SIG Sauer (Waffenhersteller)

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SIG Sauer (Waffenhersteller)

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Sitz Eckernförde, Schleswig-Holstein, DeutschlandDeutschland Deutschland
Mitarbeiterzahl

140

Branche Waffen
Website www.sigsauer.de
Stand: 2015

Werksgelände der SIG Sauer GmbH & Co KG, zuvor der J. P. Sauer & Sohn AG im Eckernförder Stadtteil Wilhelmstal

Die SIG Sauer GmbH & Co. KG ist ein deutscher Waffenhersteller mit Sitz in Eckernförde. Das Unternehmen produziert Kurz- und Langwaffen für die private, polizeiliche und militärische Verwendung. Außerdem fertigt es Optiken für den Jagdbereich und Druckluftwaffen für Sportschützen.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ist Teil der durch die L & O Holding angeführten SIG Sauer-Gruppe. Direkte Gesellschafterin des Unternehmens ist die SIG Sauer Verwaltungs GmbH mit Sitz in Emsdetten. Geschäftsführer sind Franz von Stauffenberg, Tim Castagne und Till Hake.

Der größte Teil des europäischen Portfolios der Gruppe stammt aus Eckernförde/Deutschland. Hierzu zählt neben der kompletten P220 und P226 X-Serie, die P210 Serie, diverse klassische P226/P229, sowie die SSG 3000 und STR Gewehr-Linien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SIG Sauer GmbH & Co. KG ist eine Schwestergesellschaft der J. P. Sauer & Sohn GmbH, die auf die 1751 in Suhl gegründete Waffenmanufaktur Lorenz Sauer zurückgeht. In Eckernförde wurde 1951 die J. P. Sauer & Sohn Aktiengesellschaft gegründet, die 2009 als neugegründete J. P. Sauer & Sohn GmbH nach Isny im Allgäu umzog. Seit 2000 gehört das Unternehmen zur L & O Holding.[2] Bis ins Jahr 2009 hinein waren rund 450 Mitarbeiter angestellt. Nachdem das Unternehmen nicht den Zuschlag für einen Großauftrag bekam, reduzierte sich die Betriebsgröße im Jahr 2009 auf 300 Mitarbeiter. In den Folgejahren sank die Mitarbeiterzahl auf 140.[3] Nach Informationen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags plant die US-amerikanische Schwestergesellschaft SIG Sauer Inc., ab 2015 alle Pistolen selbst herzustellen, was mit einer Reduzierung der Belegschaft in Eckernförde von 140 auf 80 Mitarbeiter und der pro Tag produzierten Waffen von 50 auf 25 einherginge. Über die Hälfte des aktuellen Erlöses entsteht über die Aufträge von SIG Sauer Inc., wobei die in Eckernförde produzierten Waffen in die Vereinigten Staaten exportiert und dort verkauft werden.[4] Die Anzahl an gelieferten Waffen an SIG Sauer Inc. wird nach der Berichterstattung von Panorama durch einen ehemaligen Mitarbeiter auf bis zu 20.000 Stück pro Jahr beziffert.[5] Im August 2014 wurde berichtet, dass das Unternehmen Kurzarbeit eingeführt habe, die bis zum 31. Januar 2015 andauern solle.[6][7][8] Nach Informationen der Kieler Nachrichten könnten 80 Arbeitsplätze gestrichen werden.[9] Ende Oktober 2014 bestätigte die IG Metall gegenüber dem NDR, dass 85 von 134 Stellen gestrichen werden sollen.[10] Es steht zudem die Schließung des Standorts im Raum.[7] Der Betriebsrat hält dies aber für unwahrscheinlich.[11] Ende Februar 2015 wurde bekannt, dass 73 Beschäftigten gekündigt werden soll, von denen 55 in eine Transfergesellschaft wechseln und 18 gegen die Kündigung klagen wollen.[12] Das Unternehmen will sich nach diesen Berichten auf die Produktion von Sportpistolen und -Gewehren beschränken.[12]

Der Namensbestandteil SIG stammt daher, dass das Unternehmen von den 1970er-Jahren bis ins Jahr 2000 zur SIG (Schweizerische Industrie-Gesellschaft) gehörte.[13]

Verdacht auf ungenehmigte Waffenexporte 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kasachstan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung wurden im Januar 2014, im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kiel, Geschäftsräume wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Außenwirtschafts- und Waffengesetz durchsucht.[14] Hintergrund sind Lieferungen in den Jahren 2009 und 2010[14] von 70[14] Pistolen der Typen SIG Sauer P226 und SIG Sauer P228 an die Präsidentengarde Kasachstans. Nachdem SIG Sauer dafür keine Genehmigung erhielt, bot angeblich ein Mitarbeiter dem Empfänger an, die Lieferung über die Vereinigten Staaten abzuwickeln.[15] Der NDR berichtet, dass die Ermittler davon ausgehen, dass das Geschäft im Jahr 2010 über die Vereinigten Staaten abgewickelt wurde und als Endabnehmer der amerikanische Zivilmarkt angegeben worden sei.

Kolumbien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung ermittelte die Staatsanwaltschaft Kiel in einem ähnlichen Fall wegen Lieferungen von tausenden[16] Pistolen des Typs SIG SP 2022 in den Jahren 2009 bis 2011[16][17] oder 2012[2][17] über die Vereinigten Staaten nach Kolumbien. Für die Ausfuhr nach Kolumbien lag keine Genehmigung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vor.[15][18] Da das US-Außenministerium versicherte, dass die Waffen in den Vereinigten Staaten verbleiben (Endverbleibserklärung), wurde die Ausfuhr in die Vereinigten Staaten genehmigt. Eine Genehmigung des Reexports hatten die Vereinigten Staaten nach Angaben des BAFA nicht. Dennoch soll die Lieferung von 100.000 Pistolen des Typs SIG SP 2022 nach Kolumbien durch die US Army nicht nur von SIG Sauer Inc. in den Vereinigten Staaten produzierten Pistolen beinhaltet haben, sondern auch Pistolen aus deutscher Fertigung.[17] Nach Angaben von Der Spiegel bestätigte das Kolumbianische Außenministerium den Erhalt von ca. 65.000 Pistolen des Typs Typ SP 2022 ab dem Jahr 2006 im Wert von 28,6 Millionen Dollar durch das US-Verteidigungsministerium.[19] Die Staatsanwaltschaft Kiel, die seit Anfang Juli 2014 in dem Fall ermittelte,[20] erhob im April 2018 Anklage gegen fünf Manager von Sig Sauer. [21]

Zudem berichtete Der Spiegel, dass 500 Scharfschützengewehre des Typs SSG 3000 in die Vereinigten Staaten und möglicherweise von dort weiter nach Kolumbien geliefert wurden.[22] Der NDR und die SZ geht davon aus, dass mindestens 20 dieser Gewehre nach Kolumbien gelangt sind.[7][23]

Irak[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. September 2014 berichtete die Sueddeutsche Zeitung von weiteren mutmaßlichen Verfehlungen bei der Ausfuhr von Waffen. So wird vermutet, dass über die SIG Sauer Inc. in den Vereinigten Staaten ca. 5.000 Pistolen im Wert von 1,76 Mio. US-Dollar in den Irak exportiert wurden, ohne dass das Unternehmen zuvor eine Ausfuhrgenehmigung der Bundesregierung eingeholt hatte. Gemäß den Angaben der Zeitung gelangten dabei auch Waffen in den Besitz der als Terrororganisation eingestuften PKK.[24]

Stellungnahme des Unternehmens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Pressemitteilung vom 3. Juli 2014 erklärte das Unternehmen, dass es, mit Genehmigung des BAFA, Pistolen und Pistolenteile des Typs SIG SP 2022 an die SIG Sauer, Inc in den Vereinigten Staaten geliefert hatte. Ein Fehlverhalten seinerseits konnte das Management nicht erkennen und erklärte, mit den Ermittlungsbehörden kooperieren zu wollen.[25] In den Ausfuhrpapieren soll angegeben worden sein, dass die Pistolen für den zivilen Markt in den USA bestimmt seien[26] und dort verbleiben sollten.[2] Firmeninterne Dokumente sollen aber belegen, dass intern die Weiterlieferung nach Kolumbien bekannt war und erst ein Bericht der Export-Kontrollbeauftragten von SIG Sauer einen Lieferstopp zur Folge hatte.[26]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben der Tagesschau erklärte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, dass alle Antragsverfahren für Waffenausfuhren der SIG Sauer GmbH & Co. KG ausgesetzt wurden.[16]

Möglich ist zudem, dass die Vereinigten Staaten als Empfängerland [wegen] Verstößen gegen die abgegebenen Endverbleibserklärungen bis zur Beseitigung dieser Umstände grundsätzlich von einer Belieferung mit weiteren (…) Rüstungsgütern ausgeschlossen[17] werden.[27] In der 38. Sitzung am 4. Juni 2014 beschäftigte sich der Deutsche Bundestag mit den Vorwürfen. Brigitte Zypries sagte, der Vorwurf wiege schwer, bis zur Aufklärung der Vorwürfe sollen aber nicht alle Rüstungsexporte in die Vereinigten Staaten ausgesetzt werden.[28]

Nach Angaben des Spiegels wurden am 14. Juli 2014 die privaten Häuser von Michael Lüke und Thomas Ortmeier durchsucht.[29] Lüke ist nicht nur einer der Geschäftsführer der SIG Sauer GmbH, sondern zusammen mit Ortmeier Inhaber der L & O Holding.

Nach Informationen sind die fehlenden Ausfuhrgenehmigungen mitursächlich für Verluste im operativen Geschäft, die wiederum Auslöser für oben genannten Stellenabbau sein sollen.[12]

Im April 2018 erhob die Staatsanwaltschaft Kiel Anklage gegen fünf Mitarbeiter von SIG Sauer wegen des Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz.[30] Außerdem beantragte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von zwölf Millionen Euro, um den Verkaufserlös für 36.628 Pistolen einzuziehen.[31]

Großauftrag für die US-Streitkräfte 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Januar 2017 wurde bekannt, dass SIG Sauer mit dem Modell SIG Sauer P320 ein jahrelanges Auswahlverfahren für eine neue Pistolengeneration für die US-Streitkräfte gewonnen hat; produziert wird in den kommenden 10 Jahren im Werk in Rockingham County, New Hampshire. Bisher wurden die US-Streitkräfte mit der M9 (Beretta 92) der italienischen Waffenfabrik Beretta ausgestattet. Insgesamt umfasst der Auftrag allein für die US Army rund 280.000 Stück sowie weitere 212.000 Stück für die weiteren Teilstreitkräfte im Umfang von rund 580,2 Millionen US-Dollar einschließlich Munition und Zubehör.[32]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pistolen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SIG Sauer X-Series

Repetierer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbstladebüchsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SIG MCX
  • SIG MPX

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Koch: Was man nicht messen kann, kann man dennoch managen1. In: Enabling Innovation. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-24298-4, S. 375–379, doi:10.1007/978-3-642-24299-1_35.
  2. a b c Waffenfirma soll Behörden getäuscht haben. Panorama, 3. Juli 2014, abgerufen am 18. Juli 2014.
  3. SIG Sauer: In Eckernförde noch eine Zukunft? NDR, 20. August 2014, archiviert vom Original am 21. August 2014; abgerufen am 23. August 2014.
  4. Sig Sauer schrumpft weiter: 73 Mitarbeiter müssen gehen. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 22. Februar 2015, abgerufen am 18. Juli 2014.
  5. Illegale Waffenlieferungen nach Kolumbien. Panorama, 27. Mai 2014, abgerufen am 18. Juli 2014.
  6. Kurzarbeit bei SIG Sauer bewilligt. NDR, 18. August 2014, abgerufen am 19. August 2014.
  7. a b c SIG-Sauer-Mitarbeitern droht Jobverlust. NDR, 8. August 2014, abgerufen am 17. August 2014.
  8. Sig Sauer führt Kurzarbeit ein. Süddeutsche Zeitung, 13. August 2014, abgerufen am 17. August 2014.
  9. Große Angst vor dem Aus. Kieler Nachrichten, 1. August 2014, abgerufen am 17. August 2014.
  10. NDR (Memento vom 3. November 2014 im Internet Archive)
  11. Kurzarbeit für SIG-Sauer-Beschäftigte. NDR, 12. August 2014, abgerufen am 17. August 2014.
  12. a b c Sig Sauer schrumpft weiter: 73 Mitarbeiter müssen gehen. Eckernförder Zeitung, 25. Februar 2015, abgerufen am 25. Februar 2015.
  13. Über SWISS ARMS. Abgerufen am 28. Februar 2018.
  14. a b c Razzia bei Eckernförder Waffenhersteller. NDR, 29. Januar 2014, abgerufen am 18. Juli 2014.
  15. a b Neuer Ärger für SIG Sauer. tagesschau.de, 18. Juli 2014, archiviert vom Original am 5. April 2015; abgerufen am 23. Februar 2016.
  16. a b c Ausfuhrstopp für SIG-Sauer-Waffen. tagesschau.de, 13. Juli 2014, archiviert vom Original am 15. Juli 2014; abgerufen am 18. Juli 2014.
  17. a b c d Deutsche Waffen illegal in Kolumbien. tagesschau.de, 27. Mai 2014, archiviert vom Original am 27. Mai 2014; abgerufen am 18. Juli 2014.
  18. Razzia bei SIG Sauer. tagesschau.de, 3. Juli 2014, archiviert vom Original am 5. April 2015; abgerufen am 18. Juli 2014.
  19. Waffenhandel: Kolumbien bestätigt Kauf von Sig-Sauer-Pistolen. Der Spiegel, 9. Juli 2014, abgerufen am 19. Juli 2014.
  20. Deutschland prüft Exporte von Sig Sauer. Handelsblatt, 13. Juli 2014, abgerufen am 19. Juli 2014.
  21. Sig Sauer: Staatsanwalschaft klagt Manager wegen Pistolen-Lieferung an. Der Spiegel, 12. April 2018, abgerufen am 12. April 2018.
  22. Illegaler Waffenexport: Sig Sauer soll auch Gewehre nach Kolumbien geliefert haben. Der Spiegel, 20. Juli 2014, abgerufen am 17. August 2014.
  23. Scharfschützengewehre fürs Bürgerkriegsland. Süddeutsche Zeitung, 9. August 2014, abgerufen am 17. August 2014.
  24. Artikel der Sueddeutschen Zeitung vom 9. September 2014. Sueddeutsche Zeitung, 9. September 2014, abgerufen am 9. September 2014.
  25. Erklärung der SIG Sauer GmbH & Co KG. SIG Sauer GmbH & Co. KG, 3. Juli 2014, archiviert vom Original am 25. Februar 2015; abgerufen am 18. Juli 2014 (PDF).
  26. a b Täuschen, tricksen, Waffen liefern. tagesschau.de, 2. Juli 2014, archiviert vom Original am 6. Juli 2014; abgerufen am 18. Juli 2014.
  27. Punkt IV) 4. der Politischen Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern (PDF)
  28. Stenografischer Bericht 38. Sitzung. Deutscher Bundestag, 4. Juli 2014, abgerufen am 29. Juli 2014 (PDF).
  29. Waffenhandel: Polizei durchsucht Privathäuser der Sig-Sauer-Eigentümer. Der Spiegel, 15. Juli 2014, abgerufen am 19. Juli 2014.
  30. Ani Dießelmann: Deutscher Waffenhersteller wegen Lieferung nach Kolumbien angeklagt amerika21.de, 14. April 2018, abgerufen am 14. Oktober 2018.
  31. Anklage gegen Sig-Manager dpa/Badische Zeitung, 14. Mai 2018, abgerufen am 19. Oktober 2018.
  32. US-Soldaten bekommen deutsche Plastikpistolen. Welt Online, 21. Januar 2017, archiviert vom Original am 2. Februar 2017; abgerufen am 22. Januar 2017.
  33. a b c d e f g h i j Preisliste für Endkunden. Sig Sauer, archiviert vom Original am 25. Februar 2015; abgerufen am 10. September 2014 (PDF).