Annecy

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Annecy
Wappen von Annecy
Annecy (Frankreich)
Annecy
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Département Haute-Savoie (Präfektur)
Arrondissement Annecy
Kanton Hauptort von
Annecy-1
Annecy-2
Annecy-le-Vieux
Seynod
Gemeindeverband Grand Annecy
Koordinaten 45° 54′ N, 6° 8′ OKoordinaten: 45° 54′ N, 6° 8′ O
Höhe 418–926 m
Fläche 66,94 km2
Einwohner 126.419 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 1.889 Einw./km2
Postleitzahl 74000
INSEE-Code
Website www.annecy.fr

Blick vom Mont Veyrier auf Annecy und den Lac d’Annecy
Stadtplan aus dem Jahr 1914
Rathaus (Hôtel de ville), erbaut zwischen 1847 und 1855
Innenstadt

Annecy [ansɪ] ist eine ostfranzösische Stadt mit 126.419 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) und die Hauptstadt des Départements Haute-Savoie in der Region Auvergne-Rhône-Alpes.

2012 wurde Annecy zur Alpenstadt des Jahres gekürt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annecy liegt im Südosten Frankreichs, an der Nordspitze des 27 km² großen Sees Lac d’Annecy, 40 km südlich der Schweizer Stadt Genf. Durch die Altstadt fließt als natürlicher Abfluss des Sees der Thiou, der nach nur 3,5 Kilometern in den Fier mündet. Der Canal du Vassé, einst zur Versorgung der Verteidigungsgräben mit Seewasser errichtet, verläuft heute teilweise unterirdisch.

Die Gemeinde ist als Zugangsort mit dem Regionalen Naturpark Massif des Bauges assoziiert.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anniciaca war der ursprüngliche Name des unmittelbar nordöstlich von Annecy gelegenen, 2017 eingemeindeten Orts Annecy-le-Vieux (dt: Alt-Annecy), in dessen Nähe ein Landhaus eines Römers namens Annicius gelegen hatte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über die Dächer der Altstadt

Die Ufer des Lac d’Annecy sind seit mindestens 3100 v. Chr. besiedelt. 50 v. Chr. wurde an der Stelle der Stadt eine römische Siedlung gegründet, die den Namen Boutae bzw. Bautas trug. Im Jahr 259 wurde bei Überfällen von „Barbaren“ der Marktflecken zerstört und ein Teil der Bevölkerung umgebracht. Einige der Überlebenden gründete in den nahen Hügeln den Ort Anniciaca. Bis ins 6. Jahrhundert wiederholten sich die Angriffe, woraufhin die letzten Bewohner Boutae aufgaben.[1]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 7. Jahrhundert wurde die Stelle am Ufer des Thiou neu besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Annecy stammt aus dem Jahr 1107, als zwischen der ersten Kirche Saint-Maurice und der im Bau befindlichen Burg Château d’Annecy der Ort errichtet wurde. Kriegerische Auseinandersetzungen mit den Bischöfen von Genf führten zur Flucht der Grafen von Genf nach Annecy, die den Ort zu ihrer Hauptstadt machten. Letzter Graf von Genf war der in Annecy geborene Gegenpapst Clemens VII. (1342–1394).[1]

1401 wurde der Ort mit der Grafschaft Genf von Odo von Thoire und Villars an Amadeus VIII. aus dem Haus Savoyen verkauft,[1] 1444 schuf jener eine Apanage für ein Mitglied seiner Familie, dem er eine weitgehende Autonomie zusicherte. Janus, der fünfte Sohn Ludwigs des Älteren, machte Annecy zu seiner Residenz und zur Hauptstadt der Grafschaft. Nach seinem Tod gehörte der Ort von 1491 bis 1514 vorübergehend zu Savoyen und wurde dann bis zum 17. Jahrhundert erneut zur Apanage.[1]

Im 15. Jahrhundert umfasste Annecy mehr als ein Dutzend Klöster, die Hälfte der Stadt sowie große Ländereien und Wälder gehörten verschiedenen Orden. Mit dem Aufkommen des Calvinismus im nahen Genf wurde die Stadt zu einem Zentrum der Gegenreformation, der Genfer Bischofssitz wurde nach Annecy verlegt. Aus jener Zeit stammen Bauwerke wie die Kathedrale Saint-Pierre. 1602 wurde Franz von Sales Bischof der Stadt.[1]

Renaissance bis 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Französischen Revolution wurde die Stadt Ende 1792 von den Revolutionstruppen erobert. Savoyen verlor seine Unabhängigkeit und wurde ein Teil Frankreichs. Annecy wurde dem damaligen Département Mont Blanc zugeschlagen, dessen Hauptstadt Chambéry war. Die Bürger der Stadt empfanden die Vertreibung des Herzogs zunächst als Befreiung, wandten sich angesichts der religionsfeindlichen Politik des Staates bald gegen diesen. In den 23 Jahren der ersten Zugehörigkeit zu Frankreich, die den französischen Markt für die Stadt geöffnet hatte, entstanden an den Ufern des Thious zahlreiche Fabriken.[1]

Nach 1815 wurde Annecy als Folge des Zweiten Pariser Friedens an das Haus Savoyen zurückgegeben. Nach dem Anschluss Savoyens an Frankreich im Jahr 1860 (Vertrag von Turin) wurde Annecy die Hauptstadt des neuen Départements Haute-Savoie.

1866 erreichte die Eisenbahn die Stadt, was die Entwicklung der Industrie und des Tourismus förderte. Um die folgende Jahrhundertwende entstanden neue Stadtteile, 1906 lieferte ein Kraftwerk am Fier erstmals Strom für die elektrische Beleuchtung.[1]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1940 besiegte die Wehrmacht Frankreich, am 19. August 1944 wurde Annecy von Maquisards befreit. In der Folgezeit wurden dort deutsche Kriegsgefangene interniert. Als bekannt wurde, dass französische Gefangene in Lyon erschossen worden waren, erschossen die Forces françaises de l’intérieur (FFI) am 28. August und am 2. September 1944 als Repressalie 80 Deutsche, überwiegend Angehörige der Sicherheitspolizei und des SD, sowie des SS-Polizei-Regiments 19, die zuvor an der brutalen Verfolgung französischer Widerständler beteiligt waren.[2] In der Folge wurde den Angehörigen der FFI von den Deutschen der Kombattantenstatus zuerkannt.[3]

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annecy war im Jahr 1949 der Sitzungsort der zweiten Verhandlungsrunde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens GATT.

Zum 1. Januar 2017 wurden die umliegenden Nachbargemeinden Annecy-le-Vieux, Cran-Gevrier, Meythet, Pringy und Seynod nach Annecy eingemeindet, wodurch sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelte.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annecy hat eine Metall-, Bootszulieferer-, Textil-, Leder-, Lebensmittel- und Holzindustrie. Die Stadt ist ein Luftkurort, der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallfahrtskirche La Visitation

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carnaval Vénitien: Alljährliche Adaption des Karneval in Venedig, welcher das Ende des Winters ankündigt.
  • Festival d’Animation Annecy: Jährlich im Juni stattfindendes Trickfilm-Festival.
  • Noctibules: Nächtliches Spektakel zahlreicher Künstler und Artisten in den Gassen der Altstadt im Juli.
  • Fête du Lac: 70-minütiges, von Musik und Wasserspielen begleitetes Feuerwerk am ersten Samstag im August mit bis zu 200.000 Zuschauern.
  • Traverse du lac d’Annecy („Überquerung des Sees von Annecy“): Jährlich im August stattfindender Schwimmwettkampf über drei Distanzen (0,9 km, 1,2 km und 2,5 km).
  • Festival du Cinéma Italien: Eines der größten europäischen Filmfestivals zu diesem Thema Ende September/Anfang Oktober.
  • Retour des Alpages: Traditioneller und authentischer Almabtrieb vieler Bauern und Erzeuger regionaler Produkte, Künstler und folkloristischer Gruppen in den Gassen der Altstadt, am zweiten Samstag im Oktober.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 fanden in Annecy die Junioren-Weltmeisterschaften in der Leichtathletik statt.

Anlässlich der Tour de France gibt es oftmals Etappen in und um Annecy. So wurde zum Beispiel 2009 die 18. Etappe als Einzelzeitfahren rund um den Lac d’Annecy ausgetragen. Am 20. Juli 2013 fand die vorletzte Etappe der 100. Tour de France auf einer 125 km langen Strecke von Annecy hinauf nach Semnoz statt. Im Jahr 2018 führte die 10. Etappe über 158,5 km von Annecy nach Le Grand Bornand.

Es gab Pläne für eine Bewerbung für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2014, sie wurden jedoch verworfen. Annecy hat erfolglos für die Olympischen Winterspiele 2018 kandidiert.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit folgenden Gemeinden bestehen Städtefreundschaften:[4]

Hinzu kommt eine Zusammenarbeit bezüglich eines technischen und kulturellen Austauschs mit dem ivorischen Sassandra.[4]

Annecy engagiert sich im Verein Alpenstadt des Jahres gemeinsam mit anderen Alpenstädten für die Umsetzung der Alpenkonvention, welche die nachhaltige Entwicklung der Alpen zum Ziel hat.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Franz von Sales in Annecy

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Beziehung zur Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johanna Franziska von Chantal (1572–1641), Heilige der Katholischen Kirche; gründete in Annecy den Orden der Salesianerinnen
  • Jean-Jacques Rousseau (1712–1778), Schriftsteller und Philosoph; hielt sich im März 1728, von Juni 1729 bis April 1730 und, nach einem kurzen Unterbruch, nochmals bis Juli 1730 in Annecy auf. Beim zweiten Aufenthalt leistete er Sekretärdienste für Mme de Warens, erhielt Gesangsstunden, versuchte am Priesterseminar Latein zu lernen und war Mitglied der Kathedralkantorei.
  • Claude Louis Berthollet (1748–1822), Mediziner und Chemiker; begann um 1760 an der hiesigen Universität mit seinem Medizinstudium
  • Eugène Sue (1804–1857), französischer Schriftsteller; verbrachte seine letzten Lebensjahre im Exil in Annecy und starb dort
  • Claude Favre de Vaugelas (1585–1650), französischer Literat, Philologe und Grammatiker; widmete sich in Annecy Studien der Menschheit an der Académie florimontane

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Annecy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Histoire de la ville d’Annecy bei annecy-ville.fr, abgerufen am 23. September 2018
  2. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 3486579924, Seite 467.
  3. International Committee of the Red Cross: Report of the International Committee of the Red Cross on its activities during the Second World War. No. 1-2, 1948, p.522
  4. a b c Jumelages, pactes d’amitié et partenariats (Memento des Originals vom 26. August 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.annecy.fr