Schutzendorf

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Schutzendorf
Stadt Greding
Koordinaten: 49° 3′ 13″ N, 11° 16′ 54″ O
Höhe: 546 m ü. NN
Einwohner: 115 (12. Dez. 2017)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91171
Vorwahl: 08463

Schutzendorf ist ein Gemeindeteil der Stadt Greding im mittelfränkischen Landkreis Roth in Bayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchdorf liegt im Weißen Jura auf 548 Meter NHN am nördlichen Rand der Fränkischen Albtafel. Die Ortsflur betrug 1961 484,37 Hektar.[1]

Ortsnamensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß dem ältesten Beleg bedeutet der Ortsname „Dorf, in dem ein Schultheiß wohnt“. „Schultheiß“ verkürzte sich in „Schulz“, und aus „Schulzendorf“ wurde durch sprachliche Nachlässigkeit „Schutzendorf“.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des Dorfes befinden sich 28 bronzezeitliche Hügelgräber.[3]

Am 19. Oktober 1305 ist „Schvltheytzendorf“ erstmals urkundlich erwähnt, und zwar im Gaimersheimer Schiedsspruch in der Auseinandersetzung des Hochstifts Eichstätt mit den kurbaierischen Herzögen um das „Hirschberger Erbe“. Das Dorf wurde hierbei der Kirche von Eichstätt zugesprochen.[4] Einem Salbuch von 1491 ist zu entnehmen, dass die Herrschaft Jettenhofen in Schutzendorf Untertanen oder zumindest Zinspflichtige (als Eichstätter Lehen) hatte.[5] Für 1602 ist eine Kirche St. Wolfgang genannt, die im 18. Jahrhundert umgebaut und barockisiert wurde.[6]

Gegen Ende des AltenReiches, um 1800, bestand Schutzendorf aus der Kirche und aus 18 Untertanen-Anwesen des Domkapitels zu Eichstätt, die mit der Dorf- und Gemeindeherrschaft dem domkapitlischen Richteramt und mit der Hochgerichtsbarkeit dem bischöflichen Richteramt Greding unterstanden.[7]

Infolge der Reichsdeputationshauptschlusses wurde das Hochstift Eichstätt und damit auch das Domkapitel säkularisiert, und Schutzendorf kam 1802 an den Großherzog Erzherzog Ferdinand III. von Toskana. 1805/06 kam dessen Herrschaftsgebiet und damit auch Schutzendorf an das neue Königreich Bayern. 1808 wurde das Dorf dem Steuerdistrikt Großhöbing unterstellt, aus dem 1811 die Ruralgemeinde Großhöbing wurde. Sie war dem Landgericht Raitenbuch, seit 1812 dem Landgericht Greding zugeteilt. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde das Dorf Schutzendorf wieder eine selbständige Ruralgemeinde.[8]

1846 gab es bei 154 „Seelen“ im Dorf außer den Bauern einen Bierschenken-Wirt, zwei Leineweber, einen Schmied, zwei Schneider, einen Schuhmacher und einen Wagner.[9] 1875 wurden von den 128 Dorfbewohnern 26 Pferde, 135 Stück Rindvieh, 177 Schafe, 75 Schweine und zwei Ziegen gehalten.[10] 1900 war der Viehbestand deutlich angestiegen: Es wurden amtlicherseits 33 Pferde, 174 Stück Rindvieh, 155 Schafe, 129 Schweine und fünf Ziegen gezählt. Die Kinder gingen nach Großhöbing in die katholische Schule.[11]

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene vorübergehend stark an. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Schutzendorf zum 1. Januar 1972 in die Stadt Greding eingegliedert.[12]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1818: 113 (24 „Feuerstellen“ = Haushaltungen)[13]
  • 1823: 118 (24 Anwesen)[14]
  • 1829: 113 (24 Familien)[15]
  • 1836: 142 (26 Familien) [16]
  • 1846: 154 (24 Häuser, 33 Familien)[17]
  • 1871: 128 (32 Haushaltungen)[18]
  • 1900: 139 (32 Wohngebäude)[19]
  • 1937: 138[20]
  • 1950: 175 (24 Anwesen)[21]
  • 1961: 120 (23 Wohngebäude)[22]
  • 1987: 115 (24 Wohngebäude, 27 Wohnungen)[23]
  • 2014: 111[24]

Katholische Filialkirche St. Wolfgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mittelalterliche Kirche, eine Filiale der Urpfarrei Großhöbing, wurde 1746 durch Dominikus Barbieri restauriert und nach Westen verlängert, wobei der ungegliederte Turm mit Ziegelhelm vermutlich unverändert übernommen wurde. Der viersäulige barocke Hochaltar ist circa 1700 entstanden, die beiden zweisäuligen Seitenaltäre wurden im frühen 18. Jahrhundert geschaffen. Aus der abgebrochenen Kirche im benachbarten Göllersreuth stammt eine spätgotische Marienfigur mit einem Vögelein in der Rechten des Jesuskindes (um 1510). Eine Figur des hl. Wolfgang wurde um 1470, eine Figur des hl. Sebastian um 1520 geschnitzt.[25] 1909 und noch einmal 1952 kamen drei neue Glocken in den Turm.[26]

1720 wurde der Friedhof geweiht.[27] 1955 weihte man dort ein neues Kriegerdenkmal ein.[28]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Östlich des Dorfes gibt es auf dem Espan seit 1971 einen Flugplatz des Aero-Clubs Greding.[29]
  • Seit 2010 existiert ein sechs Kilometer langer Schutzendorfer Flurdenkmälerweg mit 20 Bildstöcken und Feldkreuzen.[30] Ein Wegkreuz des 19/20. Jahrhunderts gilt als Baudenkmal.

Siehe Liste der Baudenkmäler in Greding#Schutzendorf.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort führt die Kreisstraße RH 30, die innerorts St.-Wolfgang-Straße heißt, von Esselberg herkommt und – am Kleinhöbinger Bach entlang – nach Kleinhöbing ins Schwarzachtal zur Staatsstraße 2227 hinabführt. Eine Gemeindestraße geht von Schutzendorf in südliche Richtung zur Kreisstraße RH 31.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Schutzendorf
  • SKKV (Soldaten-, Krieger- und Kameradschaftsverein) Großhöbing-Schutzendorf, gegründet 1920 [31]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938
  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6. Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959
  • Felix Mader: Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken. Bezirksamt Hilpoltstein, München 1929, (Nachdruck: R. Oldenbourg Verlag, München 1983, ISBN 3-486-50506-8)
  • Höbing. Heimatgeschichte aus Großhöbing, Kleinhöbing, Günzenhofen und Schutzendorf, hrsg. zum 50. Gründungsjubiläum des Schützenvereins Höbing im Juli 2004, 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • [3] Geläute der Filialkirche St. Wolfgang

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 798
  2. Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch. Eichstätt 1873: Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, S. 125
  3. Hans Wolfram Lübbeke und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986, S. 461
  4. Franz Heidingsfelder (Bearb.): Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen: Palm & Enke 1938, S. 419 (Nr. 1346)
  5. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 53 (1937), S. 93
  6. Buchner I, S. 413 f.
  7. Hirschmann, S. 141
  8. Hirschmann, S. 230
  9. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Ansbach 1846, S. 123
  10. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1164
  11. Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte 1225
  12. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 482.
  13. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise ... enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 83
  14. Hirschmann, S. 230
  15. Karl Friedrich Hohn: Der Retzatkreis des Königreichs Bayern: geographisch, statistisch und historisch beschrieben. Riegel und Wießner, Nürnberg 1829, S. 129 (Digitalisat).
  16. Th. D. Popp: Matrikel des Bissthumes Eichstätt. Eichstätt: Ph. Brönner 1836, S. 72
  17. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Ansbach 1846, S. 123
  18. Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, München 1873. S. 139
  19. Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Sp. 1225
  20. Buchner I, S. 415
  21. Hirschmann, S. 230
  22. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 798
  23. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 347
  24. [1] Website der Stadt Greding
  25. Mader, S. 282 f.; Gemeinsam unterwegs. Kirchen und Pfarreien im Landkreis Roth und in der Stadt Schwabach, Schwabach/Roth o. J. [2000], S. 77
  26. Buchner I, S. 414; [2] glockenklaenge.de
  27. Buchner I, S. 414
  28. Hilpoltsteiner Kurier vom 24. Juni 2014
  29. Bürgerbroschüre, S. 15; Aero-Club landet in Schutzendorf. In: Hilpoltsteiner Kurier vom 28. Juni 2011
  30. Hilpoltsteiner Kurier vom 20. und vom 25. April 2010
  31. Hilpoltsteiner Kurier vom 24. Juni 2014