Schmellwitz

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Stadt Cottbus
Koordinaten: 51° 46′ 50″ N, 14° 20′ 1″ O
Höhe: 68 m ü. NHN
Fläche: 8,1 km²
Einwohner: 14.121 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.743 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Postleitzahl: 03044
Vorwahl: 0355
Karte
Lage von Schmellwitz in Cottbus
Zinzendorfkirche Schmellwitz

Schmellwitz, niedersorbisch Chmjelow, ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Cottbus in Brandenburg. Schmellwitz gliedert sich in die Teile Alt-Schmellwitz und Neu-Schmellwitz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmellwitz liegt im Zentrum der Stadt Cottbus in der Niederlausitz. Benachbarte Stadtteile sind Skadow im Norden, Saspow im Osten, Sandow im Südosten, Mitte im Süden, Ströbitz im Westen sowie Sielow im Nordwesten.

Durch Schmellwitz verlaufen der Cottbuser Nordring, der den Stadtteil an die Bundesstraße 168 im Osten anbindet, sowie die Landesstraße 511 nach Dissen. Im Osten von Schmellwitz fließt die Spree.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alt-Schmellwitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alt-Schmellwitz wurde erstmals am 28. Juni 1414 urkundlich erwähnt, als Johann von Cottbus das Dorf an einen gewissen Balthasar Wiltschkewitz verkaufte. Durch neuere Forschungen ist der Ortsname „Smeluitz“ allerdings schon für das Jahr 1385 nachgewiesen. Der Ortsname stammt von dem altsorbischen Wort „Chemlovica“ ab[2] und bedeutet „Ort, wo Hopfen wächst oder angebaut wird“.[3]

Von der Siedlungsform her ist Alt-Schmellwitz ein Angerdorf, wobei die Hauptstraße einen leeren Platz umschließt, da Alt-Schmellwitz keine Kirche hat. Bis 1537 war der Ort in Besitz des Cottbuser Franziskanerklosters, bis dieses durch den Staat enteignet wurde. Über die Jahrhunderte änderte sich an der Einwohner- und Sozialstruktur wenig. 1809 lebten in Alt-Schmellwitz fünf Bauern, 19 Halbbauern, neun Kossäten, ein Büdner und drei Einlieger.

1818 lebten in Alt-Schmellwitz 164 Menschen, von denen etwa 90 % Sorben waren. Arnošt Muka zählte 1884 für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Lausitz 309 Einwohner, von denen außnahmslos alle Sorben waren.[4] 1903 bekam Alt-Schmellwitz eine eigene Schule mit vier Klassenräumen. In diesem Schulgebäude befand sich zu DDR-Zeiten die 17. Polytechnische Oberschule. Durch einen hohen Zuzug von Arbeitern erhöhte sich die Einwohnerzahl zwischen 1900 und 1939 von 704 auf 2.204 Einwohner. 1930 waren nur noch 5 % der Einwohner in der Landwirtschaft tätig, der überwiegende Teil arbeitete in Handwerksberufen. So gab es in Alt-Schmellwitz unter anderem Bäcker, Fleischer, Tischler oder Klempner.

Im Jahr 1908 beantragte Alt-Schmellwitz eine Eingemeindung nach Cottbus, dies wurde allerdings abgelehnt. 1927 wurde Alt-Schmellwitz an die Straßenbahn angebunden. 1936 bekam Schmellwitz eine eigene Kirche.[2]

Neu-Schmellwitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plattenbau in der Hutungstraße

Neu-Schmellwitz ist der jüngste Stadtteil von Cottbus. Er wurde ab 1983 in Plattenbauweise errichtet. Die ersten Häuser in der Gotthold-Schwela-Straße waren ab 1984 bezugsfertig. Durch Arbeitsplätze in der Kohleindustrie und im nahegelegenen Textil-Kombinat stieg die Einwohnerzahl stark an. Durch die überwiegend jungen Zuzügler hatte Neu-Schmellwitz eine sehr hohe Geburtenrate zu verzeichnen. Bis ins Jahr 2020 sollte Neu-Schmellwitz etwa 20.000 Einwohner aufnehmen können.

Am 14. Januar 1975 stürzte eine MiG-21 der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee in Schmellwitz in ein Wohngebäude. Bei dem Unglück starben 7 Menschen. Nach der Wende wurden viele unrentable Betriebe stillgelegt und Arbeitsplätze gingen verloren. Dadurch ging die Bevölkerungszahl rasant zurück. Viele Jugendliche zog es zum Studieren und aufgrund besserer beruflicher Chancen in westdeutsche Ballungsräume oder nach Berlin. Durch den hohen Wohnungsleerstand wurden viele Bauten zurückgebaut.

Schmellwitz ist nach Sandow und der Spremberger Vorstadt der dritteinwohnerstärkste Stadtteil von Cottbus und auch der mit den meisten Kindern.[5]

Administrative Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Vereinbarungen des Wiener Kongresses kam Alt-Schmellwitz als Teil der Niederlausitz an das Königreich Preußen. Dort lag der Ort im Landkreis Cottbus. Zum 1. Juli 1950 wurde Alt-Schmellwitz in die Stadt Cottbus eingemeindet.[6]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Schmellwitz von 1875 bis 1946[7]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 294 1890 412 1910 1173 1925 1329 1933 1779 1939 2204 1946 2263

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schmellwitz/Chmjelow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner nach Ortsteilen. In: cottbus.de. Stadtverwaltung Cottbus – Fachbereich Bürgerservice, 31. Dezember 2017, abgerufen am 30. Januar 2018.
  2. a b Geschichte von Alt-Schmellwitz. In: bv-schmellwitz.de. Abgerufen am 24. August 2017.
  3. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin: Alter - Herkunft - Bedeutung. be.bra Wissenschaft, 2005, S. 152.
  4. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954.
  5. Geschichte von Neu-Schmellwitz. In: bv-schmellwitz.de. Abgerufen am 24. August 2017.
  6. Schmellwitz im Geschichtlichen Ortsverzeichnis. Abgerufen am 24. August 2017.
  7. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Brandenburg an der Havel, Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Dezember 2006, abgerufen am 24. August 2017 (PDF; 331 KB).