Sérgio Moro

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Sérgio Moro, 2015

Sérgio Fernando Moro (* 1. August 1972 in Maringá, Paraná[1]) ist ein brasilianischer Bundesrichter und seit Januar 2019 Justizminister des Landes.

Er war seit März 2014 der zuständige Richter in einem der größten politischen Skandale Brasiliens, der Operação Lava Jato (‚Operation Autowäsche bzw. Hochdruckreiniger‘),[2] in den hochrangige Politiker und Geschäftsleute durch Korruption und Bestechung verwickelt sind.[3] In diesem Zusammenhang verurteilte er auch Brasiliens ehemaligen Präsidenten Luiz Inácio da Silva zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren, wobei ihm dessen Verteidigung aufgrund von mit der Staatsanwaltschaft ausgetauschten Nachrichten Befangenheit vorwarf.[4]

Am 30. Oktober 2018 wurde Moro vom designierten Präsidenten Jair Bolsonaro (PSL) als neuer Justizminister Brasiliens nominiert[5] und trat am 1. Januar 2019 sein Amt als Minister für Justiz und Öffentliche Sicherheit im neu gegründeten Ministério da Justiça e Segurança Pública an.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moro studierte 1995 Rechtswissenschaften an der Universität von Maringá (UEM). Während des Studiums arbeitete er zwei Jahre in einer Anwaltskanzlei. 1995 schloss er das Studium in Maringá ab. Ab 1996 gab er Kurse an der Universidade Federal do Paraná (Bundesuniversität von Paraná, UFPR) in Curitiba[6] und wurde im selben Jahr Bundesrichter (portugiesisch juiz federal) am Tribunal Regional Federal da 4ª Região in Porto Alegre in Rio Grande do Sul.

Er besuchte im Jahr 1998 in den Vereinigten Staaten ein Ausbildungsprogramm der Harvard Law School für Anwälte (Program of Instruction for Lawyers) und beteiligte sich an vom Außenministerium der Vereinigten Staaten geförderten Studienprogrammen über Geldwäsche. Zwischen 1999 und 2002 war er Vorsitzender Richter der Dritten Bundesstrafkammer in Joinville im Bundesstaat Santa Catarina.

Moro erlangte 2002 den Magister und Doktor in Öffentlichem Recht an der Universidade Federal do Paraná bei dem renommierten Vertragsrechtler Marçal Justen Filho. An dieser Universität unterrichtet er Strafprozessrecht.

Er ist heute Bundesrichter des 13. Bundesstrafgerichtes von Curitiba.[7]

Vor seinen Aktivitäten als Richter im Fall Operação Lava Jato führte er ab 2003 auch den Fall Banestado, der zur Verurteilung von 97 Personen geführt hatte. Er arbeitete auch an dem Fall Operação Farol da Colina 2004, bei dem 103 Personen verhaftet wurden, die wegen Steuerhinterziehung, Steuerbetrug, Erpressung und Geldwäsche verdächtigt wurden. Im Falle des Mensalão-Skandals bat ihn die Ministerin des Obersten Bundesgerichts (STF), Rosa Weber, den Fall zu übernehmen, nicht zuletzt wegen seiner bekannten Expertise in der Finanzkriminalität und Geldwäsche.

Von der Zeitschrift Isto É wurde er 2014 zum „Brasilianer des Jahres“ gewählt[8] und gilt laut dem Epoca-Magazin als eine der hundert einflussreichsten Personen Brasiliens im Jahr 2014. In Umfragen von 2014 und 2015 wurde er ebenfalls von dem Nachrichtenmagazin Veja zum „Brasilianer des Jahres“ gekürt und wurde dabei über soziale Netzwerke unter 15 Persönlichkeiten dafür ausgewählt.[9]

Am 12. Juli 2017 wurde Ex-Präsident Lula da Silva durch Moro zu neun Jahren und sechs Monaten Haft wegen Korruption und Geldwäsche verurteilt, ein in der brasilianischen Geschichte bisher einmaliger Fall.[10]

Am 24. Januar 2018 verurteilte Moro Lula da Silva wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche zu 12 Jahren und einen Monat Gefängnis. Das letztinstanzliche Urteil wurde bestätigt und das Strafmass sogar noch erhöht.[11] Gegen Moros Vorgehen hatte Lula beim UN-Menschenrechtsausschuss geklagt und Recht bekommen: Am 26. Oktober 2016 erklärte der Rat, dass die Rechte Lulas durch Richter Moro verletzt wurden.[12] Am 8. Juli 2018 ordnete ein Richter die vorläufige Freilassung von Lula an, solange das von diesem angestrengte Berufungsverfahren nicht abgeschlossen sei. Dieses Urteil wurde vom Gerichtspräsidenten rückgängig gemacht, womit Lula per 9. Juli 2018 in Haft blieb.[13]

Am 9. Juni 2019 durch The Intercept (Brasil) veröffentlichte Daten belegen, dass Moro keine Interesse an einem fairen Verfahren hatte und die Verurteilung Lulas aus niederen Motiven anstrebte.[14][15][16] Lula wurde daraufhin im November 2019 freigelassen, da das Urteil, aufgrund der nicht abgeschlossenen zweiten Berufung, nicht rechtskräftig war.[17][18]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Ermittlungen gegen Lula da Silva sind umstritten und werden von international anerkannten Experten wie beispielsweise Geoffrey Robertson angegriffen, da es sich um die Politisierung der Justiz handele.[19]

Moro wird von unabhängigen Medien Parteinahme und einseitige Ermittlung gegen das Lager der sozialdemokratischen Regierung der PT vorgeworfen.[20][21] Er gilt als wichtigster Name der Bewegung, die die umstrittene Suspendierung von Präsidentin Dilma Rousseff betrieb.[22]

Von Berufskollegen wird Moro spöttisch «Rei dos Vazamentos» (deutsch: „König der Lecks“) bezeichnet.[23]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moro ist ein Nachkomme italienischer Einwanderer aus dem Veneto. Sein Vater Dalton Áureo Moro (1943–2005) war Professor für Geographie an der Universität von Maringá, seine Mutter Odete Starke Moro war Portugiesischlehrerin.[24] Moro ist mit der Rechtsanwältin Rosângela Wolff de Quadros Moro verheiratet und hat zwei Kinder.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Desenvolvimento e efetivação judicial das normas constitucionais. Max Limonad, São Paulo 2001.
  • Legislação suspeita? Afastamento da presunção de constitucionalidade da lei. 2. Auflage. Juruá Editora, Curitiba 2003.
  • Jurisdição constitucional como democracia. Editora Revista dos Tribunais, São Paulo 2004.
  • Crime de lavagem de dinheiro. Saraiva, São Paulo 2010. (Das Verbrechen der Geldwäsche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sérgio Moro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Retrato do juiz Sérgio Moro quando jovem, altamiroborges.blogspot.de, abgerufen am 26. Mai 2016 (portugiesisch)
  2. Caso Lava Jato - Entenda o caso, lavajato.mpf.mp.br, abgerufen am 26. Mai 2016 (portugiesisch)
  3. Das Ende der Zwei-Klassen-Justiz, sueddeutsche.de, vom 29. November 2015
  4. Jan Marinko: Oberstes Gericht in Brasilien prüft Befangenheit von Justizminister Moro. Amerika21, 21. August 2019, abgerufen am 24. Februar 2020.
  5. Erstes Interview nach der Brasilien-Wahl: Bolsonaro will Star-Richter zum Justizminister machen - und die Bürger bewaffnen. In: Spiegel Online. 30. Oktober 2018, abgerufen am 30. Oktober 2018.
  6. Rogerio Waldrigues Galindo: Sergio Moro, um ilustríssimo desconhecido. (Memento vom 28. August 2016 im Internet Archive) In: Gazeta do Povo vom 11. Dezember 2015. Abgerufen am 31. August 2018 (brasilianisches Portugiesisch).
  7. Justiça Federal Curitiba - Varas Federais - 13ª Vara Federal, jfpr.jus.br, abgerufen am 26. Mai 2016 (portugiesisch).
  8. Ponta-grossense aparece na lista de 'Brasileiros do Ano' da IstoÉ arede.info, abgerufen am 26. Mai 2016 (portugiesisch).
  9. Sergio Moro é eleito pela 2ª vez a Personalidade do Ano; protestos de março contra Dilma são o Fato de 2015, veja.abril.com.br, vom 30. Dezember 2015 (portugiesisch)
  10. Fausto Decedo u. a.: Lula é condenado a 9 anos e seis meses; Moro não decreta prisão do petista. In: O Estadão. 12. Juli 2017, abgerufen am 12. Juli 2017 (portugiesisch).
  11. Zwölf Jahre Gefängnis für früheren Präsidenten Lula faz.net vom 24. Januar 2018
  12. Brasilien: Ex-Präsident Lula erstattet Anzeige gegen Ermittlungsrichter Sérgio Moro. In: amerika21. Berlin 20. November 2016 (amerika21.de [abgerufen am 26. Dezember 2017]).
  13. Machtkampf mehrerer Richter: Brasiliens Ex-Präsident Lula bleibt in Haft. In: Spiegel Online. 9. Juli 2018 (spiegel.de [abgerufen am 9. November 2019]).
  14. Ex-Präsident Lula angeblich gezielt in Haft gebracht. Abgerufen am 10. Juni 2019.
  15. Glenn Greenwald, Victor Pougy: Hidden Plot: Exclusive: Brazil’s Top Prosecutors Who Indicted Lula Schemed in Secret Messages to Prevent His Party From Winning 2018 Election. In: theintercept.com. 9. Juni 2019, abgerufen am 11. Juni 2019 (amerikanisches Englisch).
  16. Mensagens vazadas revelam que Moro orientou investigações da Lava Jato. In: com.br. noticias.uol.com.br, 9. Juni 2019, abgerufen am 10. Juni 2019 (brasilianisches Portugiesisch).
  17. Nach Gefängnisstrafe wegen Korruption: Brasiliens Ex-Präsident Lula ist frei. In: Spiegel Online. 9. November 2019 (spiegel.de [abgerufen am 9. November 2019]).
  18. Gerichtsentscheidung in Brasilien: Ex-Präsident Lula vor vorübergehender Freilassung. In: Spiegel Online. 8. November 2019 (spiegel.de [abgerufen am 9. November 2019]).
  19. Peter Steiniger: Juristische Farce. In: junge Welt. 17. Mai 2017 (jungewelt.de [abgerufen am 12. Juli 2017]).
  20. Documentos indicam grampo ilegal e abusos de Moro na origem da Lava Jato - „Dokumente zeigen illegale Handlungen und Machtmissbrauch durch Moro im Fall Lava Jato“, Artikel vom 3. April 2016 des Nachrichtenportals www.uol.com.br, abgerufen am 28. Mai 2016
  21. Sergio Moro: Herói anticorrupção ou incendiário? - „Sergio Moro: Held gegen Korruption oder Brandstifter?“, Artikel vom 3. April 2016 der BBC Brasil, abgerufen am 28. Mai 2016
  22. 13 de março: juiz Moro, o herói dos protestos pelo país - „13. März: Richter Moro, der Held der Proteste für das Land“, Artikel des Nachrichtenmagazins Veja vom 13. März 2016, abgerufen am 28. Mai 2016
  23. Esposa do Juiz Sérgio Moro assessorou vice-governador do PSDB. In: Pragmatismo Político vom 6. Dezember 2014. Abgerufen am 31. August 2018 (brasilianisches Portugiesisch).
  24. Homenagem aos que se foram … Dalton Áureo Moro. UNESP (brasilianisches Portugiesisch, [Abruf am 1. Juni 2016]).