Oskar Freysinger

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Oskar Freysinger (2007)

Oskar Freysinger (* 12. Juni 1960 in Siders, Kanton Wallis; heimatberechtigt in Guttet-Feschel) ist ein Schweizer Politiker (SVP).

Karriere[Bearbeiten]

Der Gymnasiallehrer (bis 2013) und Präsident der SVP Unterwallis (bis 2013) erlangte 2002 nationale Bekanntheit durch ein selbstgeschriebenes Spottgedicht zur Bundesratskandidatur von Toni Bortoluzzi, das er am Parteitag der SVP Schweiz im aargauischen Lupfig rezitierte. Das Gedicht machte ihn über die Medien bekannt.[1]

Freysinger musste nach dem Gedicht als Kantonalpräsident der SVP Unterwallis zurücktreten, wurde aber bei den Schweizer Parlamentswahlen 2003 in den Nationalrat gewählt und bei den Wahlen 2007 wiedergewählt. Im Rahmen des Minarettstreits trat Freysinger als Minarettgegner aktiv auf. Er vertrat die Argumente der Verbotsbefürworter in verschiedenen Sendungen, auch auf dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Freysinger ist seit Mai 2012 einer von sieben Vizepräsidenten der SVP Schweiz.[2] Im März 2013 wurde Freysinger in den Walliser Staatsrat für die Legislatur 2013–2017 gewählt.[3] Der Staatsrat nahm seine Arbeit am 1. Mai 2013 auf,[4] Freysinger ist Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit.[5]

Freysinger trat bei verschiedenen Organisationen aus dem rechtspopulistischen und antiislamischen Spektrum als Redner auf. So nahm er 2009 bei einer Veranstaltung des Vlaams Belang als Redner teil.[6] Gemäss Medienberichten folgte Freysinger im Dezember 2010 einer Einladung der Organisation Riposte laïque und hielt bei einer umstrittenen Tagung der französischen Bewegung Bloc identitaire in Paris – wie vormals Dominique Baettig in Südfrankreich – eine Rede. Freysinger habe sich versichert, dass keine Holocaustleugner, Neonazis oder Faschisten teilnehmen würden. Er kündigte an, er werde sich beim Thema «Massnahmen gegen den Islam und seine Gefahren» weniger über den Islam als vielmehr über direkte Demokratie äussern.[7][8][9][10] Im Juni 2011 war er Gastredner bei der Gründung des bayerischen Landesverbandes der Partei Die Freiheit,[11] wo er die direkte Demokratie der Schweiz als politisches Vorbild präsentierte und die regierenden Politiker der EU-Staaten angriff. Diese gäben lediglich vor, demokratisch zu handeln, versuchten aber tatsächlich, die Demokratie zu unterdrücken, so Freysinger.[12]

Freysinger ist Mitglied des serbischen Schriftstellerverbandes. Der Schweizer Autorenverband Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) lehnte sein Antragsgesuch 2005 ab, weil Freysinger ihre «gesellschaftspolitischen und ethischen Grundvorstellungen» nicht teile».[13][14]

Im Rahmen des Rilke-Festivals 2009 in der Schweiz erhielt Freysinger für ein Gedicht den Lyrikpreis.[15] 2010 erhielt er den Kulturpreis seiner Wohngemeinde Savièse.[16]

2013 wurde bekannt, dass Freysinger der bisher unbekannte Autor des unter dem Pseudonym Janus veröffentlichten Romans Canines: antipolar (dt. Eckzähne) aus dem Jahr 2010 zum umstrittenen Justizfall Luca Mongelli ist. Das Kind Luca wurde 2002 halbnackt, bewusstlos und schwerverletzt im Schnee aufgefunden, die Behörden verdächtigten den Schäferhund der Familie, obwohl Luca von vier Jugendlichen sprach, die ihn geschlagen hätten. Seither ist Luca blind und gelähmt. Im Roman kritisierte Freysinger die Ermittlungen der Walliser Behörden. 2013 wurden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen.[17]

Freysinger ist verheiratet und hat zwei Töchter und einen Sohn. Er wohnt in Savièse.[18]

Kritik[Bearbeiten]

Laut einer Dokumentation der Schweizer Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus publizierte Freysinger 2008 in der Schweizer Gratiszeitung .ch ein rassistisches Gedicht mit Wortspielen über Kanaken, Kacke und ein Heer von Kakerlaken. Der Chefredaktor der Zeitung distanzierte sich nach der Veröffentlichung davon.[19]

Im März 2013 wurde durch eine Szene in einer Reportage des Schweizer Radios und Fernsehens bekannt, dass Freysinger im Büro in seinem Haus eine Reichskriegsflagge aufgehängt hat. Dies führte zu einer Kontroverse, da die Reichskriegsflagge heutzutage von Neonazis verwendet wird. Freysinger entgegnete, er habe die Flagge vor 15 Jahren aus rein ästhetischen Überlegungen gekauft, er finde sie schön. Er habe nicht gewusst, dass die Flagge vor allem von Neonazis verwendet wird.[20][21][13]

Im August und September 2013 erregte Freysinger, mit der Anstellung des Genozid-Leugners Slobodan Despot, als externen Kommunikationsverantwortlichen wiederum für landesweites Aufsehen. Slobodan Despot, der ein Freund von Oskar Freysinger ist und das Buch Oskar et les Minarets über ihn schrieb, bestreitet öffentlich, dass das Massaker von Srebrenica des bosnischen Serbengenerals Ratko Mladic ein Genozid war. In diesem Zusammenhang wird in einem Schweiz aktuell Beitrag vom 16. August 2013 ein Ausschnitt gezeigt, in dem sich Freysinger dahingehend äussert, dass es in Srebrenica nicht um Frauen und Kinder, sondern um Männer ging, die grösstenteils in Kampfhandlung waren, und dass alles aufgebauscht wurde.[22][23][24][25][26][27]

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vincenzo Capodici: SVP-Poet träumt von Hollywood. Tages Anzeiger, 25. Oktober 2009.
  2. sda: Toni Brunner als SVP-Parteipräsident bestätigt. NZZ Online, 5. Mai 2012.
  3. Wallis: SVP zieht mit Freysinger in den Staatsrat. SRF 1, 17. März 2013.
  4. Luzius Theler: Varones Erleichterung über das türkische Urteil. Neue Zürcher Zeitung, 19. März 2013.
  5. Oskar Freysinger auf der Website des Kantons Wallis.
  6. Einschätzungen der rassistischen Vorfälle in der Schweiz. SVP und Rechtsextremismus. GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, abgerufen am 18. Dezember 2010.
  7. Geht Freysinger an Neo-Nazi Treffen? Der Bloc Identitaire, eine Gruppe französischer Rechtsextremisten, kündigt die Teilnahme von SVP-Nationalrat Oskar Freysinger an einem Treffen der Gruppe an. 20 Minuten, 17. November 2010, abgerufen am 18. Dezember 2010.
  8. Bernard Schmid: Europaweiter Anti-Islam-Kongress in Paris geplant. haGalil, deutsch-jüdisches Online-Nachrichtenmagazin, 6. Dezember 2010, abgerufen am 18. Dezember 2010.
  9. Stefan Brändle: Anti-Islamistenkongress: Hetzer unter sich. Frankfurter Rundschau, 20. Dezember 2010, abgerufen am 20. Dezember 2010.
  10. sda/widb: Freysinger nimmt an Anti-Islam-Treffen teil. SF Tagesschau, 18. Dezember 2010, abgerufen am 18. Dezember 2010.
  11. Rudolf Stumberger: «Die Freiheit» nun auch in Bayern. Neues Deutschland, 6. Juni 2011.
  12. Oskar Freysinger: Münchner Rede zur direkten Demokratie. Die Freiheit, 5. Juni 2011, abgerufen am 9. Juni 2011.
  13. a b feb: Schweizer Populist Freysinger: Politiker schmückt Büro mit Reichskriegsflagge. Spiegel Online, 26. März 2013.
  14. Thomas Widmer: Liebesgrüsse aus Moskau. Die Weltwoche, 4/2005, 27. Januar 2005
  15. sr/sda: Freysinger gewinnt Lyrikpreis – Organisatoren wenig erbaut. Tages-Anzeiger, 30. Juli 2009.
  16. Autoren-Porträt von Oskar Freysinger, Weltbild Verlag, abgerufen am 25. März 2013.
  17. a b Roman Banholzer: Fall Luca: Freysinger kritisiert seine eigenen Ermittler. In: Rundschau, SRF 1 vom 5. Juni 2013, aktualisiert am 6. Juni 2013
  18. Alejandro Velert: «Papa ist ein miserabler Verlierer». Schweizer Illustrierte, 26. Mai 2012 (Interview).
  19. Chronologie der rassistischen Vorfälle in der Schweiz. Sitten VS, 13. Oktober 2008. GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA), abgerufen am 18. Dezember 2010.
  20. Daniel Foppa: Freysingers dekorative Kriegsflagge. Tages-Anzeiger, 26. März 2013.
  21. Was macht eine Reichskriegsflagge in Freysingers Büro? SRF 1, 26. März 2013.
  22. Ein Genozidleugner fürs Walliser Bildungsdepartement. www.tagesanzeiger.ch, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  23. Freysinger stellt Genozid-Leugner ein. www.blick.ch, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  24. Pressemitteilung zu Slobodan Despot. Kanton Wallis, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  25. Schweiz aktuell vom 16. August 2013. SRF, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  26. Srebrenica wurde aufgebauscht. SRF, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  27. Kein Kommentar zu Genozid Leugnung. www.1815.ch, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  28. Ronny Nicolussi: Die Bewunderung der Alt-Bundesrätin für den Rebellen. NZZ Online, 3. Mai 2012.