Landratsbezirk Reinheim

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Der Landratsbezirk Reinheim war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen mit Sitz in Reinheim und bestand von 1821 bis 1832. Er ging 1832 im Kreis Dieburg auf.

Umfang des Landratsbezirks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landratsbezirk Dieburg setzte sich aus den folgenden ehemaligen Verwaltungseinheiten zusammen[1]:

Im Jahr 1827 wurden die Orte Beedenkirchen und Wurzelbach dem Landratsbezirk Bensheim zugeteilt und die Gerichtsbarkeit und die Polizeigewalt von Brensbach von Grafen von Erbach-Erbach an das Großherzogtum Hessen abgetreten.

Der Bezirk bestand aus 36 althessische, zwei ehemals zwischen Hessen und der Kurpfalz gemeinschaftlichen Orten, einem landesherrlichen und sechs ritterschaftlichen Orten.[2]

Verwaltungseinheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Administrative Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Administrative Einteilung legte die Bürgermeistereien fest, welche dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Seit 1822 konnten die Hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen und es wurden keine Schultheiße mehr eingesetzt. Die folgenden 19 Bürgermeistereien wurden im Landratsbezirk bestimmt[2]:

  1. Brandau mit Allertshofen und Hoxhohl
  2. Brensbach
  3. Ernsthofen mit Herchenrode, Kleinbieberau und Webern
  4. Frankenhausen mit Neutsch und Obermodau
  5. Fränkisch-Crumbach mit Teilen von Bierbach, Eberbach, Erlau (Weiler in Fränkisch-Crumbach), Güttersbach und Michelbach (Weiler in Fränkisch-Crumbach)
  6. Großbieberau
  7. Gundernhausen
  8. Lichtenberg mit Niedern- und Obernhausen (ehemaliges Dorf, 500 m südöstlich von Lichtenberg)
  9. Neunkirchen mit Billings, Litzelbach, Meßbach, Nonrod und Steinau
  10. Niedermodau
  11. Niederramstadt mit Traisa und Waschenbach
  12. Oberramstadt
  13. Reinheim mit Ueberau
  14. Rodau mit Aßbach
  15. Rohrbach mit Hahn und Wembach
  16. Roßdorf
  17. Spachbrücken
  18. Wersau mit Teilen von Bierbach
  19. Zeilhardt mit Georgenhausen

Justizverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleichzeitig mit der Bildung des Landratsbezirkes wurde Landgerichte installiert, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Im Landratsbezirk Reinheim wurde das Landgericht Lichtenberg mit Sitz in Lichtenberg als Gericht erster Instanz geschaffen. Der Gerichtsbezirk deckte sich mit dem Landratsbezirk. Die Gerichtsbarkeit in Brensbach wird im Namen der Standesherrschaft, und im Patrimonialqericht Fränkisch-Crumbach, im Namen der Patrimonialgerichtsherrschaft von dem Landgericht Lichtenberg ausgeübt.[2] Als Gerichtssitz wurden bewusst vom Landratssitz getrennte Orte gewählt um die Unabhängigkeit der Justiz zu betonen.

Finanzverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) gab es die Rentämter. Für den Bezirk war das Rentamt Lichtenberg zuständig.[2]

Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war der Steuerbezirk Reinheim zuständig, der alle Orte umfasste und zur Obereinnehmerei Umstadt gehörte. Der Steuerbezirk Reinheim war wiederum in drei Distrikteinnehmereien gegliedert die aus: 1. Großbieberau mit Aßbach, Bierbach, Billings, Brensbach, Fränkisch-Crumbach mit Zubehör, Lichtenberg, Litzelbach, Meßbach, Neunkirchen, Niedernhausen, Nonrod, Obernhausen, Rodau, Steinau und Werfau; 2. Oberramstadt mit Allertshofen, Brandau, Ernsthofen, Frankenhausen, Hahn, Herchenrode, Hoxhohl, Kleinbieberau, Niederramstadt, Niedermodau, Neutsch, Obermodau, Rohrbach, Traisa, Waschenbach, Wembach und Webern; sowie 3. Reinheim mit Georgenhausen, Gundernhausen, Roßdorf, Spachbrücken, Ueberau, und Zeilhardt; bestanden.[2]

Der Orte des Bezirks gehörte zum Hauptzollamt Neuisenburg.

Weitere Verwaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orte des Landratsbezirks gehörten zum Forst Reinheim und dort zu den folgenden vier Forstrevieren: 1. Ernsthofen mit Allertshofen, Aßbach, Brandau, Herchenrode, Hoxhohl, Kleinbieberau, Litzelbach, Neunkirchen, Neutsch, Obermodau, Rohrbach, Steinau und Webern; 2. Lichtenberg mit Bierbach, Billings, Brensbach, Fränkisch-Crumbach mit Zubehör, Großbieberau, Meßbach, Niedernhausen, Nonrod, Obernhausen, Reinheim, Rodau, Ueberau, und Wersau; 3. Niederramstadt mit Frankenhausen, Hahn, Niedermodau, Oberramstadt, Traisa, Waschenbach und Wembach; 4. Roßdorf mit Georgenhausen, Gundernhausen, Spachbrücken, Zeilhardt und Kleinzimmern (aus dem Landratsbezirk Dieburg).[2]

Die Kirchverwaltung im Bezirk bestand aus lutherischen Inspektorat Reinheim mit den folgenden 13 Pfarreien: 1. Fränkisch-Crumbach mit Teilen von Bierbach, Teilen von Eberbach, Erlau, Guttersbach, Michelbach und Kirchbeerfurt (aus dem Landratsbezirk Erbach); 2. Georgenhausen mit Zeithardt; 3. Großbieberau mit Billings, Lichtenberg, Meßbach, Niedernhausen, Nonrod, Obernhausen, Rodau, und Steinau; 4. Gundernhausen; 5. Neunkirchen mit Allertshofen, Brandau, Herchenrode, Holhohl, Litzelbach und Neuisch; 6. Niedermodau mit Aßbach, Ernsthofen, Kleinbieberau, Obermodau, Rohrbach und Webern; 7. Niederramstadt mit Traisa und Waschenbach; 8. Oberramstadt; 9. Reinheim mit Ueberau; 10. Rohrbach mit Hahn und Wembach; 11. Roßdorf mit den Häusern Einsiedel, Leimenhaus und Scheffthum (aus dem Landratsbezirk Darmstadt); 12. Spachbrücken mit Habitzheim (aus dem Landratsbezirk Breuberg); 13. Wersau mit Bierbach. Die Pfarrei in Brensbach bildete mit mehreren Pfarreien aus dem Landratsbezirk Erbach das Inspektorat Brensbach.[2]

Historische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Reinheim[2]:
Lage und Grenzen werden beschrieben als: »Der Bezirk liegt zwischen dem 49° 44′ und 49° 54′ nördlicher Breite und zwischen dem 26° 19′ und 26° 34′ östlicher Länge. Die Grenzen sind gegen Norden: der Bezirk Dieburg; gegen Osten: die Bezirke Breuberg und Erbach; gegen Süden: die Bezirke Erbach und Lindenfels; gegen Westen: die Bezirke Bensheim und Darmstadt.«
Die Natürliche Beschaffenheit als: »a)  Oberfläche und Boden: Der Bezirk ist gegen den tiefern Odenwald sehr gebirgig. Der höchste Punkt ist die Neunkircher Höhe 2364 Hess. Fuß (0,25m) über der Meeresfläche gelegen. Von hier aus ziehen mehrere Gebirgsrücken nach verschiedenen Gegenden, bis sie sich nach und nach verflachen. Alle diese Gebirgsrücken bilden eine Menge Verzweigungen die den Bezirk durchkreuzen. An der westlichen Seite sind Ebenen, die sich nördlich immer mehr erweitern. Diese beherrscht der Roßberg 1133 Hess. Fuß (0,25m) über der Meeresfläche erhaben. Der Boden ist größtentheils fruchtbar und besteht theils aus Liesch teils aus Lehmboden. Auf der östlichen und westlichen Seite ist ein etwas sandiger Boden vorherrschend. b)  Gewässer: 1)  die Gersprenz; 2)  der Modaubach; 3)  der Fischbach; 4)  der Wembach.« 
Die Bevölkerung als: »Diese beträgt 19,805 Seelen, unter diesen sind 18,630 Luth.; 590 Reform.; 216 Kath.; 24 Mennoniten und 345 Juden, welche zusammen 1 Stadt, 4 Marktflecken, 41 Dörfer, 2 Weiler, überhaupt 2748 Häuser bewohnen.«
Die Naturprodukte als: »Pferde 1300; Fohlen 284; Bullen 51; Ochsen 145; Kühe 4266; Rinder 1856; Schweine 4315; Schaafe 2152; Ziegen 744; Esel 19. Viel Getreide, besonders Gerste und Spelz; in außerordentlicher Menge, viele Kartoffeln, Hanf, Flachs, viel Mohn; Rübsaamen; viele Futterkräuter; Obst; Holz. Sandsteine, jedoch von ganz geringer Qualität zu Großbieberau; Basalt zu Reinheim, Roßdorf und Gundernhausen; blauer Kalk zu Fr. Crumbach; Syenit, Granit, Lehm, Streusand. Spuren von Asbest in Oberramstädter Gemarkung.«
Gewerbe und Handel als: »Ackerbau, Viehzucht, Handwerke, Mühlengewerbe. Nicht unbedeutend sind die Leinewebereien, besonders zu Roßborf, Spachbrücken, Gundernhausen. Leinewandbleichen sind namentlich zu Großbieberau. Häfnerei wird in Roßdorf und Spachbrüchen getrieben, und besonders schönes Geschirr im erstern Orte fabricirt. Viele Waaren liefern die Schmiede und Nagelschmiede. Mit Holzmachen, so wie mit Steinbrechen beschäftigen sich viele Bewohner. Mahlmühlen hat der Bezirk 64, damit sind 16 Oel, 11 Schneide und 5 Hanfreibemühlen verbunden; eine Panier- und eine Pulvermühle befindet sich zu Niederramstadt. Die Haupthandelsartikel sind: fettes Vieh, viele Zuchtschweine, sodann Milch, Butter, Käse; sodann Früchte, besonders viel Gerste und Spelz, welche in großer Menge abgesetzt werden; viel Magsaamen, etwas Heu, Obst, Flachs, Holz, Basalt, Streusand. An Kunsterzeugnissen: mehrere Sorten Mehl, geschälte Gerste, Grütze, Graupen, Griesmehl, etwas Leinewand, Obstessig, Eisenwaaren, irdenes Geschirr, Zieglerwaaren, Faßdauben, Holzschnittwaaren. Die Straße von Darmstadt nach Erbach geht durch Roßdorf, Spachbrücken, Reinheim, Großbieberau und Brensbach.«

Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Verwaltungsreform vom 6. Juli 1832 wurden die Landratsbezirke zu Landkreisen zusammengefasst. Der Landratsbezirk Reinheim ging dabei zusammen mit dem Landratsbezirk Dieburg im neuen Kreise Dieburg auf.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Großherzogliche Verordnung „Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend“ vom 14. Juli 1821; in: Hess. Reg. Bl. 1821 Nr. 33, S. 406 (Online bei google books)
  2. a b c d e f g h Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1. Oktober 1829, Seite 197ff (Online bei Google Books)
  3. Edikt vom 6. Juni 1832; in: Regierungsblatt des Großherzogtums Hessen 1832 S. 365 ff