Richard Süßmuth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Richard Süßmuth (* 23. Dezember 1900 in Ruhland, Provinz Schlesien; † 12. März 1974 in Immenhausen, Hessen) war ein deutscher Glaskünstler und ab 1946 Glashütten-Unternehmer in Immenhausen. Schon in jungen Jahren war er international dafür bekannt, auf verschiedenen Gebieten der Glaskunst, insbesondere des Schliffs und der Formgestaltung, neue Wege beschritten zu haben.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard Süßmuth wuchs im niederschlesischen Penzig (polnisch Pieńsk) auf.[1] Seinem in der Glasherstellung arbeitenden Vater folgend erlernte er in der Pienziger „Adlerhütte“ den Beruf eines Glasschleifers.[2] Danach arbeitete in verschiedenen Glas veredelnden Betrieben. Er studierte von 1922 an an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe in Dresden Glasgestaltung. 1924 eröffnete er eine eigene Glaskunstwerkstatt in Penzig, Landkreis Görlitz in Schlesien. 1927 stellte er sein Kunsthandwerk auf der Messe „Europäisches Kunstgewerbe“ in Leipzig und auf der Internationalen Messe in Monza aus. Seit 1928 fertigte er Entwürfe für Pressgläser. Bei diesen Reliefgläsern tritt die Ornamentik aus der Fläche hervor. Seine Gläser wurden 1928 auf der Ausstellung „Glas und Metall“ in Berlin ausgestellt; 1931 und 1934 auf Ausstellungen in Mailand. In den Jahren 1929/30 waren seine Waren Teil einer Wanderausstellung europäischen Glases durch neun Großstädte der USA.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er aus dem jetzt in Polen liegenden Penzig vertrieben und verlor seinen Betrieb. Er eröffnete im Jahr 1946 erneut einen eigenen Betrieb, indem er die 1945 kriegszerstörte Glashütte in Immenhausen wieder aufbaute.

Süßmuth war auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten. Einige Arbeiten von ihm (Schalen, Vasen, Kelche und Becher aus Glas) wurden 1964 auf der documenta III in Kassel in der Abteilung Industrial Design gezeigt.

Süßmuths Arbeiten und Design wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem Goldmedaillen der Internationalen Kunsthandwerksausstellung in Madrid im Jahr 1953 und für seinen bekanntesten Schliff, den Strahlenschliff eine Goldmedaille auf der Triennale in Mailand im Jahr 1954. Er wurde ebenfalls mit Goldmedaillen auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel und auf der Internationalen Handwerksmesse in München im selben Jahr ausgezeichnet. 1953 verlieh ihm der Bundespräsident das Verdienstkreuz (Steckkreuz) und 1966 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Auch aufgrund des Druckes der weiteren Industrialisierung der Glasproduktion übergab er 1970 seine Manufaktur der Selbstverwaltung durch die Belegschaft. Die Glashütte in Immenhausen stellte im Jahr 1996 ihre Produktion ein. Im Glasmuseum Immenhausen sind Süßmuths Arbeiten in der ständigen Sammlung zu besichtigen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1935: Entwurf und Anfertigung eines Glasfensters für die Westseite der Dekanatskirche Mariä Himmelfahrt in Glatz[3]
  • um 1950: drei Fenster der katholischen Not-Kirche am Koppenberg in Wolfhagen, heute in einem Privathaus
  • 1952: zehn Fenster in der katholischen Kirche St. Clemens Maria in Immenhausen
  • um 1955: alle Fenster der katholischen Kirche Hl. Geist in Grebenstein
  • um 1955: zwölf Fenster der evangelischen Kirche in Heckershausen
  • um 1955: Fenster nach Entwurf von Helga Rudolph in der evangelischen Friedenskirche in Kassel
  • 1956: elf Fenster in der katholischen Kirche St. Hedwig in Heepen (Bielefeld)[4]
  • um 1956: 18 Fenster der katholischen Kirche zu Besse
  • 1958: Fenster in der evangelisch-lutherischen Martin-Luther-Kirche in Blomberg[5]
  • um 1960: mehrere Fenster der katholischen Kirche in Elgershausen
  • um 1960: Ausführung von mehreren Fenstern nach Entwurf von Agnes Mann in der katholischen Filialkirche in Neukirchen (Gemeinde Haunetal)
  • 1963/64: alle Fenster der katholischen Kirche St. Johannes Nepomuk in Bökendorf (Gemeinde Brakel)[6]
  • um 1965: fünf Fenster im Klinikum Lemgo[7]
  • 1966: Ausführung von Fenstern nach Entwurf von Else Bircks in der Hauskapelle der Elisabethklinik in Fulda
  • um 1968: Fenster „Schlesisches Wappen“ in Glasklebetechnik im Kreishaus von Heidkamp (Bergisch Gladbach)[8]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl H. Bröhan und Dieter Högermann (Bearb.): Richard Süßmuth, Penzig. In: Kunst der 20er und 30er Jahre. Sammlung Karl H. Bröhan, Berlin. Band III. Berlin, 1985. S. 535ff.
  • documenta III. Internationale Ausstellung; Katalog: Band 1: Malerei und Skulptur; Band 2: Handzeichnungen; Band 3: Industrial Design, Graphik; Kassel/Köln 1964
  • Elke Domke, Helmut Hannes und Walter Scheiffele: Zeitmaschine Lausitz. Lausitzer Glas. Großräschen, 2004. S. 50ff.
  • Helmut Hannes: Pressglas von Richard Süßmuth, in: Pressglas-Korrespondenz 2000-02. Gangkofen, 2000. S. 95ff
  • Helmut Hannes: Richard Süßmuth – ein Bahnbrecher der modernen Glasgestaltung, in: Jahrbuch Landkreis Kassel, 15 (1987), S. 175–179
  • Richard Süssmuth: Glas und Gläser, Aulis Verlag Deubner & Co KG Köln
  • Friedrich Karl Baas: Der Glasgestalter Richard Süßmuth von 1946 - 1966. Herausgeber: Gesellschaft der Freunde der Glaskunst Richard Süßmuth e.V. Glasheft Nr. 1 im Eigenverlag
  • Friedrich Karl Baas, Dagmar Ruhlig-Lühnen: Die Form hat der Funktion zu dienen - Der Glasgestalter und Unternehmer Richard Süßmuth. Herausgeber: Gesellschaft der Freunde der Glaskunst Richard Süßmuth e.V. Glasheft Nr. 25 im Eigenverlag 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Glasmalerei Süßmuth (Immenhausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Suzanna Wycisk-Müller: Schöpferisches Schlesien von A bis Z. Band 2. Engelsdorf Verlag Leipzig, 2016, S. 143/145.
  2. Ulrich Werner: Vor 150 Jahren Beginn der Glasproduktion in Penzig O/L. In: Förderverein Glasmuseum Weißwasser e. V. (Hrsg.): Neueste Nachrichten. Nr. 14, 12. Dezember 2008 (Online, PDF, 287 kB [abgerufen am 3. Juli 2020]).
  3. Dieter Pohl: Die katholische Kirche in der Grafschaft Glatz in den Jahren 1918 bis 1945. In: Die Grafschaft Glatz zwischen 1918 und 1946. Hrsg. Horst-Alfons Meißner und Michael Hirschfeld, ISBN 978-3-402-12896-1, Aschendorf Verlag Münster 2012, S. 42 f.
  4. Bielefeld-Heepen, Kath. Kirche St. Hedwig. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., 8. Juli 2008, abgerufen am 24. Januar 2020.
  5. Blomberg, Ev.-Luth. Martin-Luther-Kirche. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., 8. Juli 2008, abgerufen am 24. Januar 2020.
  6. Brakel-Bökendorf, Kath. Kirche St. Johannes Nepomuk. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., 8. Juli 2008, abgerufen am 24. Januar 2020.
  7. Lemgo, Klinikum. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., 8. Juli 2008, abgerufen am 24. Januar 2020.
  8. Bergisch Gladbach-Heidkamp, Kreishaus. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., 8. Juli 2008, abgerufen am 24. Januar 2020.