Bahnhof Paris-Nord

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Paris Gare du Nord)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gare du Nord
Haupteingang des Bahnhofs
Haupteingang des Bahnhofs
Daten
Lage im Netz Kopfbahnhof
Bahnsteiggleise 31 (davon 4 im Tiefgeschoss)
IBNR 8700014
Eröffnung 20. Juni 1846
Architektonische Daten
Architekt Jakob Ignaz Hittorff
(Umbau 1861 - 1866)
Lage
Stadt Paris
Département Paris
Region Île-de-France
Staat Frankreich
Koordinaten 48° 52′ 58″ N, 2° 21′ 24″ O48.8827777777782.3566666666667Koordinaten: 48° 52′ 58″ N, 2° 21′ 24″ O
Eisenbahnstrecken

Bahnstrecke Paris–Lille

Liste der Bahnhöfe in Frankreich
i7i12i13i15i16i16i18i19

Der Bahnhof Paris-Nord (französisch: Gare de Paris Nord[2], oft kurz Gare du Nord), liegt im 10. Arrondissement von Paris am Place Napoléon III. und ist der am meisten frequentierte Bahnhof in Europa.[3] Täglich werden an diesem Kopfbahnhof etwa 700 000 Passagiere (Stand 2015)[4] abgefertigt.

Geschichte[Bearbeiten]

Frontansicht
Innenansicht des Kopfbahnhofs

Das 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Vorgänger des Bahnhofs war der am 20. Juni 1846 eingeweihte und von der Familie Rothschild finanzierte Belgische Bahnhof, welcher zunächst die Bezeichnung "embarcadère[5] du Chemin de Fer du Nord" trug. Das Bahnhofsgelände umfasste anfangs 12 000m² und es gab nur zwei Gleise: Ein Ankunfts- und ein Abfahrtsgleis.

Mit dem schnell wachsenden Streckennetz konnte der Bahnhof das entsprechend ansteigende Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen. Bereits 1854 musste beim Besuch von Queen Victoria deren Sonderzug in letzter Minute zum nahen Bahnhof Paris-Est (Gare de l'Est) umgeleitet werden.[6]

Das zuständige Ministerium erteilte die Erlaubnis, zur Errichtung eine größeren Bahnhofs. Im Pflichtenheft wurde festgehalten, dass in der Außenfassade eine Uhr angebracht werden musste, und dass der neue Bahnhof den gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen zu genügen hatte.[4]

Der Präsident der Eisenbahngesellschaft Chemins de fer du Nord, James Mayer Rothschild, beauftragte den aus Köln stammenden und in Paris lebenden Architekten Jakob Ignaz Hittorff (unter Mitarbeit von Heinrich Köhler) mit der Bauplanung. Im Mai 1861 war Baubeginn, die Bauarbeiten dauerten bis Dezember 1865. Bereits während der Bauarbeiten wurde der Bahnhof am 19. April 1864 eröffnet, obwohl am Empfangsgebäude noch weitere eineinhalb Jahre gebaut wurde. Die 180 Meter lange Prunkfassade[7] wurde um einen großen verglasten Bogen angelegt. Die Zentralhalle hat eine Fristhöhe von 30 m. Das Bauwerk weist die übliche U-Form eines Kopfbahnhofs auf; die Fassage wurde 1975 als Monument historique unter Denkmalschutz gestellt. Das neue Bahnhofsgelände hat eine Fläche von 3,6 ha und ist damit dreimal so groß wie sein Vorgängerbahnhof. Im neuen Bahnhof hatte anfangs acht Gleise.

Die Weltausstellungen des späten 19. Jahrhunderts waren Anlass, entsprechend dem in der Zwischenzeit gestiegenen Verkehrsaufkommen - allein zwischen 1875 und 1889 stieg die Zahl Reisenden pro Jahr von 6 Millionen aud 10 Millionen - weitere Gleise und Bahnsteige einzurichten: Anlässlich der Weltausstellung Paris 1889 wurde die Zahl der Gleise von 13 auf 18 erhöht. Anlässlich der Weltausstellung Paris 1900 wurden zehn weitere Gleise angelegt. Die Gleise wurden in vier Gruppen strukturiert: Gleise 1 bis 5 dienten als Abfahrtsgleise für die Fernstrecken; die Gleise 6 bis 13 dienten dem Vorortverkehr (in Richtung Pontoise, Valmondois, Montsoult), aud den Gleisen 14 bis 19 kamen die Züge der Fernstrecken an. Die Gleise 20 bis 24 dienten den Strecken über Soissons und 25 bis 28 dem Nahverkehr und später auch den Zügen der Petite Ceinture.

Die Fassade des ehemaligen Belgischen Bahnhofs wurde nach Lille transloziert und dort, ergänzt um ein zusätzliches Stockwerk und einen Uhrturm, als Fassade des Bahnhofs Lille-Flandres wiederverwendet.[8]

Die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Der erste Flèche d'or bei der Abfahrt in Paris Garis du Nord

Die Bedeutung des Gare du Nord als Verkehrsknoten stieg weiter an, als 1906 die Linie 5 der Metro und 1908 die Linie 4 der Metro den Bahnhof erreichte.

Später waren Luxuszüge ab dem Gare du Nord unterwegs: so z.B. der 1. Klasse-Zug La Flèche d'or, welcher ab 1927 eine Verbindung nach London bot.

Die 1930er Jahre brachten Verbesserungen im Bahnhofsvorfeld: Durch den Bau mehrerer Überwerfungsbauwerke gelang es, die einzelnen Gleisgruppen besser voneinander zu trennen und viele Gleiskreuzungen auszumerzen. Im gleichen Jahr wurde wurde weit vor Paris, auf dem Gebiet der Gemeinde Villetaneuse das Dépôt des Joncherolles errichtet, welches zum Abstellen der Vorortzüge diente.

Elektrifizierung[Bearbeiten]

Die in den 1950er und 60er Jahren durchgeführte Elektrifizierung des Bahnlinien im Norden Frankreichs brachte ab 1957 auch wichtige Neuerungen für den Gare du Nord: Die den Fernzügen vorbehaltenen Bahnsteige 1 bis 5 und 15 bis 19 wurden einheitlich auf 400 m verlngert. 1958 wurde ein Relaisstellwerk errichtet, welches mehrere mechanische Stellwerke überflüssig machte.

Um während der Bauarbeiten den Bahnhof zu entlasten, wurden die Züge aus Beauvais 1957/58 zum Bahnhof Saint-Lazare umgeleitet.

Die von Lille ausgehende Elektrifizierung erreichte 1958 Paris: Die Oberleitungen wurden am 9. Dezember 1958 unter Strom gesetzt (25 kV): Es wurde der gesamte Gleisbereich des Bahnhofs elektrifiziert, aber der Vorortsverkehr wurde noch einige Jahre lang mit Dampfloks durchgeführt. 1961 wurde die Strecke Paris - Creil - französische Grenze elektrifiziert; die Strecke Ermont-Eaubonne - Valmondois erst 1970.

Der RER-Bahnhof[Bearbeiten]

Im Zuge der Einrichtung des RER wurde die Ligne de Sceaux vom Bahnhof Luxembourg unterirdisch bis zum Bahnhof Paris-Nord verlängert, um sie dort mit der Strecke nach Mitry-Claye zu verknüpfen. Für diese neue Nord-Süd-Verbindung (die Linie B des RER) wurde von 1977 bis 1981 der Bahnhof um einen viergleisigen unterirdischen Teil erweitert, der später auch die Züge des Linie D des RER aufnahm. Dadurch verschwanden die Gleise für den Regionalverkehrs aus der Haupthalle und schufen Platz für den TGV Nord und den Ausbau der Zugverbindungen in die Grande couronne der Île-de-France.

Bau des unterirdischen RER-Bahnhofs (August 1979)

Der unterirdische Bahnhof ist zweistöckig: hier verlaufen vier Gleise für die beiden RER-Linien und dazwischen liegen zwei Bahnsteige von 14 bzw. 17 m Breite. Das Zwischengeschoss darüber (genannt Mezzanine) ist eine große Wandelhalle, welche den Reisenden den Übergang zwischen den verschiedenen Bahnhofsbereichen sowie zur Metro und den Bushaltestellen erlaubt. Dieser unterirdische Teil liegt am Ostrand des betehenden Bahnhofs: In offener Bauweise wurde eine mehr als 300 m lange und 50 m breite Baugrube angelegt, dabei durfte der restliche Zugverkehr nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Dem Bau fielen nur drei Gleise der Verbindung nach Mitry und eine nicht mehr benötigte Gepäckabfertungshallte zum Opfen.

Parallel zur Errichtung der LGV Nord wurde der Bahnhof umfassend umgebaut, da mit Inbetriebnahme der Strecke und des Eurotunnels mit einer Steigerung der Reisendenzahlen von 21 auf 36 Millionen pro Jahr gerechnet wurde. Unter anderem wurde ein unterirdisches Parkhaus mit 1300 Stellplätzen für Personenkraftwagen geschaffen.[9] Der Nordbahnhof ist ein Bahnhof für Vorstädter („Banlieusards“), denn 85 Prozent aller Fahrgäste gehören hierzu.

Anbindung[Bearbeiten]

Abfahrten
Übersicht der zuständigen Bahnhöfe

Allgemeines[Bearbeiten]

Der Gare du Nord ist der größte Bahnhof Europas und weltweit der drittgrößte. Von hier aus verkehren Züge in vier Länder: Großbritannien, Niederlande, Belgien und Deutschland.

Täglich fahren 2100 Züge ab und transportieren bis zu 700.000 Personen. Anbindungen an den Nahverkehr und innerstädtischen ÖPNV bestehen über drei RER-Linien, drei Metrolinien, 12 Buslinien und sieben Nachtbuslinien des Noctilien-Netzes.[10]

Grandes lignes (Fernverkehr)[Bearbeiten]

International

Der Nachtreisezug CNL nach Berlin und Hamburg verkehrt seit 2008 vom Bahnhof Paris-Est, die Strecke führt nicht mehr über Lüttich und Köln, sondern über Metz und Saarbrücken.

National

Regionalverkehr[Bearbeiten]

Der neue Teil mit der Umsteigehalle für die RER-Linien

Stadtverkehr[Bearbeiten]

Im Bahnhof halten die Linien 4 und 5 der Pariser Métro. Die Station La Chapelle der Linie 2 kann über einen Fußgängerkorridor erreicht werden.

Panorama-Innenansicht des Bahnhofs Paris-Nord

Trivia[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. LA SATURATION DU RESEAU FERRE FRANCILIEN (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 685 kB)
  2. Paris Nord – Gares & Connexions. Abgerufen am 25. Mai 2015 (Website der Betreibergesellschaft der Bahnhöfe in Frankreich).
  3. Richard Deiss: Flügelradkathedrale und Zuckerrübenbahnhof. Kleine Geschichte zu 200 europäischen Bahnhöfen. Bonn 2010, S. 46
  4. a b Pressemiteilung der SNCF vom 24. Juni 2015 (französisch) abgerufen am 26. Juni 2015
  5. Bemerkung: "Embarcadére" steht im Französischen eigentlich Schiffsanlegestelle oder Landesteg; wurde aber in der Frühzeit des Eisenbahnwesens auch für Abfahrts- / Ankunftsstellen von Eisenbahnen gebraucht. Später setzte sich dann die Bezeichnung gare durch.
  6. Deiss, S. 46.
  7. Datenbankeintrag bei structurae.de
  8. Deiss, S. 47.
  9. Meldung Dritte TGV-Linie eröffnet. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 42, Nr. 7/8, 1993, S. 432
  10. Pressemiteilung der SNCF vom 24. Juni 2015 (französisch) abgerufen am 26. Juni 2015
  11. Deiss, S. 46.