Reideburg

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Wappen von Halle (Saale)
Reideburg
Stadtteil von Halle (Saale)
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Über dieses Bild
Koordinaten 51° 28′ 48″ N, 12° 2′ 53″ OKoordinaten: 51° 28′ 48″ N, 12° 2′ 53″ O.
Höhe 93 m ü. NN
Einwohner 2514 (31. Dez. 2017)
Eingemeindung 1. Jul. 1950
Postleitzahl 06116
Vorwahl 0345
Verkehrsanbindung
Autobahn A14
Bus 27 43 351

Reideburg im Stadtbezirk Ost ist der östlichste Stadtteil der Stadt Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt, Deutschland mit 2514 Einwohnern im Jahr 2016.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Reidebach in Reideburg

Durch Reideburg fließt der Reidebach, welcher den Stadtteil gen Westen gegen die benachbarten Stadtteile abgrenzt. Im Süden ist der Kabelskebach die Flurgrenze.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen von Reideburg befand sich eine alte Wallburg aus der Zeit der Völkerwanderung. Aus späterer Zeit sind in Reideburg Reste von drei Burgen erhalten. Die erste befand sich im Ortsteil Burg, die zweite war eine Wasserburg südöstlich der Kirche St. Gertraud im Bereich des ehemaligen Ritterguts und die dritte ein vermutlich slawischer Burgwall nordwestlich der Kirche St. Gertraud.[2] Der heutige Hallenser Stadtteil Reideburg besteht aus den zusammengewachsenen Dörfern Reideburg, Burg bei Reideburg, Sagisdorf, Kapellenende, Krondorf und Schönnewitz. Bis 1815 lief durch den heutigen Stadtteil die magdeburgisch-sächsische bzw. preußisch-sächsische Landesgrenze. Zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Teil gehörte Burg bei Reideburg mit einem Teil von Reideburg. Sie waren bis 1815 amtssässige Orte[3] des Amts Delitzsch.[4]

Der andere Teil Reideburgs und die Dörfer Krondorf, Schönnewitz und das Rittergut Sagisdorf gehörten hingegen zum Saalkreis des Erzstifts Magdeburg. 1680 kam dieses als Herzogtum Magdeburg unter brandenburg-preußische Herrschaft. Der magdeburgische bzw. preußische Teil Reideburgs gehörte wie Krondorf (frühere Schreibweise: Crondorf) und Schönnewitz zum Amt Giebichenstein, welches auch die Obergerichte über das Rittergut Sagisdorf innehatte. Die beiden Rittergüter in Reideburg gehörten dem Waisenhaus zu Glaucha.[5] Die Orte im Osten von Halle wurden früher als „Küchendörfer“ bezeichnet, da durch den fruchtbaren Boden viel Obst und Gemüse angebaut wurde, welches der Versorgung von Halle diente.

19. Jahrhundert bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit der napoleonischen Besatzung (1807–1813) wurden Reideburg preuß. Anteils, Krondorf, Sagisdorf und Schönnewitz dem Kanton Halle-Land im Distrikt Halle (Departement der Saale) des Königreichs Westphalen zugeordnet.[6] Nachdem Gebhard Leberecht von Blücher im Jahr 1813 sein Hauptquartier in Pouch in der Nähe von Leipzig aufgeschlagen hatte, beabsichtigte er ursprünglich Napoleon Bonapartes Angriff hinter den Reidesümpfen von Döllnitz bis Reideburg zu erwarten.

Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Burg bei Reideburg und der sächsische Anteil Reideburgs an Preußen abgetreten. Sie wurden wie Reideburg preuß. Anteils, Krondorf, Sagisdorf und Schönnewitz im Jahr 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Saalkreis zugeordnet.[7] Im 19. Jahrhundert wuchsen die Orte allmählich zur Gemeinde Reideburg zusammen, wodurch einzelne Ortsnamen verschwanden.

Durch mehrere Tieferlegungen und eine Regulierung des Laufes der Reide 1926/27 wurden diese Sumpfgebiete und Wiesen im Ort immer trockener und es entstanden daraus nach und nach Ackerflächen. Das 70 Hektar große Rittergut Sagisdorf, der größte Betrieb für Edelobst und Frühgemüse im Saalkreis lieferte seine Produkte bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ausschließlich zu den Großmärkten Halle und Leipzig.

Am 1. Juli 1950 wurde Reideburg nach Halle (Saale) eingemeindet.[8] In der Mitte der 1990er Jahre wurde für sämtliche an den Reidebach grenzenden Orte ein zentrales Abwassersystem errichtet.

Seit der Jahrtausendwende wird am östlichen Ortsrand und den benachbarten Gemeinden Queis (Landsberg) und Kabelsketal das Gewerbegebiet Star Park errichtet.

In den letzten Jahren sind in Reideburg mehrere Neubaugebiete entstanden, welche auch die Einwohnerzahl steigen ließen. So das Gebiet am Sagisdorfer Park, sowie um Schönnewitz.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen

Durch Reideburg verläuft die Delitzscher Straße von Halles Innenstadt zur A14-Abfahrt „Halle (Saale)-Ost“. Derzeit gibt es Planungen für eine Umgehungsstraße, welche Reideburg südlich umfahren soll und durch die Priemitzer Mark verläuft.

Schienenverkehr

Mit der Eröffnung der Straßenbahnlinie C wurde Reideburg am 9. Mai 1914 an das Hallenser Straßenbahnnetz angebunden. Somit erreichten die in den Industriebetrieben Halles angestellten Arbeiter der ehemaligen Küchendörfer im Osten Halles schneller ihre Arbeitsplätze entlang der Straßenbahnlinie. Die für 300.000 Mark errichtete Linie C führte vom Hauptbahnhof über die Delitzscher Straße und Büschdorf nach Schönnewitz. Der Endpunkt der Linie war bis Ende Januar 1915 der Gasthof „Zur Linde“ in Schönnewitz, welches seit dem Mittelalter nach Reideburg gepfarrt war. Bereits am 22. Januar 1915 eröffnete die um ca. 700 m verlängerte Linie. Sie reichte nun bis fast zur Reideburger Kirche. Betrieben wurde die Linie von der 1882 gegründeten Halleschen Straßenbahn AG, die sich seit dem 1. Januar 1911 in städtischem Besitz befand.

Seit der Linienänderung am 1. November 1921 verkehrte die Linie 9 auf der 9,6 Kilometer langen Strecke Seebener Straße – Reileck – Markt – Riebeckplatz – Büschdorf – Reideburg. Später fuhr die Linie 10 nach Reideburg, welche bis zu ihrer Einstellung am 21. Mai 1971 eine direkte Straßenbahnanbindung an den Hauptbahnhof bzw. Markt von Halle ermöglichte. Bereits mit der Inbetriebnahme der Wendeschleife in Büschdorf am 20. Februar 1961 hatte sich das langfristige Aus der Strecke bis Reideburg angedeutet. Somit verschwand die letzte Rangierendstelle in Halle. Überreste der alten Straßenbahnschienen waren in Reideburgs Straßen noch bis Anfang der 1990er Jahre vereinzelt erkennbar.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtshaus Hans-Dietrich Genschers

Am 21. März 1927 wurde in Reideburg Hans-Dietrich Genscher geboren. Sein Geburtshaus wurde renoviert und darin die „Bildungs- und Begegnungsstätte Deutsche Einheit“ eingerichtet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reideburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Halle (Saale) in Zahlen 2018 (pdf) abgerufen am 4. März 2018
  2. Artikel „Reideburg und seine Burgen“
  3. Burg und Reideburg im Buch „Geographie für alle Stände“, S. 517
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f.
  5. Erwähnung der Orte im Buch "Geographie für alle Stände", S.124-129
  6. Beschreibung des Saale-Departements
  7. Der Saalkreis im Gemeindeverzeichnis 1900
  8. Reideburg auf gov.genealogy.net
  9. Artikel über die Straßenbahn im Osten von Halle