Alstom Coradia Polyvalent

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Alstom Coradia Polyvalent
Alstom Regiolis B 84549 im Bahnhof Montreuil-Bellay
Alstom Regiolis B 84549 im Bahnhof Montreuil-Bellay
Nummerierung: Z 51500
Z 54900
B 83500
B 84500
B 85900
Anzahl: 182 bestellt
Hersteller: Alstom
Baujahr(e): 2011–…
Achsformel: Bo’2’2’Bo’ (dreiteilig)
Bo’2’2’2’Bo’ (vierteilig)
Bo’2’2’2’Bo’2’2’Bo’ (sechsteilig)
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 56,4 m (dreiteilig)
71,8 m (vierteilig)
110 m (sechsteilig)[1]
Höhe: 4,29 m
Breite: 2,85 m
Radsatzfahrmasse: bis zu 20 t
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h oder
200 km/h nur im Fahrleitungsbetrieb
Traktionsleistung: vierteilig:
0 850 kW (Diesel)[2]
1 700 kW (elektrisch)
sechsteilig:
1 300 kW (Diesel)
2 600 kW (elektrisch)
Beschleunigung: Diesel: 0,55 m/s²
Dieselelektrisch: 0,85 m/s²
Elektrisch: 0,94 m/s²
Treibraddurchmesser: 840/770 mm
Motorentyp: Dieselmotor
Motorbauart: 4/6 × MAN D 2676LE62X à 340 kW
Leistungsübertragung: elektrisch
Stromsystem: 1,5 kV =
25 kV 50 Hz ~
15 kV 16,7 Hz ~
Stromübertragung: Oberleitung
Anzahl der Fahrmotoren: 4/6 Synchronmotoren mit Permanentmagneten
Antrieb: Dieselelektrisch und elektrisch
Sitzplätze: 162 (dreiteilig; Régional)
220 (vierteilig; Régional)
354 (sechsteilig; Régional)
Fußbodenhöhe: 600 mm
Niederfluranteil: 100 %
Klassen: 2

Der Alstom Coradia Polyvalent ist ein Gliedertriebzug des Herstellers Alstom aus der Coradia-Familie. Die SNCF hat am 27. Oktober 2009 mit Alstom einen Rahmenvertrag über 1000 Züge unter dem Namen Régiolis für den Einsatz im Regionalverkehr der französischen Regionen (TER) geschlossen.[3]
233 Züge sind bereits bestellt, die von den Regionen Elsass, Aquitanien, Basse-Normandie, Franche-Comté, Haute-Normandie, Lothringen, Midi-Pyrénées, Pays de la Loire, Picardie, Auvergne, Poitou-Charentes und Provence-Alpes-Côte d’Azur bezahlt werden.[4][5] Der französische Staat hat 34 Züge für den nationalen Verkehr bestellt.[6]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Régiolis-Triebzüge werden mit zwei verschiedenen Antriebsvarianten gebaut: Als elektrischer Triebzug und als Zweikrafttriebzug (elektrisch und dieselelektrisch). Die Züge können drei-, vier- und sechsteilig zusammengesetzt werden. Die Züge sind vollständig niederflurig, nahezu alle Komponenten sind auf dem Fahrzeugdach untergebracht. Das betrifft auch die Dieselmotoren der Zweikrafteinheiten.[7]

Die Vielfachsteuerung ermöglicht, bis zu drei Sechswageneinheiten zu kuppeln, dadurch stehen bis zu 1000 Sitzplätze zu Verfügung. Die Triebzüge werden im Vorort-, Regional- und Fernverkehr eingesetzt. Sie erreichen im Diesel- und im Fahrleitungsbetrieb eine Geschwindigkeit von 160 km/h. Beim Fahrleitungsbetrieb besteht eine Option auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Die Coradia Polyvalent sind als Zweisystemeinheiten (1500 V = und 25 kV, 50 Hz) ausgelegt, sie können jedoch auch dreisystemfähig für zusätzlich 15 kV bei 16,7 Hz geliefert werden. Eine Zulassung für Deutschland ist vorgesehen. Die Zulassung der Zweikrafteinheiten für Belgien wird angestrebt. Aufgrund der fehlenden Ausrüstung für 3 kV Gleichspannung wird sich der Einsatz auf den Dieselbetrieb beschränken.[8]

Die Einheiten für den Regionalverkehr entsprechen den europäischen Vorschriften zur Beförderung mobilitätseingeschränkter Personen; dafür sind unter anderem die Gänge breiter. Die Wagen erhalten große Fenster sowie ein Fahrgastinformationssystem und Steckdosen.

Die Coradia Polyvalent werden mit kompakten und leistungsfähigen Permanentmagnetmotoren mit hohem Wirkungsgrad ausgestattet. Sie sollen einfach zu warten sein und auch die Betriebskosten sollen auf ein Minimum reduziert werden. Diese Züge werden ältere Fahrzeuge ersetzen, sollen aber auch das Verkehrsangebot in den Regionen ausbauen.

Produktion und Zulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Triebzüge werden in Alstom-Werken in Frankreich hergestellt. Entwicklung und Montage finden im Werk Reichshoffen (ehemals De Dietrich Ferroviaire) statt, die Drehgestelle werden in Le Creusot gefertigt, die Fahrmotoren in Ornans, die Achsantriebe in Tarbes und die Leittechnik in Villeurbanne. Die Dieselmotoren werden von MAN Truck & Bus zugeliefert.[7]

Der erste Zug wurde am 14. Juni 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt.[9] Am 5. Dezember wurde der erste Zug für die Region Alsace in Strasbourg der Öffentlichkeit vorgestellt.[10] Von November 2011 bis Januar 2013 sollten mit zehn Zügen insgesamt 1 400 Testfahrten stattfinden. Diese wurden unter anderem, auf der Bahnstrecke Vendenheim–Wissembourg im Abschnitt Hoffen–Wissembourg, im Centre d'essais ferroviaires in Valenciennes und im Abschnitt Nançois-Tronville–Ernécourt-Loxéville der Bahnstrecke Paris–Strasbourg, durchgeführt. Außerdem finden seit Juni 2012 auf zukünftig befahrenen RFF-Strecken Testfahrten statt.[11] Im Jahr 2012 bestellten die Regionen Alsace und Midi-Pyrénées zwei, beziehungsweise fünf, Züge zusätzlich.[12][13] Ende März 2013 bestellte die Region Franche-Comté sieben Züge.[14]

Die ersten Fahrzeuge beendeten, nach 200 000 km, im September 2013 die dynamischen Tests. Den Regionen Elsass, Aquitaine, Basse-Normandie, Lothringen und Picardie wurden die erste Fahrzeuge ausgeliefert. Der Fahrgasteinsatz begann am 22. April 2014 mit einer Fahrt von Bordeaux nach Agen.[15] Bis Ende 2014 sollen 100 Zugeinheiten in Betrieb sein.[16] Für die im Vergleich zu Vorgängerbaureihen breiteren Wagen sind nach Medienberichten Anpassungsarbeiten an 1200 Bahnhöfen notwendig.[17]

Exportaufträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alstom liefert im Rahmen der Ausrüstung der Bahnstrecke Sighișoara–Simeria mit ETCS einen zweikraftfähigen Coradia Polyvalent als Testfahrzeug an die CFR.[18] Die vierteilige Einheit wurde Ende Juli 2016 nach Rumänien überführt.[19]

Der Hersteller gab im Juli 2015 den Auftrag zur Lieferung von 17 Zweikrafteinheiten an die SNTF bekannt. Die Auslieferung der sechsteiligen Fahrzeuge mit 265 Sitzplätzen soll im Januar 2018 beginnen.[20]

17 von der Region Rhône-Alpes bestellte Züge für den Betrieb auf dem CEVA-Netz sollen ab 2018 auch in die Schweiz verkehren.

Die Investitionsbehörde des Senegals (APIX) beschafft im Auftrag des Infrastrukturministeriums 15 Zweikrafttriebzüge. Die vierteiligen Einheiten mit einer Kapazität von 400 Fahrgästen dienen der Anbindung Dakars an Diamniadio sowie den zu eröffnenden Flughafen Dakar-Blaise Diagne und werden ab 2017 gebaut.[21]

Baureihen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Züge werden in drei verschiedenen Varianten als Vorort-, Regional- und Intercityeinheiten geliefert. Diese unterschieden sich hauptsächlich in der Wagen- und Türanzahl. Der wichtigste Unterschied zwischen den Regional- und Vorortzügen ist, dass letztere zwei Türen statt einer pro Wagen besitzen. Dies soll einen schnelleren Fahrgastwechsel ermöglichen. Alle Fahrzeuge besitzen eine ähnliche technische Ausstattung. Die für Frankreich bestimmten Einheiten werden zweisystemfähig für 25 kV bei 50 Hz Wechsel- und 1,5 kV Gleichspannung geliefert. Die 17 zusätzlich schweiztauglichen Einheiten sind Dreisystemwagen, die auch unter 15 kV Wechselspannung mit 16,7 Hz eingesetzt werden können.

Eine 200 km/h schnelle Variante mit vier angetriebenen Drehgestellen und bis zu zehn Wagen wird vom Hersteller als Coradia Liner V200 vermarktet.[22]

Folgende fünf verschiedene Baureihen gibt es:[11]

  • Z 51500 elektrischer Regionalzug.
  • Z 54900 elektrischer Vorortzug; doppelte Anzahl an Türen verglichen mit der Regionalzugversion.
  • B 83500 Vorortzug mit Zweikraftantrieb; doppelte Anzahl an Türen verglichen mit der Regionalzugversion.
  • B 84500 Regionalzug mit Zweikraftantrieb.
  • B 85900 Intercityzug mit Zweikraftantrieb. Ersteklassebestuhlung 1 + 2, anstatt 2 + 2.


Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. (fr) Technische Daten zum Régiolis@1@2Vorlage:Toter Link/www.letraindesregions.alstom.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 1,1 MB)
  2. fr Sylvain Meillasson: Régiolis en Alsace (Memento des Originals vom 15. Februar 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ville-rail-transports.com. Website von Les éditions La vie du rail. Abgerufen am 5. Oktober 2013.
  3. Regions confirm €7bn framework TER contract. Railway Gazette, 28. Oktober 2009, abgerufen am 21. August 2014 (englisch).
  4. Le futur train régional d’Alstom bientôt opérationnel, La gazette des communes, 14 février 2011 lagazettedescommunes.com (Memento des Originals vom 29. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lagazettedescommunes.com
  5. fr Commande de Régiolis pour l'Auvergne et le Poitou-Charentes@1@2Vorlage:Toter Link/www.alstom.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. en Alstom (2015): Alstom to supply 8 additional Coradia Polyvalent to the Midi-Pyrénées region (Memento des Originals vom 6. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alstom.com. abgerufen am 6. September 2015.
  7. a b Zügige Verbindung, Presseveröffentlichung der MAN SE, 5. August 2011
  8. en Keith Barrow, International Railway Journal: Building France's next-generation regional train (Memento vom 11. Juli 2012 im Webarchiv archive.is), März 2011, bei findarticles.com
  9. (en) Régiolis: an original presentation! (Memento des Originals vom 30. November 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alstom.com
  10. First Alsace Regiolis presented. In: Railvolution. Nr. 6, 2011, S. 5.
  11. a b Petr Kadeřávek: Coradia Polyvalent Dynamic Testing begins. In: Railvolution. Nr. 4, 2012, S. 72–74.
  12. (fr) Alstom fournira 5 trains régionaux Regiolis supplémentaires à la région Pays de la Loire pour 25 millions d’euros, 16. Februar 2012 (Memento des Originals vom 1. März 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alstom.com
  13. (fr) TER Alsace : 75 000 voyageurs par jour, 14. September 2012
  14. (fr) Sept rames « Régiolis » pour les TER de Franche-Comté
  15. fr Société Nationale des Chemins de fer Français SNCF (2014): Le Regiolis roule en Aquitaine. abgerufen am 5. Juli 2014.
  16. C. Masse: Les Régiolis ont achevé leurs essais dynamiques. In: Rail Passion. Nr. 194, 2013, S. 9.
  17. Französische Bahn: Pfusch "vollkommen nützlich und unerlässlich" in heise.de vom 22. Mai 2014
  18. en Alstom (2014): Alstom to supply Romania with Atlas 200, its ERTMS Level 2 solution. abgerufen am 31. Juli 2015.
  19. en Railway PRO LP (2016): Alstom’s Coradia Polyvalent arrived in Romania. abgerufen am 15. August 2016.
  20. en Alstom (2015): Alstom to deliver 17 Coradia Polyvalent trains to SNTF (Memento des Originals vom 2. August 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alstom.com. abgerufen am 31. Juli 2015.
  21. en Alstom (2016a): Alstom to supply 15 Coradia Polyvalent trains to Senegal. abgerufen am 15. Dezember 2016.
  22. en Alstom (2016b): Coradia Liner V200 main line train. abgerufen am 15. August 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]