St. Eduard (Berlin)

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St. Eduard
Turm, Giebel und Pfarrhaus

Turm, Giebel und Pfarrhaus

Baubeginn: 14. Oktober 1906
Einweihung: 13. Oktober 1907
Architekt: August Kaufhold
Stilelemente: Nachwirkung des Historismus, Anklänge an Beginnende Moderne
Bauherr: Kirchengemeinde von St. Clara
Turmhöhe:

50 m

Lage: 52° 27′ 57,1″ N, 13° 26′ 8,1″ OKoordinaten: 52° 27′ 57,1″ N, 13° 26′ 8,1″ O
Anschrift: Kranoldstraße 23
Berlin-Neukölln
Berlin, Deutschland
Zweck: katholisch Gottesdienst
Pfarrei: Katholische Pfarrei St. Clara
Bistum: Erzbistum Berlin
Webseite: www.sankt-clara.de

Die 1907 eingeweihte katholische St.-Eduard-Kirche im Berliner Ortsteil Neukölln des gleichnamigen Bezirks, deren Schutzpatron der heilige Eduard der Bekenner ist, steht unter Denkmalschutz. Mit der Wahl des Kirchennamens wird zugleich die Erinnerung an den katholischen Theologen und Politiker Eduard Müller, den „Apostel Berlins“, wachgehalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Zahl der Katholiken im Pfarrgebiet von St. Clara – um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wohnten dort ca. 20.000 Gläubige – erforderte den Bau einer weiteren Kirche. Am 6. April 1904 beschloss der Kirchenvorstand von St. Clara, diese am Kranoldplatz zu errichten. Zur Erinnerung an Eduard Müller, den verstorbenen Apostel Berlins, Missionsvikar und Generalpräses katholischer Vereine, wurde das neue Gotteshaus zugleich eine Eduard-Müller-Gedächtniskirche. Zahlreiche katholische Vereine, wie der St.-Eduard-Meisterverein und der St.-Eduard-Gesellenverein, trugen zu deren Ausstattung bei. Ersterer stiftete den aus Sandstein gefertigten Hochaltar und die Kanzel, letzterer die Statue des Christus mit den Kindern.

Die St.-Eduard-Gemeinde wurde bereits am 23. September 1905 gebildet, nachdem zuvor in einem Haus in der Rudower Straße Gottesdienste stattfanden. Am 1. April 1906 wurde St. Eduard zur Kuratie, 1924 zur Pfarrei erhoben. 1934 wurde die Schutzengel-Gemeinde Britz aus der Pfarrei St. Eduard ausgegliedert. Im Zweiten Weltkrieg erlitten der Turm und das Dach der Kirche starke Schäden, die bis 1957 beseitigt werden konnten. Die ursprünglichen Fenster wurden in den Kriegsjahren nach Schlesien ausgelagert und sind seitdem verschollen.

Im 21. Jahrhundert verlor die St.-Eduard-Gemeinde auf Grund der finanziellen Situation im Erzbistum Berlin ihren Status als Pfarrei; am 1. Mai 2004 fand die Pfarrfusion mit der Mutterpfarrei St. Clara statt. St. Eduard bleibt Gottesdienststelle im Pfarrgebiet von St. Clara.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Giebel des Kirchenschiffs ist aus der Baulinie zurückgesetzt und daher vom Kranoldplatz aus nicht zu sehen. Das später gebaute Wohnhaus an der Kranoldstraße 24 Ecke Bendastraße verdeckt ihn. Das Langhaus der Basilika besteht aus einem kurzen Hauptschiff und zwei niedrigen Seitenschiffen. Es wird unmittelbar vor dem Chor von den Querschiffen gekreuzt, die nicht über die Seitenschiffe hinaus fluchten. Die dadurch entstandene Vierung vor dem Chor und die abgetreppt eingezogene Apsis gehören zu dem für Laien vorgesehenen Raum, ein vom Architekten bevorzugtes Baumotiv. Auch die Seitenschiffe enden neben dem Chor in einer Apsis, in der sich jeweils Kapellen befinden.

Beim Innenraum klingt bereits die beginnende Moderne durch Vereinfachung der historischen Elemente an, während beim Außenraum, der in die umgebende Blockrandbebauung eingefügt ist, bei Material und Form der Historismus nachwirkt. Der Gebäudekomplex, ein Mauerwerksbau, ist teilweise mit roten Ziegeln verblendet ansonsten verputzt. Das Erdgeschoss ist zum Teil in Bossenvermauerung ausgeführt. Das Kirchenschiff ist außen durch Wandvorlagen gegliedert.

Das Langhaus hat bis zur Vierung drei Joche, ein weiteres dahinter im Bereich des Chores. Das Hauptschiff und die Seitenschiffe sind mit Kreuzgewölben überspannt, ebenso die Vierung und die Seitenschiffe. Der Obergaden hat je Joch drei Bogenfenster, in den Seitenschiffen sind es nur zwei. Den Giebel der Querschiffe zieren Fensterrosen. Mit der versachlichten Formbildung der Pfeiler und ihrer Kapitelle, der Gurtbögen und des Frieses mit Zick-Zack-Muster kündigen sich die Tendenzen der zwanziger Jahre an.

Turm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchturm mit einem quadratischen Grundriss ist seitlich des rundbogigen Portals in die Fassade eingefügt. Auf der anderen Seite steht das Pfarrhaus in geschlossener Bebauung. Der schlichte, verklinkerte Turmschaft hat in jedem Geschoss nur kleine Bogenfenster, im vierten befindet sich eins innerhalb eines verputzten Feldes, das mit einem Bogenfries abschließt. Im Glockengeschoss sind die Schallöffnungen als Arkaden ausgebildet, über die sich ringsum verputzte Dreiecksgiebel mit zwei weiteren kleinen Öffnungen anschließen. Darüber erhebt sich ein spitzer Helm in Form eines oktogonalen Zeltdaches. Im Turm hängt eine 926 kg schwere Bronzeglocke, die 1907 von der Glockengießerei Otto hergestellt wurde. Ihre Höhe beträgt 100 und ihr Durchmesser 120 cm. In der Schulter ist sie mit einem Anthemionfries verziert, darunter ein Perlenband. Ihre Inschrift lautet: „+ GESCHENK DER STADT RIXDORF 1907 +“, auf der gegenüberliegenden Seite: „+ ST. RICHARDUS +“.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in das Innere

In der Gruft unter einer Seitennische befindet sich seit dem 13. Oktober 1920, dem St.-Eduard-Fest, eine Tumba für Eduard Müller. Seine Gebeine wurden vom St.-Hedwig-Friedhof in die St-Eduard-Kirche übergeführt, um für ihn dort eine Stätte der Verehrung zu schaffen. 1966 wurden aus dem schadhaft gewordenen Metallsarg die sterblichen Überreste Eduard Müllers in einen neuen Eichensarg umgebettet. Zu seinem 150. Geburtstag wurde die Gruft umgestaltet.

1961 wurde eine hölzerne Statue des Kirchenpatrons, des Heiligen Eduard, an einem Pfeiler, ein Jahr später die des Heiligen Bruder Konrad neben der Tür zum Pfarrhof aufgestellt, beide geschaffen von Paul Brandenburg.

Entsprechend der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde der Altarraum bis zum Kanzelpfeiler vergrößert. Ein von Paul Brandenburg entworfener Volksaltar wurde aufgestellt, ferner ein neuer Ambo und neue Sedilien. Der alte Hochaltar mit der Kreuzigungsgruppe und die Kanzel blieben erhalten. 1971 wurde die Kirche renoviert und sie erhielt neue Beichtstühle und Beichtzimmer in den Seitenschiffen. Neben der Eingangshalle befinden sich zwei Kapellen, die eine ist mit einer Statue dem Heiligen Antonius, die andere mit einem Marienbildnis in der Art einer Ikone der Maria gewidmet. Von Paul Brandenburger wurde 1977 eine bronzene Madonnenstatue am linken vorderen Pfeiler aufgestellt. 1981 gestaltete der Künstler auch das Taufbecken um. 1982 wurde die Ausstattung des Altarraums durch einen Osterleuchter, ein Legile zur Ablage des sonntäglichen Evangeliars und eine neue Halterung für das Ewige Licht ergänzt. Zum Patronatsfest am 13. Oktober 1995 wurde an der Außenwand des Turmes links neben dem Portal eine Gedenktafel für Eduard Müller angebracht.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steinmeyer-Orgel (1919)

Die Orgel der St.-Eduard-Kirche wurde 1919 als Opus 1276 der Oettinger Orgelbaufirma Steinmeyer erbaut. Sie befindet sich auf der Empore über dem Kircheneingang.

Im Zuge einer Generalüberholung erfuhr das Instrument im Jahr 1969 eine klangliche Umgestaltung im neubarockisierenden Stil durch den Berliner Orgelbauer Arndt Stephan. Neben der Dispositionsänderung erfolgte eine Elektrifizierung der pneumatischen Traktur, und das Instrument erhielt einen neuen Spieltisch.

Im Jahr 2012 wurde das Instrument durch die Firma W. Sauer Orgelbau instand gesetzt.[1]

Das Taschenladen-Instrument mit elektrischer Spiel- und Registertraktur verfügt heute über 29 Register und eine Transmission, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind Die Disposition der Orgel lautet seit 1969 wie folgt:[1]

I Hauptwerk C–g3
01. Bordun 16′ (Holz)
02. Prinzipal 08′
03. Spitzflöte 08′
04. Gedackt 08′
05. Oktave 04′
06. Rohrflöte 04′
07. Nassat 0223
08. Waldflöte 02′
09. Mixtur IV 02′
10. Zimbel III 012(2)
11. Trompete 0 8′ (Zinkbecher)
II Schwellwerk C–g3
12. Hornprinzipal 8′
13. Quintatön 8′
14. Lieblich Gedackt 8′ (Holz)
15. Jubelflöte 8′
16. Geigenprinzipal 4′
17. Traversflöte 4′
18. Sesquialter II
19. Oktave 2′
20. Piccolo 2′
21. Quinte 113′ ab c0 (2)
22. Scharff IV 1′ (2)
23. Klarinette 8′ (durchschlagend)
Tremulant
Pedal C–f1
24. Kontrabass 16′
25. Subbass 16′
Zartbass 16′ (1)
26. Oktavbass 08′ (im Prospekt)
27. Gedacktbass 08′ (Holz)
28. Flötbass 04′
29. Posaune 16′ (Holzbecher)

________________

(1) Transmission aus HW (Bordun)
(2) neu 1969 von Arndt Stephan

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adalbert Jurasch (Bearb.): 1907–2007. 100 Jahre St. Eduard. Eduard-Müller-Gedächtniskirche Berlin-Neukölln. Berlin 2007.
  • Christine Goetz, Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam. Wiechern, Berlin 2003, ISBN 3-88981-140-X.
  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Teil VI: Sakralbauten. Berlin 1997, ISBN 3-433-01016-1.
  • Gerhard Streicher, Erika Drave: Berlin – Stadt und Kirche. Morus, Berlin 1980, ISBN 3-87554-189-8.
  • Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West). Geschichte und Inventar. Gebr. Mann, Berlin 1987, ISBN 3-7861-1443-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St.-Eduard-Kirche (Berlin-Neukölln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Detaillierte Informationen zur Orgel, organindex.de, abgerufen am 12. Januar 2018.