Schloss Alfter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schloss Alfter (2018)
Schloss Alfter, Luftaufnahme (2016)

Das Schloss Alfter ist ein denkmalgeschütztes Profangebäude in Alfter, einer Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen).

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herren de Halechtre (Ritter von Alfter) wurden erstmals 1117 erwähnt, mit der Burg Alfter war ab 1188 das Erbmarschallamt von Kurköln verbunden.[1] Aus dem Rittergeschlecht von Alfter ging auch die Familie von Metternich (mit dem Löwenwappen) auf der Wasserburg Metternich hervor, die nicht mit der ebenfalls in Metternich ansässigen gleichnamigen und bekannteren Familie von Metternich (mit dem Muschelwappen) zu verwechseln ist.

Die Alfterer Erbtochter Ricarda heiratete 1418 Wilhelm II. von Wevelinghoven; ihre Tochter Irmgard von Wevelinghoven ehelichte 1433 den Grafen Johann VI. von Salm-Reifferscheidt-Dyck. An diesen gingen 1461 die Herrschaft Alfter sowie das Erbmarschallamt. Die Burg wurde 1468 durch Brand zerstört.[2] Aus dem Friedensvertrag von 1481 geht hervor, dass die Burg wieder aufgebaut wurde. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Burg aus nicht bekanntem Anlass erneut niedergebrannt und wieder aufgebaut. 1583 wurden der Ort, die Burg und das angrenzende Anna-Kloster im Truchsessischen Krieg überfallen und komplett zerstört.[3]

Der heutige Bau, eine unregelmäßig geschlossene Rechteckanlage, wurde 1721 von Graf Wilhelm von Salm errichtet. Das hufeisenförmige Herrenhaus und der Wirtschaftshof stammen aus derselben Zeit. Der Wirtschaftshof wurde bis heute stark verändert. Das Herrenhaus ist ein zweigeschossiger Putzbau unter Walmdächern mit turmartigen Eckrisaliten. Ursprünglich hatte das Gebäude eine rote Quaderbemalung, heute ist es gelb gestrichen. Im Keller des nordwestlichen Eckgebäudes ist noch Mauerwerk aus Säulenbasalt aus der Zeit von 1200 zu sehen.[4]

Das Schloss war von 1930 bis 1961 Sitz der Familie von Fürst Franz Josef zu Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck. Nach dessen Tod wurde der ständige Wohnsitz der Familie nach Schloss Dyck verlegt. Seit 2008 ist dessen Enkel Simeon Reichsgraf Wolff Metternich zur Gracht Eigentümer des Schlosses.[5][6]

1947 bis 1950 traf sich im Schloss auf Einladung des Fürsten Salm die Donnerstag-Gesellschaft, eine Gruppe von Künstlern und Kunstinteressierten.[7]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von September 1962 bis Oktober 1965 war das Schloss Alfter Standort der „Lehrgruppe Psychologische Kampfführung“ der Bundeswehr, einer Vorgängerinstitution der Truppe für Operative Kommunikation.[8]

Danach nutzte das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut der Konrad-Adenauer-Stiftung die Räumlichkeiten.

Das Schloss beherbergte von 1977 bis 2009 Teile der Alanus-Hochschule. Seit 1991 sind in der Schloss-Galerie u. a. Werke des aus Spa gebürtigen Malers und Zeichners Renier Roidkin (1684–1741) zu sehen.[A 1]

Das Schloss war nach dem Auszug der Hochschule weitgehend ungenutzt. Im Oktober 2015 mietete die Gemeinde Alfter das Schloss an, um dort Flüchtlinge unterzubringen.[9] Das Schloss wurde zur Notunterkunft[10] des Landes Nordrhein-Westfalen für Flüchtlinge, Alfter hielt hier 150 Plätze zur Erstaufnahme vor. Die Einrichtung wurde zum 31. Dezember 2016 geschlossen.[11] Seither steht das Schloss leer. Der Torbau dient teilweise als Wohnung und ist vermietet. In einem weiteren Nebengebäude ist ein Waldorf-Kindergarten untergebracht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Alfter – Sammlung von Bildern

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roidkin wanderte in den 20er und 30er Jahren des 18. Jahrhunderts durch das Rheinland und zeichnete im Auftrag des Adels, insbesondere des Kurfürsten Clemens August, Schlösser und Gärten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag von Jens Friedhoff zur Alfter, Burg in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 26. Februar 2019.
  2. Bernhard Gondorf: Die Burgen der Eifel und ihrer Randgebiete. Ein Lexikon der „festen Häuser“. J. P. Bachem, Köln 1984, ISBN 3-7616-0723-7, S. 23.
  3. Förderverein Haus der Alfterer Geschichte e. V. (Hrsg.): Macht und Pracht – Schloss Alfter und seine Herren. Alfter Dezember 2017, S. 7.
  4. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen I Rheinland. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2005, ISBN 3-422-03093-X, S. 76.
  5. Ilse Mohr: Langjährige Hausherr von Schloss Alfter ist tot. In: General-Anzeiger (Bonn). 29. Mai 2013, abgerufen am 23. Januar 2017.
  6. Ilse Mohr: Sanitärcontainer in den Hof. In: General-Anzeiger. Teil Vorgebirge. Bonn 24. Oktober 2015, S. 25.
  7. Donnerstag-Gesellschaft Schloss zu Alfter 1947–1950 und die Zeit danach. Zellermayer-Galerie Berlin. Broecking, Berlin 2010, ISBN 978-3-938763-30-8.
  8. Dirk Drews: Die Psychologische Kampfführung/Psychologische Verteidigung der Bundeswehr – eine erziehungswissenschaftliche und publizistikwissenschaftliche Untersuchung. Hrsg.: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Fachbereich Sozialwissenschaften, Medien und Sport. Mainz 2006, DNB 979178479, S. 128 (ubm.opus.hbz-nrw.de [PDF; abgerufen am 28. Juli 2015] Dissertation). ubm.opus.hbz-nrw.de (Memento des Originals vom 22. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ubm.opus.hbz-nrw.de
  9. Ilse Mohr: Flüchtlinge in Alfter – Herrichtung des Alfterer Schlosses hat bereits begonnen. In: General-Anzeiger (Bonn). 24. Oktober 2015, abgerufen am 24. Oktober 2015.
  10. Flüchtlingshilfe – EAE, ZUE, NU: Welche Landeseinrichtungen gibt es und wie ist dort die Belegung? Landesregierung Nordrhein-Westfalen, 12. Februar 2016, abgerufen am 20. November 2016.
  11. Antje Jagodzinski: Flüchtlinge in Alfter – Notunterkunft im Schloss wird aufgelöst. In: General-Anzeiger (Bonn). 18. November 2016, abgerufen am 20. November 2016.

Koordinaten: 50° 44′ 19,6″ N, 7° 0′ 28,9″ O