Rhode (Schweiz)

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Eidgenössisches Wappen
Gemeinde in der Schweiz

Eine Rhode war und ist teilweise heute noch die Unterabteilung einer Dorfschaft im St. Galler Rheintal, im Toggenburg und in den nachmaligen Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden.

Wortgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Rhode (die Schreibung mit «h» ist pseudohistorisch; vgl. etwa «Rätien» gegenüber «Rhätische Bahn») hat seinen Ursprung im lateinischen rota «Rad, Reihenfolge». Damit wurden verbreitet in der Ostschweiz, in Österreich und in Bayern Kehrordnungen bezeichnet, nach denen die Ämter zu bestellen waren und die Mitglieder von Genossenschaften und Korporationen vielfältige Arbeiten im Allmend-, Alp- und Transportwesen zu erledigen hatten. Noch heute ist diese Bedeutung in Ostschweizer Mundarten lebendig, so heisst es etwa da und dort uf d Rood gòò, a der Rood sy «mit einer Arbeit an der Reihe sein».

In Teilen der Nordostschweiz ging der Begriff hingegen schon früh auf das Gemeinwesen selbst über. So tragen nicht nur die beiden Appenzeller Kantone das Wort im Namen, sondern ist auch die im St. Galler Rheintal gelegene Ortsbürgergemeinde Altstätten bis heute in neun Rhoden (ortsbürgerliche Korporationen) unterteilt.

Die Rhoden im Appenzellerland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation des Landes Appenzell in Rhoden geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Ursprünglich vom Abt ernannt, später von den Bewohnern gewählt, sorgten Rhodhauptleute für die Verwaltung der Rhoden (primär Steuern und Militärwesen). Bald schon erzwangen die Bewohner eine Art genossenschaftliche Selbstverwaltung.

Im Spätmittelalter waren die Ämter Trogen und Appenzell in je sechs Rhoden aufgeteilt.

Amt Trogen:

  • Schneiter/Schwender Rhode
  • Füglisegger Rhode
  • Roter Rhode
  • Rotenwieser Rhode
  • Trogener Rhode
  • Tablater Rhode

Amt Appenzell:

Über die Rhoden im restlichen Kantonsgebiet ist wenig bekannt.

Im späteren Ausserrhoden bildeten sich dann bis im 16. Jahrhundert die sechs Rhoden, aus denen die heutigen Ausserrhoder Gemeinden entstanden; die damaligen Rhodengrenzen verlaufen weitgehend auf heutigen Gemeindegrenzen. Die Rhoden im späteren Innerrhoden blieben unverändert.

Bei der Landteilung 1597 verschoben sich an der neu gebildeten Kantonsgrenze auch einige Rhodengrenzen, aus verkleinerten Rhoden wurden Halbrhoden. Zum Beispiel ging Gais von der Rhode Rinkenbach (die Halbrhode wurde) an die Rotenwieser Rhode.

Appenzell Ausserrhoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Appenzell Ausserrhoden gingen die Rhoden bei der Landteilung 1597 in gleichnamige Gemeinden über:

Von allen Gemeinden ausser Gais wurden später beim Bau eigener Kirchen kleinere abgespaltet.

Siehe auch: Gemeinden des Kantons Appenzell Ausserrhoden

Appenzell Innerrhoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Appenzell Innerrhoden brachte die Revision der Kantonsverfassung von 1872 die Umwandlung der Rhoden in Bezirke. Allerdings finden bis heute formelle Versammlungen der Rhoden im Anschluss an die Versammlung der Landsgemeinde statt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Bischofberger: Rhoden. In: Historisches Lexikon der Schweiz., wo weitere Literatur.
  • Artikel Rõd im Schweizerischen Idiotikon, Band VI, Spalten 589–598, anschliessend Spalten 598–601 die Zusammensetzungen mit und Ableitungen von Rõd (etwa Inner-Rõden, Usser-Rõden).
  • Jakob Vetsch: Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Rood“. In: Appenzellische Jahrbücher 1906, S. 226–246.