Sun Diego

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Sun Diego (2011)

Sun Diego[1] (* 17. März 1989[2][3] in Czernowitz, Ukrainische SSR, Sowjetunion; heute Ukraine, bürgerlich Dmitrij Aleksandrovic Chpakov[4][5]), ist ein deutscher Rapper ukrainisch-jüdischer Herkunft,[6] der vor allem durch seine Aktivitäten als Battle-Rap-Künstler Bekanntheit erlangte.

Zeitweise war sein Auftreten unter dem Künstlernamen SpongeBOZZ an die Zeichentrickfigur SpongeBob Schwammkopf angelehnt und er vermischte diese mit Motiven des Gangsta-Raps.[7] Dabei rappte er mit verstellter Stimme, die der Stimme SpongeBobs ähneln sollte. Seit Anfang 2018 tritt Chpakov wieder hauptsächlich unter seinem aktuell genutzten Künstlernamen Sun Diego auf, wobei er unter diesem Namen mit seiner natürlichen Stimme rappt.[4]

Leben

Kindheit und Jugend

Dmitrij Aleksandrovic Chpakov wurde am 17. März 1989 in Czernowitz geboren, das damals noch zur Ukrainischen SSR gehörte. Seine Mutter war Berufsmusikerin, seinen Vater, laut Chpakovs Angaben ein Alkoholiker, hatte er nie kennen gelernt. 1992 floh seine Mutter zusammen mit ihm und seiner Großmutter von der Ukraine nach Deutschland. Zunächst kamen sie nach Berlin, zogen dann aber in ein Flüchtlingsheim in Osnabrück. 1993 zogen sie nach Osnabrück-Eversburg, nachdem seine Mutter eine Beziehung zu einem ehemaligen jugoslawischen Militär, der unter anderem als Drogendealer in Erscheinung trat, aufgenommen hatte. Die Beziehung war von Gewalt geprägt.[8] Chpakov selbst begann ins kriminelle Milieu einzusteigen. Nachdem er die Schule abgebrochen hatte, beging er zusammen mit einer Jugendbande Handybetrug in Verbindung mit Identitätsdiebstahl im großen Stil.[9]

Beginn der Hip-Hop-Karriere

Im Dezember 2004 trat Chpakov sein erstes Battle in der Reimliga Battle Arena unter dem Namen „Capri_Sonne“ an, welches jedoch nicht gewertet wurde.[10] Insgesamt gewann er neun von 20 Battles.[11][12] Im Juli 2008 gründeten Chpakov und Johann Weber, der als John Webber auftritt das Musiklabel Moneyrain Entertainment. Beide veröffentlichten im gleichen Jahr das Ruski Tape durch das sie geringe Bekanntheit erlangten.[13] Der Rapper Kollegah, mit dem Dmitrij seit der RBA eine Online-Freundschaft verband[14], holte ihn auf Selfmade Records zweiten Sampler Chronik 2 (2009). Sun Diego übernahm den Gastpart auf dem Lied G's sterben jung. Im Dezember desselben Jahres übernahm er erneut einen Gastpart auf Kollegahs Zuhältertape Volume 3.[15] Die Aufnahmen zu Bossaura fanden in Sun Diegos Heimatstadt Osnabrück statt. Zuvor richteten sich Kollegah und er ein gemeinsames Studio ein.[16]

Als SpongeBozz

Sun Diego trat erstmals als Spongebozz im März 2013 in Erscheinung. In diesem Jahr nahm er am „JuliensBlogBattle“ teil und gewann den Wettbewerb im sogenannten „King-Finale“ gegen 4tune, welcher den Titel im Vorjahr erringen konnte.[17][18] Im November 2014 kündigte Chpakov sein erstes Studioalbum, das Planktonweed Tape, an.[19] Das Album sollte ursprünglich am 20. März erscheinen, jedoch wurde der Veröffentlichungszeitraum auf den 17. April 2015 verschoben.[18] Er gab an, die Aufnahmen aus gesundheitlichen Gründen pausieren zu müssen.[20] Planktonweed Tape erschien schließlich über das eigene Label Bikini Bottom Mafia am 17. April 2015. Am 28. April 2015 gab GfK Entertainment bekannt, dass Planktonweed Tape auf Platz eins der deutschen Charts eingestiegen ist.[21] Zwei Tage später gab der Rapper selbst bekannt, dass das Album aufgrund des Liedes A.C.A.B.(Akronym für All Cops are Bastards) von der BPjM indiziert werden soll.[22] Die Indizierung wurde am 30. September 2015 rechtskräftig.[23]

Am 9. Januar 2017 veröffentlichte Chpakov die Doppelsingle Started from the Bottom/Apocalyptic Infinity und kündigte sein zweites Studioalbum Started from the Bottom / KrabbenKoke Tape an, das schließlich am 9. Juni 2017 erscheinen sollte und Platz 2 der deutschen Charts erreichte. Ebenfalls bestätigte er die Gerüchte, dass es sich bei der Kunstfigur Spongebozz um Sun Diego handelte.

Nach SpongeBozz

Im Oktober 2017 wurde seine Privatwohnung und sein Tonstudio im Auftrag von Zoll und Finanzamt durchsucht. Chpakov hatte jahrelang keine Steuererklärung abgegeben. Bei der Razzia wurden unter anderem Drogen und Schusswaffen entdeckt.[24]

Im Januar 2018 kündigte Chpakov seine Biographie Yellow Bar Mitzvah – die sieben Pforten vom Moloch zum Ruhm an, welche Ende Februar 2018 erschien und von ihm zusammen mit Dennis Sand geschrieben wurde.[25] Zur Promotion des Buches ging er auf Signierstunden in den fünf deutschen Städten Berlin, Köln, München, Stuttgart und Dortmund.[26] Das Buch erreichte in der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch (Hardcover) Platz 2 und blieb insgesamt neun Wochen in den Top 50.[27]

Im April 2018 veröffentlichte er das Lied Eloah mit dem er erstmals in die Top 10 der deutschen Singlecharts einsteigen konnte. Es handelte sich dabei um den ersten Song unter seinem alten Alias-Namen, der die deutschen Charts erreichte.[28] Es folgte Rock Me Amadeus auf Platz 71, eine Falco-Interpretation von der Hip-Hop-Kompilation Sterben um zu leben, ein Tributalbum an den österreichischen Musiker. Am 22. Juni erschien seine Solosingle Hookah Kartell, die Platz 59 erreichte.

Am 29. Juni 2018 veröffentlichte Juri sein erstes Album Bratans aus Favelas über Chpakovs Label Bikini Bottom Mafia. Dort ist er auf mehreren Songs vertreten.

Identität

Im Laufe seiner anfänglichen Karriere als Battle-Rapper wurden Spekulationen aufgestellt, wer sich hinter dem Pseudonym SpongeBOZZ verberge. Dabei wurden Namen wie Kollegah, Sebastian Novak, Peter Fokin, BattleBoi Basti und Sun Diego genannt.[17] Unterstützt wird letztere These durch die Tatsache, dass es viele technische Parallelen im Rap von Sun Diego und SpongeBOZZ gibt. Des Weiteren trat Sun Diego seit Spongebozz’ Bekanntwerden nicht mehr öffentlich in Erscheinung und seine Facebook-Seite wurde entfernt.[17] Diese These wurde auch von Kollegah, welcher sein Album Bossaura mit Sun Diego produzierte, vertreten.

„Ich kenne SpongeBOZZ ja auch. Wir haben mal ein Album zusammen gemacht, ‚Bossaura‘. […] Blöd finde ich nur, dass er nicht langsam mal sagt: ‚Okay, ich bin’s, Sun Diego.‘“

Kollegah im Juice (#157)[29]

Kollegah wiederholte seine Stellungnahme über die Identität von SpongeBOZZ auf seinem Zuhältertape Volume 4 im Titel Genozid. Auch der Rapper John Webber, der in der Vergangenheit mit Sun Diego zusammengearbeitet hat, warf seinem Ex-Partner vor, Spongebozz zu sein und veröffentlichte einen Diss-Track gegen ihn.[30]

Es bestand auch die Hypothese, dass SpongeBOZZ und sein häufig auftretender Rappartner Patrick Bang dieselbe Person sind. Dies wurde jedoch von dem Künstler in seiner Autobiografie widerlegt.

Die Single Started from the Bottom/Apocalyptic Infinity seines 2017 erschienenen Albums Started from the Bottom/KrabbenKoke Tape bestätigte indirekt, dass Spongebozz Sun Diego ist, da er den letzten Teil der Single mit unverstellter Stimme rappt und auf Kollegah eingeht, der zuvor gegen Sun Diego verbal geschossen hatte. Ein weiterer Disstrack mit dem Titel Napoleon Komplex gegen PA Sports wurde im Mai 2017 veröffentlicht, wo er erneut auf Aussagen von PA Sports gegen Sun Diego einging. Diese Lieder fanden jeweils Payback #forsundiego in ihren Titeln, wodurch kein Zweifel mehr an seiner Identität blieb. Zwischenzeitlich veröffentlichte er auch Interviews, in denen er als Sun Diego über SpongeBOZZ berichtete.[31]

In der Single Yellow Bar Mitzvah reagiert SpongeBOZZ auf Kollegahs Aussage im Titel Genozid. Während Kollegah Sun Diego als zu schüchtern und zu androgyn für Rap bezeichnet, weswegen er sein [eigenes] Idol disst und dabei ein Schwammkostüm trage, würde Sun Diego Kollegah in ebendiesem Kostüm ficken.

Er ist mittlerweile gut mit Julien Sewering, dem Organisator von Juliens Blog Battle befreundet[32], welcher ursprünglich für den Großteil der negativen Kritik an Sun Diegos Verwendung von Autotune verantwortlich war. Diesen Effekt kritisierte er in seinen „Rapanalysen“ zu Kollegahs Album Bossaura als auch an einer Analyse zu Sun Diego selbst stark.

Dimitri Chpakov ist einer der wenigen jüdischen Rapper aus Deutschland und war vor allem am Beginn seiner Rapkarriere mit Antisemitismus konfrontiert. Heute unterhält er Verbindungen zu den arabischen Clans um Salah Saado und Ali Al-Zein. Auf diese Verbindung spielt er unter anderem auch in einem Disstrack gegen PA Sports an.[31][33]

Image, Rapstil und Erfolg

In seinen Musikvideos trägt SpongeBOZZ ein SpongeBob-Kostüm mit aufgenähter Sonnenbrille und spielt in seinen Texten häufig auf die Fernsehserie an.[34] Diese Anspielungen vermischt er dabei häufig mit dem Rapperjargon (zum Beispiel Planktonweed oder Krabbenkoke). Auch die Stimme ist für SpongeBOZZ charakteristisch, da er den Serienfiguren nachempfunden ist. Auch das Auftreten von seinem BBM (Bikini-Bottom-Mafia)-Kollegen Patrick Bang (eine Anspielung auf Patrick Star und Farid Bang) ist eine Anlehnung an die Kinderserie.[34] Seit dem Musikvideo „Started from the bottom“ im Januar 2017 verstellt Spongebozz seine Stimme nicht mehr zu jeder Zeit, sondern rappt auch häufiger mit seiner unverstellten Stimme. Auch trägt er nicht mehr durchgehend sein Kostüm, sondern ersetzt dieses häufiger durch ein gelbes Bandana mit verschiedenen Mustern.

Weitere Charakteristiken im Rapstil von SpongeBOZZ sind laut N24 der Gebrauch von „mehrsilbigen Reimketten, treffsichere Punchlines, eine taktgenaue Flowvariation“, sowie die Verwendung von „sauberen Tripletimes.“[18]

Dennis Sand beschreibt den Rapper in einem Artikel der Welt als eines der populärsten Internetphänomene auf der Video-Plattform YouTube, was er unter anderem an der Kostümierung des Rappers festmacht.[34] Er schreibt, dass seine Musikvideos auf YouTube millionenfach angesehen und sein Album in der Vorverkaufsphase so häufig geordert werde, dass er keine Zweifel daran habe, dass das Album auf Anhieb in den Albumcharts landen wird.[34] Laut yaez führte das Album Planktonweed Tape wochenlang sämtliche Vorverkaufslisten in mehreren verschiedenen Handelsmärkten an. Innerhalb der Rapszene ist die Stellung gegenüber Sun Diego aus vielen Gründen zwiegespalten.[29]

Diskografie

Studioalben

Literatur

Biografie

  • Sun Diego, Dennis Sand: Yellow Bar Mitzvah: Die sieben Pforten vom Moloch zum Ruhm. 2018, ISBN 978-3-7423-0571-8, S. 224.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dennis Sand: Ein rappender Schwamm führt deutschen Hip-Hop vor. Artikel vom 10. April 2015 im Portal welt.de, abgerufen am 26. Dezember 2015
  2. Sun Diego: Vom gehassten Autotune-Rapper zum Battle-King SpongeBozz, Artikel auf hiphop.de vom 15. Januar 2017, abgerufen am 12. Juni 2017
  3. Sun Diego auf Instagram: „Das Eine verliert neben dem Anderen plötzlich an Wert... konzentriert euch auf die wichtigen Dinge im Leben #bbm #lafamilia“. Abgerufen am 11. Oktober 2018.
  4. a b Warum Sun Diego der beste Rapper ist, den Deutschland derzeit hat, Artikel von welt.de vom 12. Juni 2017, abgerufen am 12. Juni 2017
  5. Personaldokumente abgedruckt in Sun Diego, Dennis Sand: Yellow Bar Mitzvah: Die sieben Pforten vom Moloch zum Ruhm. 2018, ISBN 978-3-7423-0571-8, S. 160–161.
  6. Dmitrij Kapitelman: SpongeBOZZ: "Ich bin halt ein Judenrapper, mein Gott". In: Spiegel Online. 11. März 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  7. http://www.rappers.in/de/Spongebozz%20–%20Planktonweed-1846_Review.html
  8. Sun Diego, Dennis Sand: Yellow Bar Mitzvah: Die sieben Pforten vom Moloch zum Ruhm. 2018, ISBN 978-3-7423-0571-8, S. 23–48.
  9. Sun Diego, Dennis Sand: Yellow Bar Mitzvah: Die sieben Pforten vom Moloch zum Ruhm. 2018, ISBN 978-3-7423-0571-8, S. 49–74.
  10. DirtyYAX vs. Capri_sonne ( : ). In: RBA. 24. Dezember 2004. Archiviert vom Original am 14. April 2018. Abgerufen am 14. April 2018.
  11. Battleübersicht von Capri_sonne. In: RBA. Archiviert vom Original am 14. April 2018. Abgerufen am 14. April 2018.
  12. Battleübersicht von ninetyniner. In: RBA. Archiviert vom Original am 14. April 2018. Abgerufen am 14. April 2018.
  13. Sun Diego - Ruski Tape. In: YouTube. 2008. Abgerufen am 14. April 2018.
  14. Dennis Sand, Sun Diego: Yellow Bar Mitzwah- Die sieben Pforten vom Moloch zum Ruhm. 1. Auflage. Riva, ISBN 978-3-7423-0571-8, S. 224.
  15. Jonas Lindemann: Kollegah: Wie damals die Zusammenarbeit mit Sun Diego zustande kam. In: Hip-Hop.de. 19. Januar 2016. Abgerufen am 14. April 2018.
  16. 16bars.de: Interview: Kollegah über „Flex, Sluts, Rock ’n’ Roll“. Abgerufen am 6. September 2011.
  17. a b c Laut.de: SpongeBozz
  18. a b c N24: SpongeBozz: Ein böser Schwamm greift nach der Rap-Herrschaft
  19. Spongebozz: “Planktonweed” (Artikel). In: Pusha TV. 7. November 2014. Abgerufen am 14. April 2018.
  20. Saskia Meister: HipHop.de: SpongeBOZZ verschiebt Release Date von „Planktonweed Tape“
  21. GfK Entertainment: SpnogeBOZZ rappt sich auf Platz eins der Album-Charts
  22. Yannick Levante: HipHop.de: Nummer-1-Album von SpongeBozz soll indiziert werden
  23. BAnz AT 30.09.2015 B5
  24. Waffen bei Sun Diego in Studio gefunden. Welt.de, 25. Februar 2018, abgerufen am 4. Juli 2018.
  25. Sun Diego aka SpongeBozz kündigt Biographie an. In: Rap.de. 25. Januar 2018. Abgerufen am 14. April 2018.
  26. Ohne Maske – Sun Diego geht auf große Buch-Tour. In: Raptastisch. 22. Februar 2018. Abgerufen am 14. April 2018.
  27. Diego, Sun; SpongeBOZZ; Sand, Dennis: Yellow Bar Mitzvah. Buchreport, abgerufen am 4. Juli 2018.
  28. Sun Diego – Eloah. In: Offizielle Charts. GFK Entertainment. 13. April 2018. Abgerufen am 14. April 2018.
  29. a b Skinny: Rap.de: SpongeBozz: Rapskillz vs. Kinderverarsche (Kommentar)
  30. MRS: John Webber ► HIT EM’ UP ◄ | prod. by J.Boger. 11. September 2016, abgerufen am 8. Oktober 2016.
  31. a b Clark Senger: Sun Diego exklusiv: SpongeBozz’ Entstehung, JBB, Manuellsen, Beef mit Elvir, Kollegah & PA Sports (Interview). Hiphop.de, 26. Juni 2017, abgerufen am 23. Dezember 2017.
  32. David Molke: Exklusiv: Sun Diego über seinen Beef mit Selfmade-Boss Elvir Omerbegovic. In: Hiphop.de. 24. Juni 2017 (hiphop.de [abgerufen am 25. Juni 2017]).
  33. Sun Diego droht PA Sports mit Großfamilie: Flucht nach Holland? Gleiche Agentur wie Kollegah? Spit-tv, 23. Mai 2017, abgerufen am 23. Dezember 2017.
  34. a b c d Dennis Sand: Die Welt: SpongeBOZZ: Rappender Schwamm führt deutschen Hip-Hop vor