Rohrbach (Ober-Ramstadt)

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Rohrbach
Wappen von Rohrbach
Koordinaten: 49° 47′ 59″ N, 8° 45′ 51″ O
Höhe: 257 (240–262) m
Fläche: 4,89 km²
Einwohner: 1411 (31. Dez. 2009)
Bevölkerungsdichte: 289 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 64372
Vorwahl: 06154
Luftaufnahme von Rohrbach (unten links) (2010)
Luftaufnahme von Rohrbach (unten links) (2010)
Kirche (2007)

Rohrbach ist ein Stadtteil von Ober-Ramstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rohrbach liegt im vorderen Odenwald. Durch den Ort verläuft von Norden nach Süden die Landesstraße 3105.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der ersten urkundlichen Erwähnung (1292) wird nicht das Dorf Rohrbach, sondern die drei Ritter Hartmut, Hartmund und Stephan von Rohrbach genannt.[1][2] Der Ort Rohrbach wird urkundlich erstmals 1382 genannt. 1382 haben in „Werner Kalbs Krieg“ Reisige (bewaffnete Dienstleute) der Städte Frankfurt, Mainz und Worms erhebliche Schäden in Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach, Wembach und auf dem Hofgut Illbach (Eulbach) angerichtet.[3]

Weitere historische Ortsnamen sind Roirbach (1403) und ab 1670 Rohrbach. Lehnsherren von Rohrbach waren die Grafen von Katzenelnbogen und fällt mit deren Aussterben im Jahre 1479 als Erbe an die Landgrafschaft Hessen. Durch Urkunden belegt sind:[4]

1392 hat Werner Kalb von Reinheim (die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald) seine Güter zu Rohrbach von Graf Eberhard von Katzenelnbogen zu Lehen. Lehensträger waren die Familien von Eulbach/Ulbach (1398), Werberg von Lindenfels (1403), eine im 15. Jahrhundert zeitweise sehr einflussreiche Familie am Heidelberger Hof, von Mosbach (1423), die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald, von Erligheim (1423), von Rohrbach (1440), von Helmstatt (1441) (die Familie war später Mitglied im Ritterkanton Odenwald), von Wallbrunn (1450) und Hans von Möhringen, Schwager von Hans von Rohrbach (1463). 1489 belehnt Landgraf Wilhelm I. von Hessen Philipp Kalb von Reinheim mit Rohrbach.

1699 wurden in Rohrbach und in den Nachbarorten Hahn und Wembach mehrere flüchtige Waldenser-Familien aus der Gemeinde Pragelà aus dem Herzogtum Piemont in Italien angesiedelt. 25 Familien mit 125 Personen kamen nach Rohrbach; 23 Familien mit 115 Personen nach Wembach und Hahn. Neben eigenen Pfarrern hatte die Kolonie auch eigene Lehrer sowie eigene Bürgermeister und somit eine eigenständige Verwaltung. Ab 1866 wurde die Verwaltung geteilt: Ein Bürgermeister war fortan für Rohrbach zuständig, ein weiterer für Wembach und Hahn.[5] 1890 wurde das Schul- und Pfarrhaus errichtet.[6]

Am 1. April 1972 wurde die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis nach Ober-Ramstadt eingegliedert.[7] Aufgrund des Grenzänderungsvertrages vom 21. Januar 1972 wurde für den Stadtteil Rohrbach ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet, der das Gebiet der ehemaligen Gemeinde umfasst. Es ist im Stadtgebiet der einzige Stadtteil mit Ortsbezirk.[8]

Verwaltung und Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die übergeordneten Verwaltungseinheiten sind wie folgt dokumentiert:[4]

bis 1820: Amt Lichtenberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte.
1820 bis 1821: Amt Reinheim.
1821 bis 1832: Landratsbezirk Reinheim der Provinz Starkenburg.
1832 bis 1848: Kreis Dieburg, mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen.
1848 bis 1852: Regierungsbezirk Dieburg, während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke.
1852 bis 1938: Kreis Dieburg mit der Wiedereinführung von Kreisen in der Provinz Starkenburg.
1938 bis 1977: Landkreis Darmstadt. Im Zuge der Gebietsreform 1938 werden die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen in Kreise aufgelöst und der Kreis Darmstadt erhielt den Namen Landkreis Darmstadt.
ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in den der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht.

Zuständige Gerichte waren in erster Instanz:[4]

Centgericht. Ober-Ramstadt
1821: Landgericht Lichtenberg
1848: Landgericht Reinheim
1879: Amtsgericht Reinheim
1968: Amtsgericht Darmstadt

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1629: 9 Hausgesesse
• 1961: 508 evangelische (= 81,15 %), 110 katholische (= 17,57 %) Einwohner
Rohrbach: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
316
1834
  
333
1840
  
332
1846
  
366
1852
  
322
1858
  
332
1864
  
373
1871
  
400
1875
  
382
1885
  
420
1895
  
425
1905
  
394
1910
  
400
1925
  
430
1939
  
389
1946
  
630
1950
  
591
1956
  
572
1961
  
626
1967
  
749
1970
  
784
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1821–1830 Rambaud, Daniel sen.[9]
  • 1830–1831 Rambaud, Daniel jun.
  • 1831–1836 Bertaloth, Abraham
  • 1836–???? Gaydoul, Abraham II.
  • 1841–???? Perron, Jean George III.
  • 1846–1858 Gaydoul, Abraham III.[10]
  • 1858–1865 Gaydoul, Karl I.[11]
  • 1865–1871 Perron, Daniel I.[12]
  • 1871–1892 Perron, Daniel II.[13]
  • 1892–1905 Bertaloth, Johannes II.[14]
  • 1905–1916 Gaydoul, Johann Georg II.
  • 1916–???? Heleine, Georg V.
  •  ????–???? Lantelme, Peter Georg
  •  ????–???? Lantelme, Karl
  • 1945–1968 Bonin, Peter IX.
  • 1968–1972 Guyot, Helmut

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Rohrbach
Blasonierung: „In Silber eine bewurzelte grüne Tanne, deren Stamm von zwei steigenden und einander zugekehrten blau -gekrönten und -bewehrten roten Löwen beiderseits gehalten wird.“[15]

Das Wappen wurde am 2. November 1950 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.[16]

Wappenbegründung: Dieses Bild zeigt das Gerichtssiegel von 1700. In diesem Jahre schloss die Waldenser-Gemeinde Pragelà mit dem Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen einen Vertrag, auf Grund dessen ihr die Höfe Rohrbach, Wembach und Hahn überlassen wurden. Sie erhielten ein eigenes weltliches Gericht mit obigem Siegel, dessen Bild der Gemeinde Rohrbach 1950 amtlich als Wappen verliehen wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060–1486, Band I–IV. Selbstverlag der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 1953/57.
  • Barbara Dölemeyer: Die Hugenotten. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2006, S. 107–111.
  • Brigitte Köhler: Die Waldenserprivilegien des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. N.F. 38/1980, S. 181–234.
  • Brigitte Köhler: Die drei welschen Dörfer im Odenwald. In: Jahrbuch für den Kreis Darmstadt-Dieburg. 1981 und 1982.
  • Brigitte Köhler: Die Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn im 18. Jahrhundert, 1983.
  • Brigitte Köhler: Die Verschwisterung Pragelato und Rohrbach-Wembach-Hahn, 1985.
  • Gerald Keller, Brigitte Köhler, Ortsbeirat Rohrbach (Hrsg.): 700 Jahre Rohrbach. 1992.
  • Brigitte Köhler, Verein für Heimatgeschichte Ober-Ramstadt (Hrsg.): Daniel Bonin – Waldenserforscher. 1996.
  • Brigitte Köhler: Dreihundert Jahre Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn, Herkunft und Geschichte ihrer Bewohner. Verein für Heimatgeschichte, Ober-Ramstadt 1999, ISBN 3-9805727-1-4.
  • Brigitte Köhler: Haus- und Herkunftsnamen in der Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes. 2002, Heft 1, S. 34.
  • Brigitte Köhler: Auswanderung nach Amerika um 1830. Von der Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn nach Pennsylvanien. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes. 2009, Heft 4, S. 148–152.
  • Brigitte Köhler: Zur Herkunft der Waldenser von Rohrbach, Wembach und Hahn. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes. 2011, Heft 1, S. 22.
  • Diethard Köhler: Die Familien von Rohrbach, Wembach und Hahn im Odenwald. Eigenverlag, 1977–1978.
  • Diethard Köhler: Traditionelles Heiratsverhalten in der Waldenserkolonie Rohrbach, Wembach, Hahn. In: Zeitschrift des Breuberg-Bundes. 1977, Heft 2, S. 64.
  • Diethard Köhler: Deutsche Familien in Rohrbach, Wembach, Hahn 1700–1800. Selbstverlag 1985.
  • Peter Georg Lantelme: Die Geschichte der Waldensergemeinden Rohrbach, Wembach und Hahn. Jacob Helene, Pfungstadt 1950.
  • Magistrat der Stadt Ober-Ramstadt: Ober-Ramstadt – Eine Chronik zur Geschichte der Stadt. Ober-Ramstadt 2010, ISBN 978-3-9813356-0-6.
  • Pfarrer D. Mertens: Waldenser-Kolonie Rohrbach-Wembach-Hahn. In: Zeitschrift Der Deutsche Waldenser.
  • Heinz Reitz: Ober-Ramstadt/Rohrbach im Luftbild. In: Zeitschrift des Breuberg-Bundes. 1974, Heft 2, S. 53.
  • Literatur über Rohrbach in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hartmut von Rohrbach. In: Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 335, 23. Juli 1292.
  2. Gerald Keller, Brigitte Köhler, Ortsbeirat Rohrbach (Hrsg.): 700 Jahre Rohrbach. 1992, S. 14.
  3. Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 1732 aus dem Jahr 1382, Unterlagen und Aufstellungen für die Verhandlungen im Jahre 1390.
  4. a b c d e Rohrbach, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Pfarrer D. Mertens: Waldenser-Kolonie Rohrbach-Wembach-Hahn. In: Zeitschrift Der Deutsche Waldenser.
  6. Schul- und Pfarrhaus. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt). 5. und 16. Juli 1890.
  7. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 237
  8. Ortsbeirat nach § 5 der Hauptsatzung der Stadt Ober-Ramstadt (PDF; 142 kB)
  9. Daniel Rambaud, seit 1795 Maire de la Colonie wird erster Bürgermeister der Gemeinde Rohrbach – Wembach – Hahn.
  10. Bürgermeister Abraham Gaydoul aus Hahn. Die Bürgermeisterei Rohrbach ist zuständig für die Gemeinden Rohrbach und Wembach mit Hahn. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt. Nr. 7/1856.
  11. Bürgermeister Karl Gaydoul. Die Bürgermeisterei Rohrbach ist zuständig für die Gemeinden Rohrbach und Wembach mit Hahn. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg u. Neustadt. Nr. 19/1862.
  12. Bürgermeister Perron, Daniel I. In: Starkenburger Provinzial-Anzeiger – Dieburger Kreisblatt. Nr. 22/1873.
  13. Bürgermeister Perron. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt). 30. August 1876, 3. Oktober 1883, 29. Januar 1887 und 26. Februar 1887.
  14. Bürgermeister Bertaloth II. * 1842 † 1910. In: Odenwälder Bote (Groß-Umstadt). 20. August 1892.
  15. Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 141.
  16. Der Hessische Minister des Inneren: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Rohrbach im Landkreis Darmstadt, Reg.-Bezirk Darmstadt. (Punkt S77) vom 2. November 1950. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1950 Nr. 46, S. 837 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,2 MB]).
  17. Darmstädter Echo. 10. September 2015, S. 21.