Bahnhof Bern

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Bahnhof Bern
Bahnhof Bern
Hauptfassade des Empfangsgebäudes
Daten
Lage im Netz Durchgangsbahnhof (SBB,BLS)
unterirdischer Kopfbahnhof (RBS)
Perrongleise 16 (1-10, 12,13 und 21–24)
Abkürzung BN
IBNR 8507000
Eröffnung 1860
Lage
Stadt Bern
Kanton Bern
Staat Schweiz
Koordinaten 600062 / 19984946.9497222222227.4394444444444Koordinaten: 46° 56′ 59″ N, 7° 26′ 22″ O; CH1903: 600062 / 199849
Liste der Bahnhöfe in der Schweiz
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Der Bahnhof Bern ist der Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), der Bern-Lötschberg-Simplon AG (BLS) und der Schmalspurbahn Regionalverkehr Bern–Solothurn (RBS) sowie der Knotenpunkt für das S-Bahn-Netz der Stadt Bern, Schweiz. Er ist nach dem Hauptbahnhof Zürich der zweitgrösste Bahnhof der Schweiz.

Lage[Bearbeiten]

Der Bahnhof Bern liegt am Westrand der Altstadt. Sein Empfangsgebäude mit südlichem Hauptzugang befindet sich zwischen Burgerspital und Heiliggeistkirche. Die Gleise und Bahnsteige verlaufen im Bogen zwischen Richtung Nordost und West.

Geschichte[Bearbeiten]

Kopfbahnhof von 1860, Plan
Kopfbahnhof von 1860, Einfahrt
mitte: Heiliggeistkirche
rechts: Christoffelturm
Kopfbahnhof von 1860, Empfangsgebäude
Christoffelturm: Abbruch 1864
links:Kopfbahnhof-Gleishalle
rechts:Heiliggeistkirche
Durchgangsbahnhof von 1891, Plan
nach 1930: zurück verlegte Front der ehemaligen Kopfbahnhofs-Gleishalle

Provisorischer Bahnhof Wylerfeld von 1857[Bearbeiten]

Die 1857 von der Schweizerischen Centralbahn (SCB) gebaute Bahnstrecke Olten–Bern endete wegen einer noch fehlenden Brücke über die tief unter der Stadt fliessende Aare vorerst ausserhalb der Stadt im Wylerfeld, von dessem ersten Berner Bahnhof die Reisenden mit Postkutschen ins Zentrum befördert wurden.

Am 15. November 1858 war die sogenannte Rote Brücke über die Aare fertiggestellt, und die Züge konnten zur Innenstadt weiter fahren. Mit dem Bau eines zentralen Empfangsgebäudes war man noch in Verzug, so dass die Züge eine Zeit lang daran vorbei nach Westen bis zum nahen Güterbahnhof Vilette fuhren, und die Reisenden dort empfangen wurden.

Bahnhof von 1860[Bearbeiten]

Der neben der Heiliggeistkirche und nach Süden zum Christoffelturm gerichtete Kopfbahnhof mit einer viergleisigen Bahnhofshalle wurde im Auftrag der Schweizerischen Centralbahn unter der Leitung ihres Chefarchitekten Ludwig Maring und des Ingenieurs Wilhelm Pressel erstellt. Mit dem Bau wurde am 12. Februar 1858 begonnen, und am 1. Mai 1860 konnte der Bahnhof eingeweiht werden.

1864 wurde der im 14. Jahrhundert als Teil der einer Stadtmauer errichtete Christoffelturm abgebrochen, um Platz vor dem Bahnhof zu schaffen.[1] Die Fundamente des Turms wurden 1974 freigelegt und in der unter dem Bahnhofsplatz angelegten Christoffelunterführung sichtbar gemacht.

Bahnhof von 1891[Bearbeiten]

1860 wurde die Verlängerung der Strecke Olten–Bern bis in die Nähe von Freiburg/Fribourg mit westlichem Ausgang hinter dem Kopfbahnhof in Betrieb genommen. Um das für die Anfahrt des Kopfbahnhofs erforderliche Spitzkehr-Manöver zu vermeiden, wurde 1870 von der Schweizerischen Centralbahn ein Projekt mit quer zu den bisherigen Kopfgleisen liegenden, hinter dem Burgerspital nach Westen durchgehenden Gleisen (Durchgangsbahnhof) vorgeschlagen und bis 1891 verwirklicht. Für den Bau musste ein Teil der am Nordrand des Bahnhofs befindlichen Böschung der Grossen Schanze abgetragen werden.

Im Jahr 1897 wurde das Empfangsgebäude durch einen Brand vollständig zerstört, danach aber im gleichen Stil wieder aufgebaut. In der Nacht vom 10. Juli 1902 brannte es erneut. Die Feuerwehr konnte den Brand nach anderthalb Stunden unter Kontrolle bringen, besonders stark beschädigt wurden die Unterkünfte des Buffet-Personals.

1930 wurde das alte Empfangsgebäude um 30 Meter verkürzt. Seine Fassade wurde nach Norden zurück versetzt.

RBS-Bahnhof Bern[Bearbeiten]

1965 wurde der unter die SBB- und BLS-Gleisanlagen (Normalspur) verlegte Kopfbahnhof der Regionallinie Bern–Solothurn (Meterspur) eingeweiht. Dieser kreuzt die darüber befindlichen Gleisanlagen schräg.

Bahnhof von 1974[Bearbeiten]

Seit 1914 wurde der Neubau eines dem Durchgangsbahnhof angepasstes Empfangsgebäude am gleichen Ort oder westlicher diskutiert. 1956 wurde in einer Abstimmung beschlossen, das Gebäude am alten Standort neu zu bauen. 1957 wurde mit dem Bau unter der Leitung des späteren SBB-Generaldirektors Roger Desponds begonnen, 1974 wurde das neue Gebäude, ein teilweise mit Glas verkleideter Stahlbetonbau im für die 1960er und frühen 1970er Jahre typischen Baustil, eingeweiht. Der Bahnhof war für Fussgänger durch den motorisierten Verkehr von der Innenstadt abgeschnitten, der Bahnhofplatz für Fussgänger nicht begehbar.

In einer Projektstudie forderte das Berner Architekturbüro Atelier 5 im Jahr 1989 eine Umgestaltung des Gebäudes mit einem neuen Haupteingang zu einem weitgehend verkehrsfreien Bahnhofplatz mit ebenerdigen Fussgängerverbindungen zur Innenstadt. In den Folgejahren wurden Teile dieser Studie in veränderter Form und von anderen Architekten verwirklicht.

Gegenwart[Bearbeiten]

Bahnhof Bern

Ab 1999 konnten vom Atelier 5 weitere Umbauten realisiert werden. Die Fassade des Empfangsgebäudes wurde durch eine 2003 fertiggestellte zeitgemässe Fassade ersetzt,[2] die dem Bahnhof ein angemesseneres Erscheinungsbild verleihen soll.[3]

«Welle» und Westeinfahrt Bahnhof Bern

Geschaffen wurde ein Einkaufszentrum, dessen Geschäfte abends längere Öffnungszeiten haben als diejenigen in der übrigen Stadt und auch übers Wochenende geöffnet sind, da die gesetzlichen Ladenöffnungszeiten der Gemeinden nicht für die Liegenschaften der SBB gelten.

Die Gestaltung des Grossbahnhofes folgte einem Designkonzept, das die Funktion des Bahnhofs als Verkehrsknotenpunkt hervorhebt, hinter die diejenige der Einkaufsmöglichkeiten zurücktreten muss. Farben, Werbehinweise, Schaufensterrahmen und Beschriftung sind am Corporate Design der SBB orientiert.[4]

Am 12. Dezember 2004 wurde zum Fahrplanwechsel im Rahmen der Bahn 2000 die Welle von Bern (Dächer über den nach Westen verlängerten Bahnsteigen und Westzugang von der Schanzenbrücke aus) in Betrieb genommen.

Zukunft[Bearbeiten]

Der jetzige Bahnhof stösst mit rund 260'000 Reisenden pro Tag an seine Grenzen.[5] Im Regionalverkehr gilt die Kapazität bereits heute (Stand: 2015) als erschöpft, im nationalen Verkehr soll die Grenze um 2030 erreicht werden.[6] Es bestehen deshalb Pläne für einen weiteren Ausbau, das Projekt «Zukunft Bahnhof Bern» (ZBB), ein Gemeinschaftsprojekt von Kanton und Stadt Bern, der SBB, der BLS, dem RBS, BERNMOBIL und weiteren Beteiligten.

Besonders akut ist das Problem beim RBS-Tiefbahnhof, der beim Bau für 16'000 Fahrgäste ausgelegt wurde, aber von rund 60'000 Passagieren täglich benützt wird. Bis 2025 soll unter den SBB-Gleisen ein neuer RBS-Tiefbahnhof mit zu den darüber liegenden parallelen Gleisen gebaut werden. Zunächst ist ein Kopfbahnhof vorgesehen. Diese Lösung ermöglicht aber, die RBS später nach Westen zu verlängern. Die SBB macht den RBS-Bahnhof von ihrer Personenunterführung aus nach unten zugängig und erstellt eine direkte Personenunterführung mit Hauptzugang beim westlicher gelegenen Bubenbergzentrum.

Mitte Juni 2015 soll das Plangenehmigungsgesuch beim Bund eingereicht werden. Gegenstand des Vorhabens ist die neue Personenunterführung und der neue Tiefbahnhof für die RBS. Er soll den bestehenden RBS-Bahnhof ersetzen. Das Vorhaben soll zwischen 2017 und 2025 umgesetzt werden, seine Kosten werden auf 867 Millionen Franken geschätzt.[6]

Darüber hinaus ist eine seitliche Verbreitung des Bahnhofs geplant.[6] Zwischen 2025 und 2035 sollen im Norden unter der Grossen Schanze vier weitere SBB-Gleise und -Bahnsteige gebaut werden.[7][8][9]

Bahnhofplatz[Bearbeiten]

Bahnhofplatz Bern: nicht sichtbar der links liegende Bahnhof

Anfang 2007 wurde mit dem Umbau des Bahnhofplatzes begonnen. Die Arbeiten wurden am 31. Mai 2008, kurz vor der Fussball-Europameisterschaft 2008, abgeschlossen und mit einem Fest eingeweiht. Die Arbeiten umfassten unter anderem die Neugestaltung der Tram- und Bushaltestellen, den Bau eines Glasdaches – dem Baldachin – über dem Bahnhofplatz, die Neugestaltung des Bubenbergplatzes und einen Ausbau der Christoffelunterführung.

Der Bahnhof Bern ist auch zentraler Knoten im städtischen Nahverkehr, alle Linien der Strassenbahn Bern und des Trolleybus Bern sind hier miteinander verknüpft. Die Tramhaltestelle auf dem Bahnhofplatz sowie die angrenzenden Wendeschleifen wurden bereits auf die längeren Züge von Tram Bern West (Tramlinien nach Bümpliz und Brünnen, die seit dem 12. Dezember 2010 in Betrieb sind) eingerichtet.

Destinationen der Züge[Bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten]

Ursprüngliche Abfahrtstelle der Bahnen nach Zollikofen und Solothurn, heute RBS, ca. 1930
RBS-Tiefbahnhof
S8 der RBS im Bahnhof Bern

S-Bahn Bern (Linien ab Fahrplan 2010)[Bearbeiten]

Siehe: S-Bahn Bern

Eingestellte Destinationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Als letzter Nachtzug von der Schweiz nach Italien wurde der EN Luna (Zürich – Bern – Brig – Bologna – Florenz – Rom) auf den Fahrplanwechsel 12/13. Dezember 2009 eingestellt. Auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2012 wurde zudem der EuroNight von Zürich über Bern – Freiburg – Lausanne – Genf – Perpignan – Girona nach Barcelona, der drei Mal wöchentlich verkehrte, eingestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Verlag Berichthaus, Zürich 1976, ISBN 3-85572-018-5.
  • Paul Boss: Das war der alte Bahnhof.... Benteli Verlag, Bern 1974.
  • Bernhard Giger und Hansueli Trachsel: Ankommen in Bern. Stämpfli Verlag, Bern 2008, ISBN 978-3-7272-1194-2.
  • Werner Huber: Bahnhof Bern 1860–2010 Herausgeber; SBB-Fachstelle für Denkmalschutz und Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK (Band 3, der Reihe; Archidektur- und Technikgeschichte der Eisenbahn in der Schweiz), 2010 Scheidegger & Spiess, Zürich ISBN 978-3-85881-316-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kategorie:Bahnhof Bern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beat Junker: Der Kampf um den Christoffelturm in: Geschichte des Kantons Bern seit 1798: Band III. Tradition und Aufbruch 1881-1995
  2. Atelier 5: Umgestaltung Aufnahmegebäude Bahnhof Bern (PDF; 3,8 MB)
  3. SFHF-AWARD 2005: Fassade des Jahres: Bahnhof Bern, Architekten: Atelier 5 (PDF; 3,3 MB)
  4. Arne Scheuermann, «RailCity oder Hauptbahnhof» in: archimaera (Heft 1/2008)
  5. Ohne Quelle
  6. a b c  Neuer Tiefbahnhof in Bern. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 133, 12. Juni 2015, ISSN 0376-6829, S. 10.
  7. Kanton Bern: Medienmitteilungen
  8. .Der Bund: Entscheid für RBS-Tiefbahnhof
  9. SBB: Zukunft Bahnhof Bern