Stalingrad (1993)

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Filmdaten
OriginaltitelStalingrad
Stalingrad 1993.svg
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1993
LängeKinofassung:[1]
132 Minuten
Langfassung:[1]
138 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[2]
Stab
RegieJoseph Vilsmaier
DrehbuchJürgen Büscher
Johannes Heide
Joseph Vilsmaier
ProduktionHanno Huth,
Günter Rohrbach
MusikNorbert Jürgen Schneider
KameraRolf Greim
Klaus Moderegger
Peter von Haller
SchnittHannes Nikel
Besetzung
Synchronstimme: Michael Mendl

Stalingrad ist ein deutscher Anti-Kriegsfilm aus dem Jahr 1993. Thematischer Hintergrund ist die Schlacht von Stalingrad Ende 1942/Anfang 1943 aus der Sicht eines deutschen Sturmpionier-Bataillons. Regie führte Joseph Vilsmaier. Der Film startete am 21. Januar 1993 in den deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Films sieht man Soldaten einer Sturmpionier-Einheit, die gerade vom Afrikafeldzug gekommen sind und sich in Italien auf Fronturlaub entspannen. Ihre Einheit ist an die Ostfront versetzt worden, um dort bei der Einnahme von Stalingrad zu helfen. Auf der Zugfahrt dorthin wird noch gescherzt: „Dann hauen wir dem Iwan eine aufs Fell. So ’ne lumpige Stadt, die nehmen wir doch in drei Tagen.“

In Stalingrad selbst zeigt sich jedoch ein anderes Bild als in der Propaganda. In der fast zerstörten Stadt bleibt der Vormarsch der Landser im erbitterten Häuserkampf stecken. Die Versorgung wird zunehmend schlechter, die Moral ist am Boden. Hier kommt es zudem zum ersten Zusammentreffen mit dem linientreuen Hauptmann Haller, der sich als fanatischer Nazi entpuppt und den Sturmpionieren mit Verachtung begegnet. Bei der Einnahme eines Fabrikgebäudes kommt es zu einem Unglück. Der Landser Feldmann springt von einer Treppe, wodurch sich ein Schuss aus seiner Waffe löst, der den Soldaten der Roten Armee die Position des deutschen Vorstoßes verrät. Dieser wird daraufhin unter Feuer genommen und erleidet hohe Verluste. Unter Opferung seines eigenen Lebens kann Feldmann mit einer Handgranate das feindliche MG-Nest ausschalten.

Der junge Leutnant Hans von Witzland, erst von seinen Kameraden belächelt, behauptet sich und handelt gegen jede Order einen Waffenstillstand aus. Die Bergung von Toten und Verwundeten scheitert jedoch an einem fanatischen deutschen Soldaten, der das Feuer eröffnet, als er einen Angriff der sowjetischen Seite vermutet. Ein sowjetischer Junge, der eine Handgranate werfen wollte, wird von den Deutschen gefangen genommen. Die Soldaten bekommen am Tag nach diesem Gefecht ihre Post und werden darin mit den Problemen aus der Heimat konfrontiert: Fremdgehen einer Frau mit einem Kriegsgefangenen, Diebstähle auf dem heimischen Bauernhof, schwangere Ehefrauen.

Bei einem sowjetischen Angriff auf ihren Unterschlupf versuchen die Sturmpioniere über die Kanalisation zu fliehen. Eine sowjetische Soldatin, die dort vom Leutnant gefangen genommen wird, gibt vor, ihm einen Weg heraus zeigen zu wollen, wenn er sie anschließend frei lässt, stößt ihn dann jedoch ins Wasser und kann entkommen. Bei einem Feuergefecht wird einer der Landser am Bein getroffen und schwer verletzt. Es gelingt den Kameraden, ihn bis in ein Lazarett zu tragen, wo jedoch völlig chaotische Zustände herrschen. Das Lazarett besteht aus nur einem Raum, überfüllt mit Verwundeten und Sterbenden, ohne ausreichende Versorgung. Mit vorgehaltener Waffe versucht der Obergefreite Fritz Reiser eine Behandlung seines Kameraden zu erzwingen, welcher aber kurz darauf stirbt. Hauptmann Haller bemerkt die Szene und verhaftet den kleinen Trupp. Einer Erschießung können die Soldaten nur entgehen, weil General Hentz, bei dem Leutnant von Witzland vorsprechen kann, dessen hochrangigen Onkel kennt. Sie werden in ein Strafbataillon versetzt. Bei eisiger Kälte und Hungerrationen müssen sie im gefrorenen Boden nach Minen suchen und diese entschärfen. Hier treffen sie auf den äußerst zynischen Soldaten Otto, der anders als sie, seit Beginn des Krieges an der Ostfront kämpft und diese mittlerweile als sein Zuhause bezeichnet. Doch schon bald werden die Frontkämpfer knapp. Die Soldaten aus dem Strafbataillon werden wieder in den normalen Dienst gestellt, um einen Ausbruch aus dem Kessel vorzubereiten. Dafür wird ihnen die Rehabilitation versprochen. Die Einheit gräbt sich an einer strategisch wichtigen Position ein und bereitet sich auf den Angriff der Sowjets vor. Wenig später nähert sich sowjetische Infanterie der deutschen Stellung, unterstützt von mehreren T-34-Panzern. Es kommt zu einem gnadenlosen Gefecht. Trotz waffentechnischer Unterlegenheit gelingt es den Deutschen unter hohen Verlusten, mit nur einem Geschütz, MGs und Haftminen alle Panzer und gegnerischen Soldaten auszuschalten. Die Überlebenden ziehen sich zu einem Sammelpunkt zurück, den sie völlig erschöpft erreichen.

Hier kommt es zu einer Schlüsselszene im Film: Hauptmann Haller lässt alte Männer und Kinder erschießen, die angeblich Saboteure sein sollen. Auch der gefangen genommene Junge ist bei den Opfern. Die Pioniere weigern sich zu schießen, aber der Hauptmann droht, jeden direkt neben die „Saboteure“ zu stellen, der sich weigert. Letztendlich verübt jeder einzelne der Soldaten das Kriegsverbrechen. Daraufhin desertieren der Leutnant, Reiser und Müller gemeinsam. Ihr Ziel ist der Flugplatz Pitomnik. Von dort sollen angeblich noch Flugzeuge starten und man hofft, auf diese Weise entkommen zu können. Auf dem Weg dorthin finden sie einen verlassenen Verbandsplatz der Wehrmacht vor. Von den Leichen gefallener Soldaten übernehmen sie die Wundzettel (auf denen noch die Unterschrift des Arztes lesbar ist) und legen sich selbst Verbände an, da sie darauf hoffen, dass sie als vermeintliche Verwundete eine größere Chance haben, ausgeflogen zu werden.

Am Flugplatz angekommen, müssen sie jedoch feststellen, dass sie nicht die Einzigen sind, die auf eine Evakuierung per Flugzeug hoffen. Dank der zuvor besorgten Wundzettel und der angelegten Verbände hält man die drei allerdings tatsächlich für Verwundete und sie erhalten Zugang zum Rollfeld des Flugplatzes. Andere Soldaten, die frische Verletzungen und keine Wundzettel haben, werden ohne lange Diskussionen erschossen, da man ihnen Selbstverstümmelung vorwirft. Auf dem Rollfeld drängen sich hunderte Soldaten, jedoch befindet sich dort nur noch ein einziges Transportflugzeug. Es kommt zu tumultartigen Szenen und Warnschüssen, als die verzweifelten Soldaten massenhaft versuchen, die JU 52 zu erreichen und sich einen Platz an Bord zu sichern. Nachdem einige hochrangige Offiziere das Flugzeug besteigen, setzt sich dieses in Bewegung und lässt alle übrigen Soldaten zurück, darunter auch die drei Deserteure. Sie resignieren nach diesem Erlebnis und beschließen, zu ihren verbliebenen Kameraden zurückzukehren, welche sie in ihrer alten Baracke auch antreffen. Von einer kämpfenden Einheit ist nichts mehr vorhanden, Hauptmann Musk verliert durch die Kälte sogar sein rechtes Bein.

Kurz darauf wird von einem Transportflugzeug per Fallschirm eine Versorgungskapsel abgeworfen, die in der Nähe der Baracke landet. Die Männer beobachten dies und bedienen sich aus der Kapsel, welche mit Lebensmitteln wie Scho-Ka-Kola und Orden mit „Gruß vom Führer“ gefüllt ist. Hauptmann Haller bemerkt die Szene. Er zieht seine Pistole und versucht, das „Plündern“ zu verhindern. Von Witzland geht langsamen Schrittes auf den Hauptmann zu, welcher eindeutig völlig wahnwitzige Vorstellungen über die aktuelle Lage der 6. Armee hat, um diesen zu entwaffnen. Als der Hauptmann seine Waffe hochreißt, feuert Rohleder mit seiner MP40 eine kurze Salve ab, die den Hauptmann schwer verletzt. Als dieser zu Boden fällt, feuert er einen Schuss auf die kleine Gruppe ab und trifft Müller tödlich, dem Reiser nicht mehr helfen kann. Otto erschießt daraufhin den um Gnade bettelnden Hauptmann, der in Todesangst den Weg zu seinem Versteck verrät.

Im Versteck angekommen, entdecken sie verschwenderischen Luxus mit reichlich Vorräten aller Art. Dort finden sie auch die sowjetische Soldatin aus der Kanalisation wieder, gefesselt an ein Bett, Spuren von Misshandlungen sind deutlich. Die Soldaten beschließen, sie nacheinander zu vergewaltigen. Der Leutnant als Ranghöchster darf anfangen. Die verzweifelte junge Frau hält dem jungen Leutnant den Spiegel vor. Von Witzland muss einsehen, dass sein Vorhaben und seine Existenz jämmerlich sind. Der Leutnant, psychisch endgültig am Ende, überlässt der Russin seine Pistole, damit diese sich erschießen kann. Sie bringt es nicht über sich. Auch die anderen Soldaten verzweifeln nach einer kurzen Phase des durch den unerwarteten Luxus ausgelösten Hochgefühls.

In der nachfolgenden Szene wird die Kapitulation von General Hentz gezeigt: Der phantasierende Hauptmann Musk will zurück an die Hauptkampflinie. Als Rohleder sich diesem Wunsch anschließt, beginnt Otto hämisch zu lachen und erschießt sich selbst. Rohleder trägt den verkrüppelten Hauptmann aus dem Keller. Vor der Tür sinken beide zu Boden, Musk stirbt, Rohleder wird vom vorbeimarschierenden General Hentz entwaffnet und aufgefordert, mitzukommen. Ohne winterfeste Kleidung und mit starkem Husten schaut er dem Gefangenenzug eine Weile nach.

Leutnant von Witzland und der Obergefreite Fritz Reiser wollen nicht in Kriegsgefangenschaft nach Sibirien. Die Russin bietet ihre Hilfe bei der Flucht an. Sie ziehen zu dritt durch die endlosen Weiten der schneebedeckten Landschaft. Als sie sich einer sowjetischen Stellung nähern, versucht die Russin Kontakt aufzunehmen und verspricht, sich wegen ihrer Errettung bei den Sowjets für sie zu verbürgen. Sie wird jedoch tödlich getroffen, als man aus der Ferne das Feuer auf die drei eröffnet. Die deutschen Soldaten können noch ein letztes Mal fliehen.

In der letzten Einstellung des Films sieht man den Leutnant und Fritz Reiser im Schneesturm sitzen, wobei der Leutnant bereits liegt und den Kopf im Schoß Reisers liegen lässt. Sie haben aufgegeben. Dann hört man nur noch den Schneesturm und die Kamera zieht sich weiter von den Soldaten zurück, die immer mehr mit Schnee bedeckt werden. Reisers Kopf ist mittlerweile auf seine Brust nach vorne gesunken. Es wird ein Abschlusstext eingeblendet, dass in Stalingrad durch Beschuss, Kälte und Hunger über eine Million Menschen ihr Leben gelassen haben. Soldaten verschiedenster Nationen starben dort. Von den 260.000 Soldaten der 6. Armee gerieten 91.000 in Kriegsgefangenschaft, von diesen kehrten Jahre später nur noch 6.000 in die Heimat zurück.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Das mit großem Aufwand vor Augen geführte Kampfszenarium soll abschreckende Wirkung haben, aber die schwach konstruierte Handlung mit ihren stellenweise nicht sehr glaubhaften Zügen schadet dem Gesamteindruck. Als Antikriegsfilm gedacht, doch weitgehend vordergründig und trotz bemerkenswerter inszenatorischer Details nicht überzeugend.“

„Mit Stalingrad wurde ein deutscher (Anti-)Kriegsfilm wiederveröffentlicht, der mit kompromissloser Härte und realistischen Kampfszenen auch heute noch aufzuwühlen vermag. Die „plot holes“ der zweiten Hälfte des Films schmälern den Gesamteindruck des Films zwar ein wenig – nichtsdestoweniger überzeugt Stalingrad als ungeschminkter filmischer Beitrag zu einer der größten Schlachten des Zweiten Weltkriegs.“

filmempfehlung.com[4]

„Die historische Schlacht von Stalingrad als aufwändig inszeniertes Kriegsdrama. Obwohl der Film konsequent aus der Sicht einer Gruppe deutscher Landser erzählt wird, entpuppt er sich als reaktionäres Machwerk, das die Rolle der Wehrmacht und somit den Faschismus verharmlost. Und das, obwohl es der nach dem Originaldrehbuch geschriebene Roman von Christoph Fromm wirklich in sich hat.“

prisma-online[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bayerischer Filmpreis 1992 in den Kategorien Produzentenpreis, Cutterpreis und Kamerapreis
  • Jupiter 1994 in der Kategorie Bester nationaler Film
  • Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat wertvoll.

Fehler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porto Cervo ist der Hafen von Cervo in Ligurien in der Provinz Imperia, nicht zu verwechseln mit Porto Cervo auf Sardinien. In diesem kleinen Hafen, der sich hinter einer Steinmole befindet, liegen in der Regel aber nur einzelne kleine, ortsübliche Fischerboote.

Im Film sind Panzer vom Typ T34-85 zu sehen, welcher erst 1944 an die sowjetischen Truppen ausgeliefert wurde. Die eigentliche Schlacht von Stalingrad fand jedoch nur bis Februar 1943 statt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2001 erschien Duell – Enemy at the Gates, eine internationale Kino-Produktion mit deutscher Beteiligung, worin Teile der Schlacht mit mehr russischer Perspektive dramatisiert werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stalingrad (1993) - Vergleichsfassungen: Kinofassung/Arte-Langfassung. Schnittberichte.com. Abgerufen am 12. Januar 2016.
  2. STALINGRAD - Film: Drama, D, 1993. cinema.de. Abgerufen am 12. Januar 2016.
  3. Stalingrad. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  4. Die kompromisslose Härte und die realistischen Kampfszenen vermögen auch heute noch aufzuwühlen, filmempfehlung.com vom 13. 09. 2012
  5. Stalingrad prisma-online