Siegfried Geißler

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Siegfried Rudolf Geißler (* 26. März 1929 in Dresden; † 10. Juli 2014[1] in Suhl) war ein deutscher Hornist, Dirigent und Komponist sowie Alterspräsident und Abgeordneter im Thüringer Landtag der 1. Wahlperiode 1990–1994.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musiker und Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegfried Geißler war von 1965 bis 1980 Chefdirigent der Thüringen-Philharmonie in Suhl. Als Komponist und Chefdirigent des Staatlichen Sinfonieorchesters Suhl und als Begründer der Thüringen Philharmonie Suhl 1978 wurde Geißler überregional bekannt. Er gründete die Suhler Singakademie und gliederte den Suhler Knabenchor in die Philharmonie ein.

Vor seiner Zeit in Suhl war Geißler Solo-Hornist am Stadttheater Cottbus, am Sinfonieorchester der Stadt Speyer und am Kreiskulturorchester Sonneberg, später Chefdirigent der Erzgebirgsphilharmonie, des Kreiskulturorchesters Mühlhausen und Dirigent der Dresdner Philharmonie unter Heinz Bongartz. Gastspielreisen führten ihn nach Finnland, Russland, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und in die Volksrepublik China.

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geißler war bei der Besetzung der Staatssicherheits-Zentrale in Suhl am 4. Dezember 1989 dabei, wurde Mitglied des Volkskammer-Ausschusses zur Auflösung des MfS/AfNS sowie Bezirks-Beauftragter für die Auflösung des MfS/AfNS. Nach seinem Austritt aus der SED am 30. September 1989 war Geißler Mitbegründer des Bürgerkomitees Suhl, Begründer des Bürgerkomitees des Landes Thüringens, Mitbegründer des Neuen Forums Suhl und Südthüringens sowie berufener Bürger des Runden Tisches der Stadt.[2]

Ab 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geißler kandidierte für den Thüringer Landtag und errang ein Mandat. Aufgrund der parlamentarischen Gepflogenheiten und des Umstands, dass er der älteste gewählte Abgeordnete des ersten frei gewählten thüringischen Parlaments seit fast 60 Jahren war, leitete Siegfried Geißler als Alterspräsident des 1. Thüringer Landtags die konstituierende Sitzung am 21. Oktober 1990 im Deutschen Nationaltheater Weimar. Er war zugleich einer der Väter der aktuellen Thüringer Verfassung.[3]

Geißler war Abgeordneter im Thüringer Landtag in der 1. Wahlperiode 1990–1994 für das Neue Forum und gehörte zunächst zur Fraktion Neues Forum/Grüne/Demokratie Jetzt. Ab dem 22. Dezember 1992 war er - gemeinsam mit Matthias Büchner - fraktionsloser Abgeordneter.

Für einen Eklat sorgten Siegfried Geißler und Matthias Büchner am 25. Oktober 1993 auf der Wartburg: Die Abgeordneten des Thüringer Landtags stimmten dort bei der feierlichen Landtagssitzung in letzter Lesung über Thüringens neue Verfassung ab - die dafür erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit war mit den Stimmen der Abgeordneten der CDU-, F.D.P.- und SPD-Fraktion gesichert. Der Ältestenrat des Thüringer Landtags hatte festgelegt, dass nur die Vorsitzenden der fünf Landtags-Fraktionen Gelegenheit zur Rede bekommen sollten. Damit waren die zwei fraktionslosen Abgeordneten - beide mit Mandat des Neuen Forums – nicht einverstanden. Sie meinten, dass ihnen ebenfalls ein Rederecht zustünde. Matthias Büchner versuchte während der Sitzung, sich Gehör zu verschaffen, wurde jedoch von Landtagspräsident Gottfried Müller nach drei Ordnungsrufen des Saales verwiesen. Da verließ auch Siegfried Geißler aus Protest die Festsitzung. Beide schilderten dann vor der Tür den Medienvertretern ihre Sicht der Dinge.[4]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ich bin da als der ich da bin! Mensch sein mit Verantwortung für sich selbst und das Leben anderer. Humanist, Demokrat, Kommunist, Anarchist, Atheist, Weltbürger, Dirigent, Komponist und geborener Sinfoniker.“

Siegfried Geißler[5]

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 schenkte Geißler dem Thüringischen Staatsarchiv Meiningen seine gesamte persönliche Registratur als Landtagsabgeordneter von Neues Forum/Grüne/Demokratie Jetzt und als erster Alterspräsident des wieder erstandenen Thüringer Landtages - der Dokumenten-Umfang beträgt 8,6 laufende Meter. Am 29. April 2009 übernahm das Staatsarchiv den zweiten Teil des politischen Nachlasses von Siegfried Geißler als Depositum, zu dem zehn gut sortierte Steh-Ordner mit persönlichen Unterlagen aus dem politischen Leben des bekannten Komponisten gehören. Das rund 1,5 laufende Meter umfassende Schriftgut stammt aus der Zeit von 1989 bis 2005, als Geißler über die Grenzen des Landes Thüringen hinaus eine politische Rolle in der Bürgerrechtsbewegung im Osten Deutschlands spielte. Der künstlerische Nachlass - vornehmlich die von ihm komponierten Orchester-Partituren - und ein Teil seiner persönlichen Unterlagen vor 1990 verblieben zunächst auf Wunsch des Eigentümers an dessen Wohnort Suhl-Heinrichs; die spätere Übergabe an das Staatsarchiv wurde erwogen.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interview in:

  • Siegfried Geißler: „Wer sich nicht engagiert, hat auch kein Recht zu schimpfen.“ Gespräch (S. 11–26) in: Holger Zürch: Thüringens Gründerjahre. Gespräche mit Thüringer Abgeordneten über ihre Zeit im Landtag zwischen 1990 und 1999. Erfurt 2004, ISBN 3-931426-85-8 (= Band 20 der Reihe Thüringen gestern & heute, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regiolinegeo/thueringen/article130088991/Buergerrechtler-und-Musiker-Siegfried-Geissler-gestorben.html
  2. http://www.insuedthueringen.de/lokal/suhl_zellamehlis/suhl/Siegfried-Geissler-stand-fuer-eine-ganze-Epoche;art83456,3486081
  3. http://www.gesellschaft-zeitgeschichte.de/obere-navigation/aktuelles/anzeige-gfz-news/article/siegfried-geissler-buergerrechtler-und-musiker-verstorben/
  4. Holger Zürch: Der Eklat auf der Wartburg. S. 175-178 in: Holger Zürch: Thüringens Gründerjahre. Gespräche mit Thüringer Abgeordneten über ihre Zeit im Landtag zwischen 1990 und 1999. Erfurt 2004, ISBN 3-931426-85-8 (= Band 20 der Reihe Thüringen gestern & heute, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen)
  5. Freitagssalon mit Siegfried Rudolf Geisler
  6. S. 13 in: Archive in Thüringen, Mitteilungsblatt 2009 (pdf)