Schweizer Viertel (Berlin-Lichterfelde)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Schweizer Viertel ist eine Ortslage in der westlichen Mitte des Berliner Ortsteils Lichterfelde der zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf gehört. Die Bezeichnung existiert seit den 1930er Jahren und basiert darauf, dass viele Straßen in diesem Kiez nach Schweizer Städten benannt sind.

Die von 1934 bis 1937 entstandene Siedlung in der westlichsten Ecke des Schweizer Viertels

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Viertel wird begegrenzt von der Finkensteinallee im Norden, der Goerzallee und dem Engadiner Weg im Osten, dem Ortlerweg, einem Teil der Wismarer Straße, der Appenzeller und der Luzerner Straße und einem Teil des Ostewegs im Süden und von der Aarauer Straße, Züricher Straße sowie der nach Johann Anton Wilhelm von Carstenn benannten Carstennstraße im Westen. Im Viertel nahmen bis 1994 die US-Andrews Barracks und deren Sportplatz großen Raum ein.

Westlich hinter der Aarauer Straße schließen sich vier Kleingartenkolonien an, die auch in ihrem Namen Bezug auf das Viertel nehmen, so bei Rütli oder Schweizerland. Hinter den Kolonien, südwestlich und bereits im Ortsteil Zehlendorf, lag das US-Kasernengelände McNair Barracks, heute zum Wohnkomplex Monroe-Lofts und Lesley Lofts umgebaut und eröffnet.

Die S-Bahnhöfe Lichterfelde Ost (Linie S25) und Lichterfelde West (Linie S1) sind vom Viertel aus etwa gleich weit entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis etwa 1850 war Giesensdorf der größere bekannte Ort im Süden von Steglitz, erst später wurde die Ortschaft Lichtervelde (damaliger Name) bekannter und Giesensdorf 1878 nach Groß-Lichterfelde eingemeindet. Johann Anton Wilhelm von Carstenn, Planer und Architekt dieser Gegend, hatte die unmittelbare Umgebung der Preußischen Hauptkadettenanstalt für einfachere Gebäude für das Personal der Anstalt vorgesehen; dabei ging es z. B. um die Verlängerungen der Baseler Straße und der Berner Straße in südlicher Richtung. Dadurch wurde eine räumliche Trennung zu der weiter nördlich liegenden Villenkolonie Lichterfelde-West erreicht, in der ein Großteil der Offiziere lebte. Die Bebauung stockte allerdings und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden nur wenige gründerzeitliche Mietblocks. Eine verstärkte Bebauung setzte dann Ende der 1920er Jahre mit zeittypischen Siedlungshäusern ein.

Erst in den 1930er Jahren wurde die Bebauung des Schweizer Viertels zügig fortgesetzt. Die ursprünglich nur nummerierten Straßen erhielten Namen von Schweizer Städten, Kantonen und Gebirgen wie z. B. Appenzell, Basel, Bern, Chur, Engadin, Genf, Luzern, oder Zürich sowie von der bekannten Schweizer Bergwiese Rütli.

Bis in die 1950er Jahre hinein fuhr die Straßenbahn ab Rathaus Steglitz durch die Ringstraße und Carstennstraße und endete am Thuner Platz. Heute verläuft der Busverkehr (Linie 188) durch die Ring-, Carstenn- und Luzerner Straße, weitere Busse (Linien 285 und M85) fahren die Goerzallee entlang bzw. aus Zehlendorf kommend (Linie 112) aus dem Osteweg in die Appenzeller Straße Richtung Lankwitz.

Nach 1945 wurden Häuser von Faschisten vorübergehend beschlagnahmt; die Besitzer mussten sich in der Stadt nach Mietwohnungen umsehen und US-Militärpersönlichkeiten zogen ein. Das Schweizer Viertel wurde in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 1990er Jahre stark durch die Kasernen der Alliierten (Andrew Barracks) – insbesondere der dort lebenden Soldaten – geprägt.[1] Nach dem Abzug der Alliierten im Jahr 1994 wurde das freigewordene Kasernengelände in 23 Hektar Bauland[2] für kleine Stadtvillen und Reihenhäuser sowie in ein kleines Einkaufszentrum an der Goerzallee/Lausanner Straße umgewandelt. Ehemals durch die Kasernen limitierte Straßen (so die Altdorfer-, die Züricher- und die Thuner Straße) wurden geöffnet und durch neue Wege ergänzt; diese wurden nach Schweizer Persönlichkeiten wie Johanna Spyri benannt. Wege und Plätze sind sehr kinderfreundlich.

In der Carstenn-Straße befand sich bis in die 1990er Jahre das DRK-Kinderkrankenhaus.

Straßen mit Schweizer Namensgebung im Viertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebende Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweizer Viertel, Planausschnitt

Straßen
Aargauer, Altdorfer, Appenzeller, Baseler, Berner, Züricher, Engelberger, Glarner, Lausanner, Luzerner, Murtener, Thuner und Züricher Straße

Wege
Engadiner, Genfer und Locarnoer Weg

Zeilen
Churer, Nidwaldener, Obwaldener, Reinacher, Sittener und Waadter Zeile

Plätze
Rütlier und Thuner Platz

Namensgebende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wege
Anna-Mackenroth-, Elisabeth-Feller-, Helene-von-Mülinen-, Johanna-Spyri-, Sophie-Taeuber-Arp- und Marie-Vögtlin-Weg

Pfade
Maggy-Breittmayer- und Ellen-Widmann-Pfad

Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1995 gab es in der Gegend drei „Tante-Emma-Läden“, zwei in der Carstennstraße, einer in der Finkensteinallee, sowie Minimal/REWE in der Goerzallee. Heute präsentiert sich im Viertel ein kleines, vielbesuchtes Einkaufszentrum mit Bio-Viverte, dm, Aldi, REWE, Ernsting’s family, einem Bäcker, einem Blumengeschäft (inkl. Hermes-Paketdienst), einem Zeitschriftenkiosk (inkl. DHL-Paketdienst), einem Hörgeräte- sowie einem Mobilphone-Laden, einem Reisebüro, einem Friseur, einer Wäscherei mit Änderungsschneiderei, einem Autovermieter und einer Apotheke. An Gaststätten haben dort ein Kneipen-Sport-Café, eine Pizzeria und ein Döner-Kebab-Grill eröffnet.

Im Ärztezentrum in der Lausanner Straße sind unterschiedliche Fachgebiete vertreten, darunter Urologie, HNO, Dermatologie, Kinderarzt, Zahnarzt, Akupunktur sowie Osteopathie und Allgemeinmedizin.

Es gibt auch einen Geldautomaten. Nördlich befindet sich das Appartement-Hotel Aparion Berlin. Friedhofsgärtner sowie einen Hunde-Betreu-Service gibt es ebenfalls. Im äußersten Südzipfel haben sich Getränke-Lehmann und Barlu (Fisch-Meeresfrüchte) etabliert.

Institutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Süden des Viertels befindet sich der Parkfriedhof Lichterfelde mit Gräbern von Persönlichkeiten wie Karl Abraham, Otto Dibelius, Sebastian Haffner, Kurt von Schleicher, Georg Schumann und Drafi Deutscher.

Im Osten grenzt das Kraftwerk Lichterfelde ans Viertel an, befindet sich allerdings auf der anderen Seite des Teltowkanals.

Weitere bedeutende im Schweizer Viertel gelegene Institutionen sind das Bundesarchiv, die Schwimmhalle Finckensteinallee, das Institut für Zeitgeschichte, die Johanniter-Heime der Johanniter-Unfallhilfe, die DRK-Zentrale (Generalvikariat) im Jugendstil, die Heilige-Familie-Kirche und die Johann-Sebastian-Bach-Kirche.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bekannteren Personen, die im Schweizer Viertel lebten oder leben, gehören u. a. Leon Boden, Manfred Günther und Johannes Wendt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schweizer Viertel (Berlin-Lichterfelde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auferstanden aus Kasernen. In: Qiez, 26. Dezember 2013
  2. Immobilien Schweizer Viertel, Gagfah

Koordinaten: 52° 25′ 36″ N, 13° 17′ 50″ O