Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – 4 × 400 m (Männer)

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Olympische Ringe
2014 Olympiastadion Munich.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin 4-mal-400-Meter-Staffel
Geschlecht Männer
Teilnehmer 84 Athleten aus 22 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion München
Wettkampfphase 9. September 1972 (Vorläufe)
10. September 1972 (Finale)
Medaillengewinner
Goldmedaille KeniaKenia KEN
Silbermedaille Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich GBR
Bronzemedaille FrankreichFrankreich FRA

Die 4-mal-400-Meter-Staffel der Männer bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 9. und 10. September 1972 im Olympiastadion München ausgetragen. In 22 Staffeln nahmen 84 Athleten an dem Wettkampf teil.

Den Olympiasieg erzielte die Staffel Kenias in der Besetzung Charles Asati, Munyoro Nyamau, Robert Ouko und Julius Sang. Silber gewann die Staffel Großbritanniens mit Martin Reynolds, Alan Pascoe, David Hemery und David Jenkins, Bronze ging an Frankreich (Gilles Bertould, Roger Velasquez, Francis Kerbiriou, Jacques Carette). Die Staffel der BR Deutschland – offiziell Deutschland – konnte sich für das Finale qualifizieren und belegte dort Rang vier. Staffeln aus der DDR– offiziell DDR, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Bestehende Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltrekord 2:56,16 min Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA
(Vince Matthews, Ron Freeman, Larry James, Lee Evans)
Mexiko-Stadt, Mexiko 20. Oktober 1968[1]
Olympischer Rekord Finale von Mexiko-Stadt, Mexiko

Durchführung des Wettbewerbs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staffeln absolvierten am 9. September drei Vorläufe, in denen sich die jeweils zwei besten sowie die nachfolgend zwei zeitschnellsten Mannschaften für das Finale am 10. September qualifizierten.

Die direkt qualifizierten Staffeln sind hellblau, die übrigen hellgrün unterlegt.

Zeitplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

9. September, 15.45 Uhr: Vorläufe
10. September, 16.10 Uhr: Finale[2]

Vorrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum: 9. September 1972, ab 15.45 Uhr[3]

Vorlauf 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Staffel Besetzung Zeit Anmerkung
1 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien Martin Reynolds
Alan Pascoe
David Hemery
David Jenkins
3:01,26 min
2 KeniaKenia Kenia Charles Asati
Munyoro Nyamau
Robert Ouko
Julius Sang
3:01,27 min
3 SchwedenSchweden Schweden Erik Carlgren
Kent Öhman
Ulf Rönner
Anders Faager
3:03,05 min
4 KanadaKanada Kanada Ian Gordon
Brian MacLaren
Craig Blackman
Tony Powell
3:04,22 min
5 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien Miro Kocuvan
Laszlo Ubori
Josip Alebić
Milorad Čikić
3:05,70 min
6 MarokkoMarokko Marokko Omar Ghizlat
Omar Chokhmane
Salah Fettouh
Mohamed Bouboud
3:05,92 min
7 PortugalPortugal Portugal Fernando da Cuñha Silva
Alberto Matos
José Carvalho
Fernando Mamede
3:10,00 min

Die für diesen Lauf gemeldete Staffel der USA konnte mangels startberechtigter Athleten nicht teilnehmen. Vince Matthews und Wayne Collett, Gold- und Silbermedaillengewinner im 400-Meter-Einzelrennen, waren wegen ihres Verhaltens während der Siegerehrung vom IOC gesperrt worden. An ihrer Stelle wurden Maurice Peoples und Tommy Turner benannt, die neben John Smith und Lee Evans laufen sollten. Smith hatte sich jedoch während des Einzelwettkampfes eine Sehnenverletzung zugezogen und konnte nicht starten. So standen der USA nur noch drei Läufer für den Einsatz in der Staffel zur Verfügung. Nachmeldungen waren nach den Regularien nicht möglich mit der Folge, dass die Vereinigten Staaten hier nicht teilnehmen konnten.

Vorlauf 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Staffel Besetzung Zeit Anmerkung
1 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland Bernd Herrmann
Horst-Rüdiger Schlöske
Hermann Köhler
Karl Honz
3:03,27 min
2 Trinidad und TobagoTrinidad und Tobago Trinidad und Tobago Edwin Roberts
Charles Joseph
Arthur Cooper
Patrick Marshall
3:03,48 min
3 NigeriaNigeria Nigeria Musa Dogon Yaro
Bruce Ijirighwo
Mamman Makama
Robert Ojo
3:04,31 min
4 Athiopien 1941Äthiopien Äthiopien Tegegne Bezabeh
Shoangizaw Worku
Ketema Benti
Mulugetta Tadesse
3:08,59 min
5 ItalienItalien Italien Daniele Giovanardi
Giacomo Puosi
Lorenzo Cellerino
Sergio Bello
3:09,7 min
6 TansaniaTansania Tansania Hamad Ndee
Obedi Mwanga
Omari Abdallah
Claver Kamanya
3:10,1 min
7 SenegalSenegal Senegal Omar Ba
Abdou Mamadou Sow
Samba Dièye
Jean-Pierre Mango
3:11,2 min
8 SudanSudan Sudan Mohamed Musa Gadou
Dafallah Sultan Farah
Ibrahim Saad Abdel Galil
Angelo Hussein
3:14,5 min

Vorlauf 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Staffel Besetzung Zeit Anmerkung
1 Polen 1944Polen Polen Jan Werner
Jan Balachowski
Zbigniew Jaremski
Andrzej Badeński
3:02,52 min
2 FinnlandFinnland Finnland Stig Lönnqvist
Ari Salin
Ossi Karttunen
Markku Kukkoaho
3:02,97 min
3 FrankreichFrankreich Frankreich Gilles Bertould
Roger Velasquez
Francis Kerbiriou
Jacques Carette
3:03,13 min
4 JamaikaJamaika Jamaika Leighton Priestley
Kim Rowe
Trevor Campbell
Alfred Daley
3:03,83 min
5 Venezuela 1954Venezuela Venezuela Raúl Dome Sanhouse
Félix Pérez
José Jacinto Hidalgo
Eric Phillips
3:09,7 min
6 TansaniaTansania Tansania Hamad Ndee
Obedi Mwanga
Omari Abdallah
Claver Kamanya
3:06,99 min
7 MalaysiaMalaysia Malaysia Tambusany Krishnan
Sinnaya Sabapathy
Mohamed Hassan bin Osman
Baba Singhe Peyadesa
3:13,51 min
DNS PakistanPakistan Pakistan

Finale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Staffel Besetzung Zeit Anmerkung
1 KeniaKenia Kenia Charles Asati
Munyoro Nyamau
Robert Ouko
Julius Sang
2:59,83 min
2 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien Martin Reynolds
Alan Pascoe
David Hemery
David Jenkins
3:00,46 min
3 FrankreichFrankreich Frankreich Gilles Bertould
Roger Velasquez
Francis Kerbiriou
Jacques Carette
3:00,65 min
4 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland Bernd Herrmann
Horst-Rüdiger Schlöske
Hermann Köhler
Karl Honz
3:00,88 min
5 Polen 1944Polen Polen Jan Werner
Jan Balachowski
Zbigniew Jaremski
Andrzej Badeński
3:01,05 min
6 FinnlandFinnland Finnland Stig Lönnqvist
Ari Salin
Ossi Karttunen
Markku Kukkoaho
3:01,12 min
7 SchwedenSchweden Schweden Erik Carlgren
Anders Faager
Kent Öhman
Ulf Rönner
3:02,57 min
8 Trinidad und TobagoTrinidad und Tobago Trinidad und Tobago Arthur Cooper
Patrick Marshall
Charles Joseph
Edwin Roberts
3:03,58 min

Datum: 10. September 1972, 16.10 Uhr[3]

Nachdem die US-Staffel an diesem Wettbewerb nicht teilnehmen konnte, gab es für das Finale keinen ausgemachten Favoriten. Nach den Eindrücken aus dem 400-Meter-Einzelrennen und den Staffelvorläufen bildeten v. a. Kenia, Großbritannien, BR Deutschland, Trinidad und Tobago und Polen den Kreis der Medaillenanwärter.

Im gesamten Rennablauf ging es äußerst eng und spannend zu. Sechs Teams konnten sich vor dem letzten Wechsel nur durch knappe Abstände voneinander getrennt noch Medaillenhoffnungen machen. Hermann Köhler hatte die deutsche Staffel in Führung gebracht und wechselte als Erster auf Karl Honz. Dahinter übernahm Andrzej Badeński für Polen den Stab, Kenia und Großbritannien, jetzt mit Europameister David Jenkins, lagen fast gleichauf. Kenias Schlussläufer Julius Sang konnte schließlich mit einer mit 43,5 Sekunden gestoppten Runde den Olympiasieg für seine Staffel sichern. Die Briten gewannen die Silbermedaille. Lange hatte Honz die Spitzenposition gehalten, baute aber auf der Zielgeraden ab und musste auch noch Frankreichs Schlussläufer Jacques Carette passieren lassen. Frankreich hatte nur über die Zeit das Finale erreicht und gewann nun mit 21 Hundertstelsekunden hinter den Briten Bronze. Die bundesdeutsche Staffel kam weitere 23 Hundertstelsekunden dahinter auf Platz vier ins Ziel. Zwischen Platz eins und acht lagen nur 3,75 Sekunden.[4]

Die kenianische Staffel errang den ersten Olympiasieg in dieser Disziplin für ihr Land.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 562 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive), abgerufen am 23. November 2017
  2. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 43, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 23. November 2017
  3. a b Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 58, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 23. November 2017
  4. SportsReference (engl.), abgerufen am 23. November 2017