Stefan Kornelius

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Stefan Kornelius (* 3. Dezember 1965 in Weinheim) ist ein deutscher Journalist und Publizist. Er ist Leiter des außenpolitischen Ressorts der in München erscheinenden Süddeutschen Zeitung.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kornelius absolvierte von 1986 bis 1987 die Henri-Nannen-Schule und studierte anschließend bis 1991 Politik, Geschichte und Staatsrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der London School of Economics and Political Science.[1] 1986 gründete er gemeinsam mit Sebastian Turner, Annette Milz und Oliver Schrott die Fachzeitschrift Medium Magazin,[2] dessen Chefredakteur er 1989 wurde.[3] Nach freier Mitarbeit für den Stern und die BBC[4] arbeitet Kornelius seit 1988 für die Süddeutsche Zeitung. Für die SZ war er von 1993 bis 1996 Korrespondent in Bonn, von 1996 bis 1999 Korrespondent in Washington D.C. und anschließend stellvertretender Büroleiter in Berlin. Seit 2000 ist Kornelius Ressortleiter Außenpolitik.[1]

Seit 2008 moderiert er für die Körber-Stiftung in der Reihe „Körber Debate“ Streitgespräche zu Themen der internationalen Politik.[5]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kornelius ist Mitglied der Atlantik-Brücke[6] und moderiert dort Veranstaltungen.[7]

Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einem Netzwerk und einer Denkfabrik für Außenpolitik.[8]

Kornelius gehört darüber hinaus dem Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) an,[9] einer ressortübergreifenden Weiterbildungsstätte[10] der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik.[11][12]

Er ist auch Mitglied des Deutsch-Russischen Forums[13] und Jury-Mitglied beim Arthur F. Burns Preis.[14]

Kornelius gehört dem Kuratorium des Münchener Kammerorchesters an.[15]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 erhielt er den Axel-Springer-Preis für Nachwuchsjournalisten für den Artikel Hitler und Stalin als Untermieter.[16]

2003 war er mit Clemens Wergin Preisträger des George F. Kennan Kommentar-Preises, der seit 2001 jährlich vom Verein Internationale Journalisten-Programme e.V. (IJP) für die beste transatlantische Berichterstattung in Kommentarform verliehen wird.[17] Preisgekrönt wurde sein Kommentar Die Kunst der Kriegsvermeidung.[18]

2007 erhielt er gemeinsam mit Georg Mascolo den Karl-Klasen-Journalistenpreis.[19]

2009 verlieh ihm die Jury des Medium Magazins unter der Auszeichnung „Journalist des Jahres“ einen Sonderpreis für seinen Bericht über den Luftangriff bei Kundus.[20] In seiner Laudatio erklärte Journalist und Jury-Mitglied Wolfgang Kaden, dass Kornelius durch die Veröffentlichung der Inhalte des geheimen Isaf-Berichts der innenpolitischen Debatte über den Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch eine Wende gegeben habe.[20]

Kritik und Gegenkritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kornelius' Vernetzung mit Thinktanks und politischen Eliten wurde am 29. April 2014 von der Satiresendung „Die Anstalt“ kritisch dargestellt.[21] Der Satirebeitrag stützte sich auch auf Uwe Krüger.[22] Dieser hatte in seiner im Oktober 2011 angenommenen Dissertation über den Einfluss von Eliten auf Leitmedien im Zeitraum 2002 bis 2009[23] Kornelius zu den am stärksten vernetzten Journalisten gezählt, der bei den Themen Sicherheit, Verteidigung und Auslandseinsätze der Bundeswehr den Diskurs der Eliten abgebildet, ihre Argumente verbreitet und für mehr militärisches Engagement geworben habe. Das vermittelte Bild von Bedrohungen und Konflikten habe offiziellen militärpolitischen Doktrinen entsprochen.[24] Nach Krüger wies das Netzwerk von Kornelius deutliche Übereinstimmungen mit den Netzwerken von Klaus-Dieter Frankenberger, Josef Joffe und Michael Stürmer auf.[25]

In einem Interview mit dem ZAPP-Autor Daniel Bröckerhoff (NDR) vom 14. Mai 2014 gestand Kornelius Fehler bei der Transparenz ein, verteidigte aber seine Mitgliedschaften in Institutionen, da dies zu seinem Geschäft als Journalist gehöre. Er bilde sich seine Meinung eigenständig und vertrete nicht die Meinungen dieser Institutionen. Für die journalistische Mitwirkung in politischen Institutionen zog er die Grenze bei der Politikberatung. Er kritisierte die überzogene und im Ton unangemessene Auseinandersetzung mit ihm und den Leitmedien im Ganzen. Eine besondere Rolle in der Kritik an den Leitmedien wies er der Forschungsarbeit Uwe Krügers zu. Krügers These, der Einfluss von Eliten bestimme die journalistische Arbeit von Leitmedien und Alpha-Journalisten, wies er als unbegründet zurück.[26][27]

Seine Beiratstätigkeit bei der Bundesakademie für Sicherheitspolitik empfinde er als „ein Stück gesellschaftlicher Verpflichtung, der er als Staatsbürger und Steuerzahler nachkomme.“[28]

In einem Interview im August 2014 bezeichnete Kornelius die Arbeit Krügers als „politische Kritik im Gewand einer wissenschaftlichen Arbeit“. Er kritisierte die geringe Anzahl an untersuchten Texten und beschrieb die Auswahl der untersuchten Journalisten als politisch motiviert.[29]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stefan Kornelius. Abgerufen am 9. Juli 2015.
  2. Redaktion. Abgerufen am 17. September 2015.
  3. Wegpunkte. In: Medium Magazin. Abgerufen am 2. März 2016.
  4. Stefan Kornelius. Abgerufen am 17. September 2015.
  5. Körber Debate. Abgerufen am 29. September 2015.
  6. Journalismus aus der Anstalt. Abgerufen am 29. September 2015.
  7. "Mapping Out Security Policy Strategies for the Transatlantic Partnership" - Diskussion mit hochrangigen Sicherheitsberatern. Abgerufen am 29. September 2015.
  8. Journalismus aus der Anstalt. Abgerufen am 17. Oktober 2015.
  9. https://www.baks.bund.de/de/die-baks/der-beirat
  10. Bundesministerium der Verteidigung (2006) (Hrsg.): Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr, Berlin, 127
  11. http://www.nachdenkseiten.de/?p=18653
  12. http://www.streitkraeftebasis.de/portal/a/streitkraeftebasis/!ut/p/c4/TYpLDsIwDERvZJcYnMKOU0DZoKSJKovmoxA-4vQkCyT0pDe2ZvCCjWiespgqKZoVzzjNcrAvuN_sNcsH3hC8E2NldXjqc-dhTtHX7upjlealmJoK5FTq2ptHKa0BcTjRhnY0Kk9Eqrl_1JLbNfzDWhNp3vKeR81MaviBOYTjF-CCEvs!/
  13. http://www.deutsch-russisches-forum.de/fileadmin/image_archive/sonstiges/Mitgliederliste_2012_Mailversand.pdf
  14. Der Arthur F. Burns Preis. Abgerufen am 17. Oktober 2015.
  15. Münchner Kammerorchester e.V. Abgerufen am 2. März 2016.
  16. reporter-forum.de
  17. Der George F. Kennan Kommentar-Preis. Abgerufen am 17. Oktober 2015.
  18. icfj.org
  19. Zitate. Abgerufen am 17. Oktober 2015.
  20. a b mediummagazin.de
  21. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2142038/Die-Anstalt-vom-29.-April-2014#/beitrag/video/2142038/Die-Anstalt-vom-29.-April-2014
  22. Ingo Rentz: Warum die „Zeit“ gegen „Die Anstalt“ vorging. In: Horizont. 30. Juli 2014, abgerufen am 2. März 2016.
  23. Ronnie Grob: In und mit der Elite. In: Medienwoche. 7. März 2013, abgerufen am 2. März 2016.
  24. Uwe Krüger: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und AlphaJournalisten - eine kritische Netzwerkanalyse. Halem, Köln 2013, ISBN 978-3869620701, zugleich Dissertation Universität Leipzig, 2011.
  25. http://www.message-online.com/wp-content/uploads/Artikel_Krueger_Die_Naehe_zur_Macht_Message_1_2013.pdf
  26. Daniel Bröckerhoff: Es ist Teil meines Geschäfts. In: NDR. 14. Mai 2014, archiviert vom Original am 17. Mai 2014, abgerufen am 2. März 2016 (Video nicht verfügbar).
  27. Video zur ZAPP-Sendung vom 14. Mai 2014. Abgerufen am 2. März 2016.
  28. Journalismus aus der Anstalt, Cicero, 7. August 2014
  29. Petra Schwegler: "Nähe bedeutet nicht Verbrüderung": SZ-Replik auf Lobby-Studie. In: W&V. 6. August 2014, abgerufen am 2. März 2016.