Heckholzhausen

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Heckholzhausen
Gemeinde Beselich
Koordinaten: 50° 29′ 6″ N, 8° 9′ 28″ O
Höhe: 208 (206–294) m ü. NHN
Einwohner: 1083 (31. Dez. 2016)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 65614
Vorwahl: 06484

Heckholzhausen ist einer von vier Ortsteilen der Gemeinde Beselich im Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen. Der Ort hat rund 1.000 Einwohner.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heckholzhausen liegt am nordöstlichen Rand des Limburger Beckens, am Rand des Lahntals und am Südosthang des Westerwaldes in Mittelhessen. Schon von weitem sichtbar ist der Beselicher Kopf (296 m über NN), der in der südlichen Richtung steht. Heckholzhausen befindet sich im Tal des Kerkerbachs zentral im Landkreis Limburg-Weilburg (Hessen).

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden: Merenberg und Allendorf

Im Süden: Obertiefenbach und Schupbach

Im Westen: Lahr und Hintermeilingen beide Orte in der Gemeinde Waldbrunn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruierter Querschnitt durch ein Hügelgrab bei Heckholzhausen
Die im Jahr 1901 von der Firma Borsig hergestellte Lokomotive steht als Denkmal für die Kerkerbachbahn in Heckholzhausen.

Nahe dem Heckholzhäuser Sportplatz Richtung Merenberg wurden mehrere Hügelgräber entdeckt, die dem Übergang der Hallstattzeit zur La-Tène-Zeit zuzuordnen sind. Aufgrund des Namensbestandteil -hausen (bei den Häusern) ist von einer durchgehenden Besiedlung des Ortes seit der merowingisch Siedlungsperiode um das 6./7. Jahrhundert auszugehen.

Heckholzhausen wurde erstmals eindeutig 879 urkundlich als Holzhausen erwähnt. Ursache der Erwähnung war eine Schenkung von drei Mansus Land mit denen Graf Gebhard im Lahngau das von ihm gegründete Stift St. Severus in Gemünden im Westerwald ausstattete. Zur Unterscheidung von anderen Orten gleichen Namens wurde dem Namen später das „Heck–“ vorangestellt.

Im 13. Jahrhundert wurde in Heckholzhausen die Burg Heckholzhausen der adligen Familie Schütz von Holzhausen erbaut. Bis ins 16. Jahrhundert war diese Burg bereits verfallen. Im 14. Jahrhundert verfügten die Grafen von Nassau-Hadamar in Heckholzhausen über einen Hof. Ab 1709 ist ein Jahrmarkt verbürgt.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten die sechs Gemeinden Heckholzhausen, Obertiefenbach, Gaudernbach, Wirbelau, Eschenau und Schupbach einen Löschbezirk. Bei ausbrechendem Brand hatten sofort bestimmte Einwohner mit vier angeschirrten Pferden die in Schupbach stationierte Feuerspritze zu holen.[2]

Von 1906 bis 1958 war der Ort über die Kerkerbachbahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Der Carl-Heinz-Stollen am Ortsausgang Richtung Lahr war eine der ergiebigsten deutschen Mangangruben.

Die ehemalige Gemeinde Heckholzhausen schloss sich am 31. Dezember 1970 mit den ehemals selbstständigen Gemeinden Obertiefenbach, Niedertiefenbach und Schupbach (alle im ehemaligen Oberlahnkreis) freiwillig zur Gemeinde Beselich zusammen.[3] Namensgeber war das Kloster (Basilika) Beselich.

Die Schütz von Holzhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiherrn Schütz von Holzhausen entstammen einer Burgmannenfamilie der Burg Merenberg. Ursprünglich nannten sie sich Schütz von Merenberg. Sie gehörten zu den Familien, die Hartrad IV. (1182–1215) aus Merenberg vertrieben. Die Familie erbaute in Heckholzhausen ein wehrhaftes Haus und nahm den Namen Schütz von Holzhausen an. Die Schütz verfügten über Streubesitz im benachbarten Lahr und in Elsoff, den sie schrittweise ausweiteten. Im Jahr 1424 wurde ein Burgmannensitz der Familie an der Burg Runkel erstmals erwähnt. 1430 besaßen sie das Zehntrecht in der heutigen Wüstung Mechtelndorf bei Merenberg. Als Erbe der verwandten Familie Räuber von Kaan konnten die Schütz von Holzhausen ab 1535 eine Vogtei über den Weiler Panau und weiteren Streubesitz bei Neustadt erwerben. Für das Jahr 1599 ist belegt, dass die Familie ein Drittel des Zehnten des Dorfes Lahr als Lehen der Herrschaft Westerburg innehatte.

Mit Giselbrecht Schütz von Holzhausen wurde 1315 erstmals ein Mitglied dieser Familie namentlich benannt. In den folgenden Jahrhunderten hatten Mitglieder der Familie immer wieder Amtsposten inne. So war 1406 Heinrich Schütz von Holzhausen Amtmann der Grafschaft Katzenelnbogen im Amt Driedorf, 1431 stand er im Dienst der Landgrafschaft Hessen. Antonius Schütz von Holzhausen (1435–1515) war erster Amtmann des Nassauischen Amtes Merenberg. Die Grabplatte des 1539 verstorbenen Gilbrecht Schütz von Holzhausen, Vogt zu Panau, ist heute an der Pfarrkirche in Neustadt zu sehen. Philipp Cuno Schütz von Holzhausen war 1618 Hofmeister zu Dierdorf der Grafschaft Wied.

Ehemalige Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Braun, Johann Jakob (1848–1879)
  • Braun, Karl I. (1879–1884)
  • Seelbach, Wilhelm (1884–1889)
  • Braun, Karl I. (1889–1916)
  • Hief, Wilhelm Ludwig (1916–1923)
  • Müller, Karl (1923–1934)
  • Hemming, Jakob (1934–1945)
  • Müller, Karl (1945)
  • Schäfer, Karl Friedrich (1945–1957)
  • Kegel, Hermann I. (1957–1965)
  • Balzer, Johann (1965–1970)

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Heckholzhausen unterstand im Überblick:[4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[4][1]

  • 1840: 0470 Einwohner
  • 1939: 0501 Einwohner
  • 1961: 0690 Einwohner
  • 1970: 0730 Einwohner
  • 2000: 1017 Einwohner
  • 2010: 1065 Einwohner
  • 2014: 1030 Einwohner
Heckholzhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
439
1840
  
470
1846
  
503
1852
  
525
1858
  
527
1864
  
519
1871
  
550
1875
  
631
1885
  
610
1895
  
542
1905
  
502
1910
  
481
1925
  
517
1939
  
501
1946
  
762
1950
  
746
1956
  
686
1961
  
690
1967
  
697
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Rathaus
Die evangelische Kirche in Heckholzhausen

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Ortsebene bestehen die Vereine Cross Country Riders Beselich e.V., Freiwillige Feuerwehr Heckholzhausen e.V. seit 1925 (seit 2. August 1981 einschl. Jugendfeuerwehr und seit 21. August 2010 mit Kinderfeuerwehr), der Musikzug 1959 Heckholzhausen e.V., Sportverein SV Heckholzhausen 1928 e.V. und der Verein für Verschönerung und Naturschutz 1968 e.V. Heckholzhausen. Im Verein für Verschönerung und Naturschutz 1968 e.V. Heckholzhausen gibt es die Untergruppen Geschichtsgruppe Heckholzhausen und Seniorengruppe Heckholzhausen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Beselich-Heckholzhausen

Ehemaliges Rathaus (jetziges Bürgerhaus)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde als Rathaus im Jahr 1929 erbaut. Nach dem Zusammenschluss zur Gemeinde Beselich wurde das Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Nach einer grundlegenden Sanierung steht es seit September 2007 der Bevölkerung als Bürgerhaus zur Verfügung.

Evangelische Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den Grundmauern einer im 13. Jh. errichteten und im 16. Jh. verfallenen Burg mit hinzugehörender Kapelle wurde die heutige Pfarrkirche erbaut, deren Grundsteinlegung im Jahr 1898 erfolgte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Talbrücke der B 49 über das Kerkerbachtal

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Heckholzhausen besteht der Kindergarten „Sternenland“. Die im Jahr 1925 gegründete Freiwillige Feuerwehr Beselich-Heckholzhausen sorgt für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe. Sie wurde am 2. August 1981 um die Jugendfeuerwehr und am 21. August 2010 um die Kinderfeuerwehr ergänzt.

Für Veranstaltungen steht das Bürgerhaus in der Ortsmitte zur Verfügung. Die Einwohner haben die Möglichkeit den Sportplatz und die Freizeitanlage „In den Birken“ zu nutzen. Daneben finden sich in Heckholzhausen der Spielplatz im Buchenweg und in Wald und Flur mehrere Wanderwege.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heckholzhausen liegt an der Bundesstraße 49 von Limburg an der Lahn nach Wetzlar die hier mit einer Talbrücke das Kerkerbachtal überquert.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Grundschule dient die zentrale Grundschule in Obertiefenbach. Als weiterführende Schule dient als Haupt- und Realschule die Westerwaldschule in Waldernbach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann-Josef Hucke [Redaktion] (Hrsg.): Großer Westerwaldführer. 3. Auflage. Verlag Westerwald-Verein e.V., Montabaur 1991, ISBN 3-921548-04-7.
  • Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1999, ISBN 3-922244-80-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Zahlen und Fakten im Internetauftritt der Gemeinde Beselich, abgerufen im September 2017.
  2. Franz-Josef Sehr: Das Feuerlöschwesen in Obertiefenbach aus früherer Zeit. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 1994. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 1993, S. 151–153.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 373.
  4. a b Heckholzhausen, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 25. Januar 2017)
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]