Blasses Knabenkraut

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Blasses Knabenkraut
Blasses Knabenkraut (Orchis pallens)

Blasses Knabenkraut (Orchis pallens)

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Knabenkräuter (Orchis)
Art: Blasses Knabenkraut
Wissenschaftlicher Name
Orchis pallens
L.

Das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens)[1] oder auch Bleiches Knabenkraut ist eine der wenigen gelbblühenden Arten der Gattung Knabenkräuter (Orchis) in der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Es ist die am frühesten blühende heimische Orchidee.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Volume 52, 1825, Tafel 2569

Habitus und Blatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Blasse Knabenkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimeter erreicht. Dieser Geophyt bildet zwei eirunde Knollen als Überdauerungsorgan.

Die Anzahl der Laubblätter schwankt zwischen vier und sechs, wovon zwei bis vier am Grunde des Stängels rosettig gehäuft sind. Die Rosettenblätter sind glänzend, ungefleckt und hellgrün, 8 bis 15 Zentimeter lang und 2 bis 5 Zentimeter breit.

Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blüten im Detail

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der breit zylindrische Blütenstand ist reichblütig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Blütenfarbe ist hellgelb ohne Zeichnung. Die seitlichen Kelchblätter stehen schräg oder senkrecht nach oben und sind nach außen gedreht. Die mittleren Kelchblätter (Sepalen) und die Kronblätter (Petalen) sind zusammengeneigt und bilden einen Helm. Die Lippe ist flach oder längs gefaltet, breiter als lang, und dreilappig. Der Sporn ist aufwärts gebogen. Der Blütenduft wird unterschiedlich gedeutet - tendiert zwischen Schwarzem Holunder und Katzenharn.

Die Blütezeit erstreckt sich von Mitte April bis Mitte Juni (in Gebirgslagen).

Chromosomensatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt beim Blassen Knabenkraut 2n = 40; aus der Chromosomengrundzahl der Gattung Orchis von x = 20 ergibt sich Diploidie.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Geophyt[1] treibt schon etwa eine Woche nach der Schneeschmelze aus.

Da im Sporn der Blüten des Blassen Knabenkrauts kein Nektar angeboten wird handelt es sich blütenökologisch um eine Nektartäuschblume. Als Bestäuber gelten verschiedene Hummeln wie Bombus agrorum, Bombus pratorum und Bombus terrestis; die genannten Hummel-Arten versorgen sich normalerweise mit dem Nektar der Blüten von Lathyrus vernus, sobald diese Quelle versiegt, steigen sie auf die Blüten von Orchis pallens um.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasses Knabenkraut am Standort auf der östlichen Schwäbischen Alb
Biotop in der Fränkischen Schweiz
In Vergesellschaftung mit der Grünen Schaftdolde (Hacquetia epipactis) und der Hunds-Zahnlilie (Erythronium dens-canis, hier nur Blätter) in Slowenien
Orchis × loreziana nothosubsp. loreziana mit den Eltern Orchis mascula subsp. mascula und Orchis pallens

Das Verbreitungsgebiet des Blasse Knabenkrautes erstreckt sich in Europa vom nördlichen Spanien im Westen über Mitteleuropa bis Vorderasien und Kaukasien im Osten. Die südliche Verbreitungsgrenze ist von Süditalien über den Peloponnes bis zur südlichen Türkei zu ziehen. Die Nordgrenze ist der mittlere Teil Deutschlands.

In Deutschland ist der Verbreitungsschwerpunkt in Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern. Einige wenige Vorkommen existieren in Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Bis auf Wien und Kärnten kommt es in jedem Bundesland Österreichs vor. In der Schweiz gibt es nur wenige Gebiete, wo das Blasse Knabenkraut häufiger anzutreffen ist.

In den Alpen steigt es bis in Höhenlagen von etwa 1800 Meter auf. In den Allgäuer Alpen steigt es nur am Hirschberg von Schnepfegg bei Schnepfau in Vorarlberg bis zu 1500 m Meereshöhe auf.[3]

Insgesamt ist es in Mitteleuropa sehr selten, kommt aber an seinen Standorten meist in kleineren, lockeren und gelegentlich auch in individuenreichen Beständen vor. Es bevorzugt lichte Wälder, es geht aber auch auf Bergwiesen. Es bevorzugt leichte Beschattung in Laub- und Mischwäldern, auf Magerrasen und Bergwiesen.[4]

Das Blasse Knabenkraut gedeiht am besten auf kalkreichen, lockeren, etwas durchsickerten und meist steinigen Lehmböden mit guter Mullauflage.[4] Das Blasse Knabenkraut wächst auf basenreichem, humosen und lockeren Lehm- und Tonböden. Es gedeiht in Gesellschaften der Verbände Fagion, Tilio-Acerion, Quercion pubescentis oder Mesobromion.[5]

Durch die spezifischen Ansprüche an die Biotope ist es sehr selten. In der collinen Höhenstufe blüht Orchis pallens zusammen mit Viola odorata und Primula veris.

Naturschutz und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch das Blasse Knabenkraut unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.

Rote Listen

Durch seine Seltenheit ist das Blasse Knabenkraut generell gefährdet. Die Vorkommen in Niederwäldern sind bei Aufgabe der traditionellen Nutzung durch Verdichtung des Kronenschlusses und Verbuschung bedroht, Vorkommen auf Magerrasen und Bergwiesen sind durch zu frühes Mähen oder zu starke Beweidung gefährdet. Wildschweine und Dachse stellen besonders gern den Knollen des Blassen Knabenkrautes nach und plündern komplette Bestände. Bei Spätfrösten kann es infolge von Erfrierungen zum vollständigen Ausfall der Blüte kommen.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gültige Artname Orchis pallens wurde im Jahr 1771 von Carl von Linné in dem Werk Novitiarum Florae Suecicae Mantissa erstveröffentlicht. Synonyme für Orchis pallens L. sind: Orchis sulphurea Sims, Orchis pseudopallens K.Koch.

Hybriden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Provence-Knabenkraut (Orchis provincialis), Spitzels Knabenkraut (Orchis spitzelii) und dem Männlichen Knabenkraut (Orchis mascula) teilt das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) sich oft die Standorte und bildet gelbblühende Hybriden mit rötlichen Farbtönen auf den Lippen. So z.B.:

  • Orchis × loreziana Brügger nothosubsp. loreziana (Syn.: Orchis × haussknechtii M.Schulze, = Orchis mascula subsp. mascula × Orchis pallens)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standardliteratur über Orchideen
  • Arbeitskreise Heimische Orchideen (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Arbeitskreise Heimische Orchideen, Uhlstädt-Kirchhasel 2005, ISBN 3-00-014853-1.
  • Helmut Baumann, Siegfried Künkele: Die wildwachsenden Orchideen Europas. Franckh, Stuttgart 1982, ISBN 3-440-05068-8.
  • Karl-Peter Buttler: Orchideen. Die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas (= Steinbachs Naturführer. 15). Mosaik, München 1986, ISBN 3-570-04403-3.
  • Robert L. Dressler: Die Orchideen - Biologie und Systematik der Orchidaceae (Originaltitel: The Orchids. Natural History and Classification. Harvard University Press, Cambridge, Mass. u. a. 1981). Übersetzt von Guido J. Braem unter Mitwirkung von Marion Zerbst. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-413-8 (gutes Werk zum Thema Systematik).
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. 2. Auflage. Brücke, Hildesheim 1975, ISBN 3-87105-010-5.
  • John G. Williams, Andrew E. Williams, Norman Arlott: Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien (= BLV-Bestimmungsbuch. 25). Übersetzt, bearbeitet und ergänzt von Karl Peter Buttler und Angelika Rommel. BLV, München/Bern/Wien 1979, ISBN 3-405-11901-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Blasses Knabenkraut. In: FloraWeb.de.
  2. Siegfried Künkele, Helmut Baumann: Orchidaceae. In: Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 8: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklassen Commelinidae Teil 2, Arecidae, Liliidae Teil 2): Juncaceae bis Orchidaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1998, ISBN 3-8001-3359-8, Orchis pallens, S. 393–395.
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 370. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  4. a b Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 5: Schwanenblumengewächse bis Wasserlinsengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X, S. 188.
  5. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 281.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungskarten
Regionale Links