SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Chefdirigent François-Xavier Roth

Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg ist eines von zwei Sinfonieorchestern des Südwestrundfunks (SWR). Seit seiner Gründung 1946 ist es für zahlreiche Uraufführungen Neuer Musik bekannt. Seit 1996 hat das Orchester seinen Sitz im Konzerthaus Freiburg.

Ab der Spielzeit 2016/17 wird das Orchester mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart zum SWR Symphonieorchester zusammengelegt.[1] Sitz des fusionierten Orchesters wird Stuttgart.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des SWR Sinfonieorchesters

Gegründet am 1. Februar 1946 in Baden-Baden unter dem Namen Philharmonisches Orchester des Südwestfunks wurde es noch im selben Jahr in Großes Orchester des Südwestfunks umbenannt. Unter dem Chefdirigenten Hans Rosbaud wurde bereits 1950 mit dem ersten Auftritt bei den Donaueschinger Musiktagen für zeitgenössische Tonkunst der Grundstein für die heutige Ausrichtung des Orchesters gelegt. Seither hat das Orchester etwa 500 Werke uraufgeführt.[3] 1966 wurde das Orchester erneut umbenannt in Sinfonieorchester des Südwestfunks. 1996 erfolgte der Umzug von dem auf dem Baden-Badener SWF-Gelände gelegenen Hans-Rosbaud-Studio in das größere, neu gebaute Konzerthaus Freiburg. Mit der Fusion von SDR und SWF zum SWR erhielt das Orchester 1998 seinen heutigen Namen.

Seit 1949 unternimmt das Orchester auch regelmäßig weltweite Konzerttourneen, so gestaltete es zu Mozarts 250. Geburtsjubiläum am 27. Januar 2006 das Festkonzert im Wiener Konzerthaus. Am 1. Februar 2006 feierte das Sinfonieorchester seinen 60. Geburtstag mit einem Festkonzert im Konzerthaus Freiburg. Vom 8. bis zum 11. Mai 2016 feierte das Sinfonieorchester seinen 70. Geburtstag mit einem Festival im Konzerthaus Freiburg.

Am 28. September 2012 beschloss der SWR-Rundfunkrat, konkrete Schritte für die Fusion des Orchesters mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart im Jahr 2016 zu planen. Laut einer Pressemitteilung des Senders bleiben beide Klangkörper bis 2016 wie bisher bestehen.[1] Daraufhin wurde das Sinfonieorchester im Oktober 2012 in die Rote Liste Kultur des Deutschen Kulturrates aufgenommen und in die Kategorie 1 als von der Schließung bedroht eingestuft. Die Fusion soll ohne Entlassungen vonstattengehen.[4] Der Stellenabbau werde nur „durch altersbedingte Abgänge“ erfolgen. Die Deutsche Orchestervereinigung forderte, darüber einen Tarifvertrag abzuschließen.[5]

Das Orchester verabschiedete sich von seinem Publikum am 16. Juli 2016 mit einem Konzert auf dem Freiburger Münsterplatz und am 17. Juli 2017 mit einem letzten Konzert im Freiburger Konzerthaus.

Chefdirigenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehaufzeichnung mit dem Sinfonieorchester des Südwestfunks 1964. Dirigent Ernest Bour, am Piano Rudolf Firkušný
  • 1946–1948: Gotthold Ephraim Lessing
  • 1948–1968: Unter Hans Rosbaud hat das Orchester Uraufführungen mit Werken von Paul Hindemith und Igor Strawinski, die beide auch als Gastdirigenten auftreten. 1958 startet Pierre Boulez seine Karriere als Dirigent als artist-in-residence in Baden-Baden.
  • 1964–1979: Ernest Bour dirigiert neben György Ligetis Lontano über 100 Uraufführungen, behält aber auch das klassische Programm bei.
  • 1980–1986: Das osteuropäische Programm mit Tschaikowski, Schostakowitsch und Lutosławski genießt unter Kazimierz Kord besondere Zuwendung.
  • 1986–1999 Unter dem Motto „Musik ist unteilbar“ greift Michael Gielen das Konzept der Gleichberechtigung von klassischer Musik und Moderne auf und präsentiert neben weiteren Uraufführungen von Spahlinger bis Kagel auch Kompletteinspielungen der Sinfonien von Beethoven und Mahler. Michael Gielen ist seit 2002 „Ehrendirigent“ des Orchesters.
  • 1999–2011: Neben der Vorliebe für Mozart und Haydn spielt Sylvain Cambreling mit dem Orchester Zyklen von Messiaen und Berlioz ein und erweitert das französische Repertoire zudem mit unbekannteren Komponisten von Rameau bis Gérard Grisey.
  • 2011–2016: François-Xavier Roth führt das Profil des Orchesters konsequent weiter: Mit dem Leitsatz "Wir spielen Neue Musik aus allen Zeiten" stellt er in den Konzertprogrammen Werke von Beethoven und Boulez, Strauss und Rihm, Debussy und Ligeti gegenüber. Zu den Uraufführungen kommen zahlreichen Wiederaufführungen von vom SWR Sinfonieorchester in den vergangenen Jahrzehnten uraufgeführten Werke.[6]

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 40 Jahre Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden. Sinfonieorchester des Südwestfunks, Baden-Baden 1986.
  • Jürg Stenzl (Hrsg.): Orchester Kultur. Variationen über ein halbes Jahrhundert. Aus Anlass des 50. Geburtstages des SWF-Sinfonieorchesters. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 1996, ISBN 3-476-01500-9.
  • 70 Jahre Klassikavantgarde 1946–2016. SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Freiburg 2016(Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fusion der SWR-Orchester beschlossen. Rundfunkrat stimmte mit großer Mehrheit für die Vorlage des SWR. Pressemitteilung des SWR. 28. September 2012. Abgerufen am 28. September 2012.
  2. Stuttgart wird 2016 Sitz des SWR-Sinfonieorchester. DPA-Meldung vom 7. Dezember 2012 in badische-zeitung.de
  3. Michael Stallknecht: In Wind und Regen. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg wird aufgelöst. In: Süddeutsche Zeitung, 29. Februar 2016, S. 11.
  4. Götz Thieme: Sündenfall im Musterland. In: Stuttgarter-zeitung.de vom 28. September 2012. Abgerufen am 29. September 2012.
  5. SWR will bei Orchesterfusion auf Kündigungen verzichten. In: Deutschlandradio Kultur. Kulturnachrichten. 29. Oktober 2012. Abgerufen am 29. Oktober 2012.
  6. François-Xavier Roth. In: SWR.de. Abgerufen am 11. Februar 2015.
  7. Ehrenpreise 2013, In: schallplattenkritik.de. Abgerufen am 11. Februar 2015
  8. Echoklassik.de Klassik-Preisträger 2014 (Memento vom 21. Januar 2015 im Internet Archive), abgerufen am 26. Oktober 2014
  9. 57th Annual Grammy Awards Nominees, abgerufen am 9. Januar 2015