Sender Steinkimmen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sender Steinkimmen
NDR Sender Steinkimmen.jpg
Basisdaten
Ort: Steinkimmen (Ganderkesee)
Land: Niedersachsen
Staat: Deutschland
Höhenlage: 29 m ü. NHN
Verwendung: Rundfunksender
Besitzer: Norddeutscher Rundfunk
Daten des Mastes
Bauzeit: 1956
Bauherr: Norddeutscher Rundfunk
Baustoff: Stahl
Betriebszeit: seit 1956
Gesamthöhe: 298 m
Daten der Sendeanlage
Letzter Umbau: 2017
Wellenbereich: UKW-Sender
Rundfunk: UKW-Rundfunk
Sendetypen: DVB-T, DAB
Positionskarte
Sender Steinkimmen (Niedersachsen)
Sender Steinkimmen
Sender Steinkimmen
Koordinaten: 53° 2′ 36″ N, 8° 27′ 31,3″ O
Mastspitze des alten Mastes.
Neubau Gittermast, April 2016: 80 m. An den obersten Segmenten ist der Stockbaum als Montagehilfe angebracht.

Der Sender Steinkimmen ist ein Grundnetzsender des Norddeutschen Rundfunks (NDR) bei Steinkimmen, einem Ortsteil von Ganderkesee. Die Sendeanlage dient der Verbreitung von Hörfunkprogrammen auf Ultrakurzwelle sowie des digitalen Fernsehens im Standard DVB-T2 HD.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neue Gittermast steht, Richtfest am 29. Juli 2016. Auf der ersten Plattform von unten (60 m Höhe) ist der Richtbaum erkennbar.

Am 6. August 1956 ging das heutige Wahrzeichen von Steinkimmen für das damals einzige Fernsehprogramm Westdeutschlands (heute Das Erste) erstmals auf Sendung. Als Sendemast diente ein 298 m hoher abgespannter Stahlrohrmast, der zum Zeitpunkt seiner Errichtung im Jahr 1956 das höchste Bauwerk der Bundesrepublik war. Über den Grundnetzsender Steinkimmen versorgte der Norddeutsche Rundfunk im so genannten VHF-Band den Bereich Bremen/Oldenburg mit Fernsehen. Schon damals war der Rohrmast mit einem Durchmesser von zwei Metern und einer Höhe von 267 Metern weithin sichtbar. Dazu kam ein Gitteraufsatz von 31 Metern. Der Sender Steinkimmen maß mit einer Gesamthöhe von 298 Metern nur zwei Meter weniger als der 300 Meter hohe Pariser Eiffelturm.[1] Seinerzeit war der Mast nicht nur das höchste Bauwerk der Bundesrepublik, sondern zugleich das vierthöchste Europas. In Betrieb war die Anlage täglich lediglich fünf Stunden, denn ein Fernsehprogramm gab es damals nur von 16:30 bis 17:40 Uhr und von 20:00 bis 22:30 Uhr. Anschließend wurde noch bis Mitternacht ein Testbild ausgestrahlt und der Sender dann über Nacht abgeschaltet. Im September 1956 kam die Verbreitung der ersten Radioprogramme hinzu.

Bis zum Ende der 1980er Jahre wurde das Programm der ARD im VHF-Band I auf dem Kanal 2 übertragen. Der Fernsehsender war jedoch nicht farbfernsehtauglich, und eine Umstellung erschien angesichts der Störanfälligkeit dieses Frequenzbereichs zu teuer, sodass man sich dazu entschied, eine neue Sendeanlage zu installieren und damit auf den Kanal 55 im UHF-Band IV/V zu wechseln. Aufgrund der massiv geringeren Reichweite dieser Frequenz im Dezimeterwellenbereich mussten dazu in den Randgebieten neue Füllsender errichtet werden.

Über 50 Jahre später überträgt der NDR-Sender Steinkimmen heute Fernsehsignale und einen Teil der Hörfunkprogramme digital. Alle fünf in Niedersachsen empfangbaren Radioprogramme des NDR, zwei kommerzielle Hörfunkprogramme, ein digitales Hörfunkangebot im DAB-Standard (Digital Audio Broadcasting), das mehrere Programme umfasst, und sechs Bouquets im digitalen Antennenfernsehen DVB-T werden von Steinkimmen aus gesendet. Im Laufe der 50 Jahre ist die gesamte Technik erneuert worden, teilweise sogar mehrfach. So strahlt keine der ursprünglichen Antennen noch Signale ab und keiner der Sender von 1956 ist noch in Betrieb. Der weithin sichtbare Teil, der rot-weiße abgespannte Sendemast als Antennenträger ist erhalten geblieben.

Abriss des alten Mastes und Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Januar 2013 gab der NDR bekannt, den bisherigen 298 Meter hohen Rohrmast bis 2015 durch einen neuen, 285 Meter hohen Gittermast auszutauschen. Nach der Fertigstellung des neuen Mastes soll der alte Mast schrittweise abgetragen werden. Grund seien unter anderem erhöhte statische und konstruktive Anforderungen bei Sendemasten, die der alte Mast nicht erfüllen würde. Da eine Sanierung des alten Sendemastes mit zu hohen Kosten verbunden wäre, entschied man sich für einen Neubau.[2][3] Das erste Gittermastelement des neuen Sendemastes wurde am 4. April 2016 aufgestellt. Am 29. Juli 2016 wurde offiziell Richtfest gefeiert, nachdem am Tag zuvor die letzten beiden Mastsegmente aus GFK-Rohr per Hubschrauber aufgesetzt worden waren. Im Mai 2017 wurden die Programme auf den neuen Mast aufgeschaltet und der alte Turm wird nun Stück für Stück abgebaut.

Aktuelle Programme und Frequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Strahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad angegeben.

Analoger Hörfunk (UKW)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frequenz 
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
91,1 NDR 1 Niedersachsen NDR_1_OL 
NDR1_NDS
D681 (regional) 
D381
Oldenburg 100 ND H
99,8 NDR 2 NDR2_NDS 
_NDR_2__
D882 (regional) 
D382
Niedersachsen 100 ND H
94,4 NDR Kultur NDR_Kult D383 100 ND H
98,6 NDR Info NDR_Info D384 3 D (30°-50°, 90°-150°, 210°-0°) H
92,9 N-Joy _N-JOY__ / VOM_NDR_ D385 1 D (40°-50°, 90°-150°, 210°-350°) H
102,3 Radio ffn ffn_OL__ 
__ffn___
D888 (regional) 
D388
Oldenburg/Bremen 100 ND H
105,7 Antenne Niedersachsen ANTENNE_ D889 (regional) 
D389
Niedersachsen Nordwest 100 ND H

Digitales Radio (DAB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DAB beziehungsweise DMB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt. DAB von DAB Nord im Band III VHF startete hier am 1. Januar 2001 und wurde bis 1. November 2001 nur von hier aus verbreitet.

Block Programme ERP 
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
12A 
Niedersachsen 1 
(D__00003)
DAB-Block des Norddeutschen Rundfunks: 1 ND Steinkimmen (Ganderkesee), Aurich-Popens

Digitales Fernsehen (DVB-T2 HD)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umstellung des Senders Steinkimmen auf den Standard DVB-T2 HD mit HEVC Bildcodierung war am 29. März 2017. Die DVB-T2-Ausstrahlungen erfolgen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Standorten.

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP 
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
SFN
29 538 ARD Digital 79 ND H 64-QAM 
(16-k-Modus)
1/2 19/128 18,2 Steinkimmen, Schiffdorf (Bremerhaven), Fernmeldeturm Utbremen (Bremen-Walle)
35 586 Gemischter Multiplex von ZDF und freenet TV 5 ND H 64-QAM 
(16-k-Modus)
3/5 19/128 22 Steinkimmen, Schiffdorf (Bremerhaven), Fernmeldeturm Utbremen (Bremen-Walle)
46 674 ARD regional (radiobremen) 4 ND H QPSK 
(16-k-Modus)
1/2 19/128 6 Steinkimmen, Schiffdorf (Bremerhaven), Fernmeldeturm Utbremen (Bremen-Walle)
55 746 ARD regional (radiobremen/NDR) 100 ND H 64-QAM 
(16-k-Modus)
1/2 19/128 18,2 Steinkimmen, Schiffdorf (Bremerhaven), Fernmeldeturm Utbremen (Bremen-Walle)

Frühere Programme und Frequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitales Fernsehen (DVB-T)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis zum 25. April 2017 war folgender DVB-T-Nachlauf zu empfangen:

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP 
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
SFN
32 562 radiobremen (DVB-T alt) 20 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Steinkimmen, Schiffdorf (Bremerhaven), Fernmeldeturm Utbremen (Bremen-Walle)

Digitales Fernsehen (DVB-T)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Wechsel auf DVB-T2 am 29. März 2017 liefen die DVB-T-Ausstrahlungen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Standorten.

ehemaliges Angebot:

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
SFN
22 482 ARD Digital (RB) 5 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Utbremen (Bremen-Walle), Steinkimmen, Fernmeldeturm Schiffdorf (Bremerhaven)
29 538 ARD regional (RB/NDR) 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Utbremen, Steinkimmen, Fernmeldeturm Schiffdorf
32 562 ZDFmobil 5 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Utbremen, Steinkimmen, Fernmeldeturm Schiffdorf
42 642 RTL Group Niedersachsen/Bremen 5 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Utbremen, Steinkimmen, Fernmeldeturm Schiffdorf
49 698 ProSiebenSat.1 Media Niedersachsen/Bremen 5 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Fernmeldeturm Utbremen, Steinkimmen, Fernmeldeturm Schiffdorf
55 746 ARD Digital (NDR) 100 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Steinkimmen

Analoges Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Umstellung auf DVB-T wurden folgende Programme in analogem PAL gesendet:

Kanal Frequenz 
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
55 743,25 Das Erste (NDR) 500 ND H

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allerdings wurde der Eiffelturm bereits ein Jahr später durch eine neue Antenne auf 321 m erhöht.
  2. Fernsehturm Steinkimmen in die Jahre gekommen - NDR informiert Öffentlichkeit über Pläne zum Neubau auf ndr.de
  3. nwzonline.de: Betagter Fernsehturm wird Gittermast weichen