Talla (Toskana)

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Talla
Wappen
Talla (Italien)
Talla
Staat Italien
Region Toskana
Provinz Arezzo (AR)
Koordinaten 43° 36′ N, 11° 47′ OKoordinaten: 43° 36′ 10″ N, 11° 47′ 17″ O
Höhe 348 m s.l.m.
Fläche 60,05 km²
Einwohner 1.026 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 17 Einw./km²
Postleitzahl 52010
Vorwahl 0575
ISTAT-Nummer 051038
Volksbezeichnung Tallesi
Schutzpatron San Nicola (6. Dezember)
Website Gemeinde Talla
Panorama von Talla
Panorama von Talla

Talla ist eine Gemeinde mit 1026 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017) in der Provinz Arezzo in der Region Toskana in Italien.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Talla in der Provinz Arezzo

Die Gemeinde erstreckt sich über rund 60 km². Sie liegt etwa 20 km nördlich der Provinzhauptstadt Arezzo und 60 km südöstlich der Regionalhauptstadt Florenz. Wichtige Gewässer im Gemeindegebiet sind die Torrenti Capraia (alle 6 km im Gemeindegebiet) und Talla (alle 6 km im Gemeindegebiet)[2], der durch den Ortskern von Talla fließt. Der Ort liegt in der Gegend des Valdarno (Arnotal, auch Valdarno superiore oder Valdarno casentinese genannt), liegt aber nicht direkt am Fluss, und in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone E, 2 168 GR/G[3] und ist Teil der Unione dei Comuni Montani del Casentino[4]. Der Ort gehört zum Bistum Arezzo-Cortona-Sansepolcro.

Zu den Ortsteilen zählen Bicciano (534 m, ca. 35 Einwohner), Capraia (639 m, ca. 25 Einwohner), Faltona (722 m, ca. 220 Einwohner), Pieve di Pontenano (580 m, ca. 45 Einwohner), Pontenano (791 m, ca. 50 Einwohner) und Santo Bagnena (484 m, ca. 25 Einwohner).[5]

Die Nachbargemeinden sind Capolona, Castel Focognano, Castiglion Fibocchi und Loro Ciuffenna.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Talla ist etruskischen Ursprungs. 1888 wurden im Ortsbezirk Le Buche etruskische Gräber aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Im Jahr 1057 wurde erstmals die Burg in Dokumenten erwähnt. Nach 1249 fiel Talle und seine Umgebung unter die Kontrolle der Ubertini di Chitignano. Ab 1314 ging der Ort in die Besitztümer der Familie Tarlati über, nach dem Tod des Bischofs Guido Tarlati von Arezzo fiel Talla 1327 wieder in die Hände der Ubertini zurück. Durch die Expansionspolitik der Republik Florenz war Talla 1353 gezwungen, sich dieser zu unterwerfen. Die Grenzen des heutigen Ortes wurden 1809 festgelegt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ortskern erheblich beschädigt, besonders eine Brandstiftung im Juli 1944 zerstörte den größten Teil der Wohnungen[6]. Zudem ist Talla Ausgangsort eines jahrelangen Rechtsstreits über Entschädigungszahlungen der Bundesrepublik Deutschland an ehemalige Zwangsarbeiter, da aus Talla 1944 ein damals 18-Jähriger von der Wehrmacht zur Zwangsarbeit verschleppt wurde.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Chiesa di San Niccolò im Ortszentrum von Talla
Der Fluss Talla im Ortszentrum von Talla, im Hintergrund das Castellaccia mit der Kirche Chiesa della Madonna del Conforto
  • Chiesa di San Niccolò, 1644 entstandene Kirche im Hauptort. Enthält die Leinwandgemälde Madonna del Rosario e Santi von Tommaso Gorini und Morte di San Giuseppe von Giovanni Andrea Fabbrini.[8]
  • Castellaccia, über dem Ort liegende Burg aus dem 10. Jahrhundert. Der Legende nach wurde hier Guido von Arezzo (Guido Monaco) geboren.[9]
  • Chiesa della Madonna del Conforto, auch Chiesa della Castellaccia genannt, Kirche der Burg.
  • Pieve di Santa Trinità in Alpe, um 950 entstandene Pieve außerhalb des Orts, die im 15. Jahrhundert von den Vallombrosaner übernommen wurde. Heute nur noch als Ruine vorhanden.
  • Pieve di San Paolo a Pontenano, Pieve im Ortsteil Pontenano, die bereits im 13. Jahrhundert bestand.
  • Castello di Pontenano, mittelalterliche Burg im Ortsteil Pontenano.
  • Castello di Capraia, mittelalterliche Burg im Ortsteil Capraia.
  • Chiesa dei Santi Lorentino e Pergentino, Kirche im Ortsteil Faltona, die 1757 zur Pieve erklärt wurde.
  • Castello di Faltona, mittelalterliche Burg im Ortsteil Faltona.
  • Ponte di Sasso, Brücke aus dem 13. Jahrhundert über den Sturzbach Capraia.
  • Ponte di Annibale, Brücke über den Sturzbach Ginesso. Der Legende nach soll hier Hannibal den Bach auf dem Weg nach Rom überquert haben.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Talla in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landschaft südlich des Pratomagno-Gebirges um Pontenano, Talla, Gello Biscardo, Castiglion Fibocchi u. a. spielt Walter Kappachers Toskana-Roman Selina oder Das andere Leben.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giovanni Caselli: Casentino - Guida Storico Ambientale. Editrice Le Balze, Montepulciano 2003, ISBN 88-87187-81-9
  • Emanuele Repetti: TALLA nel Val d’Arno casentinese. In Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846), Onlineausgabe der Universität Siena (pdf, italienisch)
zu den Ortsteilen: Capraia, Faltona, Pontenano

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Talla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. Offizielle Website des Sistema Informativo Ambientale della Regione Toscana (SIRA) zu den Flüssen in Talla, abgerufen am 30. April 2014 (italienisch)
  3. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 30. April 2014 (italienisch) (PDF; 330 kB)
  4. Offizielle Website der Regione Toscana zur Unione dei Comuni Montani del Casentino, abgerufen am 30. April 2014 (italienisch)
  5. Offizielle Website des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Ortsteilen und Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Arezzo, abgerufen am 1. Mai 2014 (italienisch)
  6. Offizielle Website der Gemeinde (Memento vom 5. Januar 2009 im Internet Archive), abgerufen am 1. Mai 2014
  7. Andrea Böhm, Michael Thumann: Was kostet Gerechtigkeit? Reportage in der Zeit vom 2. Februar 2012, abgerufen am 1. Mai 2014
  8. Casentino. Terra di Santi e Cavalieri. Aska Edizioni, Florenz 2008, ISBN 978-88-7542-125-0, S. 51
  9. Webseite des EcoMuseo del Casentino@1@2Vorlage:Toter Link/www.ecomuseo.casentino.toscana.it (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 2. Mai 2014 (italienisch). Als Geburtsort des Guido Monaco (d’Arezzo) neben anderen Orten, genauer Geburtsort ist nicht feststellbar.
  10. Walter Kappacher: Selina oder Das andere Leben. Dtv, München 2009, ISBN 978-3-423-13872-7.