Südliche Neustadt (Halle)

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Wappen von Halle (Saale)
Südliche Neustadt
Stadtteil von Halle (Saale)
Altstadt Ammendorf/Beesen Böllberg/Wörmlitz Büschdorf Damaschkestraße Dautzsch Diemitz Dieselstraße Dölau Dölauer Heide Freiimfelde/Kanenaer Weg Frohe Zukunft Gebiet der DR Gesundbrunnen Gewerbegebiet Neustadt Giebichenstein Gottfried-Keller-Siedlung Heide-Nord/Blumenau Heide-Süd Industriegebiet Nord Kanena/Bruckdorf Kröllwitz Landrain Lettin Lutherplatz/Thüringer Bahnhof Nietleben Mötzlich Nördliche Innenstadt Nördliche Neustadt Paulusviertel Planena Radewell/Osendorf Reideburg Saaleaue Seeben Silberhöhe Südliche Neustadt Südstadt Tornau Trotha Westliche Neustadt Am Wasserturm/Thaerviertel Südliche InnenstadtLage des Stadtteils Südliche Neustadt (Halle)   in Halle (Saale) (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Koordinaten 51° 28′ 24″ N, 11° 55′ 47″ O51.47333333333311.929722222222Koordinaten: 51° 28′ 24″ N, 11° 55′ 47″ O.
Einwohner 14.356 (31. Dez. 2013)
Postleitzahl 06124
Vorwahl 0345
Verkehrsanbindung
Bundesstraße B80

Die Südliche Neustadt ist ein Stadtteil der Stadt Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt, Deutschland. Er liegt zum großen Teil auf dem Gebiet des Dorfes Passendorf, das für den Bau von Halle-Neustadt größtenteils weichen musste.

Lage[Bearbeiten]

Die Südliche Neustadt grenzt im Norden an die Nördliche Neustadt (Halle), im Osten an die Saaleaue und im Westen an das Gewerbegebiet Neustadt (Halle) sowie an die Westliche Neustadt (Halle). Die Grenze des Stadtteils verläuft weitestgehend auf der B80, der Magistrale und entlang der S-Bahn-Strecke (Zollrain).

Da dieser Stadtteil im ehemaligen Überschwemmungsgebiet der Saale liegt, wurde bereits 1935 der Passendorfer Damm aufgeschüttet. Dieser verläuft entlang der Bundesstraße 80.

Das Gebiet des Stadtteils Südliche Neustadt befindet sich zu großen Teilen auf dem ehemaligen Gebiet des Dorfes Passendorf. Große Teile des Dorfes wurden für den Bau der Neustadt weggerissen. Nur noch wenige Häuser entlang der Passendorfer Kirche (Halle) und am Passendorfer Schlösschen im Bereich der Kamm- und Teichstraße stehen heute noch.

Geschichte[Bearbeiten]

Passendorf vor der Eingemeindung nach Halle (Saale)[Bearbeiten]

Passendorf wurde in einer Schenkungsurkunde des Bischofs Werner von Merseburg im Jahr 1091 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort gehörte bis 1815 zum hochstiftlich-merseburgischen Amt Lauchstädt, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[1] Das Dorf war der nördlichste Ort des Amts Lauchstädt. Im Westen grenzte der Ort an die Grafschaft Mansfeld, im Norden und Osten an den Saalkreis, der unter der Hoheit des Erzstifts Magdeburg stand. Die Saale markierte im Osten die natürliche Grenze zum Saalkreis. Nachdem die nahe gelegene Stadt Halle und der Saalkreis im Jahr 1680 zum Herzogtum Magdeburg unter kurfürstlich brandenburgische bzw. im Jahr 1701 unter preußische Herrschaft kamen, gewann Passendorf als Grenzort gegenüber Halle an Bedeutung. Als Schankort war das kursächsische Passendorf ein beliebtes Ziel für die Bürger und Studenten aus dem preußischen Halle. Im Ort trafen sich verbotene und verfolgte Studentenverbindungen zu ihren Versammlungen. Nach seiner Vertreibung aus der halleschen Universität hielt sich der Gelehrte Christian Wolf kurze Zeit in Passendorf auf. Nach dem Verbot des Theaterspiels in Halle erhielt Passendorf im Jahr 1772 Aufschwung als Theaterdorf am Rand von Halle, jenseits der Landesgrenze von Preußen. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam Passendorf im Jahr 1815 zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Merseburg[2] im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1950 gehörte. Um 1900 zählte Passendorf 1372 Einwohner, der Gutsbezirk Passendorf 38 Personen. Aufgrund der rasant wachsenden Bevölkerung im Raum Halle bestand bereits um 1900 die Notwendigkeit der Erschließung neuen Wohnraums. Die ersten Pläne der Bebauung der Fläche westlich der Altstadt von Halle gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts und in den 1920er Jahren, da die Altstadt von Halle aufgrund der Einengung zwischen Saale im Westen und Bahngleisen im Osten wenig Erweiterungsmöglichkeit bot. Sie wurden jedoch damals noch nicht umgesetzt, da das Gebiet im natürlichen Überflutungsbereich der Saale liegt. Erst durch den Bau des Passendorfer und Gimritzer Damms in den 1930er Jahren konnte die Überflutung des bebauten Bereichs am westlichen Saaleufer verhindert werden.[3]

Passendorf als Stadtteil von Halle (Saale)[Bearbeiten]

Bei der Kreisreform in der DDR wurde Passendorf am 1. Juli 1950 in die Stadt Halle (Saale) eingemeindet.[4] Seitdem gehörte der Ort zum Stadtbezirk Halle-West.

Im Jahr 1958 wurde auf einer Konferenz des Zentralkomitees der SED zum Thema „Chemieprogramm der DDR“ das Thema der Bebauung des Gebiets westlich von Halle (Saale) wieder aufgegriffen. Die Konferenz beschloss die Ansiedlung von Arbeitskräften in der Nähe der Chemiestandorte der Buna-Werke in Schkopau und der Leunawerke in Leuna. Zwischen 1959 und 1963 wurden dafür 19 Standorte geprüft. Die Wahl des SED-Politbüros fiel im Jahr 1963 auf das Gebiet zwischen der Altstadt von Halle, Nietleben und Passendorf, da in der Gegend genügend freies Ackerland zur Verfügung stand und man sich von den dort vorhandenen Südwestwinden die wenigste Luftverschmutzung für das neue Wohngebiet erhoffte.[5]

Bereits am 13. Dezember 1963 begann mit der tiefenbaulichen Erschließung des späteren Wohnkomplexes I und des Plattenbauwerks der Aufbau von Halle-Neustadt. Das Plattenbauwerk, das die Betonteile für die geplanten Wohneinheiten fertigte, eröffnete am 1. Februar 1964.

Passendorf als Teil von Halle-Neustadt[Bearbeiten]

Die Grundsteinlegung von Halle-Neustadt erfolgte am 15. Juli 1964. Die neue Stadt wurde am Rande der Saaleaue zwischen dem Ort Zscherben und den halleschen Ortsteilen Passendorf und Nietleben platziert, wobei Passendorf größtenteils abgerissen wurde. Der alte Ortskern von Passendorf befand sich östlich des heutigen S-Bahnhofs „Zscherbener Straße“ im Bereich von Kamm- und Teichstraße. Das nördlich gelegene „Neue Dorf“ musste ebenso wie das südlich gelegene Unterdorf und das westlich jenseits der S-Bahntrasse gelegene Oberdorf den Plattenbauten weichen. Mit der Errichtung des Wohngebietes Südpark wurde das Gebiet um die Kamm- und Teichstraße zu einer Art dörflichen Oase im sonst von Hochhäusern geprägten Stadtbild.

In der Folgezeit entstanden in Halle-Neustadt Wohnungen für 39.000 Einwohner (Stand: 1970). Am 12. Mai 1967 wurde die neue Siedlung vom Stadtteil Halle-West zur Stadt Halle-Neustadt erklärt und das Gebiet formell aus dem Stadtgebiet von Halle herausgelöst. Nach einer Abstimmung anlässlich der Kommunalwahl am 6. Mai 1990 wurde Halle-Neustadt mit der Stadt Halle vereinigt. Seither umfasst das ehemalige Stadtgebiet den Stadtbezirk West der Stadt Halle, mit den Stadtteilen Nördliche Neustadt, Südliche Neustadt, Westliche Neustadt und Gewerbegebiet Neustadt. Die alte Ortslage von Passendorf gehört seitdem zur Südlichen Neustadt.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Nordosten, direkt an der B80 und der Magistrale befindet sich das Saale-Center. Ein Einkaufszentrum auf zwei Etagen und mit Tiefgarage. Mit dem S-Bahnhof "Zscherbener Straße" hat das Viertel Anschluss an die S-Bahn Mitteldeutschland.

Am Zollrain befindet sich ein großer Kaufland-Markt.[6] Ein Ausflugsziel ist der Südpark.[7] Er ist ein Park der Stadt Halle (Saale). Der Südpark wird vom Kirchteich (Halle) und von der B80 eingeschlossen.

Zeugen des alten Passendorfs in Halle-Neustadt[Bearbeiten]

Dörfliche Reste des alten Passendorfs haben sich entlang der Kamm- und Teichstraße erhalten. Darunter befindet sich das Passendorfer Gut, ein ehemaliges Rittergut. Im folgenden Abschnitt werden diese Zeugen des alten Passendorf erläutert.

Platz Drei Lilien

Am „Platz Drei Lilien“ stand ein gleichnamiges Gasthaus, das als erstes festes Theaterhaus in Halle und Umgebung galt. In diesem Bereich sind Theaterhaus, Zollhäuser und Gaststätten verschwunden, nur die Zollbrücke ist bis heute erhalten.

Passendorfer Gut

Das Passendorfer Gut, auch „Passendorfer Schlösschen“ genannt, ist ein ehemaliges Gutshaus, welches sich unter Denkmalschutz befindet. Nachdem das erste, um 1808 erbaute Gutshaus abgerissen wurde, entstand 1898 ein neues Gebäude im eklektizistischen Stil. Mit dem Aufbau Halle-Neustadts wurde das ehemalige Rittergutshaus als Klubhaus Süd genutzt, später war es als Klubhaus „Johannes R. Becher“ mit einem Veranstaltungssaal, Gaststätte und Kellerbar ausgestattet und wurde auch als Sitz der Musikschule Halle-Neustadt genutzt. Nachdem es seit 1993 leer stand und mehrfach zum Verkauf angeboten wurde, hat in der Gegenwart der Heimatbund Passendorf e.V. in dem Haus sein Domizil.[8]

Kirche Passendorf

Die Passendorfer Kirche am Schulplatz wurde um 1723 erbaut und wird in der heutigen Zeit durch die evangelische Kirchengemeinde Halle-Neustadt genutzt. Ihre barocke Ausstattung ließ die Kirchenverwaltung in den 1960er Jahren entfernen.

Kastanienallee

In der Kastanienallee sind noch die Reste des verfallenen Gutshofs erkennbar.

Freiwillige Feuerwehr Halle-Passendorf

Die Freiwillige Feuerwehr Halle-Passendorf ist eine von zwölf freiwilligen Feuerwehren in Halle. Sie existiert im Jahr 2015 bereits seit 140 Jahren.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas“, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0;S. 84 f.
  2. Der Landkreis Merseburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. Webseite über die Saaleaue
  4. Passendorf auf gov.genealogy.net
  5. Artikel über Passendorf in der Mitteldeutschen Zeitung vom 27. April 2014
  6. Der Kaufland am Zollrain
  7. Südpark Halle (Saale)
  8. Webseite über das Passendorfer Schlösschen
  9. Webseite der FFW Halle-Passendorf