Piemontit

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Piemontit
Piemontite -St.Marcel, Aosta.JPG
Piemontitkristalle im Muttergestein aus St. Marcel, Aosta, Italien
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel
  • Ca2(Al2Mn3+)[O|OH|SiO4|Si2O7][1]
  • Ca2(Mn3+,Fe)(Al,Mn3+)2[O|OH|SiO4|Si2O7][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gruppensilikate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.BG.05a (8. Auflage: VIII/C.23)
58.02.01a.05
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe P21/m (Nr. 11)Vorlage:Raumgruppe/11[4]
Gitterparameter a = 8,87 bis 8,90 Å; b = 5,65 bis 5,67 Å; c = 10,16 bis 10,18 Å
β = 115,43 bis 115,48°[4]
Formeleinheiten Z = 2[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 6,5[5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,46 bis 3,54; berechnet: [3,45][5]
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}; undeutlich nach {100}[5]
Bruch; Tenazität uneben[5]
Farbe rötlichbraun bis tiefrot, rotviolett bis fast schwarz[5]
Strichfarbe rötlich[5]
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig[5]
Glanz Glasglanz[5]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,725 bis 1,756[6]
nβ = 1,730 bis 1,789[6]
nγ = 1,750 bis 1,832[6]
Doppelbrechung δ = 0,025 bis 0,076[6]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 50 bis 86° (gemessen); 54° bis 86° (berechnet)[6]
Pleochroismus Sichtbar:[6]
X= hellgelb, orange bis rosa
Y= hell- bis dunkelviolett
Z= rosa bis tiefrot

Piemontit (auch Piëmontit oder Mangan-Epidot) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca2(Al2Mn3+)[O|OH|SiO4|Si2O7][1] und ist damit chemisch gesehen ein Calcium-Aluminium-Mangan-Silikat mit zusätzlichen Sauerstoff- und Hydroxidionen. Strukturell gehört Piemontit zu den Gruppensilikaten.

Piemontit kristallisiert im monoklinenen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische Kristalle, findet sich aber auch in Form radialstrahliger bis körniger Aggregate. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen Kristalle sind von rötlichbrauner bis tiefroter oder rotvioletter bis fast schwarzer Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Piemontit 1853 in Saint-Marcel/Piemont in Italien und beschrieben von Gustav Adolf Kenngott,[7] der das Mineral nach seiner Typlokalität benannte.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Piemontit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er zusammen mit Allanit-(Ce), Allanit-(La), Allanit-(Nd), Allanit-(Y), Dissakisit-(Ce), Dissakisit-(La), Dollaseit-(Ce), Epidot, Epidot-(Pb) (Hancockit), Ferriallanit-(Ce), Gatelit-(Ce), Klinozoisit, Klinozoisit-(Sr) (Niigatait), Khristovit-(Ce), Manganiandrosit-(Ce), Manganiandrosit-(La) (Androsit-(La)), Manganipiemontit-(Sr) (Tweddillit), Mukhinit, Piemontit-(Sr) (Strontiopiemontit), Uedait-(Ce), Vanadoandrosit-(Ce), Västmanlandit-(Ce), Zoisit die „Epidotgruppe“ mit der System-Nr. VIII/C.23 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Piemontit ebenfalls in die Abteilung der „Gruppensilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatgruppen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Gruppensilikate mit gemischten SiO4 und Si2O7 Gruppen; Kationen in oktaedrischer [6] und größerer Koordination“ zu finden ist, wo es zusammen mit Chromotawmawit (H), Epidot, Epidot-(Pb) (Rn), Epidot-(Sr), Ferriepidot (H), Ferriepidot-(Pb) (H), Ferriepidot-(Sr) (H), Klinozoisit, Klinozoisit-(Pb) (H), Klinozoisit-(Sr) (Rn), Manganipiemontit (H), Manganipiemontit-(Sr) (Rn), Mukhinit, Mukhinit-(Pb) (H), Mukhinit-(Sr) (H), Piemontit-(Pb) (H), Piemontit-(Sr) (Rn), Vanadoepidot (H), Vanadoepidot-(Pb) (H), Vanadoepidot-(Sr) (H) die „Epidotgruppe“ mit der System-Nr. 9.BG.05a bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Piemontit in die bereits etwas feiner unterteilte Abteilung der „Gruppensilikate: Insulare, gemischte, einzelne und größere Tetraedergruppen“ ein. Hier ist er allerdings ebenfalls in der „Epidotgruppe (Klinozoisit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 58.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Insulare, gemischte, einzelne und größere Tetraedergruppen mit Kationen in [6] und höherer Koordination; Einzel- und Doppelgruppen (n=1,2)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piemontit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/m (Raumgruppen-Nr. 11)Vorlage:Raumgruppe/11 mit den Gitterparametern a = 8,87–8,90 Å; b = 5,65–5,67 Å; c = 10,16–10,18 Å und β = 115,43–115,48° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piemontit bildet sich vorwiegend in Schiefer, Amphibolit-Fazies oder anderen metamorphen Gesteinen. Gelegentlich ist es auch in magmatischen Gesteinen wie Rhyolithen und Pegmatiten zu finden. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Epidot, Glaukophan, Orthoklas, Quarz und Tremolit.

Weltweit konnte das Mineral bisher (Stand: 2010) an rund 200 Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität Piemont wurde es in Italien noch in den Regionen Aosta, Ligurien, Lombardei und der Toskana gefunden werden.

Weitere Fundorte sind die Antarktis; die chinesischen Provinzen Qinghai und Sichuan; die Región de Coquimbo in Chile; Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein in Deutschland; Okzitanien in Frankreich; Griechenland; Indien; Hokkaidō, Honshū, Kyūshū und Shikoku in Japan; British Columbia und Québec in Kanada; Marokko; Mazedonien; auf der Südinsel von Neuseeland; Oppland, Rogaland, Sogn og Fjordane, Sør-Trøndelag und Telemark in Norwegen; Salzburg und Tirol in Österreich; in den östlichen und westlichen Regionen von Sibirien, Nordwestrussland und im Ural in Russland; mehrere Regionen von Schweden; die Kantone Graubünden, Tessin und Wallis in der Schweiz; Serbien; Spanien; Limpopo und Nordkap in Südafrika; Tansania; Türkei; Wales im vereinigten Königreich (Großbritannien) sowie in mehreren Regionen der Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[8]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piemontit-Quarz aus der Prabornaz Mine bei Saint-Marcel im italienischen Aosta-Tal

Piemontit hat außer als Mineralprobe nur geringe wirtschaftliche Bedeutung. Er wird gelegentlich zu Schmucksteinen verarbeitet, allerdings besteht Verwechslungsgefahr mit der roten Zoisit-Varietät Thulit. Unter anderem bestehen Thulite aus Norwegen selten aus reinem Thulit, sondern fast immer aus einem Gemenge aus Thulit, Piemontit, Quarz, Muskovit-Glimmer, Tremolit und Calcit. Oft sind auch die Piemontite so stark mit Quarz durchsetzt, dass sie als „Piemontit-Quarz“ bezeichnet werden müssten. Bei Piemontit-Muskovit-Quarzen mit einem deutlichen Gehalt an Muskovit-Glimmer entsteht ähnlich wie bei der Oligoklas-Varietät „Sonnenstein“, dem Aventurin-Quarz oder dem synthetischen Goldfluss ein auffälliger "Glitzereffekt". Im Handel wird dieser Stein entsprechend häufig als sogenannter „roter Aventurin-Quarz“ angeboten.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 697.
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 214.
  • Mariko Nagashima, Masahide Akasaka: X-ray Rietveld and 57Fe Mössbauer studies of epidote and piemontite on the join Ca2Al2Fe3+Si3O12(OH) - Ca2Al2Mn3+Si3O12(OH) formed by hydrothermal synthesis. In: American Mineralogist. Band 95, 2010, S. 1237–1246 (rruff.info [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 28. Februar 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Piemontite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b IMA/CNMNC List of Mineral Names; January 2017 (englisch; PDF 1,66 MB)
  2. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 585.
  3. Webmineral – Piemontite (englisch)
  4. a b c Mariko Nagashima, Masahide Akasaka: X-ray Rietveld and 57Fe Mössbauer studies of epidote and piemontite on the join Ca2Al2Fe3+Si3O12(OH) - Ca2Al2Mn3+Si3O12(OH) formed by hydrothermal synthesis. In: American Mineralogist. Band 95, 2010, S. 1240 (rruff.info [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 28. Februar 2017]).
  5. a b c d e f g h Piemontite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 75 kB; abgerufen am 28. Februar 2017]).
  6. a b c d e f Piemontite bei mindat.org (englisch)
  7. Adolph Kenngott: Das Mohs'sche Mineralsystem, dem gegenwärtigen Standpunkte der Wissenschaft gemäss. Wien 1853, S. 2 (PDF 215 kB)
  8. Fundortliste für Piemontit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  9. EPI: Neuigkeiten vom Institut für Edelsteinprüfung - Thulit und Piemontit-Quarz aus Norwegen (1. April 2009)