Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief

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Filmdaten
Originaltitel Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1997
Länge 114 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Helmut Dietl
Drehbuch Helmut Dietl,
Patrick Süskind
Produktion Helmut Dietl,
Norbert Preuss
Musik Dario Farina,
Paolo Conte (Songs)
Kamera Gernot Roll
Schnitt Inez Regnier
Besetzung

Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief ist eine deutsche Filmkomödie, die 1997 in Deutschland mit 3,2 Millionen Kinobesuchern zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres gehörte.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Münchner Restaurant „Rossini“ trifft sich die Medienszene der Stadt, darunter auch der Regisseur Uhu Zigeuner, der Produzent Oskar Reiter und der Dichter Bodo Kriegnitz.

Zigeuner und Reiter wollen unbedingt den Bestseller-Roman „Die Loreley“ des überaus menschenscheuen Schriftstellers Jakob Windisch verfilmen, obwohl der Autor sich immer wieder dagegenstellt.

Die durch die Weigerung entstehenden Verzögerungen bringen vor allem den Produzenten Reiter in Schwierigkeiten, dessen Bank ihm den Geldhahn zudrehen und sogar seine Produktionsfirma übernehmen will.

Reiter selbst steht daneben noch im Konkurrenzkampf mit Kriegnitz um die schöne (und selbstsüchtige) Valerie, die es genießt, von den beiden umworben zu werden. Als ihr jedoch der unattraktive Arzt Dr. Gelber einen Heiratsantrag macht und ihr – in seiner unbeholfenen Art sehr romantisch – in einer Schatulle seinen gesamten Besitz schenkt, erkennt sie, dass es ihren beiden Verehrern, Reiter und Kriegnitz, nicht um sie selbst, sondern nur um ihren persönlichen Wettstreit geht.

Außerdem tritt die sexhungrige Society-Reporterin Charlotte nach und nach erfolglos Zigeuner und Reiter zu nahe und vergewaltigt am Ende Windisch, was diesen zutiefst verstört. Er wird durch seine heimliche Verehrerin, die Kellnerin Serafina, gerettet und nach Hause gebracht. Auch sie wird jedoch enttäuscht, als sie mit ihm intim werden will.

Wegen der geplanten Verfilmung strömen scharenweise mehr oder minder begabte Blondinen, die sich um die Rolle der Loreley bemühen, ins Produktionsstudio oder ins Restaurant, ohne jedoch auch nur annähernd beeindrucken zu können. Ein hübsches Mädchen, das unter dem Namen Schneewittchen in Erscheinung tritt, setzt sich dagegen gekonnt in Szene und geht auch geschickter vor: Sie wirft sich jedem an den Hals, der ihr dabei behilflich sein könnte, die Rolle zu bekommen. Erst verschafft sie sich durch Rossini Zugang zum Restaurant, dann verdreht sie Zigeuner den Kopf und schließlich auch Reiter.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein an der Schnittstelle von Komödie und Tragödie aufwendig und solide inszenierter Unterhaltungsfilm, der mit pointierten Dialogen und guten Darstellern das mal komisch-skurrile, mal bissig-makabre Bild einer Schickeria-Welt voller Eitelkeiten entwirft.“

Lexikon des Internationalen Films

„‚Rossini‘ steht nicht zuletzt durch seine überwältigende Filmsprache an der Spitze der deutschen Produktion. Dietls Eleganz der Inszenierung à la Lubitsch, die fließende Kameraarbeit von Gernot Roll, die unglaubliche Sorgfalt in Dekor […], Ausstattung, Kostümen, Farbgebung, Lichtsetzung und die offene Erzählstruktur ergeben ein Filmjuwel de Luxe.“

– kino.de

„Was als Gesellschaftssatire gedacht war, entpuppt sich als oberflächliche Komödie, bei der die guten Darsteller reine Staffage sind. Der angeblich von wahren Begebenheiten inspirierte Film versammelt sämtliche aus den deutschen Erfolgskomödien der letzten Jahre bekannten Gesichter und Motive, ohne dabei auch nur eine eigene Idee zu bieten. Ein (zwar brillant fotografierter) klischeehaft besetzter, gespielter und inszenierter Film, in dem ausgerechnet Veronica Ferres als Verkörperung der Lorelei zum Inbegriff männlicher Sehnsucht hochstilisiert wird. Kurz: Überflüssig, weil stinklangweilig.“

– prisma-online.de

Anspielungen und Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film enthält zahlreiche Anspielungen auf reale Personen und Orte. Die Filmfigur des überaus scheuen Autors, gespielt von Joachim Król, der auch für viel Geld sein Buch nicht verfilmen lassen will, soll Co-Drehbuchautor Patrick Süskind zum Vorbild haben. Bei dem Buch (im Film: „Loreley“) soll es sich in Wahrheit um seinen Bestseller Das Parfum handeln. Tatsächlich hatte Süskind jahrelang Angebote zur Verfilmung des Romans ausgeschlagen – erst 2006, fast 20 Jahre nach dessen Veröffentlichung, kam es dazu. Uhu Zigeuner spielt auf den Regisseur und Mitverfasser des Drehbuchs, Helmut Dietl, an, Oskar Reiter auf den Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger und Bodo Kriegnitz auf den Dichter Wolf Wondratschek, aus dessen Gedicht Carmen der Untertitel „die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ stammt.[1] Die Geschichte der schönen, von Reiter und Kriegnitz begehrten Valerie, die schließlich Suizid begeht, beruht auf der realen Person der Filmeditorin Jane Seitz. Das Restaurant „Rossini“ hat das Münchner Lokal „Romagna Antica“ zum Vorbild, das in Schwabing in der Elisabethstraße 52, unweit des Filmverlags der Autoren lag. Es wurde ab den 1970er Jahren von der Filmprominenz (unter anderem Rainer Werner Fassbinder) frequentiert. Dietl und Eichinger waren ab den 1980er Jahren dort Stammgäste.[1]

Bemerkenswert ist, wie beziehungsunfähig und selbstsüchtig die Personen im Film dargestellt werden. Ihre Eitelkeiten führen vor allem in Situationen der Schwäche und der Not zu urkomischen Szenen. Dauerhafte Beziehungen können so nicht zustande kommen, obwohl jede Figur ständig auf der Suche nach Bindung ist bzw. zu sein glaubt.

Indem „Schneewittchen“ die Männer verführt, um an die Rolle der Loreley zu kommen, verkörpert sie genau das, was viele in der Loreley sehen: die Sehnsucht des Mannes nach seinem eigenen Untergang. Sie ist zugleich Heilige und Hure.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Alfons Kaiser: Es war unsere gute Stube. Wolf Wondratschek über die Schließung des „Rossini“-Vorbilds „Romagna Antica“ in Schwabing. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Januar 2007, S. 8 (Interview)