Römisch-katholische Kirche in Frankreich

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Die Kathedrale Notre-Dame de Paris, Bischofskirche des Erzbistums Paris
Abbé Pierre, Priester und bis zu seinem Tod 2007 die bekannteste Persönlichkeit des Landes

Die römisch-katholische Kirche in Frankreich (fr Église catholique, selten Église catholique romaine) ist die zahlenmäßig größte christliche Konfession des Landes. In Frankreich wird der Begriff "romain" selten verwendet. Es ist auch keine begriffliche Abgrenzung zum Beispiel zur Altkatholischen Kirche nötig, weil es in Frankreich keine solche gibt.

Man spricht nicht von der 'katholischen französischen Kirche', weil es im Katholizismus keine Landeskirchen gibt, sondern nur lokale Mitglieder einer Kirche.

Die Kirche ist in Bistümer (évêché(s)) unterteilt, die von je einem Bischof (évêque) geleitet werden.

Die katholische Kirche hat in der Geschichte Frankreichs eine erhebliche religiöse, politische und kulturelle Rolle gespielt.

Katholiken in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Frankreich bekannten sich 2005 nach Angaben der katholischen Kirche von ca. 58.905.000 Einwohnern des Landes etwa 44.499.000 Menschen zur Katholizität. Das entspricht etwa 75,5 % der Gesamtbevölkerung Frankreichs.[1]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenprovinzen und Diözesen in Frankreich

Hauptartikel: Liste der französischen Diözesen

Der römisch-katholischen Kirche unterstehen auf französischem Staatsgebiet kirchenrechtlich 23 Erzbistümer sowie 74 Bistümer nach lateinischem Ritus. Das zentrale Organ der französischen Bischöfe ist die Französische Bischofskonferenz ('Conférence des évêques de France'). Besonderheiten stellen das gallikanische Ordinariat und die territoriale Prälatur dar. Die in Frankreich beheimateten und mit der römisch-katholischen Kirche unierten griechisch-katholischen Christen armenischer und ukrainischer Herkunft werden in einer armenischen Eparchie und einem ukrainischen apostolischen Exarchat pastoral betreut.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge des Christentums in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer Legende zufolge soll Lazarus von Bethanien im ersten Jahrhundert der erste christliche Bischof von Marseille gewesen sein. Tatsächlich wurden die dem Heiligen Lazarus zugeschriebenen Reliquien (die ursprünglich aus Zypern stammen) erst 1204 durch Kreuzfahrer nach Marseille gebracht. Im Jahr 1146 wurden die Reliquien in die Kathedrale von Autun überführt, wo sie heute noch verwahrt werden. Der Kirchenvater Irenäus von Lyon berichtet über Christenverfolgungen und den Märtyrertod seines Vorgängers Pothinus im Jahr 177 im damaligen gallo-römischen Lugdunum (heute Lyon). Trotz gelegentlicher Verfolgungen konnte sich das Christentum in der römischen Provinz Gallien immer weiter ausbreiten, bis es im Jahr 313 unter Kaiser Konstantin dem Großen mit der sogenannten Mailänder Vereinbarung dauerhafte staatliche Duldung erhielt. Unter Theodosius I. († 395) wurde das Christentum faktisch zur Staatsreligion des Römischen Reichs erhoben. An der Ausbreitung hatten Missionare und Bischöfe wie der Heilige Martin von Tours, der heute als Schutzpatron Frankreichs gilt, wesentlichen Anteil. Nach dem Untergang des Weströmischen Reichs wurde das Territorium des heutigen Frankreich durch die germanischen Völker der Franken (im Nordosten), der Westgoten (im Südwesten) sowie der Burgunder (im Südosten) in Besitz genommen. Als einziges der größeren germanischen Völker der Völkerwanderungszeit nahmen die Franken den katholischen Glauben an (Taufe des Merowingerkönigs Chlodwig I. etwa im Jahr 500 n. Chr.), während die anderen germanischen Völker zum arianischen Glauben konvertierten. Dadurch sicherte sich Chlodwig die Unterstützung der dominierenden christlichen Kirche. Besiegelt wurde die enge Verbindung zwischen nunmehr römisch-katholischer (d. h.mit Dominanz des Bischofs von Rom) Kirche mit der Krönung des Frankenkönigs Karl zum römischen Kaiser im Jahr 800 n. Chr..

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Reformationszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Reformationszeit wurde in Frankreich eigentlich nur eine neue religiöse Gruppe gegründet. Diese waren die Hugenotten, die sich jedoch besonders schnell in Südost- und Südwestfrankreich ausbreiteten. Große Hochburgen waren zum Beispiel die Gascogne, Béarn und das Königreich Navarra. Die Hugenotten waren eine besondere Ausprägung der Kalvinisten, deren Lehren in der späten Herrschaftszeit François' I. nach Frankreich kamen. Doch auch schon zuvor gab es viele Gelehrte, die reformationsähnliche Gedankengäge hatten, z. B. Guillaume Budé. Man ging seitens der Krone zunächst mit Gewalt gegen die Hugenotten vor. Die Verfolgungen gipfelten zur Herrschaftszeit Charles' IX. mit der Bartholomäusnacht, angetrieben von der Mutter des Königs, Katharina de Medici, die als strenge Katholikin die Hugenotten ausrotten wollte. In dieser Zeit bekam die Katholische Kirche große Kritik (seitens protestantischer Länder) zu spüren. Nach erbitterten Kämpfen mit der protestantischen Opposition schlug Charles' Nachfolger Henri III. einen eher moderaten Kurs ein und verbündete sich sogar mit dem protestantischen König Navarras, Henri. Darauf reagierte die Katholische Kirche empört. Konsequenzen für Henri III. waren Protest des Papstes, die Bildung einer mächtigen katholischen Opposition, der Heiligen Liga (unter der Führung des Henri de Lorraine, Herzog von Guise) und seine Ermordung durch einen fanatischen Dominikanermönch. Es war erst Henri IV, der frühere König von Navarra, der nach langen Kämpfen und seiner Konversion zum Katholizismus die Mehrheit Frankreichs versöhnte. Trotzdem gab es eine Gruppe von konservativen bis hin zu fanatischen Katholiken, die Dévots, die gegen Henri IV. agierten (wie der duc de Biron). Der fanatische Katholik François Ravaillac, der dieser Gruppe hinzugerechnet werden darf, ermordete ihn schließlich.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Juli 1801 schlossen Papst Pius VII. und Napoleon Bonaparte ein Konkordat, das das Verhältnis der katholischen Kirche in Frankreich zum französischen Staat erneut definierte und bis 1905 in Kraft blieb. In den kommenden Jahren kam es zur Wieder- und Neuerrichtung zahlreicher Bistümer, siehe Liste.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es zur Gründung zahlreicher Ordensgemeinschaften für Krankenpflege, Schule und Mission. Sie rekrutierten ihre Mitglieder vor allem aus der Landbevölkerung, wo die Volksfrömmigkeit stark war. Es gab ein starkes Bevölkerungswachstum (wie in vielen Ländern im 19. Jahrhundert, u.a. durch stark sinkende Kindersterblichkeit nach hygienischen Fortschritten). Die Zahl der in den Missionen tätigen Ordensleute war enorm. Sie waren vor allem in den französischen Kolonien tätig.

Von besonderer Bedeutung wurde in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts der Wallfahrtsort Lourdes, wo ein 14-jähriges Mädchen, 1858 mehrere Marienerscheinungen hatte. Innerhalb weniger Jahre wurde Lourdes zum bedeutendsten Wallfahrtsort Europas.

Gleichzeitig entwickelte sich in den Städten ein Antiklerikalismus, der zunehmend die Trennung von Sakristei und Straße forderte (siehe Trennung von Kirche und Staat).

In vielen katholischen Landeskirchen Europas gab es von etwa 1870 bis 1910 einen ausgeprägten Antimodernismus. Der Antimodernismus wendete sich – ausgehend von Dekreten Pius' IX. (Papst von 1846 bis 1878) – gegen gesellschaftliche und politische Reformen zur Durchsetzung von Menschenrechten und Demokratie. Ein Höhepunkt antimodernistischer Tendenzen in der katholischen Kirche war 1910 die Verpflichtung aller Priester auf das Ablegen des sogenannten Antimodernismus-Eids: ab dem 1. September 1910 waren sie ausdrücklich verpflichtet, die im Syllabus errorum (Liste der Irrtümer) genannten „Irrtümer“ abzulehnen.

Auch in Frankreich gab es einen gewissen Ultramontanismus (eine Vatikan-Hörigkeit).

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch des 2. Kaiserreiches (das von 1852 bis 1870 währte) kam es immer wieder zu politischen Auseinandersetzungen, da weite Teile der Bevölkerung einer Republik skeptisch gegenüberstanden. Sie wurden oft als Royalisten bezeichnet und von vielen Bischöfen gefördert. Ein wachsender Antiklerikalismus und die Dreyfus-Affäre führten die politische Linke 1902 zum Sieg der Parlamentswahlen. Noch im Juli 1902 kam es zur Schließung aller nicht vom Staat genehmigten Privatschulen, wovon etwa 3.000 katholische Schulen betroffen waren. Auch die Besoldung der Bischöfe wurde eingestellt. Im März und Juli 1902 wurden dann alle – männlichen und weiblichen – Ordensgemeinschaften aufgehoben und am 7. Juli 1904 ein Verbot von Ordensneugründungen erlassen. Der 9. Dezember 1905 brachte dann das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat (siehe auch Laizismus), was zur einseitigen Kündigung des Konkordates durch den französischen Staat führte. Alle religiösen Symbole wurden nun aus den öffentlichen Gebäuden entfernt und der Religionsunterricht in den Schulen abgeschafft. Sämtliche Kirchenbauten kamen in den Besitz des Staates, der seither für ihre Unterhaltung zuständig ist. Die staatliche Besoldung der Geistlichen endete.

Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als in den deutschsprachigen Ländern gibt es in Frankreich keine Kirchensteuer. Aufgrund der strikten Trennung von Kirche und Staat (Laizismus) finanziert sich die Kirche aus den freiwilligen Beiträgen ihrer Mitglieder. Zum Kirchenzehnt (denier d'eglise), zu dem die Diözesen jährlich aufrufen, steuert aber nur eine Minderheit der Katholiken bei. Beispielsweise spendeten 2012 rund 1,25 Mio. Menschen einen Beitrag zum Kirchenzehnt.[3]

Im Jahr 2012 nahm die katholische Kirche in Frankreich 613,4 Mio. Euro ein. Die Einnahmen stützten sich auf fünf Einnahmequellen: 2012 betrug der Kirchenzehnt durchschnittlich 40 % der Einnahmen der Kirche, die sie zur Bezahlung ihrer Priester und übrigen Mitarbeiter sowie zur Deckung der anderen Kosten verwendet. Kollekten (quêtes) in den Messen trugen zu 25 % bei, Stolgebühren (casuel; d. h. Spenden aus Anlass einer Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Beerdigung etc.) 13 %, Messstipendien (Messes; zur Feier von Messen für besondere Anliegen) 8 % und Vermächtnisse (Legs) 14 %.[3]

Sonderstatus von Elsass-Lothringen (frz. Alsace-Moselle)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche im Elsass und im Departement Moselle (Hauptstadt: Metz), also in den Gebieten, die 1871–1918 als Reichsland Elsass-Lothringen zum Deutschen Reich gehörten, genießt gewisse Vorrechte. Dies rührt daher, dass diese Territorien von der Trennung von Kirche und Staat und der weitgehenden Enteignung der Kirche, die 1905 in Frankreich erfolgte, nicht betroffen waren. Auch nach der Wiederangliederung an Frankreich übertrug man das Gesetz nicht auf diese Gebiete, sondern beließ es beim schon vor 1871 gültigen Recht, das auf dem napoleonischen Konkordat aus dem Jahr 1801 beruhte. Daher werden in diesem Gebiet die Priester der christlichen Konfessionen und auch die Rabbiner vom Staat bezahlt. (Wiederangliederungen Elsass-Lothringen siehe hier, Moselle siehe hier)

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand der katholischen Kirche in Frankreich (2011)[4]:

  • 94 Bistümer (plus ein Militärbistum, ein Bistum der Mission de France und 8 Bistümer in den frz. Überseegebieten)
  • 19640 Priester, davon 15008 Gemeindepriester und 4632 Ordenspriester
  • 4026 Nonnen und 1185 Mönche
  • 313054 Taufen (bei 834000 Geburten insgesamt, 2008)
  • 47064 Firmungen (2008)
  • 77664 kirchliche Heiraten (bei 251478 zivilen Eheschließungen insgesamt, 2009)
  • ungefähr 80 % der Beerdigungen werden katholisch zelebriert

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Statistik nach Ländern, auf Seiten der Catholic-Hierarchy.org; abgerufen am 17. Februar 2008.
  2. vgl. Erzbistümer, Bistümer, Eparchien und Exarchate in Frankreich, auf Seiten der Catholic-Hierarchy.org; abgerufen am 17. Februar 2008.
  3. a b La Vie Économique des Diocèses et leurs campagnes denier de l'église. In: eglise.catholique.fr. Conférence des évêques de France, 12. März 2014, abgerufen am 29. Februar 2016 (PDF; 1,1 MB, französisch).
  4. Statistik der katholischen Kirche in Frankreich

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]