S-Bahn Léman

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S-Bahn Léman / Léman Express
Leman Express map 2018.svg
Das Netz Léman Express wurde am 9. Dezember 2018 teilweise in Betrieb genommen.
Staat Schweiz und Frankreich
Linien 7
Streckenlänge 230 km
Stationen 45
Bewohner im Einzugsbereich Kanton Genf / Kanton Waadt / Region Auvergne-Rhône-Alpes
Fahrzeuge 40
Betreiber SBB und SNCF
Stromsystem Schweiz: 15 kV, 16,7 Hz
Frankreich und Genf–La Plaine: 25 kV, 50 Hz

S-Bahn

Logo Léman Express

Die S-Bahn Léman (französisch RER Léman) ist die geplante S-Bahn am Genfersee, französisch Lac Léman, im Grossraum von Genf. Die binationalen S-Bahn-Linien (Schweiz und Frankreich) um Genf mit der CEVA-Linie als Herzstück werden zukünftig als Léman Express bezeichnet. Der Léman Express wird Europas grösste grenzüberschreitende S-Bahn.

Inbetriebnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die S-Bahn nahm am 11. Juni 2018 ihren Teilbetrieb auf. Am 9. Dezember 2018 erhielten die Linien ihre endgültige Nummerierung. Die Linien 1 bis 4, die die Neubaustrecke Genf-Cornavin–Eaux Vives–Annemasse bedienen sollen, enden bis zu ihrer Inbetriebnahme in Lancy-Pont Rouge im Süden von Genf. Am 15. Dezember 2019 wird die S-Bahn Léman unter dem Namen Léman Express ihren Vollbetrieb aufnehmen.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grossraum Genf leidet seit Jahren unter dem stetig wachsenden grenzüberschreitenden Autoverkehr. 84 % der täglichen 550'000 grenzüberschreitenden Fahrten wurden im Jahr 2015 mangels eines effizienten öffentlichen Verkehrs mit dem Auto durchgeführt. Das Hauptproblem bildete die Netzlücke zwischen den Bahnhöfen Genève-Cornavin und Eaux Vives, zusätzlich existierten bis 2014 in der Region drei Fahrdrahtspannungen. Abhilfe soll die neue S-Bahn Léman Express schaffen.[1]

Neubaustrecke CEVA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückgrat und Stammstrecke wird die Strecke Cornavin–Eaux-Vives–Annemasse CEVA sein, die zwischen La Praille und dem Hauptbahnhof Genf-Cornavin die bereits bestehende ehemalige Güterverkehrsstrecke benutzt. Die Neubaustrecke wird im Dezember 2019 eröffnet. Die Kosten belaufen sich in der Schweiz auf 1,567 Mia. Franken und in Frankreich auf 235 Mio. Euro.[2][3] Nur acht Streckenkilometer fehlen zwischen den Stadtquartieren La Praille und Eaux-Vives. Diese mussten durch dicht bebaute Quartiere, über den Fluss Arve und unter dem Hügel von Champel gebaut werden. Mit der neuen Linie wird die Fahrzeit von Genf nach Annemasse von 33 Minuten auf 17 Minuten verkürzt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netz ab Dezember 2019.

Strecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Netz wird eine Länge von 230 km haben und 45 Bahnhöfe umfassen.

Linie Linienweg Länge Halte Fahrzeit
Léman Express 1 CoppetAnnemasseEvian 70 km 22
Léman Express 2 CoppetAnnemasseAnnecy 70 km 23
Léman Express 3 CoppetAnnemasseSaint-Gervais-les-Bains 80 km 24
Léman Express 4 CoppetAnnemasse 30 km 17
Léman Express 5 Genf – La Plaine  km
Léman Express 6 GenfBellegarde 40 km 9

Zusätzlich zu den sechs Linien des Léman Expresses bestehen noch folgende Linien innerhalb der S-Bahn Léman:

SBB

TER Auvergne-Rhône-Alpes

Zusätzlich verkehren zwischen Genf und Lausanne die folgenden Fernverkehrszüge der SBB:

Bahnhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der neuen CEVA-Strecke erhalten die reinen RER-Bahnhöfe einheitlich 225 Meter lange Bahnsteige. Damit können FLIRT-Kompositionen in Dreifachtraktion verkehren, womit rund 600 Sitzplätze pro Zug angeboten werden. Für die RegioExpress-Züge werden Bahnsteige von 320 Metern erstellt, ausreichend für sechsteilige KISS-Doppelstockeinheiten in Doppeltraktion mit über 1000 Sitzplätzen. Im Raum Lancy-Pont-Rouge und beim Bahnhof Eaux-Vives werden je zwei Gleisverbindungen eingebaut, um im Störungsfall oder bei Bauarbeiten einen reibungslosen Betrieb zu gewähren. Damit der Léman Express seinen vollen Nutzen erbringt, musste auch das erst 2001 errichtete dritte S-Bahn-Gleis zwischen Genf und Coppet aufgewertet werden. Ausserdem wurden zwei zusätzliche Kreuzungsgleise in Chambésy und Mies erstellt.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flotte von Léman Express wird aus 23 FLIRT-Zügen (RABe 522) des Schweizer Herstellers Stadler Rail und 17 Régiolis-Zügen (Z 31500) des französischen Herstellers Alstom bestehen. Sämtliche 40 Einheiten sind zweifrequenzfähig und sowohl in der Schweiz als auch in Frankreich zugelassen, so dass umsteigefreie Fahrten zwischen Coppet und Evian-Les Bains, Annecy, St-Gervais sowie Annemasse angeboten werden können. Die Léman Express-Flotte erhält ein einheitliches Design. Die Züge sind niederflurig, klimatisiert, bieten grosse Ablagefläche in der ersten sowie Steckdosen in beiden Wagenklassen sowie genügend Raum für Kinderwagen, Velos und Rollstühle und je eine behindertengängige Toilette.

Auf Schweizer Seite wurden die FLIRT-Triebzüge 2018 schrittweise in Dienst gestellt. In der ersten Jahreshälfte 2018 wurden die ersten Régiolis-Einheiten getestet. Sie werden im Hinblick auf die vollständige Inbetriebnahme des Systems im Dezember 2019 bis zum Sommer 2019 geliefert.

Die SBB finanziert die 23 FLIRTs mit 236 Millionen Franken. Auf französischer Seite ist es die Region Auvergne-Rhône-Alpes, die die 17 Régiolis mit bis zu 210 Millionen Euro finanziert.[5][6]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lémanis SA ist für die Planung und den Betriebs des grenzüberschreitenden regionalen Schienenangebots Léman Express zuständig. Ausserdem ist Lémanis SA Ansprechpartner für die involvierten Behörden der Kantone Genf und Waadt, des Bundesamtes für Verkehr und der Region Auvergne-Rhône-Alpes.[7]

Lémanis SA, eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht, ist eine Tochtergesellschaft von SBB und SNCF (via SNCF Mobilités) mit Sitz in Genf. Die Firma ist zu 60 % im Besitz der SBB und zu 40 % im Besitz der SNCF. Sie ist rechtlich gesehen keine Eisenbahngesellschaft. Aus rechtlichen Gründen hat sie eine Schwestergesellschaft in Frankreich mit Sitz in Chambéry. Die am 15. März 2017 gegründete Lémanis SA geht auf den am 9. März 2017 in Paris unterzeichneten Kooperationsvertrag zwischen den SBB und SNCF zurück.

Am 1. Februar 2018 haben der Bund, die Kantone Genf und Waadt sowie die Region Auvergne-Rhône-Alpes eine Absichtserklärung zum Léman Express unterschrieben. Diese besagt, dass die vier Partner bis spätestens 2023 eine einzige Aufsichtsorganisation gründen wollen, die als Betreiberin eine einzige Gesellschaft führt. Gemäss Absichtserklärung soll die Lémanis möglichst bald eine vollständige Eisenbahngesellschaft werden.

Gewerkschaftliche Bedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäss Absichtserklärung bietet nämlich dem einheitlichen Betreiber die Möglichkeit einer «eventuellen Ausschreibung der Bahnleistungen des Léman Express auf dem gesamten einbezogenen Gebiet der Schweiz und Frankreichs am Ende der zehnjährigen Konzession, mit einer Ausstiegsklausel nach sechs Jahren, die dem Betreiber auf dem Schweizer Netz zugestanden wird». Im Zeitraum 2025–2029 könnte das Netz also gesamteuropäisch ausgeschrieben werden. Derzeit bereitet sich die Europäische Union auf die Liberalisierung des Fernverkehrs (2020) und des Regionalverkehrs (2026) vor. Die Schweizerische Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV befürchtet unter diesen Bedingungen grossen Druck auf die Arbeitsbedingungen. Die CGT Bahn, SUD Rail und der SEV haben von Lémanis Informationen über die künftigen Arbeitsbedingungen verlangt.[8]

Arbeitsrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Personal stellt sich eine zentrale Frage: welche Gesellschaft wird das Netz betreiben und welche Arbeitsbedingungen werden gelten? In einem ersten Schritt werden es die jeweiligen Hausregeln sein. Die Betreibergesellschaft Lémanis wird von SNCF (40 %) und SBB (60 %) gemeinsam geführt, aber die Lokführerinnen und Lokführer arbeiten nur im eigenen Land, obwohl sie beide Fahrbewilligungen haben. Dies macht einen Lokführerwechsel jeweils in Annemasse nötig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SBB Bem 550 000 mit dem RER-Signet am Kopfgleis im Genfer Hauptbahnhof Cornavin, 19. September 2006

Die Vorläufer der S-Bahn Léman/Léman Express gehen bis ins Jahr 1994 zurück. Die Linie von Genf nach La Plaine, seit 3. September 2001[9] grenzüberschreitend bis Bellegarde-sur-Valserine in Frankreich, wird seit 1994[10] als RER bezeichnet, was hier mit Rhône Express Régional[11] gedeutet wird, um sich vom Réseau Express Régional in Paris zu differenzieren.

Als 2014 die Strecke Genf–La Plaine vom Gleichstromsystem auf 25 kV mit 50 Hz Wechselspannung umgestellt wurde, musterten die SBB die Gleichstromtriebwagen Bem 550 aus und verschrotteten sie noch 2015. Heute verkehren zwischen Genf und La Plaine Stadler-FLIRT-Zweifrequenzzüge der Gattung RABe 522.

Auf der Suche nach einem neuen Namen für das zukünftige S-Bahnnetz, wurde zwischen dem 1. Juni und dem 15. Juni 2015 eine öffentliche Internet-Konsultation durchgeführt. Die Bevölkerung konnte aus vier vorgeschlagenen Namen auswählen. Zur Wahl standen: CEVA Express, Léman Express, Lémanis und Réflex. Aus den fast 7'900 abgegebenen Stimmen, wurde der Name Léman Express mit fast 41 % der Stimmen gewählt.[12]

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damit das Angebot der S-Bahn Léman nach 2020 weiter ausgebaut werden kann, müssen zuerst die verschiedenen Teilprojekte von Léman 2030 zwischen Lausanne und Genf realisiert werden, so auch der geplante zweispurige Tiefbahnhof unter dem Bahnhof-Cornavin.[13][14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Le réseau ferroviaire transfrontalier s’appelle Léman Express In: Journal de Bâle et Genève vom 19. Juni 2015
  2. Eine Wartezeit von 107 Jahren In: InfoForum 1/2017
  3. SNCF: Leman Express, le 1er RER transfrontalier franco-suisse
  4. Revolution am Genfersee In: InfoForum, 1/2017
  5. Übersetzung aus: Lemanexpress.ch
  6. Léman Express auf SBB.ch
  7. Spitzentreffen SBB-SNCF in Paris: Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg. In: bahnonline.ch. 9. März 2017, abgerufen am 7. Mai 2018.
  8. SEV: Léman Express, ein Trojanisches Pferd? vom 10. Juli 2018
  9. Schweizer Eisenbahn-Revue 11/2001: Im "Tram" über die französische Grenze
  10. Jean-Philippe Coppex, Die Geschichte des Rhône Express Régional RER, zweisprachig deutsch/französisch, in: Tram Nr. 94, 2008, ISSN 1422-5344
  11. Fahrplanfeld 151 des offiziellen Schweizer Kursbuchs
  12. Le réseau ferroviaire transfrontalier s’appelle Léman Express In: Journal de Bâle et Genève vom 19. Juni 2015
  13. SBB: Léman 2030
  14. Schweizerische Eidgenossenschaft: Unterirdische Erweiterung des Bahnhofs Genf-Cornavin - Rahmenvereinbarung unterzeichnet

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Léman Express – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien