Schönwalde (Altmark)

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Schönwalde (Altmark)
Koordinaten: 52° 27′ 47″ N, 11° 47′ 41″ O
Höhe: 34 m ü. NHN
Fläche: 5,01 km²
Einwohner: 95 (31. Dez. 2018)
Bevölkerungsdichte: 19 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Mai 2010
Postleitzahl: 39517
Vorwahl: 03935

Schönwalde (Altmark) ist eine Ortschaft der „Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“ im Süden des Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort im Südosten der Altmark liegt zwischen Dollgraben und dem Fluss Tanger in unmittelbarer Nachbarschaft von Tangerhütte. Das Gelände fällt von der Colbitz-Letzlinger Heide im Westen allmählich in Richtung Elbetal ab. Die Stadt Stendal ist etwa 20 Kilometer von Schönwalde entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprünglich von Wenden gegründete Ort, wurde im 12. Jahrhundert von holländischen Kolonisten neu besiedelt und 1191 erstmals als Schonenwolde in einer Urkunde erwähnt. Ab 1295 trug es den Namen Sconewalde[1] und ab dem 18. Jahrhundert den Namen Schönwalde.[2] Es ist ein typisches Straßendorf mit 38 Grundstücken welche entlang der Straße angesiedelt sind. Ein Grundstück befindet sich auf einem Nebenweg. Die Hofnummerierung von 1 bis 26 erfolgte im Uhrzeigersinn, wobei mit dem alten Lehnschulzenhof in der Dorfmitte begonnen wurde. Durch die Separation in den 1840er Jahren kamen am Südende weitere Höfe hinzu.[3]

In der General-Kirchen-Visitation von 1600 werden Hans Osthern und Clauß Schultze als Kirchenvorsteher genannt, letzterer war auch Lehnschulze. Die vier Kirchenältesten waren damals: Hans Blume, Hinrich Winter, Thomas Jacob und Hans Nahrstedt.[4]

Altes Schulhaus, erbaut 1849

Für 1733 ist die erste Schule des Ortes bezeugt.[5] Schönwalde besaß eine Windmühle, welche sich vor dem nördlichen Dorfeingang befand und einen sogenannten Bienenzaun etwas südlich vom Dorf[6]. 1840 wurde zusätzlich zum Krug auf dem Schulzenhof ein weiterer Krug im Dorf erwähnt.

Die Dorfstraße wurde im Herbst 1907 mit Kopfsteinpflaster befestigt. Den benötigten Sand gab Hermann Thomas von seiner Mühlenstätte.[7] Das Kopfsteinpflaster wurde 2010 durch eine Asphaltdecke ersetzt.

Die heutige Dorfkirche wurde 1851 fertiggestellt, nachdem die romanische Vorgängerkirche (mit massivem Schiff und hölzernem Turm)[8] bei dem Dorfbrand in der Nacht vom 28. zum 29. Juli 1847 zerstört wurde.

In Folge des Brandes mussten die Höfe Nr. 8, 24 und 25 aus dem sehr eng bebauten Dorfkern an die Enden ziehen[9] und nahmen „selbstverständlich“ ihre Gehöftnummern mit.

Ende 1910 wurde das neue Schulhaus (Nr. 6) bezogen. Es hatte im Erdgeschoss Platz für ein Klassenzimmer und die Lehrerwohnung, im Dachgeschoss ein Zimmer und Räucherkammer. Das im Rahmen des Dorferneuerungs-Programmes sanierte Dorfgemeinschaftshaus befindet sich im alten Klassenzimmer der Schule und einem 1988 fertiggestellten Anbau.

Durch die im Jahre 1927 eingerichtete Nachtflugline Berlin-Hannover, wurde am Kostaweg ein Zwischenfeuer[10] zur Orientierung installiert und eine Notlandebahn angelegt.[11]

Da das Dorf 1931 zwei neue Kirchenglocken bekam, wurde der alte Turm von 1851, durch einen breiteren Fachwerkturm ersetzt[12]. Das Kirchendach wurde letztmals 1994 neu eingedeckt. Der Turm bekam im Jahre 2011 eine neue Ausfachung mit rotem statt gelben Ziegelstein. In diesem Zusammenhang wurde auch die Zeitkapsel in der Turmkugel geöffnet.

Am 31. Mai 2010 schloss sich Schönwalde (Altmark) mit den übrigen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land zur neuen „Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“ zusammen.[13]

Die Freiwillige Feuerwehr (gegr. 1910)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die laut Urkunde am 18. Mai 1910 gegründete Freiwillige Feuerwehr prägt das Dorfleben bis heute. Die ersten Anfänge einer Ortswehr gehen jedoch weiter zurück. Um 1795 wurde eine „große Feuerspritze“ angeschafft.[14] Der Kauf einer neuen Spritze wurde nach dem Dorfbrand von 1847 erwähnt. Bei diesem bereits erwähnten Brand wurden auch das Gemeindespritzenhaus und die Schule ein Opfer der Flammen.[15] Bereits im Jahr 1858 zahlte die Gemeinde einem Spritzenmeister ein Jahresgehalt aus.

Neben der Brandbekämpfung stehen jährliche Wettkämpfe im „Löschangriff Nass“ im Terminkalender. Seit 1975 war die Feuerwehr unter anderem siebenmal Kreismeister. Die ehemalige Post- und „Konsum“-Verkaufsstelle wurde im Jahr 2000 zum Feuerwehrhaus umgebaut. Im selben Jahr bekam die Feuerwehr auch ihr erstes Löschfahrzeug. Der „Ford Transit“ aus dem Jahr 1967, war ein Geschenk der Gemeinde Anderbeck im Harzvorland.[16] Bis zu diesem Zeitpunkt besaß die Feuerwehr u. a. nur einen Tragkraftspritzenanhänger (TSA). Seit 1996 organisiert das Dorf mit Hilfe der Kameraden alljährlich, je nach Wetterlage, ein Oster- oder Maifeuer.

Am 9. Dezember 2018 übernahmen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schönwalde ein Löschfahrzeug der Marke FIAT von der Freiwilligen Feuerwehr Bellingen[17].

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Bertram Otto.[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Kirche besitzt in der Apsis fünf Glasfenster der Quedlinburger Glasmalereianstalt Ferdinand Müller.[19] Im Jahre 2009/2010 wurden nach einer Idee von Pfarrer Matthias Heinrich sechs so genannte Hoffnungsfenster von lokalen Künstlern entworfen und von der Firma Glas Wilde aus Bellingen ausgeführt.[20] Die Fenster im Kirchenschiff zeigen Bilder der Hoffnung aus der Bibel:
    • „Der Regenbogen über der Arche“ von Horst Menzel (Schönwalde [Altmark]) zu 1. Mose 9,8-17
    • „Du deckst mir den Tisch“ von Hermann Dahms (Tangerhütte) zu Ps 23,5
    • „Der grünende Sproß aus alter Wurzel“ von Margita Schaef (Schernebeck) zu Jes 11, 1-4
    • „Ihr seid das Licht der Welt“ von Markus Schrot (Tangerhütte) zu Mt 15,14-16
    • „Der alte und der neue Mensch“ von Benno Zöllner (Bittkau (Elbe) / Berlin) zu Eph 4,17-24
    • „Das neue Jerusalem“ von Horst Menzel (Schönwalde (Altmark)) zu Offb 21,1-6
  • Ebenfalls 2010 wurde die künstlerische Ausmalung des Kirchenschiffs und der Apsis von 1897 restauriert. Diese von Malermeister Krügermann aus Schönebeck erschaffene „prächtige Dekoration“ wurde damals nach siebenwöchiger Arbeit am Reformationstag 1897 eingeweiht.[21]
  • Die „Galerie zur Schönwalder Kirche“ wurde im Herbst des Jahres 2010 eröffnet. Sie befindet sich in dem im Jahr 1913[22] erbauten Spritzenhaus, welches für die Galerie umgebaut und neu gestaltet wurde.[23]
  • Am 10. März 2017 gründete sich der Heimat- und Feuerwehrförderverein Schönwalde/Altmark e.V.[24]
  • Die Heimatstube zeigte seit den 1970er Jahren landwirtschaftliche Geräte und Gebrauchsgegenstände aus früherer Zeit. Sie ist jedoch nicht mehr für Besucher geöffnet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort sind drei Landwirtschaftsbetriebe ansässig. Seit 2010 befindet sich südlich vom Dorf eine Biogasanlage.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Schönwalde (Altmark) führen Landstraßen in Richtung Tangerhütte, Tangermünde und zur Bundesstraße 189. Der nächste Bahnhof befindet sich im naheliegenden Tangerhütte, an der Strecke MagdeburgStendalSchwerin. Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark in 2 Bänden. Hrsg.: Brandenburgisches Landeshauptarchiv. 1. Auflage. Band 2. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2954.
  2. Kirchenbuch zu Schönewalde vom 22. Dezember 1765 erstellt durch Pastor Johann Christian Buhtz
  3. C 30 Stendal, Nr. 393 Dismembrationen in Schönwalde, 1849-1864 (Akte)[Benutzungsort: Magdeburg]
  4. Julius Müller, Adolf Parisius (Hrsg.): Die Abschiede der in den Jahren 1540–1542 in der Altmark gehaltenen ersten General-Kirchen-Visitation mit Berücksichtigung der in den Jahren 1551, 1578–79 und 1600 gehaltenen Visitationen. Bd. 1, Heft 3: Ortschaften um Stendal. Baensch, Magdeburg 1889. S. 151–246.
  5. Lieselott Enders: Die Altmark.
  6. Meßtischkarte Tangerhütte. In: DeutscheFotothek.de. Preußische Landesaufnahme/ Reichsamt für Landesaufnahme, 1898, abgerufen am 12. März 2019.
  7. Schulchronik Schönwalde Heft I (1884–1921), Eintrag vom 16. August 1907
  8. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark. Band 23. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2954.
  9. LHA Magdeburg Dokument Feuersozietätsversicherung vom Oktober 1847
  10. Nachtflugstrecken. In: "Das Leuchtfeuerwesen für den Luftverkehr". Regierungsbaumeister a.D.F. Nickel, Berlin, im Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr. 52, 9. Dezember 1931, S. S.765–768, abgerufen am 9. August 2018 (en/deu).
  11. Wilhelm F. Güldenpfennig: Bautätigkeit in Schönwalde. Anzeiger für Vaethen-Tangerhütte und Umgegend, Juli 1927, ZDB-ID 2506667-5.
  12. Dokument aus der Zeitkapsel (25. September 2011)
  13. Amtsblatt für den Landkreis Stendal vom 30. Mai 2010 (PDF; 2,0 MB)
  14. Da 48, Nr. 211 Anschaffung 6 großer Feuerspritzen in den Dörfern Algenstedt, Kassieck, Lüffingen und Hemstedt, Hüselitz, Schwiesau, Seethen und Schönwalde, 1795-1796 (Akte)[Benutzungsort: Magdeburg]
  15. Altmärkisches Intelligenz- und Lese-Blatt vom 13. August 1847
  16. Volksstimme vom 19. Juli 2000
  17. Volksstimme vom 10. Dezember 2018
  18. Ortschaft Schönwalde (Altmark) auf tangerhuette.de
  19. Bei dem Fliegerbombeneinschlag vom 20. Oktober 1943 wurden sämtliche Kirchenfenster bis auf eins zerstört
  20. Die fünf Glasfenster (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tangerhuette.de (PDF; 864 kB)
  21. Schulchronik Schönwalde Heft I (1884–1921) Eintrag vom 4. November 1897
  22. Schulchronik Schönwalde Heft I (1884–1921) Eintrag vom 7. Dezember 1913
  23. Projektsteckbrief Schönwalde-Galerie (Memento des Originals vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uchte-tanger-elbe.de (PDF; 191 kB)
  24. Einladungsschreiben für die Gemeinde.