Sumpf-Glanzkraut

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Sumpf-Glanzkraut
Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii)

Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Malaxideae
Gattung: Glanzkraut (Liparis)
Art: Sumpf-Glanzkraut
Wissenschaftlicher Name
Liparis loeselii
(L.) Rich.

Das Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii)[1] auch Torf-Glanzkraut, Glanzstendel oder Glanzorchis genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Glanzkraut (Liparis) innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenständige Grundblätter
Blütenstand
Illustration aus Flora Batava, Volume 4
Illustration

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sumpf-Glanzkraut ist eine sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die maximal Wuchshöhen von 5 bis 25 Zentimetern erreicht.[1] Es ist eine Sprossknolle als Überdauerungsorgan vorhanden. Die oberirdischen vegetativen Pflanzenteile relativ unscheinbar und gelbgrün gefärbt. Die zwei grundständig und gegenständig angeordneten, aufrechten Laubblätter sind bei einer Länge von 2 bis 11 Zentimetern länglich bis wenig lanzettlich oder ei-lanzettlich.[1]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Ende Mai bis Mitte Juli. Die allseits glänzende, lockere, Blütenstand enthält wenige bis mehrere BlütenBlüten besteht. Die relativ kleinen, hellgrünlichen, gelbgrünen bis gelben, zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Kronblätter sind schmal linealisch. Die mittige Lippe ist rinnig und knieartig gebogen.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.[2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sumpf-Glanzkraut kann mit ihrer Sprossknolle den Winter als Geophyt überdauern. Es wächst in Büscheln, was vermutlich auf eine vegetative Vermehrung durch Adventivknospen zurückgeht.

Als Bestäuber fungieren wahrscheinlich Insekten, die jedoch bisher auf Grund fehlender Untersuchungen noch nicht bekannt sind. Der Fruchtansatz ist extrem hoch und schwankt zwischen 82,1 % und 97,2 %. Der hohe Fruchtansatz lässt vermuten, dass entweder eine hochwirksame Allogamie oder eine obligate Autogamie vorliegt. Die rinnig aufgewölbte Lippe der Blüten und die beiden harten, ungestielten Pollinienpaare mit Klebstoff dienen zwar der Insektenbestäubung, von den duft- und nektarlosen Blüten geht jedoch keine Signalwirkung auf Insekten aus; auch sichere Bestäuber wurden bisher nicht gefunden. Es findet daher wohl regelmäßig Selbstbestäubung statt, da die Pollinien aufgrund einer seitlichen Begrenzung der Säule direkt auf die darunter liegende Narbe fallen können.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sumpf-Glanzkraut ist ein zirkumpolares, eurosibirsch-nordamerikanisches Florenelement. Die Nordgrenze ihrer Verbreitung führt in Europa durch Südengland und Südskandinavien; vom Baltikum an ostwärts bis nach Sibirien tritt sie noch vereinzelt auf. Die Südgrenze, wo sie nur noch sehr isoliert auftritt, liegt im östlichen Spanien, Südfrankreich, Oberitalien und auf dem Balkan bis Bulgarien.[3] In Deutschland liegt sein Hauptareal. Es kommt sonst zerstreut in den anderen Teilen Europas bis nach Sibirien und in Teilen des östlichen Nordamerikas vor.

In Deutschland ist es äußerst selten. In einigen Bundesländern (Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen, Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz) gilt es sogar als verschollen. In den anderen Bundesländern ist es durch Artenrückgang zumindest stark gefährdet. Vereinzelt tritt es auf den Ostfriesischen Inseln, in Mecklenburg-Vorpommern und in den Mittelgebirgen mit kalkhaltigem Gestein auf. Im Alpenvorland und in den Tälern am Alpenrand findet man es selten.[3]

Das Sumpf-Glanzkraut gedeiht in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel. Dort kann es sowohl im Flachland als auch im Hügelland auftreten. Eine besondere Kontinentalität besitzt es jedoch nicht. Das Sumpf-Glanzkraut gedeiht am besten auf nassen, ja zeitweise überschwemmten, kalkhaltigen Schlamm- oder Torfböden. Es ist etwas wärmeliebend.[3] Es kommt in Flachmooren an Rainen mit austretendem Hangdruck und an Quellhorizonten vor, seltener an Ufern oder zwischen Dünen. Es steigt kaum über Höhenlagen von 700 Metern auf.[3] Das kalkholde Sumpf-Glanzkraut kommt natürlicherweise in Kleinseggenrieden und in zeitweilig überfluteten Nieder-, Zwischen- und Quellmooren vor.

Liparis loeselii ist die Kennart des pflanzensoziologischen Verbandes Caricion davallianae und besitzt ihr Hauptvorkommen in der Assoziation Juncetum alpini und in dem Verband Rhynchosporion albae.

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist in West- und Mitteleuropa vom Aussterben bedroht. Ein Rückgang der Standorte in den letzten Jahrzehnten ist deutlich zu erkennen. Das Entwässern von Mooren hat vielerorts zum Verschwinden des Sumpf-Glanzkrautes beigetragen, aber auch die ausbleibende Mahd auf Streuwiesen hat Standorte vernichtet.[3]

Sie ist streng geschützt. In Deutschland sind jegliche Orchideen nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt. Das Sumpf-Glanzkraut ist in seinem Lebensraum zudem nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang 2 und 4) europaweit besonders schützenswert. Da in Mitteleuropa das Hauptareal des Sumpf-Glanzkrautes liegt, besitzt Deutschland eine besondere Verpflichtung, die noch existierenden Populationen zu erhalten. Das Sumpf-Glanzkraut ist durch die Berner Konvention geschützt.

Seine Bestände sind besonders durch Entwässerungen, Aufforstungen und Kultivierung von Moorstandorten gefährdet. Andere Gründe für das Verschwinden der Art sind unter anderem das Brachfallen extensiv genutzter Frisch- und Feuchtwiesen, die Eutrophierung der Böden durch Düngereintrag und Immissionen. Sammelnde Orchideenliebhaber oder Pflanzenfreunde dezimieren ebenfalls die Bestände.[1]

Um auf die besonders große Gefährdung und Schutzwürdigkeit dieser seltenen Art aufmerksam zu machen, wurde das Sumpf-Glanzkraut vom Arbeitskreis Heimische Orchideen zur Orchidee des Jahres 1994 gewählt.

Taxonomie und Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von erfolgte unter dem Namen (Basionym) Ophrys loeselii durch Carl von Linné in seinem Werk Species Plantarum, S. 947. Die Neukombination zu Liparis loeselii (L.) Rich. wurde 1817 durch Louis Claude Marie Richard veröffentlicht. Weitere Synonyme für Liparis loeselii (L.) Rich. sind: Cymbidium loeselii (L.) Sw., Leptorkis loeselii (L.) MacMill., Malaxis loeselii (L.) Sw., Mesoptera loeselii (L.) Raf., Orchis loeselii (L.) MacMill., Paliris loeselii (L.) Dumort., Pseudorchis loeselii (L.) Gray, Serapias loeselii (L.) Hoffm., Sturmia loeselii (L.) Rchb., Sturmia loeselii (L.) Rchb., Anistylis lutea Raf., Liparis bifolia St.-Lag., Liparis correana (W.P.C.Barton) Spreng., Malaxis correana W.P.C.Barton, Malaxis longifolia W.P.C.Barton, Ophrys pulchella Salisb., Ophrys trigona Gilib. des. inval., Liparis loeselii var. cracoviensis Zapal., Liparis loeselii var. lutosa Clairv., Liparis loeselii var. ovata Ridd. ex Godfery.

Der Gattungsname Liparis stammt von dem griechischen Wort λιπαρός liparos für glänzend, schimmernd, prächtig. Der namentliche Hinweis auf die glänzenden Blätter findet sich ebenfalls im deutschen Gattungsnamen „Glanzkraut“ wieder. Das Artepitheton loeselii ehrt Johannes Loesel (1607–1657), einem Botaniker und Medizinprofessor aus Königsberg.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitskreise Heimische Orchideen (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Arbeitskreise Heimische Orchideen Deutschlands, Uhlstädt-Kirchhasel 2005, ISBN 3-00-014853-1.
  • H. Baumann, S. Künkele, R. Lorenz: Die Orchideen Europas. Ulmer, Stuttgart 2006, ISBN 3-8001-4162-0.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 8: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklassen Commelinidae Teil 2, Arecidae, Liliidae Teil 2): Juncaceae bis Orchidaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3359-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Liparis loeselii (L.) Rich., Sumpf-Glanzkraut. In: FloraWeb.de.
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 286.
  3. a b c d e  Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 5: Schwanenblumengewächse bis Wasserlinsengewächse, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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