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Okeechobee-Hurrikan (1928)

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Okeechobee-Hurrikan 1928
Huracán San Felipe Segundo
Kategorie-5-Hurrikan (SSHS)
Oberflächenanalyse vom 13. September 1928

Oberflächenanalyse vom 13. September 1928
Entstehung 6. September 1928
Auflösung 20. September 1928
Spitzenwind-
geschwindigkeit
160 mph (260 km/h) (1 Minute anhaltend)
Niedrigster Luftdruck 929 mbar (hPa; 27.44 inHg)
Opfer 4079+
Schäden 100 Millionen US-$ (1928)
Betroffene
Gebiete
Kleine Antillen, Guadeloupe, Amerikanische Jungferninseln, Puerto Rico, Bahamas, Florida, Georgia, South Carolina, North Carolina, Ostküste
Saisonübersicht:
Atlantische Hurrikansaison 1928

Der Okeechobee-Hurrikan oder Huracán San Felipe Segundo war der folgenschwerste tropische Wirbelsturm der atlantischen Hurrikansaison 1928. Er zog im September des Jahres über Guadeloupe, die Inseln über dem Winde, Puerto Rico, die Bahamas und Florida. Der Hurrikan entstand am 6. September vor der Westküste Afrikas und intensivierte sich im Tagesverlauf zu einem tropischen Sturm, kurz bevor er südlich der Kapverden vorbeizug. In den folgenden Tagen wanderte der Sturm westwärts über den tropischen Atlantik und entwickelte sich dabei zunächst kaum, dann jedoch rasch. Er erreichte am 12. September Guadeloupe. Der Hurrikan verwüstete die Insel stark, und durch seine Auswirkungen kamen dort 1200 Personen um. Auch die Inseln Martinique, Montserrat und Nevis meldeten Sach- und Personenschäden, doch erreichten diese bei weitem nicht das Niveau der Schäden auf Guadeloupe.

Am Mittag des 13. September erreichte der Hurrikan als erster Hurrikan mit gemessenen andauernden Windgeschwindigkeiten über 200 km/h die Kategorie 5 der einige Jahrzehnte später eingeführten Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala. Es handelt sich bis heute um das einzige Mal seit Beginn verlässlicher Beobachtungen, dass ein Hurrikan in dieser Stärke auf Puerto Rico traf. Auf der Insel wurden durch die Auswirkungen des Hurrikans 312 Personen getötet. Starke Winde zerstörten 24.728 Häuser und beschädigten 142.444 weitere; mehr als eine halbe Million Inselbewohner wurden obdachlos. Starkregen schädigte Vegetation und Landwirtschaft. Der wirtschaftliche Schaden auf der Insel wurde mit 50 Millionen US-Dollar (1.000 in heutigen Preisen) beziffert. Beim Überqueren der Insel verlor der Hurrikan an Kraft und erreichte deswegen die Bahamas als Kategorie-4-Hurrikan, wo dank guter Vorbereitungen auf den Sturm nur 18 Menschen durch die Sturmauswirkungen ihr Leben verloren.

Früh am 17. September gelangte der Hurrikan bei West Palm Beach mit Windgeschwindigkeiten von 238 km/h über das Festland Floridas. 1711 Häuser in der Stadt wurden zerstört, doch am schwersten traf es Florida im Bereich des Lake Okeechobee. Die vom Wind erzeugte Sturmflut schwappte über den südlichen Rand des Sees und überschwemmte hunderte von Quadratkilometern Land bis zu sechs Meter hoch, darunter Belle Glade, Canal Point, Chosen, Pahokee und South Bay. Mindestens 2500 Bewohner Floridas wurden durch die Sturmauswirkungen getötet. Über dem Festland Floridas schwächte sich der Hurrikan in die Kategorie 1 ab und schlug eine nordöstliche Zugbahn ein. Einen Tag später gelangte der Hurrikan noch einmal über den offenen Ozean und schließlich bei Edisto Island, South Carolina mit Windgeschwindigkeiten von 140 km/h endgültig über Land. In der Frühe des 19. Septembers löste sich das System über North Carolina auf. Insgesamt verursachte der Sturm Sachschäden von mehr als 100 Millionen US-Dollar (1.000 Millionen US-Dollar in heutigen Preisen) und tötete mindestens 4079 Menschen. Beim Deichbruch des Okeechobeesees im südlichen Florida starben mindestens 2500 Menschen.

Sturmverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf des Hurrikans

Am 6. September meldeten Schiffe ein sich direkt vor der Westküste Afrikas bei Dakar, Senegal bildendes tropisches Tiefdruckgebiet. Am nächsten Tag meldete ein Schiff Windgeschwindigkeiten von 95 km/h – das entspricht der Windstärke 10 der Beaufortskala – und aufgrund dieser Angabe wurde im Rahmen der Hurrikanreanalyse angenommen, dass das System spät am 6. September den Status eines tropischen Sturmes erreicht hat. Weil sich der Sturm aber über mehrere Tage hinweg weitab von Land und Schiffsverkehr bewegte, führte das Fehlen von Beobachtungswerten jedoch dazu, dass das System auf seinem Weg westwärts über den tropischen Atlantischen Ozean nicht als tropischer Sturm oder Hurrikan eingestuft war.[1] Der Sturm wurde erstmals am 10. September von der S.S. Commack, ungefähr 1450 km östlich von Guadeloupe, als solcher beobachtet. Dies war der bis dahin östlichste durch Schiffsfunk gemeldete tropische Wirbelsturm.[2] Im Tagesverlauf bestätigten zwei andere Schiffe die gemeldete Intensität,[3] und die Hurricane Research Division des National Hurricane Center nimmt deswegen an, dass sich der Sturm am 10. September um 18:00 Uhr UTC in einen Hurrikan verstärkt hat.[1][4]

Bei der Annäherung an die Kleinen Antillen intensivierte sich der Hurrikan weiter. Sein Auge überquerte am 12. September zwischen 17:30 und 18:30 Uhr UTC die Insel Guadeloupe, wo ein Luftdruck von 940 mbar gemessen wurde, was auf andauernde Windgeschwindigkeiten von 240 km/h hindeutet, dem Äquivalent der Kategorie 4 der heutigen Saffir-Simpson-Hurrikanskala.[1] Danach zog der Hurrikan über die Leeward Islands westnordwestwärts, und das Zentrum zog etwa 15 km südlich an Saint Croix vorbei, bevor sich der Hurrikan Puerto Rico annäherte. Am 13. September überquerte das Zentrum des Hurrikans binnen acht Stunden die Insel von Südosten nach Nordwesten, nachdem er bei Guayama über Land zog und bevor er zwischen Aguadilla und Isabela wieder das Meer erreichte.[5] Ein Schiff knapp südlich der Küste Puerto Ricos meldete einen Luftdruck von 931 mbar, und ein Anemometer in San Juan zeichnete Windgeschwindigkeiten von fast 270 km/h auf, bevor es versagte.[1] Weil diese Station rund 50 km nördlich des Sturmzentrums lag, wurden die Windgeschwindigkeiten für den Landfallpunkt inoffiziell mit bis zu 320 km/h angenommen.[3] Dementsprechend gelangte der Hurrikan in Puerto Rico als Kategorie-5-Hurrikan über Land; allerdings bestehen wegen der großen Ausdehnung und der langsamen Bewegung Ungenauigkeiten in der Spitzenintensität.[1]

Die stärksten Hurrikans in den Vereinigten Staaten
Stärke wird nur auf Grund des Luftdrucks im Zentrum angegeben.
Rang Hurrikan Saison Luftdruck
(in mbar)
1 Labor Day 1935 892
2 Camille 1969 900
3 Katrina 2005 920
4 Andrew 1992 922
5 Indianola 1886 925
6 Florida Keys 1919 927
7 Okeechobee 1928 929
8 Miami 1926 930
Donna 1960 930
10 Carla 1961 931
Quelle: HURDAT,[6] Hurricane Research Division[7]

Nach der Überquerung von Puerto Rico hatte der Hurrikan sich abgeschwächt; der gemessene Luftdruck in Isabela von 941 mbar deutete auf Windgeschwindigkeiten von 240 km/h hin. DasSystem zog weiter in westnordwestlicher Richtung und streifte die Nordküste von Hispaniola. Sich wieder verstärkend passierte der Hurrikan am 15. September Grand Turk in einer Entfernung von weniger als 55 km; zu diesem Zeitpunkt erhöhten durch die Bahamas und befand sich um 10:00 Uhr UTC am 16. September bei Nassau.[1] Ursprünglich war der Meteorologe Richard Gray vom U.S. Weather Bureau optimistisch, dass der Hurrikan den Süden Floridas verschonen würde.[8]

Um 00:00 Uhr UTC am 17. September querte das Zentrum des Hurrikans im Südosten Floridas bei West Palm Beach mit geschätzten Windgeschwindigkeiten von 230 km/h die Küstenlinie. Diese Einschätzung resultiert aus dem in der Stadt gemessenen Luftdruck von 929 mbar,[1] zum damaligen Zeitpunkt der niedrigste in den Vereinigten Staaten gemessene Luftdruck; der vorherige Tiefstwert von 935 mbar wurde beim Miami-Hurrikan 1926 gemessen. Spitzenböen von geschätzten 260 km/h traten bei Canal Point auf.[3]

Auf dem Weg über das Festland und den Lake Okeechobee verlor der Hurrikan rasch an Stärke, obwohl er aufgrund seiner großen Ausdehnung noch mehrere Tage lang den Status als Hurrikan beibehalten konnte. Spät am 17. September schwenkte der Hurrikan nach Nordosten und passierte Jacksonville früh am folgenden Tag mit Windgeschwindigkeiten von 120 km/h. Um 08:00 Uhr UTC am 18. September erreichte der Sturm wieder offenes Wasser. Im Tagesverlauf verstärkte sich der Hurrikan noch einmal leicht und gelangte bei Edisto Island, South Carolina um 19:00 Uhr UTC mit Windgeschwindigkeiten von 140 km/h. Die Zuggeschwindigkeit nach Nordosten beschleunigte sich, und der Hurrikan schwächte sich über North Carolina rasch in einen tropischen Sturm ab. Am 19. September ging der tropische Sturm in ein außertropisches System über und erreichte noch einmal Orkanstärke. Das System schlug schließlich eine nordnordwestliche Richtung ein und durchquerte schnell die Staaten an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Am 21. September löste sich der frühere Hurrikan über Ontario auf,[1] indem er mit einer anderen Störung verschmolz.[3]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1953 gab es im atlantischen Becken noch kein offizielles Schema zur Vergabe von Namen für tropische Wirbelstürme. Seit dem Beginn der spanischen Kolonialisierung im Jahr 1492 war es ein Brauch, Hurrikane nach den römisch-katholischen Heiligen des Tages zu benennen, an dem diese auf Puerto Rico trafen. Der Hurrikan ist deswegen auch unter dem Namen Huracán San Felipe Segundo oder San Felipe II Hurricane bekannt, weil das Auge des Sturms Puerto Rico am christlichen Feiertag des Heiligen Philippus erreichte. Er wurde „Segundo“ (span. „der Zweite“) genannt, weil Puerto Rico schon einmal 52 Jahre zuvor, am gleichen Tag des Jahres 1876, von einem zerstörerischen Hurrikan heimgesucht wurde, dem San-Felipe-Hurrikan. 1953 begannen die Vereinigten Staaten damit, Hurrikane mit weiblichen Vornamen zu benennen – von 1978 an wurden im jährlichen Wechsel Vornamen beiderlei Geschlechts verwendet –, doch auf Puerto Rico endete die offizielle Benennung nach Heiligen erst 1960.[9]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Todesopfer nach Region
Region Tote
Martinique 3
Guadeloupe 1200
Montserrat 42[10]
Nevis 3[11]
Puerto Rico 312
Bahamas 19
Florida 2500+
Gesamt 4079+

Leeward Islands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hurrikan intensivierte sich, als er über die Leeward Islands wanderte. Auf Dominica wurden Windgeschwindigkeiten von 20 Knoten gemessen. Schäden wurden hier nicht gemeldet. Auf dem südlich der Zugbahn gelegenen Martinique kamen durch die Auswirkungen des Sturmes drei Menschen um. Guadeloupe wurde vom Hurrikan direkt und offensichtlich ohne ausreichende Vorwarnung getroffen, denn auf der Insel verloren 1200 Personen ihr Leben.[12] Die französische Regierung in Paris gab an, der Hurrikan hätte auf der Insel „große Zerstörungen“ verursacht.[3] Etwa 85–95 % der Bananenstauden und 70–80 % der Obstbäume wurden schwer geschädigt, und 40 % der Zuckerrohrernte wurden vernichtet.[13]

Montserrat, nördlich der Zugbahn gelegen, wurde vor dem Sturm gewarnt; dennoch kam es zu Sachschäden in Höhe von 150.000 Pfund Sterling (in Preisen von 1928; 8.027.000 £ in heutigen Preisen). 42 Personen wurden durch die Sturmauswirkungen getötet. Die Orte Plymouth und Salem wurden verwüstet, und die Ernteausfälle führten zu hungersnotähnlichen Zuständen, bevor Hilfslieferungen eintragen.[10] An den Inseln St. Kitts und St. Croix zog der Hurrikan auf der Südseite vorbei. Dabei kam es zu schweren Schäden an Eigentum und der Landwirtschaft, doch wurden von diesen Inseln keine fatalen Personenschäden gemeldet.[3] Die Insel Nevis meldete drei sturmverursachte Todesfälle.[11]

Puerto Rico[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winde in Orkanstärke trieben dieses 3 m lang Holzstück in eine Palme in Puerto Rico.

Als der Sturm in der Nähe von Dominica war, warnte das Weather Bureau in San Juan, Puerto Rico über die Gefahr, dass ein Hurrikan die Insel binnen ein oder zwei Tagen treffen könnte. Die Warnung wurde per Telegraph an die 75 Polizeidistrikte geschickt und alle zwei Stunden von der Marinerundfunkstation gesendet;[14] es handelte sich um das erste Mal, dass Hurrikanwarnungen über Rundfunk verbreitet wurden.[5] Die Warnungen wurden auch an zwölf Häfen entlang der Südküste gesendet, sodass Schiffe im Hafen blieben oder die Nähe der Insel mieden. Die effektive Vorbereitung gilt als Grund für die verhältnismäßig geringe Opferzahl von 312 Toten; nicht ein einziges Schiff ging in der Nähe von Puerto Rico auf See verloren. Im Verhältnis dazu starben 1899 durch die Auswirkungen des San-Ciriaco-Hurrikan etwa 3000 Menschen.[14]

Nach Angaben des Büros des National Weather Service in San Juan war der Sturm „der bis zu dieser Zeit stärkste und intensivste und zerstörerischste aufgzeichnete Hurrikan in Puerto Rico“. Die stärksten Winde bekam die Insel ab, als der Sturm als Kategorie-5-Hurrikan direkt auf die Insel traf. Der Hurrikan hatte während der Überquerung Puerto Ricos eine extrem große Ausdehnung. Die in Guayama gemessenen Windgeschwindigkeiten erreichten 18 Stunden lang Orkanstärke; weil die Zuggeschwindigkeit mit 21 km/h angenommen wurde, wird der Durchmesser des Windfeldes in Orkanstärke grob auf knapp 380 km geschätzt.[14]

Der am 13. und 14. September gemessene Niederschlag ist bis heute der Rekordwert für den im Zusammenhang mit einem Hurrikan in Puerto Rico beobachteten Niederschlag in einer Zeitdauer von 48 Stunden. In Gebieten der Insel, wo Niederschlag häufig ist, etwa in der Cordillera Central und in der Sierra de Luquillo, fielen mehr als 640 mm Niederschlag; in Adjuntas wurden 750 mm Niederschlag gemessen. Das Anemometer in Puerta de Tierra verlor am 13. September um 11:44 Uhr Ortszeit einen der Löffel, als es gerade eine Windgeschwindigkeit von 240 km/h gemessen hatte, die mehr als fünf Minuten angehalten hatte. Zuvor hatte das Gerät eine Minute lang 260 km/h gemessen. Weil das Gerät sich etwa 50 km entfernt vom Auge des Hurrikans befand, scheint es möglich, dass die Schätzungen von 320 km/h für die Nähe des Zentrums nicht überzogen sind.[9]

Auf der Insel kam es verbreitet zur völligen Zerstörung, und die Städte, über die das Auge direkt hinwegzog, wurden regelrecht weggefegt.[9] Der Sachschaden durch Wind und Regen war katastrophal. Die nordöstliche Ecke der Insel bekam Winde in der Kategorie 3 ab. Mehrere hunderttausend Bewohner Puerto Ricos wurden obdachlos; laut offiziellen Berichten töteten die Sturmauswirkungen 312 Personen und verursachten Schäden von 50 Millionen US-Dollar (in Preisen von 1928; in heutigen Preisen 1.000 Millionen US-Dollar).[14][15]

Dominikanische Republik und Bahamas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Hurrikan Puerto Rico hinter sich gelassen hatte, zog er direkt nördlich an Hispaniola vorbei, verursachte jedoch in der Dominikanischen Republik nur sehr wenige Schäden. Dies ist zurückzuführen auf den relativ kleinen Kern und die auf der Südseite des Zentrums schwächeren Winde. Die Ausgabe von Sturmwarnungen reduzierte die Zahl der Schiffe, die dem Hurrikan ausgesetzt waren, in dem Gebiet.[3]

Auf den Bahamas forderte der Hurrikan 18 Todesopfer.

Florida[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Hurrikan in West Palm Beach, Florida

Starke Winde und eine 3 m hohe Sturmflut verursachten katastrophale Schäden entlang der damals zum Glück nur spärlich besiedelten Küstenlinie von Palm Beach.

Nachwirkungen des Hurrikans in Südflorida

Im Landesinneren richtete der Hurrikan verheerende Schäden entlang der Küste des Okeechobeesees an. Da der Hurrikan später als erwartet eintraf, dachten viele der zuvor evakuierten Anwohner, er hätte sie verfehlt und begaben sich zurück in ihre Häuser. Als der schlimmste Teil des Hurrikans mit Windgeschwindigkeiten von ungefähr 225 km/h den See überquerte, verursachte der südlich gerichtete Wind eine Sturmflut, die einen Deich am Südende des Sees überspülte. Die daraus resultierende Flut überschwemmte Hunderte von Quadratkilometern bis zu 6 m hoch. Häuser wurden von ihren Fundamenten abgehoben und von Hindernissen, auf die sie trafen, zerschmettert. Nachdem das Auge vorbeigezogen war, änderte die Flut ihre Richtung und zerstörte die Deiche an der Nordküste des Sees, was eine ähnliche, jedoch kleinere, Flut verursachte.

Überflutetes Gebiet

Das Flutwasser blieb für einige Wochen, was die Aufräumarbeiten stark beeinträchtigte. Die Bestattungsdienste waren schnell überlastet, so dass viele der Leichen in Massengräbern begraben werden mussten. Ungefähr 75 % der Toten waren in der Landwirtschaft beschäftigte Wanderarbeiter, was die Identifizierung der Toten und Vermissten sehr schwierig machte. Die meisten Leichen wurden in die Everglades abgetrieben, viele wurden niemals gefunden. Aus diesem Grund war die Zahl der Opfer nicht genau bestimmbar. Das Amerikanische Rote Kreuz schätzte die Zahl der Opfer auf 1836, was für viele Jahre der offizielle Wert des Nationalen Wetterdienstes der Vereinigten Staaten war. Ältere Quellen geben für die Gesamtzahl der Opfer, einschließlich derer in der Karibik, 3411 an. Im Jahr 2003 wurde diese Zahl durch „mindestens“ 2500 ersetzt, was den Okeechobee-Hurrikan nach dem Galveston-Hurrikan (1900) zur Naturkatastrophe mit der zweithöchsten Zahl an getöteten Personen in den Vereinigten Staaten machte (Stand 2008). In Florida wurden Tausende obdachlos. Der Sachschaden wurde auf 25 Millionen US-Dollar geschätzt. Weitere Schätzungen ergeben, dass ein Sturm dieser Größenordnung heute Schäden von 18,7 Milliarden US-Dollar verursachen würde. Heute ist ein Dammbruch dieser Art jedoch unwahrscheinlich, weil der Herbert-Hoover-Deich das Wasser des Okeechobeesees kontrolliert.

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

260 km/h waren bis dahin die höchste Geschwindigkeit, die für einen atlantischen Hurrikan auf Puerto Rico gemessen wurde. Erst 1950 kam mit Hurrikan Dog ein stärkerer Sturm.[4] Auf Grund dieser Messung wird der Okeechobee-Hurrikan als der erste der Kategorie 5 im Atlantikbecken betrachtet[16] – obwohl es als sicher gilt, dass frühere Stürme bereits diese Stärke erreichten (z. B. Great Havana Hurricane (1846)). Allerdings wurden diese noch nicht gemessen.[4]

„Rassen“aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atlantische Hurrikane mit den meisten Opfern
Rang Hurrikan Jahr Todesopfer
1 Großer Hurrikan von 1780 1780 22.000+
2 Hurrikan Mitch 1998 11.000–18.000
3 Galveston-Hurrikan 1900 1900 6.000–12.000
4 Hurrikan Fifi 1974 8.000–10.000
5 San-Zenon-Hurrikan 1930 2.000–8.000
6 Hurrikan Flora 1963 7.186–8.000
7 Pointe-à-Pitre 1776 6.000+
8 Neufundland-Hurrikan 1775 4.000–4.163
9 Okeechobee-Hurrikan 1928 3.375–4.075
10 San-Ciriaco-Hurrikan 1899 3.064–3.433+
Rangordnung nach der höchsten angenommenen Opferzahl.

Obwohl der Sturm alles, was sich ihm in den Weg stellte, zerstörte, waren die meisten Todesopfer in den ärmeren und zugleich tiefliegenden Gebieten rund um den See zu beklagen. Rund 75 % der Opfer waren Migranten zumeist schwarzer Hautfarbe. Auch bei den Aufräumarbeiten verrichteten Schwarze die meiste Arbeit, und von den wenigen vorhandenen Särgen wurden fast alle für Weiße benutzt. Die anderen Toten wurden entweder verbrannt oder in Massengräbern beigesetzt. Beerdigungen wurden segregiert und auch nur das Massengrab, in dem sich nur Weiße befanden, bekam einen Gedenkstein.

Verbesserte Bauvorschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Nachwirkungen des Hurrikans im Küstengebiet Floridas wurde offensichtlich, dass gut konstruierte Gebäude mit Fensterläden praktisch keine Schäden durch den Wind davongetragen haben, während dieser bei einfacheren Gebäuden ernste strukturelle Probleme verursachte. Gebäude mit einem stabilen Gerüst und solche aus Stahl, Beton, Ziegel oder Stein waren größtenteils immun gegenüber dem Wind und die Verwendung von Fensterläden verhinderte Schäden an den Fenstern und dem Innenraum. Da beim Miami-Hurrikan 1926 ein ähnliches Muster entdeckt wurde, war ein bleibendes Resultat des Sturms im Jahr 1928, dass die Bauvorschriften in Südflorida verbessert wurden. Spätere Stürme ähnlicher Stärke, wie der Fort-Lauderdale-Hurrikan (1947) verursachten deshalb wesentlich weniger Schäden als die Hurrikane der 1920er Jahre.[3]

Landing Vehicle Tracked[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch diesen Hurrikan erkannte John August Roebling II. die Notwendigkeit eines Rettungsfahrzeuges, das in der Lage sein sollte, sowohl auf Straßen als auch im Sumpf und in tieferen Wasserpassagen fahren zu können. Er beauftragte seinen Sohn Donald mit der Realisierung eines solchen Fahrzeuges, dessen Weiterentwicklung zum sogenannten Landing Vehicle Tracked führte, einem kettenbetriebenen Amphibienfahrzeug, das hauptsächlich von der US Navy und dem US Marine Corps, sowie in geringeren Stückzahlen auch von der US Army und den Alliierten während des Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurde. Die von 1942 bis 1945 laufende Produktion brachte insgesamt 18.621 dieser Fahrzeuge in den unterschiedlichsten Varianten hervor.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kleinberg, Eliot. (2003) Black Cloud: The Great Florida Storm of 1928. Carroll & Graf Publishers. ISBN 0-7867-1146-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Okeechobee-Hurrikan von 1928 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Chris Landsea: Documentation of Atlantic Tropical Cyclones Changes in HURDAT (Englisch) National Hurricane Center Hurricane Research Division. April 2014. Abgerufen am 28. August 2016.
  2. David Roth, Hugh Cobb: Virginia Hurricane History: Early Twentieth Century (Englisch) In: Virginia Hurricane History. Abgerufen am 23. November 2008.
  3. a b c d e f g h Charles Mitchell: The West Indian Hurricane of September 10-20. (PDF) In: Monthly Weather Review 1928. September 1928, S. 347–350. Bibcode: 1928MWRv...56..347M. doi:10.1175/1520-0493(1928)56<347:TWIHOS>2.0.CO;2. Abgerufen am 23. November 2008.
  4. a b c NHC Hurricane Research Division (Hrsg.): Atlantic hurricane best track ("HURDAT") (Englisch) Abgerufen am 17. Februar 2006.
  5. a b Orlando Pérez: Notes on the Tropical Cyclones of Puerto Rico (Englisch, PDF) San Juan, Puerto Rico National Weather Service. 1970. Abgerufen am 28. August 2016.
  6. National Hurricane Center: Atlantic hurricane best track (HURDAT version 2) (Englisch) United States National Oceanic and Atmospheric Administration. 6. Juli 2016. Abgerufen am 28. August 2016.
  7. National Hurricane Center: Continental United States Hurricanes (Detailed Description) (Englisch) United States National Oceanic and Atmospheric Administration’s Office of Oceanic & Atmospheric Research. Februar 2015. Abgerufen am 28. August 2016.
  8. Eliot Kleinberg: Black Cloud: The Great Florida Storm of 1928. Carroll & Graf Publishers, 2003, ISBN 978-0-7867-1146-8.
  9. a b c Frank Mújica-Baker: Huracanes y Tormentas que han afectado a Puerto Rico (Spanisch) Estado Libre Asociado de Puerto Rico, Agencia Estatal para el manejo de Emergencias y Administración de Desastres. S. 4, 9, 10. Abgerufen am 30. August 2016.
  10. a b William G. Innanen: A Condensed History of Montserrat. Archiviert vom Original am 12. Februar 2006. Abgerufen am 30. August 2016.
  11. a b Vincent K. Hubbard (2002). Swords, Ships & Sugar: History of Nevis. Corvallis, Oregon
  12. National Hurricane Center: The Deadliest Atlantic Tropical Cyclones, 1492–1996 (Englisch) 1995/1997. Abgerufen am 13. Februar 2006.
  13. Don R. Hoy: Agricultural Land Use of Guadeloupe, Issue 12.. National Academies Press, Washington, D.C. 1961 (Zugriff am 2016-08-58).
  14. a b c d Oliver L. Fassig: San Felipe–The Hurricane of September 13, 1928, at San Juan, P.R. In: American Meteorological Society (Hrsg.): Monthly Weather Review. 56, Nr. 9, 8. Dezember 1928, S. 350–352. Bibcode: 1928MWRv...56..350F. doi:10.1175/1520-0493(1928)56<350:SFHOSA>2.0.CO;2. Abgerufen am 30. August 2016.
  15. U.S. Southern Command: Hurricane Preparedness: History. U.S. Army. Archiviert vom Original am 17. Dezember 2007. Abgerufen am 30. August 2016.
  16. National Climatic Data Center (Hrsg.): Liste der Kategorie 5 Hurrikane im Atlantik, 1886–2000. Abgerufen am 13. Februar 2006.
Dieser Artikel wurde am 5. März 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.