Schnackenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Gemeinde Schnackenburg. Für weitere Bedeutungen siehe Schnackenburg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schnackenburg
Schnackenburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schnackenburg hervorgehoben
Koordinaten: 53° 2′ N, 11° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Gartow
Höhe: 17 m ü. NHN
Fläche: 23,67 km²
Einwohner: 566 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29493
Vorwahl: 05840
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 021
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Elbstr. 9
29493 Schnackenburg
Webpräsenz: www.gartow.de
Bürgermeisterin: Irene Brade (WG Schnackenburg)
Lage der Stadt Schnackenburg im Landkreis Lüchow-Dannenberg
Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Brandenburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Neu Darchau Hitzacker Göhrde gemeindefreies Gebiet Göhrde Damnatz Karwitz Zernien Gusborn Langendorf Dannenberg (Elbe) Jameln Lüchow Wustrow Luckau (Wendland) Küsten Waddeweitz Clenze Bergen an der Dumme Schnega Lübbow Woltersdorf Lemgow Prezelle Trebel Gorleben Gartow Höhbeck Schnackenburg gemeindefreies Gebiet GartowKarte
Über dieses Bild

Schnackenburg [ˈʃnaːkən-] in der Samtgemeinde Gartow im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist die östlichste Gemeinde in Niedersachsen. Sie hat rund 600 Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von 23,67 km² (Stand 31. Dezember 2013). Schnackenburg ist damit die kleinste Gemeinde mit Stadtrecht in Niedersachsen und eine der kleinsten Städte Deutschlands.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburg

Schnackenburg liegt im Urstromtal der Elbe. In Schnackenburg mündet der Aland in die Elbe. Bis zur deutschen Wiedervereinigung war Schnackenburg Grenzstadt und Zollstation mit einem Schutzhafen für die Binnenschifffahrt. Die Fährverbindung nach Lütkenwisch in Brandenburg wurde im Jahr 1990 wieder aufgenommen. Sie verbindet zwischen den beiden festen Elbequerungen durch Brücken bei Wittenberge und zwischen Dömitz und Dannenberg zusammen mit der etwas weiter stromabwärts gelegenen Fährverbindung PevestorfLenzen (Elbe) die Bundesländer Niedersachsen und Brandenburg.

Ökologisch ist die Region durch den früheren Grenzverlauf noch relativ unberührt. Die Elbtalaue rund um Schnackenburg ist ein Naturschutz- und Erholungsgebiet mit seltenen Pflanzen und Vögeln, wie zum Beispiel Seeadler und Schwarzstorch.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Schnackenburg besteht seit der Gemeindegebietsreform von 1972 aus vier Ortsteilen.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbarorte sind Lanz, Babekuhl, Bernheide, Mittelhorst und Jagel im Nordosten, Lütkenwisch und Cumlosen im Osten, Müggendorf, Klein Wanzer, Wanzer, Aulosen und Stresow im Südosten, Gummern im Süden, Kapern, Sonnenhof, Buchhorst, Gartow, Quarnstedt und Holtorf im Südwesten, sowie Elbholz, Gandow und Wustrow im Nordwesten.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburg wurde erstmals 1218 erwähnt. Der Ort entstand bei einer Burg an der Mündung des Aland in die Elbe und erhielt 1373 Stadtrecht. Die Bedeutung des Ortes lag im Elbzoll, der hier von Schiffern zu entrichten war. Das Nikolauspatrozinium der Kirche deutet darauf hin, dass auch im Orte Schiffer ansässig waren.

Schnackenburg gehörte anfangs zur Mark Brandenburg. In einem Grenzkrieg, den Markgraf Jobst gegen Fürst Bernhard von Lüneburg verlor, wurde die Stadt von den Lüneburgern eingenommen und kam so an Braunschweig-Lüneburg. Schnackenburg und Umland bildeten bis 1850 einen eigenen Amtsbezirk im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und dann Königreich Hannover. Es kam dann an das Amt Gartow, mit diesem seit 1872 zum Amt Lüchow und gehört seit 1932 zum Kreis Dannenberg (seit 1951 Landkreis Lüchow-Dannenberg). Infolge der Gemeindereform im Jahre 1972 gehört die Stadt Schnackenburg zur Samtgemeinde Gartow. Bis zur Aufhebung der Elbzölle im 19. Jahrhundert war Schnackenburg ein wichtiges Zollamt.

Schnackenburg war bis zur Wiedervereinigung Deutschlands Standort der Kontrollstelle für den Transit- und Wechselverkehr der Binnenschifffahrt auf der Elbe. Eine Be- und Entladestelle für die Binnenschifffahrt besteht nicht mehr. Der kleine Schutzhafen wird heute vorwiegend von Sportbooten genutzt. In den Jahrzehnten der deutschen Teilung war der Name Schnackenburg den Rundfunkhörern durch die Wasserstandsmeldungen der Elbe geläufig, da sich dort der erste Pegel auf westdeutscher Seite befand (heute sind Wittenberge und Dömitz die für diesen Stromabschnitt maßgeblichen Pegel).

Der deutsche Name Schnackenburg scheint sich aus dem niederdeutschen Snaak oder Snack „Schlange“ (Mehrzahl Snaken oder Snacken) und Borg „Burg“ gebildet zu haben. Ein polabischer Name für Schnackenburg wurde um das Jahr 1700 als Godegord (geschrieben als Godegür) erwähnt, wahrscheinlich als Übersetzung des deutschen Namens von god (< slawisch *gadă) „Schlange“ und gord (< slawisch *gordă) „Burg“.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Gummern, Holtorf und Kapern eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Schnackenburg gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg–Lüneburg.[4][5]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Stadt Schnackenburg setzt sich aus acht Ratsfrauen und -herren zusammen und hat nach einem Mandatsverzicht ohne Ersatzperson seit der Kommunalwahl 2011 folgende Sitzverteilung:

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeisterin der Stadt Schnackenburg ist Irene Brade.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde zeigt eine Burg mit zwei Türmen, zwischen denen ein Adler prangt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Schnackenburg stehen alle Baudenkmale der Gemeinde Schnackenburg.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburger Kirche St. Nicolai mit Pfarrhaus
Kirche in Holtorf
Kirche in Kapern

In Schnackenburg gibt es eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, zu der die St.-Nicolai-Kirche im Stadtzentrum gehört. Ein eigenes Pfarramt besteht seit 2009 nicht mehr[6], die Gemeinde ist seither mit der Pfarrstelle in Gartow verbunden.

Die Kirche ist täglich geöffnet. Sie ist dem Heiligen Nikolaus als Patron der Seefahrer und Kaufleute gewidmet und seit 1284 dokumentiert. Zur Ausstattung gehören Kanzel und Altar aus dem Jahre 1727. Die Taufschale befindet sich in einem schwebenden Taufengel, der herabgelassen werden kann. Die älteste Glocke im Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert.[7]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alten Fischerhaus befindet sich das Grenzlandmuseum. Die drei Kilometer südöstlich gelegene Gedenk- und Begegnungsstätte Stresow ist Teil des Museums.[8]

Weitere Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwas außerhalb der kleinen Stadt findet man, angrenzend an den christlichen Friedhof, auch einen kleinen jüdischen Friedhof mit acht Gräbern aus dem 19. Jahrhundert.[9]

An der Ostseite des Schnackenburger Schutzhafens steht ein 14 m hoher hölzerner Aussichtsturm, der einen guten Blick auf das Elbtal und die Alandniederung bietet.[10]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schnackenburg finden außer dem Stadtfest im September und dem Schützenfest im Juli die beliebten Schubertiaden im August statt.[11] Schnackenburg verfügt über ein reges Vereinsleben.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnackenburg ist Endpunkt der Bundesstraße 493 UelzenLüchow–Schnackenburg, die zuvor von Gartow kommend den Ortsteil Kapern durchquert und direkt am Ortsteil Gummern vorbeiführt. Die motorbetriebene Autofähre vermittelt die Verbindung vom Ende der Bundesstraße zur brandenburgischen L 121 von Lütkenwisch nach Lanz. Der linkselbische Ast des Elberadwegs führt durch Schnackenburg.

Handel und Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kommerzielle Infrastruktur entspricht nicht mehr dem, was die Bezeichnung „Stadt“ nahelegt. So gibt es zwar Gastronomie und Hotellerie, aber kein Lebensmittelgeschäft oder einen Bäcker.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther Schultz (1900–1957) Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Schwerin und Pastor in Schnackenburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Parum Schultze, Reinhold Olesch (Hrsg.): Fontes linguae Dravaenopolabicae minores et Chronica Venedica J. P. Schultzii (= Slavistische Forschungen, Band 7). Böhlau, Köln und Graz 1967.
  • Christian Hennig von Jessen: Vocabularium Venedicum (oder Wendisches Wörter-Buch) (1705). Nachdruck besorgt von Reinhold Olesch. Böhlau, Köln [u. a.] 1959 [Gewährsmann des Wustrower Pfarrers Christian Hennig von Jessen (1649–1719) war der Polabisch sprechende Bauer Johann Janieschge aus Klennow]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schnackenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Schnackenburg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 232.
  4. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anl. zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4 (PDF; 87 KB).
  5. Beschreibung der Wahlkreise. Anl. zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anl. zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325 (PDF; 200 KB).
  6. http://www.ejz.de/cgi-bin/pipeline.fcg?userid=&publikation=28&template=arttextlokales&ausgabe=47015&redaktion=28&artikel=108940340
  7. http://www.elbe-kirchen.de/pages/kirchen-am-weg/schnackenburg---dannenberg/schnackenburg.php
  8. http://www.museum-schnackenburg.de/
  9. http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/FRIEDHOF/NIEDERSA/PROJEKTE/liste-f.htm
  10. Aussichtsturm bei Schnackenburg an der Elbe auf der Webseite Natur erleben in Niedersachsen
  11. http://www.schubertiadenschnackenburg.de/