBN 978-3-7774-2756-0.
  • Anke Blümm, Ulrike Bestgen u. a. (Hrsg.): Wege aus dem Bauhaus – Gerhard Marcks und sein Freundeskreis. Klassik Stiftung Weimar, Weimar 2017, ISBN 978-3-7443-0305-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neues Museum Weimar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Damalige Zeitungsanzeigen mit altem Namen
  2. Seite 146 in: Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan – Architekt und Oberbaudirektor im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach 1848 bis 1884. Dissertation, Weimar 2009.
  3. a b c Neues Museum Weimar – Geschichte. In: Klassik-Stiftung.de. Abgerufen am 2. Januar 2020.
  4. Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation der Schäden und Totalverluste auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Band 2. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1980, S. 501.
  5. Günter Wermusch: Kriegsbeute aus der Goethe-Stadt. Auf der Suche nach den geraubten Kunstschätzen: Eine Aktion rund um die Welt. In: Die Zeit vom 30. November 1990.
  6. Volker Wahl: Weimars Vielfalt an neuen Museen wirft die Namensfrage. In: PressReader.com. Thüringische Landeszeitung, 8. Juli 2019, abgerufen am 2. Januar 2020.
  7. Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900. In: Klassik-Stiftung.de. Abgerufen am 2. Januar 2020.
  8. Quartier Weimarer Moderne. In: Klassik-Stiftung.de. Abgerufen am 3. Januar 2020.
  9. Berliner Zeitung vom 19. Oktober 2012.

Koordinaten: 50° 59′ 10″ N, 11° 19′ 35″ O