Oskar Freysinger

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Oskar Freysinger (2014)

Oskar Freysinger (* 12. Juni 1960 in Siders, Kanton Wallis; heimatberechtigt in Guttet-Feschel) ist ein Schweizer Politiker (SVP).

Herkunft, Kindheit, Ausbildung, Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oskar Freysinger ist der Sohn eines Österreichers (aus dem Tirol) und einer Oberwalliserin. Nach dem Besuch der deutschsprachigen Schulen in Sitten studierte er an der Universität Freiburg i. Üe. Literatur und Philologie. 1985 beendete er sein Studium mit dem Lizentiat und dem Gymnasiallehrerdiplom. Von 1987 bis 2013 wirkte er als Lehrer am Gymnasium Planta in Sitten.[1]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freysingers politische Karriere begann 1997 mit der Wahl in den Gemeinderat von Savièse, damals noch in den Reihen der CVP. 1999 gründete er die erste SVP-Sektion in seinem Kanton und wurde später Präsident der SVP Unterwallis.[2] 2002 erlangte er nationale Bekanntheit durch ein selbstgeschriebenes Spottgedicht zur Bundesratskandidatur von Toni Bortoluzzi, das er am Parteitag der SVP Schweiz im aargauischen Lupfig rezitierte. Das Gedicht machte ihn über die Medien bekannt.[3]

Freysinger musste nach dem Gedicht als Kantonalpräsident der SVP Unterwallis zurücktreten, wurde aber bei den Schweizer Parlamentswahlen 2003 in den Nationalrat gewählt und bei den Wahlen 2007 wiedergewählt. Im Rahmen des Minarettstreits trat Freysinger als Minarettgegner aktiv auf. Er vertrat die Argumente der Verbotsbefürworter in verschiedenen Sendungen, auch auf dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Freysinger ist seit Mai 2012 einer von sieben Vizepräsidenten der SVP Schweiz.[4] Im März 2013 wurde Freysinger in den Walliser Staatsrat für die Legislatur 2013–2017 gewählt.[5] Der Staatsrat nahm seine Arbeit am 1. Mai 2013 auf,[6] Freysinger wurde Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit.[7] Bei den Staatsratswahlen 2017 wurde er nicht wiedergewählt,[8] sein Mandat endete Ende April 2017.[9] Er ist der erste abgewählte Walliser Staatsrat seit 80 Jahren.[10] Nach der Abwahl reichte die SVP eine Beschwerde beim Bundesgericht ein.[11] Die falschen Stimmen wurden jedoch offensichtlich für Freysinger abgegeben, im Juni wurde ein Mitglied der SVP in diesem Zusammenhang verhaftet.[12][13]

Oskar Freysinger (2007)

Freysinger trat bei verschiedenen Organisationen aus dem rechtspopulistischen und antiislamischen Spektrum als Redner auf. So nahm er 2009 bei einer Veranstaltung des Vlaams Belang als Redner teil.[14] Gemäss Medienberichten folgte Freysinger im Dezember 2010 einer Einladung der Organisation Riposte laïque und hielt bei einer umstrittenen Tagung der französischen Bewegung Bloc identitaire in Paris – wie vormals Dominique Baettig in Südfrankreich – eine Rede. Freysinger habe sich versichert, dass keine Holocaustleugner, Neonazis oder Faschisten teilnehmen würden. Er kündigte an, er werde sich beim Thema «Massnahmen gegen den Islam und seine Gefahren» weniger über den Islam als vielmehr über direkte Demokratie äussern.[15][16][17][18] Im Juni 2011 war er Gastredner bei der Gründung des bayerischen Landesverbandes der Partei Die Freiheit,[19] wo er die direkte Demokratie der Schweiz als politisches Vorbild präsentierte und die regierenden Politiker der EU-Staaten angriff. Diese gäben lediglich vor, demokratisch zu handeln, versuchten aber tatsächlich, die Demokratie zu unterdrücken, so Freysinger.[20]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Dokumentation der Schweizer Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus publizierte Freysinger 2008 in der Schweizer Gratiszeitung .ch ein rassistisches Gedicht mit Wortspielen über Kanaken, Kacke und ein Heer von Kakerlaken. Der Chefredaktor der Zeitung distanzierte sich nach der Veröffentlichung davon.[21]

Im März 2013 wurde durch eine Szene in einer Reportage des Schweizer Radios und Fernsehens bekannt, dass Freysinger im Büro in seinem Haus eine Reichskriegsflagge aufgehängt hat. Dies führte zu einer Kontroverse, da die Reichskriegsflagge heutzutage von Neonazis verwendet wird. Freysinger entgegnete, er habe die Flagge vor 15 Jahren aus rein ästhetischen Überlegungen gekauft, er finde sie schön. Er habe nicht gewusst, dass die Flagge vor allem von Neonazis verwendet wird.[22][23][24]

Im August und September 2013 erregte Freysinger mit der Anstellung des Genozid-Leugners Slobodan Despot als externen Kommunikationsverantwortlichen wiederum landesweites Aufsehen. Slobodan Despot, der ein Freund von Oskar Freysinger ist und das Buch Oskar et les Minarets über ihn schrieb, bestreitet öffentlich, dass das Massaker von Srebrenica des bosnischen Serbengenerals Ratko Mladić ein Genozid war. In diesem Zusammenhang wird in einem Schweiz aktuell Beitrag vom 16. August 2013 ein Ausschnitt gezeigt, in dem sich Freysinger dahingehend äussert, dass es in Srebrenica nicht um Frauen und Kinder, sondern um Männer ging, die grösstenteils in Kampfhandlung waren, und dass alles aufgebauscht wurde.[25][26][27][28][29][30]

Literarisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freysinger ist Mitglied des serbischen Schriftstellerverbandes, da der Schweizer Autorenverband Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) sein Antragsgesuch 2005 ablehnte, weil Freysinger ihre «gesellschaftspolitischen und ethischen Grundvorstellungen nicht teile».[24][31]

Im Rahmen des Rilke-Festivals 2009 in der Schweiz erhielt Freysinger für ein Gedicht den Lyrikpreis.[32] 2010 erhielt er den Kulturpreis seiner Wohngemeinde Savièse.[33]

2013 wurde bekannt, dass Freysinger der bisher unbekannte Autor des unter dem Pseudonym Janus veröffentlichten Romans Canines: antipolar (dt. Eckzähne) aus dem Jahr 2010 zum umstrittenen Justizfall Luca Mongelli ist. Das Kind Luca wurde 2002 halbnackt, bewusstlos und schwerverletzt im Schnee aufgefunden, die Behörden verdächtigten den Schäferhund der Familie, obwohl Luca von vier Jugendlichen sprach, die ihn geschlagen hätten. Seither ist Luca blind und gelähmt. Im Roman kritisierte Freysinger die Ermittlungen der Walliser Behörden. 2013 wurden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen.[34]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freysinger ist verheiratet und hat zwei Töchter und einen Sohn. Er wohnt in Savièse.[35]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oskar Freysinger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oskar Freysinger auf WikiWallis.ch.
  2. Der polarisierende Politiker mit Durchhaltewillen, Bilanz, 16. November 2015.
  3. Vincenzo Capodici: SVP-Poet träumt von Hollywood. Tages-Anzeiger, 25. Oktober 2009.
  4. sda: Toni Brunner als SVP-Parteipräsident bestätigt. NZZ Online, 5. Mai 2012.
  5. Wallis: SVP zieht mit Freysinger in den Staatsrat. SRF 1, 17. März 2013.
  6. Luzius Theler: Varones Erleichterung über das türkische Urteil. Neue Zürcher Zeitung, 19. März 2013.
  7. Oskar Freysinger auf der Website des Kantons Wallis.
  8. Andrea Kucera: Oskar Freysinger abgewählt. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. März 2017; abgerufen am 19. März 2017.
  9. Philippe Reichen, Claudia Blumer: Die SVP wittert eine Verschwörung. In: Tages-Anzeiger vom 21. März 2017.
  10. Freysinger abgewählt – Schmidt Erster. In: 1815.ch vom 19. März 2017.
  11. Wahlbetrug im Wallis? SVP reicht Beschwerde ein Tages-Anzeiger am 24. März 2017
  12. Falsche Stimmen für Freysinger, Walliser Bote am 31. Mai 2017
  13. Wahlbetrug im Wallis, Verhafteter Mann ist ein Mitglied der SVP im SRF vom 15. Juni 2017
  14. Einschätzungen der rassistischen Vorfälle in der Schweiz. SVP und Rechtsextremismus. GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus; abgerufen am 18. Dezember 2010.
  15. Geht Freysinger an Neo-Nazi Treffen? Der Bloc Identitaire, eine Gruppe französischer Rechtsextremisten, kündigt die Teilnahme von SVP-Nationalrat Oskar Freysinger an einem Treffen der Gruppe an. 20 Minuten, 17. November 2010; abgerufen am 18. Dezember 2010.
  16. Bernard Schmid: Europaweiter Anti-Islam-Kongress in Paris geplant. haGalil, deutsch-jüdisches Online-Nachrichtenmagazin, 6. Dezember 2010; abgerufen am 18. Dezember 2010.
  17. Stefan Brändle: Anti-Islamistenkongress: Hetzer unter sich. Frankfurter Rundschau, 20. Dezember 2010; abgerufen am 20. Dezember 2010.
  18. sda/widb: Freysinger nimmt an Anti-Islam-Treffen teil. SF Tagesschau, 18. Dezember 2010, archiviert vom Original am 28. Januar 2011; abgerufen am 18. Dezember 2010.
  19. Rudolf Stumberger: «Die Freiheit» nun auch in Bayern. Neues Deutschland, 6. Juni 2011.
  20. Oskar Freysinger: Münchner Rede zur direkten Demokratie. (Memento vom 8. Juni 2011 im Internet Archive) Die Freiheit, 5. Juni 2011, abgerufen am 9. Juni 2011.
  21. Chronologie der rassistischen Vorfälle in der Schweiz. Sitten VS, 13. Oktober 2008. GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA); abgerufen am 18. Dezember 2010.
  22. Daniel Foppa: Freysingers dekorative Kriegsflagge. Tages-Anzeiger, 26. März 2013.
  23. Was macht eine Reichskriegsflagge in Freysingers Büro? SRF 1, 26. März 2013.
  24. a b feb: Schweizer Populist Freysinger: Politiker schmückt Büro mit Reichskriegsflagge. Spiegel Online, 26. März 2013.
  25. Ein Genozidleugner fürs Walliser Bildungsdepartement. www.tagesanzeiger.ch; abgerufen am 19. Dezember 2013.
  26. Freysinger stellt Genozid-Leugner ein. www.blick.ch; abgerufen am 19. Dezember 2013.
  27. Pressemitteilung zu Slobodan Despot. Kanton Wallis; abgerufen am 19. Dezember 2013.
  28. Schweiz aktuell vom 16. August 2013. SRF; abgerufen am 19. Dezember 2013.
  29. Srebrenica wurde aufgebauscht. SRF; abgerufen am 19. Dezember 2013.
  30. Kein Kommentar zu Genozid Leugnung. www.1815.ch; abgerufen am 19. Dezember 2013.
  31. Thomas Widmer: Liebesgrüsse aus Moskau. Die Weltwoche, 4/2005, 27. Januar 2005
  32. sr/sda: Freysinger gewinnt Lyrikpreis – Organisatoren wenig erbaut. Tages-Anzeiger, 30. Juli 2009.
  33. Autoren-Porträt von Oskar Freysinger, Weltbild Verlag, abgerufen am 25. März 2013.
  34. a b Roman Banholzer: Fall Luca: Freysinger kritisiert seine eigenen Ermittler. In: Rundschau, SRF 1 vom 5. Juni 2013, aktualisiert am 6. Juni 2013
  35. Alejandro Velert: «Papa ist ein miserabler Verlierer». Schweizer Illustrierte, 26. Mai 2012 (Interview).
  36. Ronny Nicolussi: Die Bewunderung der Alt-Bundesrätin für den Rebellen. NZZ Online, 3. Mai 2012.