Niedertiefenbach (Beselich)

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Niedertiefenbach
Gemeinde Beselich
Koordinaten: 50° 26′ 34″ N, 8° 7′ 57″ O
Höhe: 193 m ü. NHN
Fläche: 5,45 km²[1]
Einwohner: 1046 (31. Dez. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 192 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 65614
Vorwahl: 06484

Niedertiefenbach ist der kleinste der vier Ortsteile der Gemeinde Beselich im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Der Ort hat rund 1000 Einwohner.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedertiefenbach liegt am nordöstlichen Rand des Limburger Beckens, am Rand des Lahntals und am Südosthang des Westerwaldes in Mittelhessen. Schon von Weitem sichtbar ist der Beselicher Kopf (296 m), der sich nördlich des Orts erhebt. Auf ihm befindet sich die Ruine des Klosters, nach dem die gesamte Gemeinde benannt ist. Niedertiefenbach liegt im Tal des von Norden nach Süden fließenden Tiefenbachs zentral im Landkreis Limburg-Weilburg. Der Ort befindet sich rund 1,5 Kilometer südwestlich des Verwaltungssitzes Obertiefenbach und rund 7,5 Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn.

Die Gemarkung grenzt im Norden an die von Obertiefenbach und im Osten an Schupbach (beides Beselicher Ortsteile). Von Südosten bis Südwesten schließen sich Eschenau, Hofen, Steeden und Dehrn an (alle Stadtteile von Runkel) an.

Das Gelände um das Dorf herum wird nur gering vom Tal des Tiefenbachs eingeschnitten und ist davon abgesehen arm an Höhenunterschieden. Westlich des Orts erstreckt sich eine nahezu vollkommen plane Ebene, östlich zieht sich ein leicht erhabener Höhenrücken in Nord-Süd-Richtung. Lediglich nördlich und nordöstlich des Orts steigt das Gelände zum Beselicher Kopf deutlich an. Der Ort selbst liegt auf rund 200 Metern Höhe. An der westlichen und südlichen Gemarkungsgrenze fällt die Landschaft auf bis zu 193 Meter ab. Höchster Punkt ist der Beselicher Kopf mit 296 Metern.

Die Niedertiefenbacher Gemarkung besteht zum überwiegenden Teil aus landwirtschaftlich genutzter Fläche. Vor allem der westliche Gemarkungsteil besteht fast ausschließlich aus Ackerland. Der Ort selbst ist im Norden, Osten und Süden jeweils von einem kleinen Waldstück umgeben. Südlich des Orts speist der Tiefenbach einen kleinen Stausee. Daran schließt sich im Süden ein größeres sumpfiges Gebiet an. Darüber hinaus prägen Kalksteinbrüche die Landschaft, die zwar größtenteils auf Steedener Gemarkung liegen und das dortige Kalkwerk speisen, mit ihren Rändern im Süden in die Niedertiefenbacher Gemarkung hineinragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältestes Haus im Ort

Erste Siedlungsspuren werden durch die Entdeckung eines rund 4000 Jahre alten Steinkistengrabes im Jahr 1846 nahe der Gemarkungsgrenze zu Steeden bezeugt.

Eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1003 belegt, dass der Ort Niedertiefenbach bereits um die Jahrtausendwende bestand. Die Grafen von Katzenelnbogen unterhielten um das Jahr 1103 in Niedertiefenbach eine Vogtei. 1349 wütete die Pest stark im Dorf. Im Feld in Richtung Dehrn wurde eine Unterkunft für die Sterbenden errichtet. Die Gemarkung wird heute noch als „Klösterchen“ bezeichnet, obwohl es sich um keine Ordensniederlassung handelte.

1564 wurde in Niedertiefenbach die Reformation eingeführt. 1630 kehrte es zur katholischen Konfession zurück. 1851 wurde die Kapelle des Orts zum Sitz einer eigenen Pfarrgemeinde. 1872 wurde die heutige Kirche eingeweiht.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten mehrere Gemeinden, zu denen auch Niedertiefenbach gehörte, einen Löschbezirk. Bei ausbrechendem Brand hatten sofort bestimmte Einwohner mit angeschirrten Pferden die in Hofen stationierte Feuerspritze zu holen.[3] Zu Beginn des Jahres 1934 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Niedertiefenbach. Sie wurde mit Aufnahme-Urkunde am 1. Februar des gleichen Jahres in den Nassauischen Feuerwehrverband aufgenommen. Im Juni 2009 feierte die Niedertiefenbacher Feuerwehr unter der Schirmherrschaft des Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzenden Franz-Josef Sehr ihr 75-jähriges Jubiläumsfest.

Am 31. Dezember 1970 schloss sich der Ort im Rahmen der Gebietsreform in Hessen der neu gegründeten Gemeinde Beselich an.[4] 1974 erhielt er eine Mehrzweckhalle, die 2002 umfassend renoviert wurde und seitdem als Bürgerhaus geführt wird.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Niedertiefenbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

  • 1650: 9 Familien
Niedertiefenbach: Einwohnerzahlen von 1723 bis 2019
Jahr  Einwohner
1723
  
285
1785
  
374
1805
  
348
1815
  
298
1834
  
397
1840
  
432
1846
  
508
1852
  
626
1858
  
692
1864
  
749
1871
  
783
1875
  
759
1885
  
722
1895
  
548
1905
  
507
1910
  
546
1925
  
600
1939
  
579
1946
  
823
1950
  
831
1956
  
737
1961
  
761
1967
  
805
1970
  
851
1980
  
941
1990
  
942
2000
  
1.016
2005
  
1.032
2010
  
1.005
2015
  
1.034
2019
  
1.046
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1], ab 2000:[2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: ein evangelischer (=0,14 %), 721 katholische (=99,86 %) Einwohner
• 1961: 37 evangelische (=4,86 %), 723 katholische (=95,01 %) Einwohner

Ortsoberhäupter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Rathaus, heute Pfarrheim

Ortsvorsteher:

  • Schlitt, Johann Georg (während der Besatzungszeit in den napoleonischen Kriegen bis 1815)

Schultheiße:

  • Schlitt, Johann Georg (1815–1818)
  • Stippler, Johann Heinrich (1818–1828)
  • Stippler, Johann Georg (1828–1848)

Bürgermeister:

  • Heymann, Wilhelm (1848–1869)
  • Schwarz, Georg (1869–1896)
  • Graulich, Johann (1896–1929)
  • Dillmann, Adolf (1929–1945)
  • Leber, Wilhelm Alfons (1945–1948)
  • Horn, Wilhelm (1948–1955)
  • Stippler, Willi (1955–1971)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Männergesangverein „Germania“ 1867 e. V. Niedertiefenbach
  • VfR Rot-Weiß e. V. Niedertiefenbach, gegründet 1927
  • Freiwillige Feuerwehr Beselich-Niedertiefenbach e. V., gegründet 1934 (seit 1. April 1973 einschl. Jugendfeuerwehr)
  • Heimat- und Verschönerungsverein e. V. Niedertiefenbach, gegründet 1974
  • Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V., Ortsgruppe Niedertiefenbach, gegründet 1974
  • Traktorclub Ackerkralle Taunus-Westerwald e. V., gegründet 1985
  • Niedertiefenbacher Carnevals Club NCC
  • Kath. Frauengemeinschaft Niedertiefenbach

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Niedertiefenbach
  • Katholische Pfarrkirche St. Marien: Die Grundsteinlegung der Pfarrkirche wurde auf dem Gelände der zuvor abgerissenen alten Kirche im Jahr 1868 vorgenommen. Sie wurde nach ihrer Einweihung am 27. Mai 1872 bis Jahresende 2019 von der Kath. Kirchengemeinde St. Marien genutzt. Seit Jahresanfang 2020 gehört sie zur Kirchengemeinde St. Johannes Nepomuk Hadamar.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die im Jahr 1934 gegründete Freiwillige Feuerwehr Beselich-Niedertiefenbach sorgt für den abwehrender Brandschutz und die allgemeine Hilfe. Sie wurde am 1. April 1973 um die Jugendfeuerwehr ergänzt.
  • Kindertagesstätte in der Grabenstraße
  • Bürgerhaus
  • Sportplatz
  • Kinderspielplätze
  • Wanderwege

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Niedertiefenbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Niedertiefenbach, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b c Zahlen und Fakten. In: Internetauftritt. Gemeinde Beselich, abgerufen am 29. Juli 2020.
  3. Franz-Josef Sehr: Das Feuerlöschwesen in Obertiefenbach aus früherer Zeit. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 1994. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 1993, S. 151–153.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 373.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).