Steag

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Steag GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 20. September 1937
Sitz Rüttenscheider Str. 1–3
45128 Essen
Leitung Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung
Mitarbeiterzahl 6.493 (2017)
Umsatz 3,6 Mrd. EUR (2017)
Branche Energie
Website www.steag.com

Die Steag (eigene Schreibweisen auch STEAG und steag, vom früheren Namen Steinkohlen-Elektrizität AG) mit Sitz in Essen ist der fünftgrößte deutsche Stromerzeuger; seine Gesellschafter sind seit 2014 das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr (KSBG).

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steag-Zentrale 2011

Die Steag betreibt acht Steinkohle- und ein Raffineriekraftwerk in Deutschland und hat drei Standorte im Ausland (in der Türkei, in Kolumbien und auf den Philippinen). Weiterhin stellt die Steag Strom in Industriekraftwerken und Anlagen zur dezentralen Energieversorgung her. Die installierte elektrische Gesamtleistung national und international beträgt rund 10.000 Megawatt. Die zweite Säule des Unternehmens sind Energiedienstleistungen, Fernwärme, erneuerbare Energien (Wind, Biomasse, Geothermie, Biogas) und Handel mit Kohle sowie CO2-Zertifikaten. Die Steag-Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017 mit 6.493 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,6 Milliarden € und ein EBITDA von 354,2 Millionen €.

Kraftwerksstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standorte von Großkraftwerken (diverse kleinere Anlagen sind nicht aufgeführt):

Kraftwerk Standort (Land, Ort) Primärenergieträger Installierte Bruttoleistung Nutzbare Energieabgabe Inbetrieb­nahme/
Erneuerung
Still­legung
Kraftwerk Bergkamen Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Bergkamen Steinkohle 780 MWel 3.520 GWh/a el
Kraftwerk Bexbach Deutschland, Saarland, Bexbach Steinkohle 773 MWel 1.787 GWh/a el 1983 2017 (geplant, jedoch derzeit Kaltreserve aufgrund von Systemrelevanz)
Kraftwerk Herne Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Herne-Baukau Steinkohle 500 MWel 2.501 GWh/a el 1962/63/1966/1989
Kraftwerk Leuna Deutschland, Sachsen-Anhalt, Leuna Raffineriegas und -öl, Erdgas 162 MW (davon 56 MWel äquivalent = 204 MWth) 558 GWh/a el + 282 GWh/a th
Kraftwerk Lünen Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Lünen Steinkohle 507 MWel 1.553 GWh/a el 2019 (2. März 2019)[1]
Kraftwerk Voerde Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde (Niederrhein) Steinkohle 2234 MWel 1971 Stilllegung am 31. März 2017
Kraftwerk Völklingen-Fenne Deutschland, Saarland, Völklingen-Fenne Steinkohle, Grubengas, Erdgas 466 MWel Zzgl. Grubengasmotorenanlage 42 MWel 1.720 GWh/a el
Kraftwerk Walsum Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Duisburg-Walsum Steinkohle 1.335 MWel (inkl. Neubau Block 10) 1.331 GWh/a el (ohne Neubau Block 10)
Kraftwerk Weiher Deutschland, Saarland, Quierschied-Weiher Steinkohle, Grubengas 724 MWel 1.725 GWh/a el 1918/1963/64/1976 2017 (geplant, jedoch derzeit Kaltreserve aufgrund von Systemrelevanz)
Kraftwerk Iskenderun Türkei, İskenderun Steinkohle 1.320 MWel 9.076 GWh/a el
Kraftwerk Mindanao Philippinen, Mindanao Steinkohle 232 MWel 1.456 GWh/a el
Kraftwerk Termopaipa Kolumbien, Boyacá, Paipa Steinkohle 165 MWel 414 GWh/a el

Neben diesen Großkraftwerken betreibt die Steag direkt oder über Contracting zahlreiche kleinere Kraft- und Heizkraftwerke, darunter viele auf Basis Erneuerbarer Energien und/oder in Kraft-Wärme-Kopplung, unter anderem:

Großbatterie-Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steag investierte bis Anfang 2017, ohne Fördermittel in Anspruch zu nehmen, 100 Millionen Euro in sechs Großbatterie-Systeme an sechs deutschen Standorten: Lünen, Herne und Duisburg-Walsum in Nordrhein-Westfalen sowie Bexbach, Völklingen-Fenne und Weiher im Saarland. Jedes Großbatterie-System besteht aus zehn Containern und kann 15 MW Primärregelleistung über 30 Minuten erbringen, somit 7,5 MWh. Die Gesamtkapazität ist deutlich größer als 45 MWh, mehr als 120 MWh.[2]

Mit dem am Kraftwerk Völklingen-Fenne installierten LESSY-System hat Steag als einer der ersten Anbieter überhaupt von Februar 2014 bis Ende Februar 2016 eine Großbatterie (1 MW Leistung) für die Primärregelleistung genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde das Unternehmen am 20. September 1937 als Steinkohlen-Elektrizität AG in Lünen. Das Kerngeschäft bildet aus der Tradition heraus die Stromerzeugung in Steinkohlekraftwerken.

Seit Februar 2002 gehörte Steag vollständig zum RAG-Konzern, nachdem dieser die Steag-Anteile der RWE und der E.ON erworben hatte. Zum 2. Januar 2007 wurde die AG in eine GmbH umgewandelt. Die RAG-Tochter RAG Beteiligungs-AG, in der die RAG ihre Industriebeteiligungen hielt (Degussa, Steag, RAG Immobilien), wurde am 12. September 2007 in Evonik Industries umbenannt. Unter dem Namen Evonik Steag fungierte die ehemalige Steag als Geschäftsfeld Energie der Evonik Industries.

Am 19. Dezember 2010 wurde der Vertrag über den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung von 51 % an Evonik Steag an das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr (KSBG), einen Zusammenschluss von sieben Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet (die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung, die Energieversorgung Oberhausen sowie die Stadtwerke Dortmund, Bochum, Essen, Dinslaken und Duisburg) unterzeichnet. Der Verkauf wurde am 2. März 2011 wirksam[3]; der Preis betrug 651 Mio. Euro. Innerhalb einer Frist von fünf Jahren sollte der Verkauf der restlichen 49 % durch Evonik an das Bündnis der Stadtwerke für rund 600 Millionen € umgesetzt werden.[4] Dies ist im September 2014 erfolgt. Am 8. Juni 2011 entfiel der Namensbestandteil Evonik; das Unternehmen firmiert seitdem wieder unter dem alten Namen STEAG.[5]

Im September 2014 wurden diese 49 Prozent transferiert (Preis: 570 Mio. Euro). Die zuständige Bezirksregierung teile im November 2014 mit, im Rahmen des Genehmigungsverfahren u. a. noch zu prüfen, ob die Übernahme des Auslandsgeschäfts mit § 107 der Gemeindeordnung NRW[6] vereinbar ist.[7] Später genehmigte sie die Transaktion.[8] Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen, Dietmar Brockes, bezeichnet dies als einen Skandal.[8][9]

Im November 2016 kündigte Steag an, fünf Kohlekraftwerksblöcke im Jahr 2017 stilllegen zu wollen. Hierfür wurden verbindliche Stilllegungsanträge bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Dabei es sich um einen Block des Kraftwerks Herne, zwei Anlagen in Voerde sowie die Kraftwerke Bexbach und Weiher.[10] Der Standort Voerde am Niederrhein mit den Kraftwerken Voerde A/B (1.522 MW) und West 1/2 (712 MW) wurde am 31. März 2017 geschlossen.[11] Der Block 3 des Kraftwerks Herne wurde am 30. Juni 2017 stillgelegt.[12] Die saarländischen Kraftwerke Bexbach und Weiher wurden dagegen von Amprion zumindest bis 2019 als „systemrelevant“ eingestuft und befinden sich im Reservebetrieb.[13] Am 2. März 2018 wurde zusätzlich das Aus für die beiden Blöcke des Kraftwerks Lünen im Jahr 2019 bekanntgegeben.[1]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steag war von 2004 bis 2007 Hauptsponsor von Rot-Weiss Essen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Steag hat Stilllegung beantragt. Aus für Lüner Kohlekraftwerk. In: ruhrnachrichten.de. 2. März 2018, abgerufen am 2. März 2018.
  2. http://www.steag-grossbatterie-system.com/
  3. verivox.de
  4. Pressemitteilung der Evonik Industries vom 18. Dezember 2010. Abgerufen am 19. Dezember 2010.
  5. STEAG heißt jetzt wieder STEAG. Pressemitteilung. Steag GmbH, 8. Juni 2011, abgerufen am 9. Juni 2011.
  6. Zulässigkeit wirtschaftlicher Betätigung; 107a = Zulässigkeit energiewirtschaftlicher Betätigung
  7. Rheinische Post vom 26. November 2014, Seite B1: Kommunen leiden unter der Steag (online hier)
  8. a b Rheinische Post 7. Februar 2015: Land winkt Steag-Deal mit Bauchschmerzen durch
  9. 23. Juni 2014
  10. Steag schaltet Kohlekraftwerke ab. In: n-tv, 2. November 2016. Abgerufen am 2. November 2016.
  11. Aus nach 47 Jahren: Kraftwerk Voerde wird stillgelegt. In: steag.de. 4. April 2017, abgerufen am 5. März 2018.
  12. Steag Kraftwerksblock in Baukau wird Ende Juni stillgelegt. In: waz.de. 7. April 2017, abgerufen am 5. März 2018.
  13. Reserve-Kraftwerke Quierschied und Bexbach. In: saarbruecker-zeitung.de. 9. August 2017, abgerufen am 5. März 2018.