Quirinus-Gymnasium Neuss

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Quirinus-Gymnasium
Katholisches Gesellenhaus Neuss 2.JPG
Das ehemalige katholische Gesellenhaus, in dem ein Teil der Schule untergebracht ist. Die Brücke verbindet beide Schulgebäude miteinander.
Schulform Humanistisches Gymnasium
Schulnummer 165130
Gründung 1302 / 1616
Adresse

Sternstraße 49
41460 Neuss

Ort Neuss
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 11′ 48,7″ N, 6° 40′ 58,9″ OKoordinaten: 51° 11′ 48,7″ N, 6° 40′ 58,9″ O
Träger Stadt Neuss
Schüler 1060 (Stand: Schuljahr 2014/2015)
Lehrkräfte 85 (Stand: Schuljahr 2014/2015)
Leitung Ulrich Dauben[1]
Website www.quirinus-gymnasium.de

Das Quirinus-Gymnasium Neuss ist ein Neusser Gymnasium, dessen Namenspatron der römische Tribun und Märtyrer Quirinus von Neuss ist. Die Schule mit humanistischem Profil hat ihre Wurzeln in der im Jahre 1302 zum ersten Mal erwähnten städtischen Neusser Lateinschule und dem 1616 gegründeten Gymnasium der Jesuiten. Es gehört somit zu den ältesten im deutschen Sprachraum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein genaues Gründungsdatum der Schule ist nicht überliefert. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Schule am 4. Oktober 1302 als Neusser Lateinschule unter Führung von Magister Johannes. Unter dem Rektor Heinrich Schirmer wird die Lateinschule im Jahre 1562 auf vier Klassen erweitert und erhält damit nach damaligen Maßstäben den Status eines humanistischen Gymnasiums. Am 14. November 1616 nehmen die Jesuiten im Neusser Jesuitenkloster zwischen Oberstraße und Mühlenstraße den Unterricht in drei Klassen auf. Schulleiter ist zu dem Zeitpunkt Goswinus Nickel, der spätere Ordensgeneral der Jesuiten. Das Jesuitenkloster, in dem die Schule untergebracht war, existiert heute nicht mehr. Der einzige Überrest des Klosters ist der Neusser Jesuitenturm am Jesuitenhof. Die Lateinschule wird als einjährige Vorbereitungsschule für das Gymnasium weitergeführt. 1619 wird die Schule auf fünf Klassen vervollständigt. Die Zahl von zunächst 20 Schülern steigt schnell an und erreicht 1666 den Höchststand von 258 Schülern.

1772 wird nach der Aufhebung des Jesuitenordens der Unterricht zunächst von Ex-Jesuiten und Weltgeistlichen weitergeführt. Die Observanten, eine Untergruppierung der Franziskaner, übernehmen die Schule 1783. Schulgebäude ist jetzt das Observantenkloster am Freithof, gelegen neben dem Neusser Zeughaus und in unmittelbarer Nähe des Quirinus-Münster. In den ersten Jahren der beginnenden französischen Besetzung der Rheinlande bleibt das Franziskaner-Gymnasium 1794 zunächst bestehen. Im Zuge der Säkularisierung wird 1802 auch das Observantenkloster aufgelöst. Die Schule geht in städtische Trägerschaft über und wird 1803 nach der Vereinigung mit der Lateinschule und der deutschen Schule école secondaire und collège nach französischem Muster. Ab 1810 wird der Unterricht in sechs Klassen durchgeführt. 1814 nach dem Abzug der Franzosen bleibt die Schule in der Trägerschaft der Stadt. Das „Collegium Novesiense“ ist jetzt nach dem Standard des preußischen Schulwesens nur noch Progymnasium. In dieser Zeit werden etwa 100 Schüler unterrichtet. Im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Knabenseminars in Neuss (Collegium Marianum) wird die Schule 1852 zum Vollgymnasium mit neunjährigem Unterricht und Abiturabschluß ausgebaut. Die Schülerzahl steigt bis auf 359 im Schuljahr 1869/70.

Im Jahre 1875 wird die Schule als Königliches Gymnasium in die Trägerschaft des Staates Preußen übernommen. Am 7. Januar 1889 wird der Schulneubau an der Breite Straße (heute Amtsgericht Neuss) eingeweiht. Schulleiter ist zu diesem Zeitpunkt Karl Tücking. Bis zum Ersten Weltkrieg erhöht sich die Schülerzahl auf 420. Das Ende des Ersten Weltkrieges bringt 1918 die Abschaffung der deutschen Monarchien und die Umbenennung des „Königlichen“ in ein „Staatliches Gymnasium“ mit sich. Die Zahl der Schüler erreicht 1929 einen Höchststand von 573, geht in den dreißiger Jahren aber wieder zurück. Zur Einweihung eines Erweiterungsbaues an der Kanalstraße wird am 10. November 1930 die Bezeichnung „Quirinus-Gymnasium“ ministeriell genehmigt. Der unter den Nationalsozialisten wieder abgeschaffte Name „Quirinus-Gymnasium“ wird mit Erlass vom 7. September 1956 wieder eingeführt.

Zum Jahresbeginn 1974 übernimmt die Stadt Neuss wieder die Schulträgerschaft. Am 29. Januar 1979 wird der Neubau auf dem ehemaligen Gelände des Collegium Marianum und des Gesellenhauses an Breite Straße und Sternstraße bezogen und am 8. September vom Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner feierlich eingeweiht. Der Neubau war durch den starken Anstieg der Schülerzahlen in den 1970er Jahren (Höchststand 1140 im Schuljahr 1981/82) notwendig geworden. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich der als Erzbischof von Köln zwar zurückgetretene, aber immer noch recht aktive Kardinal Joseph Frings Mitte der 1970er Jahre für den Verkauf des Geländes zur Errichtung des neuen Domizils seiner alten Schule eingesetzt hat. 1984 beteiligt sich das Quirinus-Gymnasium mit der historischen Klamauködie „Die Römer kommen“ am offiziellen Festakt „2000 Jahre Neuss“ in der Stadthalle Neuss. 1991 wird auf Antrag der Schulkonferenz vom Rat der Stadt Neuss die Einführung der Koedukation am Quirinus-Gymnasium beschlossen. 1995 findet die Abschlussfeier des Bundeswettbewerbs Latein für das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen eines großen Schulfestes am Quirinus-Gymnasium statt. Im Jahre 1997 findet erstmals der Klassen-Instrumentalunterricht (Streicher- und Bläsergruppen in Sexta und Quinta) in Kooperation mit der Musikschule Neuss statt. Das Quirinus-Gymnasium beteiligt sich am Quirinusjahr 2000 mit zahlreichen Kunstarbeiten, darunter einem großformatigen Glasfenster. Das „Quirinusical“, eine musikalische Komödie über den Beginn der Quirinus-Verehrung in Neuss, bringt es im Jubiläumsjahr zu zahlreichen Aufführungen. Im Jahre 2008 erreicht die Schülerzahl mit 1280 Schülerinnen und Schülern einen neuen Höchststand. Am 27. Februar 2010 wird die Mathematik-Olympiade des Landes Nordrhein-Westfalen am Quirinus-Gymnasium durchgeführt. Am 1. Juli 2016 feierte das Quirinus-Gymnasium seine 400 Jahre mit geladenen Gästen und ehemaligen Schülern; Festredner beim Festakt, an dem auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und die nordrhein-westfälische Schulministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann teilnahmen, war FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube.

In dem ehemaligen Gebäude des Quirinus-Gymnasiums befindet sich zurzeit das Amtsgericht Neuss. Das Eingangsportal des Gebäudes ist u.a. geprägt durch Säulen, Muschelnischen und Löwenköpfe.

Sprachliches Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Quirinus-Gymnasium ist bekannt dafür, seinen Schülern ein großes Spektrum an Sprachen anzubieten. Es reicht von Latein und Englisch (beides ab Klasse 5) über Französisch (ab Klasse 6) bis Altgriechisch (ab Klasse 8). Weiterhin steht billingualer Fachunterricht (z. B. in Erdkunde) sowie Arbeitsgemeinschaften in Spanisch und Italienisch zur Auswahl. Aufgrund der über 700-jährigen Geschichte der Schule wird neben den modernen Fremdsprachen auch den alten Sprachen große Bedeutung beigemessen, was sich im möglichen Erwerb von Latinum und Graecum widerspiegelt. Latein, Englisch und Französisch kann in der Oberstufe als Leistungskurs belegt werden und auch Altgriechisch ist als Abiturfach im Grundkurs möglich. Im Französischen können regelmäßig DELF und DALF-Prüfungen abgelegt werden. In der Oberstufe kann weiterhin neben dem Englischunterricht auch ein Kurs in Business Englisch belegt werden. Außerdem ist es für die Schülerinnen und Schülern möglich, das Cambridge Proficiency Zertifikat abzulegen.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bibliothek des Quirinus Gymnasiums enthält etwa 1130 Titel aus der Zeit bis 1900. Aus dem 16. Jahrhundert stammen 11 Titel, aus dem 17. Jahrhundert 32 Titel und aus dem 18. Jahrhundert 126 Titel. Etwa 940 Titel sind Ausgaben des 19. Jahrhunderts zuzuordnen. Den restlichen Titeln ist kein genaues Erscheinungsdatum zu entnehmen. Das älteste Buch der Schule ist eine 1514 erschienene lateinische Ausgabe der Werke des Flavius Josephus. In ihrem Einband sind zwei vollständige Pergamentblätter einer medizinischen Handschrift aus dem 14. Jahrhundert verarbeitet. Die meisten Werke der Bibliothek thematisieren die Antike und deutsche Geschichte, sowie die klassische Philologie. Etwa die Hälfte des Gesamtbestandes ist daher auf Latein und Altgriechisch verfasst. Weitere Werke der Bibliothek verteilen sich auf verschiedene thematische Einzelgruppen, zu dessen wertvollsten Büchern drei botanische Werke aus der "Alten Bibliothek" zählen.

Liste der Schulleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ~ 1302: Magister Johannes
  • 1562–1585: Heinrich Schirmer[2]
  • 1616–1620: Goswinus Nickel [3]
  • 1806–1825: Theodor Glasmacher
  • 1852–1871: Carl Menn
  • 1873–1896: Karl Tücking
  • 1898–1911: Johannes Zenses
  • 1914–1923: Paul Fischer
  • 1923–1934: Prälat Lambert Heuken
  • 1934–1944: Heinrich Klemmer
  • 1945–1956: Ferdinand Krüppel
  • 1956–1963: Josef Hasbach
  • 1964–1971: Eugen Söhngen
  • 1971–1990: Ulrich Schwarz
  • 1990–2012: Johannes Hamacher[4]
  • Seit 2012: Ulrich Dauben

Bekannte Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Collegium zu Neuss (Hrsg.): Einladung zur öffentlichen Prüfung der Schüler des Collegiums zu Neuß. Neuß 1832–1845 (Digitalisat Jg. 1832–1833; 1840–1845)
  • Collegium zu Neuss (Hrsg.): Zur öffentlichen Prüfung der Schüler des Collegiums zu Neuss. Neuss 1846 (Digitalisat)
  • Progymnasium und Realschule zu Neuss (Hrsg.): Programm mit welchem zu den öffentlichen Prüfungen und Redeübungen der Schüler des Progymnasiums und der Realschule zu Neuß ... ergebenst einlädt. Neuß 1847–1851 (Digitalisat)
  • Gymnasium und Realschule zu Neuss (Hrsg.): Jahresbericht über das Gymnasium und die Realschule zu Neuss. Neuß 1852–1859 (Digitalisat)
  • Gymnasium zu Neuss (Hrsg.): Jahresbericht. Schwann, Neuß 1860–1874 (Digitalisat)
  • Königliches Gymnasium und die mit Ihm Verbundene Real-Abtheilung zu Neuss (Hrsg.): Programm des Königlichen Gymnasiums und der mit ihm Verbundenen Real-Abtheilung zu Neuß. Neuß 1876–1884 (Digitalisat)
  • Königliches Gymnasium zu Neuss (Hrsg.): Jahresbericht über das Königl. Gymnasium zu Neuß. Neuß 1885–1915 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Direktion. Abgerufen am 28. Januar 2014.
  2. Schulgeschichte. Abgerufen am 28. Januar 2014.
  3. Ehemalige Direktoren. Abgerufen am 28. Januar 2014.
  4. Hamacher verlässt "Quirinus", Artikel in der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 31. Januar 2012