Notfallsanitäter

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Notfallsanitäter ist eine Qualifikationsbezeichnung für Personen im Rettungsdienst. Während die Berufsbezeichnung in Österreich bereits seit 2002 existiert, wurde sie in Deutschland mit Wirkung zum 1. Januar 2014 eingeführt und löste dort den Rettungsassistenten als Berufsbild im Rettungsdienst ab.[1] Notfallsanitäter zählen zum Rettungsfachpersonal.

Notfallsanitäter in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Stellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beruf des Notfallsanitäters (in Deutschland in der Regel NotSan abgekürzt) hat den bisherigen Rettungsassistenten als höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst abgelöst und gehört zu den Gesundheitsfachberufen. Um der medizinischen Entwicklung im Rettungsdienst auch in der Ausbildung Rechnung zu tragen, unterscheidet sich die Ausbildung zum Notfallsanitäter dahingehend, dass sie von der bisherigen Ausbildung zum Beruf des Rettungsassistenten von zwei auf drei Jahre verlängert wurde. Das Notfallsanitätergesetz (NotSanG) und die aufgrund dieses Gesetzes erlassene Ausbildungs- und Prüfungsverordnung[2] sind am 1. Januar 2014 in Kraft getreten.[3] Das bisherige Rettungsassistentengesetz trat am 31. Dezember 2014 außer Kraft, um eine einjährige Übergangsphase bei der Ausbildung zu ermöglichen.

Als Zugangsvoraussetzung muss mindestens ein mittlerer schulischer Bildungsabschluss vorgewiesen werden. Hauptschüler müssen zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung absolviert haben (§ 8 Nr. 2 NotSanG).

Als neues Ausbildungsziel gilt, dass entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermittelt werden sollen (§ 4 Abs. 1 Satz 1 NotSanG).

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung in Vollzeitform drei Jahre, in Teilzeitform höchstens fünf Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung. Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Der theoretische und praktische Unterricht wird in staatlich anerkannten Schulen durchgeführt. In den Ländern, in denen die Ausbildung nach diesem Gesetz dem Schulrecht unterliegt, wird die Genehmigung zur Durchführung der Ausbildung den Schulen nach dem Schulrecht der Länder und nach Maßgabe von § 6 NotSanG erteilt. Die praktische Ausbildung wird an einer genehmigten Lehrrettungswache und an geeigneten Krankenhäusern durchgeführt. Die Gesamtverantwortung für die Organisation und Koordination des theoretischen und praktischen Unterrichts und der praktischen Ausbildung entsprechend dem Ausbildungsziel trägt die Schule. Die Schule unterstützt die praktische Ausbildung durch Praxisbegleitung. Die Bundeswehr erkennt die Ausbildung nach §22 Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) an und ermöglicht die Einstellung mit höhem Dienstgrad, bzw. die entsprechende Beförderung eines beorderten Reservisten.

Folgende Punkte sind als Ausbildungsziele im Notfallsanitätergesetz niedergeschrieben:

  • 1. die folgenden Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen:
    • a) Feststellen und Erfassen der Lage am Einsatzort und unverzügliche Einleitung notwendiger allgemeiner Maßnahmen zur Gefahrenabwehr,
    • b) Beurteilen des Gesundheitszustandes von erkrankten und verletzten Personen, insbesondere Erkennen einer vitalen Bedrohung, Entscheiden über die Notwendigkeit, eine Notärztin oder einen Notarzt, weiteres Personal, weitere Rettungsmittel oder sonstige ärztliche Hilfe nachzufordern, sowie Umsetzen der erforderlichen Maßnahmen,
    • c) Durchführen medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um einer Verschlechterung der Situation der Patienten bis zum Eintreffen des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, wenn ein lebensgefährlicher Zustand vorliegt oder wesentliche Folgeschäden zu erwarten sind,
    • d) angemessenes Umgehen mit Menschen in Notfall- und Krisensituationen,
    • e) Herstellen und Sichern der Transportfähigkeit der Patienten im Notfalleinsatz,
    • f) Auswählen des geeigneten Transportzielortes sowie Überwachen des medizinischen Zustandes der Patienten und seiner Entwicklung während des Transports,
    • g) sachgerechtes Übergeben der Patienten in die ärztliche Weiterbehandlung einschließlich Beschreiben und Dokumentieren ihres medizinischen Zustandes und seiner Entwicklung,
    • h) Kommunizieren mit am Einsatz beteiligten oder zu beteiligenden Personen, Institutionen oder Behörden,
    • i) Durchführen von qualitätssichernden und organisatorischen Maßnahmen im Rettungsdienst sowie Dokumentieren der angewendeten notfallmedizinischen und einsatztaktischen Maßnahmen und
    • j) Sicherstellen der Einsatz- und Betriebsfähigkeit der Rettungsmittel einschließlich Beachten sowie Einhalten der Hygienevorschriften und rechtlichen Arbeits- und Unfallschutzvorschriften;
  • 2. die folgenden Aufgaben im Rahmen der Mitwirkung auszuführen:
    • a) Assistieren bei der ärztlichen Notfall- und Akutversorgung von Patienten im Notfalleinsatz,
    • b) eigenständiges Durchführen ärztlich veranlasster Maßnahmen bei Patienten im Notfalleinsatz und
    • c) eigenständiges Durchführen von heilkundlichen Maßnahmen, die vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst oder entsprechend verantwortlichen Ärzten bei bestimmten notfallmedizinischen Zustandsbildern und -situationen standardmäßig vorgegeben, überprüft und verantwortet werden;
  • 3. mit anderen Berufsgruppen und Menschen am Einsatzort, beim Transport und bei der Übergabe unter angemessener Berücksichtigung der Gesamtlage vom individual-medizinischen Einzelfall bis zum Großschadens- und Katastrophenfall patientenorientiert zusammenzuarbeiten.

Die praktische Ausbildung findet zum einen in einer staatlich anerkannten Lehrrettungswache im Umfang von 1960 Stunden und zum anderen in einem geeigneten Krankenhaus im Umfang von 720 Stunden statt. Sie umfasst im Einzelnen:

  • Rettungswache
    • Dienst an einer Rettungswache
    • Durchführung und Organisation von Krankentransporten
    • Durchführung und Organisation von Einsätzen in der Notfallrettung
  • Krankenhaus
    • Pflegeabteilung
    • Interdisziplinäre Notfallaufnahme
    • Anästhesie- und OP-Abteilung
    • Intensivmedizinische Abteilung
    • Geburtshilfliche, pädiatrische oder kinderchirurgische Fachabteilung/Intensivstation oder Station mit entsprechenden Patienten
    • Psychiatrische, gerontopsychiatrische oder gerontologische Fachabteilung

Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil umfasst. Die Prüfung ist an der Schule abzulegen, bei der die Ausbildung abgeschlossen wird.

Ergänzungsprüfungen für Rettungsassistenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungsassistenten, die eine mindestens fünfjährige Tätigkeit als Rettungsassistent nachweisen, erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung Notfallsanitäter zu führen, wenn sie bis zum 31. Dezember 2020 die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen. [4]

Schutz der Berufsbezeichnung Rettungsassistent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilweise stoßen die Regelungen des Notfallsanitätergesetzes in der Berufsgruppe der Rettungsassistenten auf Unverständnis, da das Notfallsanitätergesetz keine prüfungsfreie Berufsanerkennung oder Überleitung zum Notfallsanitäter vorsieht. Eine Verfassungsbeschwerde blieb dahingehend ergebnislos, 1 BvR 2853/13. In der Begründung des Bundesverfassungsgerichts sahen die Richter darin keine Benachteiligung nach Art. 3 Abs. 1 GG und Art. 12 Abs. 1 GG. Durch § 30 NotSanG wird die Berufsbezeichnung Rettungsassistent weiterhin geschützt und auf Grund der Berufserfahrung muss ein Rettungsassistent auch keine weitere Ausbildung absolvieren. Das Rettungsassistentengesetz (RettAssG) ist nach einer einjährigen Übergangszeit am 31. Dezember 2014 außer Kraft getreten. Der Einsatz und die Tätigkeit der Berufsgruppe Rettungsassistent werden jetzt durch die Bestimmungen des Notfallsanitätergesetzes und die der Landesrettungsdienstgesetze geregelt.

Regelkompetenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Berufsbild Notfallsanitäter unterscheidet sich wesentlich von der bisherigen Ausbildung zum Beruf des Rettungsassistenten nach dem Rettungsassistentengesetz (RettAssG) vom 10. Juli 1989.  Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags schreibt dazu: "Zentrale Vorschrift des Notfallsanitätergesetzes ist § 4 NotSanG, der das Ausbildungsziel regelt. [...] In § 4 Abs. 2 Nr. 1 NotSanG werden diejenigen Tätigkeiten beschrieben, die den Kernbereich der rettungsdienstlichen Aufgaben darstellen und die die Notfallsanitäterinnen und die Notfallsanitäter im späteren Berufsalltag aufgrund der Ausbildung eigenständig, das heißt auf eigene Verantwortung, ausführen sollen."[5]

Insbesondere ist hier § 4 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. c) NotSanG zu nennen: „Durchführen medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um einer Verschlechterung der Situation der Patientinnen und Patienten bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, wenn ein lebensgefährlicher Zustand vorliegt oder wesentliche Folgeschäden zu erwarten sind.“ 

Damit hat der Notfallsanitäter eine rechtliche Grundlage für sein Handeln und muss nicht wie der Rettungsassistent sein Tun durch das Vorliegen eines Rechtfertigenden Notstandes nach § 34 StGB begründen. Darüber hinaus hat der ärztliche Leiter eines Rettungsdienstbereiches nach § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. c) NotSanG die Möglichkeit, dem Notfallsanitäter, auch außerhalb von Situationen in denen schwere Gesundheitgefahr oder Lebensgefahr für den Patienten vorliegen, heilkundliche Maßnahmen zu übertragen.

Perspektiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren litt der Rettungsdienst unter massiven Nachwuchsproblemen. Gründe dafür sind unter anderem die fehlenden Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten, Schichtdienst mit entsprechenden Bereitschaftszeiten und die sehr großen physischen sowie psychischen Belastungen. In einer Studie des rheinland-pfälzischen DRK wurde festgestellt, dass nur 1,3 % der Rettungsassistenten 60 Jahre und älter sind. Viele Rettungsdienstmitarbeiter gehen in die Umschulung oder werden mit hohen Abschlägen frühverrentet. Bundesweite Untersuchungen der AOK ergaben, dass Rettungskräfte über 60 Jahre häufiger und länger krank sind als ältere Mitarbeiter anderer Berufsgruppen. Um den Beruf des Notfallsanitäters attraktiver zu gestalten, wurde der Berufsgruppe die Möglichkeit eingeräumt, an einigen Hochschulen den akademischen Grad Bachelor of Science zu erlangen. Dieser Abschluss soll die Absolventen befähigen, verstärkt administrative Aufgaben zu übernehmen oder an einer Rettungsdienstschule in der Ausbildung tätig zu werden.

Einkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Tätigkeitsmerkmale eines Notfallsanitäters unterscheiden sich kaum von denen eines Rettungsassistenten, dem entsprechend ist der Notfallsanitäter in den Tarifverhandlungen 2017 nach TV-L [6], 18. Beschäftigte im Rettungsdienst - so wie der Rettungsassistent in der Entgeltgruppe 6 eingruppiert. Heilberufliche Maßnahmen, die der Notfallsanitäter im Rahmen von SOP durchführen kann, liegen in der Verantwortung des jeweiligen Ärztlichen Leiters eines Rettungsdienstbereichs, [7] § 4 Abs. 2 Satz 2c. Liegt diese Verantwortlichkeit und Haftung eines approbierten Arztes nicht vor, kann der Notfallsanitäter so wie der Rettungsassistent nur im Rahmen des [8] handeln. Ein Notfallsanitäter mit einschlägigem akademischen Grad hat die Möglichkeit, bei entsprechender Verwendung bis Entgeltgruppe 9 aufzusteigen. Es erfolgt ein regelmäßiger Stufenaufstieg. Hinzukommen eventuell Schicht- und Funktionszulagen. Während der Ausbildung erhält der Notfallsanitäter entsprechend § 15 NotSanG eine Ausbildungsvergütung.

Berufsfeuerwehrleute erhalten eine Beamtenbesoldung anstatt des Entgelts. Sie unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Berufsfeuerwehrleute üben den Beruf des Notfallsanitäters nur dann aus, wenn ihre Feuerwehr Aufgaben des Rettungsdienstes wahrnimmt. In der Regel erfolgt diese Ausbildung erst nach der Abschlussprüfung der feuerwehrtechnischen Ausbildung. Somit werden faktisch zwei Berufe ausgeübt. Folglich erhalten Berufsfeuerwehrleute während der Ausbildung zum Notfallsanitäter eine volle Besoldung. Es ist aber in manchen Feuerwehren auch möglich, im Angestellten- oder Beamtenverhältnis Notfallsanitäter zu werden, ohne eine feuerwehrtechnische Ausbildung absolvieren zu müssen.[9] Je nach Stadt und je nach weiteren Qualifikationen werden Notfallsanitäter in der Feuerwehr in den Besoldungsgruppen A 7 bis A 9 eingruppiert. Dies entspricht (am Beispiel Nordrhein-Westfalens) monatlichen Bezügen von 2134 bis 3137 € brutto,[10] plus Feuerwehrzulage in monatlicher Höhe von 127,38 €, Jahressonderzahlung, Nacht- und Wochenendzuschlägen sowie einen Familienzuschlag für Verheiratete oder Eltern, der mehrere hundert Euro betragen kann.

Für Angestellte können die Rechtsgrundlagen teilweise je nach Arbeitgeber bzw. anstellender Körperschaft variieren. Der Anspruch auf eine Feuerwehrzulage von 127,38 € ergibt sich allerdings nur dann, wenn der Mitarbeiter überwiegend im feuerwehrtechnischen Einsatzdienst tätig ist, § 46 TVöD Sonderregelung für Beschäftigte im kommunalen feuerwehrtechnischen Dienst. Höchstrichterlich wurde entschieden, dass der Rettungsdienst und der Krankentransport nicht zum feuerwehrtechnischen Einsatzdienst gehören, BAG 4 AZR 189/64. Eine ausschließliche Tätigkeit als Notfallsanitäter im Rettungsdienst bei einer Berufsfeuerwehr genügt somit nicht für den Bezug der Feuerwehrzulage, da diese Tätigkeiten nicht der unmittelbaren Brandbekämpfung vor Ort dienen. Sinngemäß gilt für diese Mitarbeiter auch nicht der § 47 Nr. 3 Abs. 1 TV-L, welcher den betreffenden feuerwehrtechnischen Angestellten ermöglicht mittels Übergangszahlung, bei mindestens 15 Jahren geleisteten feuerwehrtechnischen Einsatzdienst, auf Antrag, wie vergleichbare Beamte des mittleren feuerwehrtechnischen Dienstes, mit dem 60. Lebensjahr in den Ruhestand zu gehen.

Notfallsanitäter in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notfallsanitäter (NFS) sind in Österreich für die Rettung und den Notarztdienst ausgebildete Personen. In der Ausbildung werden die Grundlagen der Notfallmedizin und Techniken der Versorgung verletzter oder erkrankter Personen erlernt.

Ihre Aufgabe ist neben den allgemeinen Aufgaben eines Sanitäters (Betreuung des Patienten während des Transportes, Hilfestellung bei auftretenden Akutsituationen und Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen) unter anderem die Unterstützung des Notarztes. So werden auf allen Notarztmitteln (NAW, NEF, NAH und ITW) Notfallsanitäter eingesetzt.

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter baut auf der zum Rettungssanitäter auf und erlaubt dem Notfallsanitäter erweiterte Maßnahmen, wie etwa die Gabe bestimmter Medikamente („Arzneimittelliste 1“) und die Anwendung von Notfallkompetenzen (siehe unten).

Die Bezeichnungen Rettungssanitäter und Notfallsanitäter bzw. die jeweiligen Ausbildungen sind erst seit 2002 durch das Sanitätergesetz (SanG) gesetzlich geregelt und staatlich anerkannt.

Das am häufigsten verbreitete „Arbeitsmittel“ der Notfallsanitäter in Österreich, das Notarzteinsatzfahrzeug

Ausbildung in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung baut auf der zum Rettungssanitäter auf und stellt abgesehen von der Notarzteigenschaft die höchste Qualifikation im österreichischen Rettungsdienst dar. Sie umfasst weitere 480 Stunden und gliedert sich in drei Teile:

  • die theoretische Ausbildung im Ausmaß von 160 Stunden,
  • ein Krankenhauspraktikum im Ausmaß von 40 bis 120 Stunden sowie
  • ein 280-stündiges Praktikum in Notarztsystemen, von dem bis zu 120 Stunden als Krankenhauspraktikum absolviert werden kann.

Personen, die sich für die Aufnahme zur Ausbildung zum Notfallsanitäter bewerben, müssen folgende Voraussetzungen erfüllen:[11]

  • eine aktive Berechtigung als Rettungssanitäter,
  • eine Bestätigung, dass der Bewerber mindestens 160 Einsatzstunden im Rettungs- und Krankentransportdienst absolviert hat, welche die Eignung für die Ausbildung zum Notfallsanitäter bestätigen und
  • den positiven Abschluss eines Eingangstests.

Der Lehrstoff der Rettungssanitäter-Ausbildung wird vertieft, zusätzliche Inhalte betreffen Einsatztaktik und Arzneimittellehre. Die Ausbildung endet mit einer mündlichen und praktischen Prüfung vor einer Prüfungskommission.

Nach Abschluss der Ausbildung sind NFS berechtigt, Medikamente der „Arzneimittelliste 1“ zu verabreichen. Diese umfasst Paracetamol, verschiedene Beta 2 Sympathomimetika bzw. Anticholinergikum und Adrenalin-Fertigspritzen (EpiPen).

Notfallsanitäter werden üblicherweise von den Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter), der Wiener Berufsrettung sowie dem Österreichischen Bundesheer ausgebildet. Private Rettungsdienstschulen wie in Deutschland gibt es nicht.

Eine automatische Anerkennung ausländischer Ausbildungsschienen bestehen in Österreich nicht. Um Anerkennung zu erlangen ist eine Nostrifizierung des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen erforderlich.[12]

Notfallkompetenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notfallsanitäter können durch zusätzliche Ausbildungen sogenannte Notfallkompetenzen erwerben. Dadurch dürfen sie unter bestimmten Umständen Maßnahmen durchführen, die normalerweise Ärzten vorbehalten sind. Im Vergleich zu Deutschland sind die Notfallkompetenzen in Österreich durch ein Bundesgesetz geregelt (SanG),[13] was bedeutet, dass der anwendende Notfallsanitäter einen eindeutig vorgegebenen rechtlichen Rahmen für die Anwendung hat. Wenn die Voraussetzungen für die Anwendung zutreffen, muss die Notfallkompetenz angewendet werden.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notfallkompetenzen dürfen angewendet werden, wenn:

  • sie zur Abwehr einer Gefahr für Leben und Gesundheit des Patienten geeignet sind,
  • das gleiche Ziel nicht durch weniger eingreifende Maßnahmen erreicht werden kann und
  • ein Arzt verständigt, oder die Verständigung veranlasst ist.

Man unterscheidet die allgemeinen Notfallkompetenzen NKA und NKV von der besonderen Notfallkompetenz NKI. Die Notfallkompetenzen bauen aufeinander auf, das heißt, dass ein Notfallsanitäter mit der NKI bereits NKA und NKV besitzen muss.

Allgemeine Notfallkompetenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Notfallkompetenz Arzneimittellehre (NKA): Verabreichung von Medikamenten laut „Arzneimittelliste 2“
  • Notfallkompetenz Venenzugang und Infusion (NKV): Punktion peripherer Venen und Verabreichung kristalloider Infusionslösungen

Die Arzneimittelliste 2 umfasst (hier beispielsweise beim Roten Kreuz) folgende Medikamente:[14]

Besondere Notfallkompetenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Notfallkompetenz endotracheale Intubation (NKI): Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre ohne Muskelrelaxans. Die Kenntnisse sind alle zwei Jahre durch eine Rezertifizierung nachzuweisen.

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Notfallkompetenzen können durch Verordnung des Bundesministers für Gesundheit (Bundesministerium für Gesundheit) definiert werden.

Häufig wird die Anwendung der Notfallkompetenzen von den jeweiligen Trägerorganisationen des Rettungsdienstes genauer definiert und durch organisationsinterne Algorithmen reglementiert: So war beispielsweise beim österreichischen Roten Kreuz lange Zeit die Armbeuge als Punktionsstelle dem ärztlichen Personal vorbehalten, der NFS-NKV durfte nur Handrücken und Unterarm punktieren. Solchen Reglementierungen kommt juristisch allerdings keine Bedeutung zu.

Die RK-Landesverbände Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Tirol und Steiermark (Ausnahme NKI-Rettungsmediziner in Graz/Steiermark) bieten die Ausbildung zur NKI zurzeit nicht an. Wegen der niedrigen Anwendungsfrequenz ist die endotracheale Intubation durch Sanitäter unter Österreichischen Rettungsdiensten umstritten, als Alternative wird häufig der Larynxtubus von den NFS/NKI angewendet. Im Rahmen der Reanimation ist der Einsatz des Larynxtubus' für alle Sanitäter (RS und NFS ohne Notkompetenzen) zugelassen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung weiterer Vorschriften vom 22. Mai 2013, BGBl. I Seite 1348 ff
  2. Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV) vom 16. Dezember 2013, BGBl. I Seite 4280
  3. Artikel 5 des Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung weiterer Vorschriften vom 22. Mai 2013, BGBl. I Seite 1348, 1357
  4. § 32 NotSanG
  5. Wissenschaftlicher Dienst: © 2016 Deutscher Bundestag WD 9 - 3000 - 042 /16 Die Ausbildungszielbestimmung des § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe c des Notfallsanitätergesetzes. Deutscher Bundestag, abgerufen am 17.03.2017 (deutsch).
  6. Anlage A Teil II - Tätigkeitsmerkmale für bestimmte Beschäftigungsgruppen
  7. NotSanG
  8. Rechtfertigenden Notstandes § 34 StGB
  9. Notfallsanitäter-Ausbildung im Direkteinstieg bei der Berliner Feuerwehr, dort unter der Bezeichnung "112 Medic"
  10. Besoldungstabelle Nordrhein-Westfalen 2016
  11. Rechtsinformationssystem: Bundesrecht: Gesamte Rechtsvorschrift für Sanitätergesetz, Fassung vom 10. Dezember 2009
  12. Anerkennung Sanitäter abgerufen am 12. Juni 2017
  13. ris.bka.gv.at
  14. roteskreuz.at

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Rettungsdienst – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Rettungsdienst

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Redelsteiner u. a. (Hrsg.): Das Handbuch für Notfall- und Rettungssanitäter. 1., akt. Auflage inkl. Aktualisierung zu den neuen Reanimations-Leitlinien des ERC. Braumüller, Wien 2005+2007, ISBN 978-3-7003-1655-8.
  • Jan-Thorsten Gräsner u. a. (Hrsg.): Notfallsanitäter werden! 1000 rettende Antworten für Prüfungen und Praxis. 1. Auflage. 2016, Thieme Stuttgart, ISBN 978-3-13-201461-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]