Schnackenburg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schnackenburg
Schnackenburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schnackenburg hervorgehoben

Koordinaten: 53° 2′ N, 11° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Gartow
Höhe: 17 m ü. NHN
Fläche: 23,7 km2
Einwohner: 564 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29493
Vorwahl: 05840
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 021
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Elbstr. 9
29493 Schnackenburg
Website: www.gartow.de
Bürgermeisterin: Irene Brade (WG Schnackenburg)
Lage der Stadt Schnackenburg im Landkreis Lüchow-Dannenberg
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Über dieses Bild
Schnackenburg mit Hafenbecken in der Mündung des Aland

Schnackenburg [ˈʃnaːkən-] in der Samtgemeinde Gartow im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist die östlichste Gemeinde in Niedersachsen. Sie hat rund 600 Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von 23,67 km² (Stand 31. Dezember 2013). Schnackenburg ist damit die kleinste Gemeinde mit Stadtrecht in Niedersachsen und eine der kleinsten Städte Deutschlands. Eine relative Bekanntheit ergab sich während der Deutschen Teilung: Hier war ein Messpunkt für die Tauchtiefe der Elbe, die damals die Grenze bildete.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburg liegt im Urstromtal der Elbe. In diese mündet am Stadtgebiet der Nebenfluss Aland. Bis zur deutschen Wiedervereinigung war Schnackenburg Grenzstadt und Zollstation mit einem Schutzhafen für die Binnenschifffahrt. Die Fährverbindung nach Lütkenwisch in Brandenburg wurde im Jahr 1990 wieder aufgenommen. Sie verbindet zwischen den beiden festen Elbequerungen durch Brücken bei Wittenberge und von Dömitz nach Dannenberg zusammen mit der etwas weiter stromabwärts gelegenen Fährverbindung PevestorfLenzen (Elbe) die Bundesländer Niedersachsen und Brandenburg.

Ökologisch hat die Region durch den früheren Grenzverlauf noch ein Grünes Band. Die Elbtalaue rund um Schnackenburg ist ein Naturschutz- und Erholungsgebiet mit seltenen Pflanzen und Vögeln, wie zum Beispiel Seeadler und Schwarzstorch.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herman-Ahrensbrücke über den Aland am Schnackenburger Hafen

Die Stadt Schnackenburg besteht seit der Gemeindegebietsreform von 1972 aus vier Ortsteilen.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbarorte sind Lanz, Babekuhl, Bernheide, Mittelhorst und Jagel im Nordosten, Lütkenwisch und Cumlosen im Osten, Müggendorf, Klein Wanzer, Wanzer, Aulosen und Stresow im Südosten, Gummern im Süden, Kapern, Sonnenhof, Buchhorst, Gartow, Quarnstedt und Holtorf im Südwesten, sowie Elbholz, Gandow und Wustrow im Nordwesten.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburg wurde erstmals 1218 erwähnt. Der Ort entstand bei einer Burg an der Mündung des Aland in die Elbe und erhielt 1373 Stadtrecht. Die Bedeutung des Ortes lag im Elbzoll, der hier von Schiffern zu entrichten war. Das Nikolauspatrozinium der Kirche deutet darauf hin, dass auch im Orte Schiffer ansässig waren.

Der Amtshof (Gutshaus)

Schnackenburg gehörte anfangs zur Mark Brandenburg. In einem Grenzkrieg, den Markgraf Jobst gegen Fürst Bernhard von Lüneburg verlor, wurde die Stadt von den Lüneburgern eingenommen und kam so an Braunschweig-Lüneburg. Schnackenburg und Umland bildeten bis 1850 einen eigenen Amtsbezirk im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und dann Königreich Hannover. Es kam dann an das Amt Gartow, mit diesem seit 1872 zum Amt Lüchow und gehört seit 1932 zum Kreis Dannenberg (seit 1951 Landkreis Lüchow-Dannenberg). Infolge der Gemeindereform im Jahre 1972 gehört die Stadt Schnackenburg zur Samtgemeinde Gartow. Bis zur Aufhebung der Elbzölle im 19. Jahrhundert war Schnackenburg ein wichtiges Zollamt.

Grenzsicherungsboot (DDR) vor dem Museum

Schnackenburg war bis zur Wiedervereinigung Deutschlands ein von drei Seiten von der Mauer umgebener „Bundesblinddarm im DDR-Gebiet“. Im alten Gutshaus der Grafen von Bernstorff hatte der Zoll seinen Sitz. Es war auch Standort der Kontrollstelle für den Transit- und Wechselverkehr der Binnenschifffahrt auf der Elbe. Eine Be- und Entladestelle für die Binnenschifffahrt besteht nicht mehr. Der kleine Schutzhafen wird heute vorwiegend von Sportbooten genutzt. In den Jahrzehnten der deutschen Teilung war der Name Schnackenburg den Rundfunkhörern durch die Wasserstandsmeldungen der Elbe geläufig, da sich dort der erste Pegel auf westdeutscher Seite befand (heute sind Wittenberge und Dömitz die für diesen Stromabschnitt maßgeblichen Pegel).

Der deutsche Name Schnackenburg scheint sich aus dem niederdeutschen Snaak oder Snack „Schlange“ (Mehrzahl Snaken oder Snacken) und Borg „Burg“ gebildet zu haben. Ein polabischer Name für Schnackenburg wurde um das Jahr 1700 als Godegord (geschrieben als Godegür) erwähnt, wahrscheinlich als Übersetzung des deutschen Namens von god (< slawisch *gadă) „Schlange“ und gord (< slawisch *gordă) „Burg“.

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Gummern, Holtorf und Kapern eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Schnackenburg gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg–Lüneburg.[4][5]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Stadt Schnackenburg setzt sich aus neun Ratsfrauen und -herren zusammen und hat seit der Kommunalwahl 2016 folgende Sitzverteilung:

Stand: Kommunalwahl 2016

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeisterin der Stadt Schnackenburg ist Irene Brade.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde zeigt eine Burg mit zwei Türmen, zwischen denen ein Adler prangt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Schnackenburg stehen alle Baudenkmale der Gemeinde Schnackenburg.

Schnackenburger Kirche St. Nicolai mit Pfarrhaus

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schnackenburg gibt es eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, zu der die St.-Nicolai-Kirche im Stadtzentrum gehört. Ein eigenes Pfarramt besteht seit 2009 nicht mehr[6], die Gemeinde ist seither mit der Pfarrstelle in Gartow verbunden.

Die Kirche ist täglich geöffnet. Sie ist dem Heiligen Nikolaus als Patron der Seefahrer und Kaufleute gewidmet und seit 1284 dokumentiert. Zur Ausstattung gehören Kanzel und Altar aus dem Jahre 1727. Die Taufschale befindet sich in einem schwebenden Taufengel, der herabgelassen werden kann. Die älteste Glocke im Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert.[7]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alten Fischerhaus befindet sich das Grenzlandmuseum. Es zeigt in einer Dauerausstellung u. a. Uniformen, Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Fahrzeuge und zahlreiche Dokumente von beiden Seiten der ehemaligen Grenze und erinnert damit an die 45 Jahre bestehende Teilung des Landes.[8] Die drei Kilometer südöstlich gelegene Gedenk- und Begegnungsstätte Stresow ist Teil des Museums.

Grenzlandmuseum in Schnackenburg

Weitere Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwas außerhalb der kleinen Stadt findet man, angrenzend an den christlichen Friedhof, auch einen kleinen jüdischen Friedhof mit acht Gräbern aus dem 19. Jahrhundert.[9]

An der Ostseite des Schnackenburger Schutzhafens steht ein 14 m hoher hölzerner Aussichtsturm, der einen guten Blick auf das Elbtal und die Alandniederung bietet.[10]

Aussichtsturm im Osten des Schutzhafens am Aland

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schnackenburg finden außer dem Stadtfest im September und dem Schützenfest im Juli die beliebten Schubertiaden im August statt.[11] Schnackenburg verfügt über ein reges Vereinsleben.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kommerzielle Infrastruktur entspricht nicht mehr dem, was die Bezeichnung „Stadt“ nahelegt. So gibt es zwar Gastronomie und Hotellerie, aber kein Lebensmittelgeschäft oder einen Bäcker.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburg ist Endpunkt der Bundesstraße 493 UelzenLüchow–Schnackenburg, die zuvor von Gartow kommend den Ortsteil Kapern durchquert und direkt am Ortsteil Gummern vorbeiführt.

Der linkselbische Ast des Elberadwegs sowie der Fernradweg Iron Curtain Trail[12] führen durch Schnackenburg.

Ilka bei der Überfahrt
Schutzhafen vor der Stadt
Fähre Ilka

Der Vorgänger der Elbfähre Ilka wurde in den letzten Kriegstagen versenkt und in der Folgezeit bis zum 7. September 1991 gab es keine Fährverbindung in Schnackenburg. Erst seit diesem Tag pendelt mit der Ilka an dieser Stelle wieder eine Fähre zwischen den Ufern der Elbe.[13] Als der Fährmann sich im März 2017 in den Ruhestand begab, musste der Fährbetrieb vorübergehend eingestellt werden.[14] Bereits im August 2017 übernahm ein neuer Fährmann die Aufgabe, pro Tag bis zu 160 Kraftfahrzeuge und 150 bis 200 Personen mit und ohne Fahrrad überzusetzen.[15]

Die motorbetriebene Autofähre vermittelt heute in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September des Jahres die Verbindung vom Ende der Bundesstraße zur brandenburgischen L 121 von Lütkenwisch nach Lanz.

Schutzhafen

Der Schnackenburger Hafen erlangte in den neunzehnhundertsechziger Jahren größere Bedeutung als Schutzhafen für die Elbschifffahrt, wenn diese wegen Hochwasser oder Eisgang eingestellt werden musste. Zu dieser Zeit hatte die Elbe eine wichtige Funktion für den Transitverkehr nach Westberlin und für Frachtschiffe in die DDR und nach Prag. Wasserschutzpolizei und Zoll waren in Schnackenburg stationiert und im Jahr 1965 weist die Statistik des westdeutschen Zolls hier 15.000 abgefertigte Schiffe aus.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther Schultz (1900–1957) Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Schwerin und Pastor in Schnackenburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Bodemann (Pastor zu Schnackenburg): Denkwürdigkeiten, die sich im Städtchen Schnackenburg zugetragen haben. Peine 1857. Nachdruck der Erstausgabe von 1857(... gering gekürzt). Hrsg. Dr. Bernd-Rüdiger Goetze. Schnackenburg 1990. 82 S.
  • Johann Parum Schultze, Reinhold Olesch (Hrsg.): Fontes linguae Dravaenopolabicae minores et Chronica Venedica J. P. Schultzii (= Slavistische Forschungen, Band 7). Böhlau, Köln und Graz 1967.
  • Christian Hennig von Jessen: Vocabularium Venedicum (oder Wendisches Wörter-Buch) (1705). Nachdruck besorgt von Reinhold Olesch. Böhlau, Köln [u. a.] 1959 [Gewährsmann des Wustrower Pfarrers Christian Hennig von Jessen (1649–1719) war der Polabisch sprechende Bauer Johann Janieschge aus Klennow]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schnackenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Schnackenburg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018 (Hilfe dazu).
  2. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 232.
  4. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anl. zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4 (PDF (Memento des Originals vom 25. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nls.niedersachsen.de; 87 KB).
  5. Beschreibung der Wahlkreise. Anl. zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anl. zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325 (PDF (Memento des Originals vom 25. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundeswahlleiter.de; 200 KB).
  6. http://www.ejz.de/cgi-bin/pipeline.fcg?userid=&publikation=28&template=arttextlokales&ausgabe=47015&redaktion=28&artikel=108940340
  7. St. Nicolai Schackenburg (Memento vom 20. Mai 2014 im Internet Archive)
  8. http://www.museum-schnackenburg.de/
  9. http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/FRIEDHOF/NIEDERSA/PROJEKTE/liste-f.htm
  10. Aussichtsturm bei Schnackenburg an der Elbe (Memento des Originals vom 23. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.natur-erleben.niedersachsen.de auf der Webseite Natur erleben in Niedersachsen
  11. http://www.schubertiadenschnackenburg.de/
  12. Radweg Eiserner Vorhang GPS-Daten und Infos zur Radreise in 05/14 - Radtouren Magazin. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 10. April 2017; abgerufen am 9. April 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/radtouren-magazin.com
  13. https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/ein-ost-west-trip-faehrmann-hol-ueber/14493182-all.html
  14. https://www.maz-online.de/Lokales/Prignitz/Faehrverkehr-ueber-die-Elbe-eingestellt
  15. https://www.az-online.de/altmark/seehausen/faehrmann-ueber-9393140.html
  16. http://www.damals-im-wendland.de/1950-Schnackenburg.htm