Philipp Lengsfeld

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Philipp Lengsfeld (2014)

Philipp David Lengsfeld (* 21. März 1972 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Politiker. Von 2013 bis 2017 war er Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Lengsfeld ist der älteste Sohn der DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld und von Sebastian Kleinschmidt, ehemaliger Chefredakteur der Kulturzeitschrift „Sinn und Form“. Aufgewachsen bei seiner Mutter besuchte Philipp Lengsfeld zunächst die POSWilhelm-Pieck-Oberschule“ in Pankow in einer Klasse mit erweitertem Russischunterricht. Im Sommer 1988 schloss er die POS ab und wechselte an die EOS „Carl von Ossietzky“ in Pankow. Durch das Aufwachsen im Umfeld der DDR-Bürgerrechtsbewegung war er als Schüler Zeitzeuge der Ereignisse um die Umweltbibliothek und die Zionskirche 1987 und der Liebknecht-Luxemburg-Affäre im Januar/Februar 1988, bei der seine Mutter zunächst verhaftet, dann wegen „Versuchter Zusammenrottung“ zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt und schließlich Anfang Februar 1988 nach Protesten im In- und Ausland zu einem Studienaufenthalt nach England entlassen wurde. Da dieser Studienaufenthalt für zunächst ein Jahr geplant war und Philipp Lengsfeld sich in der Phase der Abschlussprüfungen der 10. Klasse befand, blieb er in der DDR.

Ossietzkyschulaffäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch Ossietzky-Affäre.

Am 11. September 1988 zeigte Lengsfeld, gemeinsam mit anderen Schülern der Carl-von-Ossietzky-Oberschule, während einer Gedenkveranstaltung zur Ehrung der Opfer des Faschismus selbstgemalte Transparente gegen Neonazis in der DDR.[1] Da diese Schülergruppe in den darauffolgenden Tagen auch kritische Beiträge zur Situation in Polen, gegen Militärparaden, und die NVA an den schuleigenen „Speaker’s Corner“ klebten[2], wurden sie am 29. September von ihren Klassenmitgliedern aus der FDJ ausgeschlossen und am 30. September vor versammelter Gesamtschülerschaft der Schule verwiesen.[3] Trotz massiver Proteste innerhalb und außerhalb der DDR erfolgte die Rehabilitierung der vier Ossietzkyschüler erst im Zuge der Wende im November 1989. Jens Reich nannte in dieser Zeit die „mutigen Ossietzky-Schüler“ „Pioniere“ der 89er-Bewegung in der DDR.[4]

Weiterer Schulweg, Studium und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Lengsfeld verließ die DDR im November 1988 mit einem einjährigen Dauervisum und folgte seiner Mutter nach England. In Cambridge besuchte er 1988/89 ein staatliches Sixth Form College.[5][4] Nach Rehabilitierung der Ossietzkyschüler am 1. November 1989 kehrte Lengsfeld am 9. November 1989 nach Berlin zurück und lernte nach seiner Rückkehr ab dem 12. November 1989 erneut an der Ossietzky-Schule.[6][4] 1990 wurde er deren erster frei gewählter Schulsprecher.[7]

Lengsfeld studierte Physik an der TU Berlin. Diplomarbeit und Promotion erfolgten im Institutsteil Berlin-Adlershof des Hahn-Meitner-Instituts. 2002 wechselte Lengsfeld zu Bayer HealthCare Pharmaceuticals.[8][7]

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Lengsfeld ist seit 1995 politisch aktiv. Zunächst bei Bündnis 90/Die Grünen, wechselte er 2001 mit Antritt des rot-roten Senates in Berlin zur CDU. Philipp Lengsfeld war von 1995 bis 1999 Abgeordneter in der Bezirksverordnetenversammlung Prenzlauer Berg sowie 2001 und von 2006 bis 2011 Abgeordneter in der BVV Pankow.[7] Lengsfeld trat für die CDU bei der Bundestagswahl 2013 an; als Direktkandidat unterlag er im Wahlkreis Berlin-Mitte, zog aber über die Landesliste in den Bundestag ein.[9][10][11] Dort wurde er Mitglied der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe. Im Februar 2017 unterlag er bei der Abstimmung über die erneute Bundestagskandidatur dem ehemaligen Berliner CDU-Vorsitzenden und Innensenator Frank Henkel und schied mit Ablauf der Legislaturperiode aus dem Bundestag aus.[12]

Philipp Lengsfeld ist Mitglied des Berliner Kreises der CDU.[13]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kontroverse um die Benennung des Großbezirks Pankow nach der Bezirksfusion 2001 (Zusammenschluss der Alt-Bezirke Weißensee, Pankow, Prenzlauer Berg) war Philipp Lengsfeld ein Gegner der Versuche, die durch die Bezirksverordnetenversammlung 2001 getroffene Entscheidung für den Namen Pankow rückgängig zu machen. Der Namensstreit wurde letztlich zu Beginn der nächsten Legislaturperiode beigelegt.[14]

Lengsfeld war Mitglied des Forschungsausschusses des Bundestages.[15] Er ist kritisch gegenüber dem „exzessiven Ausbau von erneuerbaren Energien“, und bezeichnete in seinem Grußwort zum 2016er Kongress des klimaskeptischen Vereins Europäisches Institut für Klima und Energie e. V. den Konsens in der Klimapolitik als „autokratisches System“.[16][17][18]

Im Juni 2017 unterzeichnete Lengsfeld wenige Tage nach der Ankündigung Donald Trumps, dass die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen würden, neben anderen Vertretern der CDU/CSU ein Positionspapier, das die deutsche Klimaschutzpolitik unter Angela Merkel stark kritisierte. Die Unterzeichner betonen darin die möglichen positiven Effekte des Klimawandels und diffamieren den Weltklimarat IPCC und stellen die gesteckten Ziele aus dem Pariser Abkommen als nicht erreichbar dar.[19]

Lengsfeld ist Gegner der Gleichstellung der Ehe für schwule und lesbische Paare.[20]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Lengsfeld ist evangelisch, verheiratet und Vater zweier Kinder.[7]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörn Kalkbrenner: Margot Honecker gegen Ossietzky-Schüler. Urteil ohne Prozess, Berlin 1990.
  • Lars-Broder Keil: Das Risiko, eine eigene Meinung zu haben: zur Relegation von Schülern der Berliner EOS „Carl von Ossietzky“ im Herbst 1988. Deutschland-Archiv 41 (2008), Band 4, S. 684–690
  • Ehrhart Neubert: Geschichte der Opposition in der DDR: 1949-1989. Band 346 von Schriftenreihe Forschungen zur DDR-Gesellschaft: Bundeszentrale für Politische Bildung 1998, ISBN 978-3-86153-163-0, Seite 774 ff: Die Ossietzky-Affäre.
  • Gerhard Besier: Der SED-Staat und die Kirche 1983–1991: Hohenflüg und Absturz. SED-Staat und die Kirche. Propyläen-Verlag, 1995, ISBN 978-3-549-05455-0
  • Vera Lengsfeld: Von nun an ging’s bergauf…: Mein Weg Zur Freiheit. Langen Müller, 2002, ISBN 3-7844-2857-6, Seite 273 ff.
  • Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. S. 291–297, Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58357-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philipp Lengsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BStU - "Rausgeschmissen" - Die Relegation von Schülern der Carl-von-Ossietzky-Schule vor 20 Jahren - Dokument 2. Abgerufen am 5. März 2017 (deutsch).
  2. BStU - "Rausgeschmissen" - Die Relegation von Schülern der Carl-von-Ossietzky-Schule vor 20 Jahren - Dokument 3. Abgerufen am 5. März 2017 (deutsch).
  3. BStU - "Rausgeschmissen" - Die Relegation von Schülern der Carl-von-Ossietzky-Schule vor 20 Jahren - Dokument 6. Abgerufen am 5. März 2017 (deutsch).
  4. a b c Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. Seiten 291–297, C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58357-5, Seite 297.
  5. Siehe in der englischsprachigen Wikipedia unter en:Sixth form college
  6. Lars-Broder Keil: Das Risiko, eine eigene Meinung zu haben: zur Relegation von Schülern der Berliner EOS „Carl von Ossietzky“ im Herbst 1988. Deutschland-Archiv 41 (2008), Band 4, Seite 690.
  7. a b c d Dr. Philipp Lengsfeld - Direkt. Für Mitte. In: lengsfeld-mitte.de. Abgerufen am 20. Juli 2013.
  8. Christiane Pering; Philipp Lengsfeld; Peter Seidensticker: Iso- versus Low-Osmolar Contrast Media and Contrast Medium–induced Nephropathy. In: Radiology: Volume 250: Number 1—January 2009, Seite 298 f.
  9. Interaktive Grafik: Berlins Direktkandidaten für die Bundestagswahl. In: tagesspiegel.de. 2013, archiviert vom Original am 20. Juli 2013, abgerufen am 20. Juli 2013.
  10. Andreas Fritsche: Liberal, neoliberal, CDU. Warum Vera Lengsfelds Sohn Philipp Chancen hat, in den Bundestag einzuziehen, in: Neues Deutschland vom 13. September 2013, abgerufen am 25. September 2013
  11. Der Bundeswahlleiter: Ergebnisse der Wahl zum Deutschen Bundestag 2013 (gewählte Bewerber), abgerufen am 23. September 2013
  12. Henkel wird Direktkandidat in Mitte. (tagesspiegel.de [abgerufen am 1. März 2017]).
  13. Berliner Kreis: Über uns
  14. Pankow Namensstreit endgültig beendet. Fraktion der CDU Pankow, 14. Dezember 2006, abgerufen am 23. Juli 2013 (PDF; 51 kB, Pressemitteilung).
  15. Mitglieder des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung: Dr. Philipp Lengsfeld
  16. Wolfgang Hassenstein: CDU-Abgeordneter rückt Klimapolitik in die Nähe der DDR-Diktatur. In: Greenpeace Magazin. 6. Februar 2017 (greenpeace-magazin.de [abgerufen am 8. Februar 2017]).
  17. Dr. Philipp Lengsfeld (CDU), MdB: Grußwort (10. IKEK), Video auf YouTube
  18. EIKE: Presseerklärung des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE). 15. November 2016 (lengsfeld-mitte.de [abgerufen am 5. März 2017]).
  19. Klimaschutz: CDU-Rechte fordern Abschied von deutschen Klimazielen. In: Die Zeit. 3. Juni 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 7. Juni 2017]).
  20. http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/streit-um-die-ehe-fuer-alle-homo-ehe-spaltet-berliner-cdu/11991776.html