Lucignano

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Andere Namensträger siehe unter Lucignano (Begriffsklärung)
Lucignano
Kein Wappen vorhanden.
Lucignano (Italien)
Lucignano
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Arezzo (AR)
Koordinaten: 43° 16′ N, 11° 45′ O43.26666666666711.75400Koordinaten: 43° 16′ 0″ N, 11° 45′ 0″ O
Höhe: 400 m s.l.m.
Fläche: 44,90 km²
Einwohner: 3.631 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 81 Einw./km²
Postleitzahl: 52046
Vorwahl: 0575
ISTAT-Nummer: 051021
Volksbezeichnung: Lucignanesi
Schutzpatron: San Felice (29. Juli)[2][3]
Website: Gemeinde Lucignano
Panorama von Lucignano
Panorama von Lucignano

Lucignano ist eine Gemeinde mit 3631 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in der Provinz Arezzo in der Region Toskana in Italien.

Geografie[Bearbeiten]

Lage von Lucignano in der Provinz Arezzo

Die Gemeinde erstreckt sich über ca. 45 km². Sie liegt ca. 25 km südwestlich der Provinzhauptstadt Arezzo und 70 km südöstlich der Regionalhauptstadt Florenz im Zentrum des Chiana-Tals in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone E, 2248 GR/G[4]. Obwohl im Chianatal gelegen, berührt der Chiana nicht das Gemeindegebiet. Wichtige Gewässer im Gemeindegebiet sind die Torrenti Esse (4 von 29 km im Ortsgebiet), Foenna (4 von 37 km im Ortsgebiet), Scerpella (8 von 8 km im Ortsgebiet) und Vescina (10 von 13 km im Ortsgebiet), die alle dem Flusssystem des Arno angehören.[5]

Zu den Ortsteilen zählen Croce (281 Höhenmeter, ca. 270 Einwohner) und Pieve Vecchia (280 Höhenmeter, ca. 180 Einwohner). Als Sondereinheit gilt Lago del Calcione (362 Höhenmeter).[6]

Die Nachbargemeinden sind Foiano della Chiana, Marciano della Chiana, Monte San Savino, Rapolano Terme (SI) und Sinalunga (SI).

Geschichte[Bearbeiten]

Entstanden aus den Kulturen der Villanova und der Etrusker wurde der Ort im 1. Jahrhundert v. Chr. von den Römern unter Lucius Cornelius Sulla Felix eingenommen. Lucius Licinius Lucullus gründete hier ein Römisches Militärlager und nannte den Ort von nun an zu seinen Ehren Lucinianum[7], wovon sich der heutigen Ortsname ableitet.[8] 1014 wurde der Ort als Castrum Griffonis nune Lusignani von der Abtei Farneta dokumentiert.[9] Im Mittelalter gehörte die Gemeinde zum Einflussbereich von Arezzo. Bei der Schlacht bei Campaldino verlor Arezzo 1289 gegen Florenz und somit auch die Herrschaft über den Ort, der danach zu Siena (1289–1325)[10] gehörte und 1325 von Guido Tarlati eingenommen wurde.[9] Danach gehörte der Ort zu Perugia und dem Kirchenstaat. Aus der Zeit der Perugianer stammt auch heute noch der Greif als Wappentier.[11] 1343 erlangte der Ort die Unabhängigkeit, unterstellte sich aber bereits zehn Jahre später Florenz. 1370 gelangte der Ort erneut in Freiheit, aufgrund der drohenden Besetzung durch die Aretiner fragte man abermals in Siena um Hilfe. Nach mehreren Gebietsstreitigkeiten zwischen Florenz und Siena gelang Lucignano 1390 endgültig zur Republik Siena,[9] die die Stadtmauern errichteten[8] und die Rocca Senese aufbauten. Die Seneser Regierung endete im August 1554 mit der Schlacht von Scannagallo (Battaglia di Scannagallo, auch Battaglia di Marciano genannt) wenige Kilometer östlich von Lucignano. Hierbei besiegte die Republik Florenz unter Gian Giacomo Medici die Republik von Siena unter Piero Strozzi.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Collegiata di San Michele Arcangelo
Kirche des San Francesco
Die Rocca Senese mit den Türmen Mastio (links) und Torrino (rechts)
  • Collegiata di San Michele Arcangelo, Stiftskirche im Ortskern, die am Ende des 14. Jahrhunderts über einer älteren Kirche entstand. Wurde im 15. Jahrhundert zur Stiftskirche und Pieve erhoben und ab 1593 wesentlich erneuert. Der Campanile und die Treppen vor der Kirche werden dem Andrea Pozzi zugeschrieben. In den Innenräumen befinden sich die Werke:[10]
    • Visitazione a Santa Elisabetta (1631, Matteo Rosselli)
    • Transito di San Giuseppe (um 1669, Onorio Marinari)
    • Martirio di Santa Lucia (1665, Leinwandgemälde von Giacinto Gimignani)
    • San Carlo visita gli appestati (1661, ebenfalls von Giacinto Gimignani).
  • Chiesa di San Francesco, Kirche und ehemaliger Konvent im Ortskern, entstanden im 13. Jahrhundert. Hier wurde 1289 die Unterwerfung Lucignanos an Siena unterzeichnet. Das Eingangsportal ist aus Travertino, im Innenraum befinden sich mehrere Werke des Bartolo di Fredi, darunter das Fresko Trionfo della morte aus dem Jahr 1380.[10]
  • Oratorio della Compagnia del Corpus Domini, rechtsseitig der Chiesa San Francesco liegendes Oratorium. Entstand 1446.[10]
  • Torre delle Monache, hinter der Chiesa San Francesco in der Via Castellaccia stehender Turm.[12]
  • Chiesa di San Giuseppe, Kirche im Ortskern aus dem Jahr 1470.[10]
  • Chiesa della Misericordia, früher auch Chiesa della Santissima Annunziata genannt, Kirche im Ortskern in der Via San Giuseppe. Entstand im 15. Jahrhundert und enthält von Onorio Marinari das Werk Annunciazione (1699 datiert). Von Alessandro Gherardini stammt das Werk Assunzione della Vergine (Leinwandgemälde aus dem Jahr 1699).[10]
  • Chiesa del Crocifisso, Kirche im Ortskern am Corso delle Monache.[13]
  • Museo Comunale, 1924 gegründetes Stadtmuseum im ehemaligen Palazzo Pretorio (wahrscheinlich im 13. Jahrhundert entstanden), heutiger Palazzo Comunale (Rathaus), mit Werken von Pietro di Giovanni D’Ambrogio (1448)[14] und Sebastiano Folli[15]
  • Rocca Senese, auch Cassero Senese genannt, Burg innerhalb der Stadtmauern nahe dem Haupttor Porta San Giusto. Entstand von 1390 bis 1392 durch den seneser Architekten Bartolo Bartoli. Besitzt zwei Wehrtürme, wobei der größere Mastio (Hauptturm) und der kleinere Torrino (Türmchen) genannt werden. Trägt noch heute das seneser Wappen (Balzana).[9]
  • Historische Stadtmauer, 1289 begonnen, 1371 wesentlich erweitert und 1487 verstärkt, heute noch fast vollständig vorhanden. Die ringförmige Mauer hat vier Stadttore:[9]
    • Porta San Giusto, südwestliches Tor und Haupttor, das mit drei Bögen und einem Fallgatter ausgestattet ist.
    • Porta San Giovanni, östliches Tor, auch Porta dei Cappuccini oder del Filaio genannt.
    • Porta Murata, nordwestliches Tor, war lange Zeit zugemauert und ist heute für Fußgänger geöffnet.
    • Porta Sant’Angelo, südöstliches Tor, war lange Zeit zugemauert und ist heute für Fußgänger geöffnet.
  • Fortezza Medicea, Festung kurz westlich des Ortskerns. Bereits von Siena geplante Festung, die nach der Eroberung von Lucignano durch Florenz von Bernardo Puccini gebaut wurde. Besteht aus zwei außenliegenden Bastionen, die Richtung Westen führen. Die nördliche heißt Bastione del Calcione, die südliche Bastione della Purità. Der geplante Hauptteil der Festung sowie die Verbindungsmauern zu der Stadtmauer wurden nicht fertiggestellt. Die Arbeiten an der Befestigungsanlage wurden im November 1558 eingestellt.[9]
  • Chiesa di San Biagio, auch Pieve Vecchia genannt, Kirche an der Straße nach Foiano della Chiana. War die alte Pieve von Lucignano und wurde später erneuert.[10]
  • Santuario di Santa Maria della Querce, Sanktuarium aus dem 15. Jahrhundert ca. 1 km außerhalb der Stadtmauern. Die Erweiterung erfolgte 1564 unter Giorgio Vasari. Enthält das 1625 von Matteo Rosselli erschaffene Leinwandgemälde I santi Benedetto, Apollonia e Caterina da Siena.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

  • Die A1 (Teil der Autostrada del Sole) führt durch das Gemeindegebiet. Die nächstgelegenen Anschlussstellen sind Val di Chiana / Bettolle ca. 7 km südlich oder Monte San Savino (ca. 7 km nördlich).

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Giuseppe Rigutini (* 29. August 1929 in Lucignano), Altphilologe, Romanist, Italianist, Germanist und Lexikograf.
  • Antonio Salvi (* 17. Januar 1664 in Lucignano), Librettist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Accademia dei Rozzi, Ettore Pellegrini (Hrsg.): Fortificare con arte. Vicende storiche ed architettoniche di quattro castelli senesi. Torrita di Siena, Sarteano, Lucignano della Chiana, Caldana di Maremma. Editrice Il Lecchio, Siena/Monteriggioni 2009, S. 131–178.
  • Stefano Casciu (Hrsg.): I Luoghi della Fede: Cortona e la Valdichiana aretina. Arnoldo Mondadori Editore, Mailand 1999, ISBN 88-04-46783-5, S. 125–133.
  • Emanuele Repetti: Lucignano, Lucignano d’Arezzo. In Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846), Onlineausgabe der Universität Siena (pdf, ital.)
  • Touring Club Italiano: Toscana, Mailand 2003, ISBN 88-365-2767-1, S. 745 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lucignano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Comuni Italiani zur Gemeinde Lucignano, abgerufen am 19. November 2015 (italienisch)
  3. Tuttitalia zur Gemeinde Lucignano, abgerufen am 19. November 2015 (italienisch)
  4. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 29. Dezember 2012 (italienisch) (PDF; 330 kB)
  5. Offizielle Webseite des Sistema Informativo Ambientale della Regione Toscana (SIRA) zu den Flüssen in Lucignano, abgerufen am 19. November 2015 (italienisch)
  6. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Ortsteilen und Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Arezzo, abgerufen am 29. Dezember 2012 (italienisch)
  7. abctuscany.com zu Lucignano, abgerufen am 19. November 2015 (italienisch)
  8. a b c Lucignano.com zur Geschichte des Ortes, abgerufen am 18. November 2015 (italienisch)
  9. a b c d e f Ettore Pellegrini (Hrsg.): Fortificare con arte. Vicende storiche ed architettoniche di quattro castelli senesi.
  10. a b c d e f g h Stefano Casciu (Hrsg.): I Luoghi della Fede: Cortona e la Valdichiana aretina.
  11. Offizielle Webseite der Gemeinde Lucignano zur Geschichte des Ortes, abgerufen am 19. November 2015 (italienisch)
  12. Torre delle Monache. Europeana. Abgerufen am 21. November 2015.
  13. Chiese Italiane zur Chiesa del Crocifisso in Lucignano, abgerufen am 20. November 2015 (italienisch)
  14. Offizielle Webseite der Gemeinde Lucignano zum Museo Comunale, abgerufen am 13. Januar 2010 (italienisch)
  15. lucignano.com zum Museo Comunale di Lucignano, abgerufen am 19. November 2015 (italienisch)
  16. Webseite des Touring Club Italiano (Bandiere Arancioni) zu Lucignano, abgerufen am 29. Dezember 2012 (italienisch)