Teheran Tabu

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Filmdaten
Deutscher Titel Teheran Tabu
Originaltitel Tehran Taboo
Produktionsland Deutschland, Österreich
Erscheinungsjahr 2017
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Ali Soozandeh
Drehbuch Ali Soozandeh,
Grit Kienzlen
Produktion Frank Geiger,
Ali Samadi Ahadi,
Marc Fencer,
Armin Hofmann,
Antonin Svoboda,
Bruno Wagner
Musik Ali N. Askin
Kamera Martin Gschlacht
Schnitt Frank Geiger
Andrea Mertens
Besetzung

Teheran Tabu (auch: Tehran Taboo) ist eine deutsch-österreichische Koproduktion aus dem Jahr 2017 von Ali Soozandeh. Der Animationsfilm wurde mit realen Schauspielern gedreht und mit Hilfe von Motion Capture und Rotoskopie verfremdet.[2][3] Die Premiere erfolgte am 20. Mai 2017 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2017, wo der Film in der Sektion Semaine internationale de la critique gezeigt wurde.[4] In Österreich wurde der Film am 29. Oktober 2017 auf der Viennale gezeigt.[5] Der Kinostart erfolgte in Deutschland am 16. November 2017,[3] in Österreich soll er am 1. Dezember 2017 erfolgen.[6][7]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesellschaftsdrama handelt von den drei selbstbewussten, starken Iranerinnen Pari, Sara und Donya sowie dem jungen Musiker Babak, deren Lebenswege sich in der iranischen Hauptstadt Teheran kreuzen. Pari sieht sich zur Prostitution gezwungen, um den Lebensunterhalt für sich und ihren fünfjährigen Sohn Elias zu verdienen, weil ihr drogenabhängiger Ehemann nicht in die Scheidung einwilligt und auch keine Alimente für ihren gemeinsamen Sohn bezahlt. Elias ist auch dann dabei, wenn seine Mutter bei einem Freier ist, und beobachtet scheinbar teilnahmslos das Geschehen. Als sie einem Freier in dessen Auto einen Blowjob gibt, während ihr Sohn auf der Rückbank sitzt, rastet der Fahrer völlig aus, als er auf der Straße seine unverheiratete Tochter entdeckt, die mit einem Mann Händchen hält. Die junge Donya muss vor ihrer bevorstehenden Hochzeit nach einem One-Night-Stand mit dem Musikstudenten Babak ihr Jungfernhäutchen wiederherstellen lassen. Sie verlangt von Babak, dass er die Kosten dafür übernimmt. Hausfrau Sara würde gerne wieder arbeiten, benötigt dafür aber das Einverständnis ihres Mannes. Sie leidet unter ihrem repressiven Ehemann und lebt gehorsam mit ihm und dessen Eltern die traditionellen Werte der iranischen Gesellschaft. In Teherans widersprüchlicher, von Patriarchat und Doppelmoral geprägter Gesellschaft prallen tabuisierte Themen wie Sex, Korruption, Prostitution und Drogenmissbrauch auf strenge religiöse Gesetze und Werte. Die Frauen werden dabei zum Spielball religiös verbrämter Unterdrückung. Das Umgehen von Verboten wird zum Alltagssport, das Brechen von Tabus zur individuellen Selbstverwirklichung. So zeigt der Film etwa skrupellose Ärzte, die gegen hohe Zahlungen die Jungfräulichkeit von Frauen wiederherstellen, oder aber auch die Sittenpolizei, die junge Paare verhaftet, wenn sie beim Händchenhalten erwischt werden.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden vom 19. Mai bis zum 25. September 2015 statt, gedreht wurde in Wien. Unterstützt wurde der Film vom Österreichischen Filminstitut, dem Filmfonds Wien und Filmstandort Austria, dem Deutschen Filmförderfonds, der Filmstiftung Nordrhein Westfalen und der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, beteiligt waren der Österreichische Rundfunk und das ZDF. Produziert wurde der Film von der Hamburger Little Dream Entertainment GmbH, Koproduzent war die österreichische coop99. Für das Kostümbild zeichnet Erika Navas und für die Maske Wiltrud Derschmidt verantwortlich.[6][8] Bei dem Film handelt es sich um das Langfilmdebüt des in Deutschland lebenden iranischen Filmemachers Ali Soozandeh. Die Schauspieler wurden zunächst in Wien vor einem Greenscreen gefilmt bevor das Material mit Hilfe von Motion Capture und vor allem der Rotoskopie, die zuvor unter anderem bei Waltz with Bashir oder Persepolis zum Einsatz kam, verfremdet wurde.[3][9]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Petersen urteilte auf Filmstarts: „Man merkt dem animierten Ensemble-Drama in jeder Sekunde an, wie sehr den Machern ihr aufklärerisches Thema am Herzen liegt – das zeigt sich in der kraftvoll-engagierten Erzählweise, aber eben auch daran, dass der Film vor allem zu Beginn überladen wirkt.“[3] Die Tageszeitung Kurier meinte: „Soozandeh hat die vielen sexuellen Tabus der islamischen Republik und die Korruption der iranischen Behörden in eine spannende Geschichte verpackt, die als individuelles Drama, oder als hochpolitisch aufgeladene Metapher gelesen werden kann. […] Die Animation erweist sich für diesen Film als schlaue Wahl, weil sie dem Zuschauer gerade genug Abstand ermöglicht, um das sexuell und politisch aufgeladene Thema leichter verdauen zu können.“[2]

Festivals (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Cast von Tehran Taboo bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tehran Taboo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Teheran Tabu. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 166108/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b Kurier: „Teheran Tabu“: Die sexuellen Tabus der islamischen Republik im Visier. Artikel vom 7. Juni 2017, abgerufen am 15. Juli 2017.
  3. a b c d Christoph Petersen: Teheran Tabu. In: Filmstarts. Abgerufen am 15. Juli 2017.
  4. a b Tehran Taboo (2017) in der Internet Movie Database (englisch)
  5. diepresse.com: Viennale-Programm: 14 Filme für den verstorbenen Hans Hurch. Artikel vom 25. August 2017, abgerufen am 26. August 2017.
  6. a b Teheran Tabu. In: Österreichisches Filminstitut. Abgerufen am 15. Juli 2017.
  7. Teheran Tabu – Kino. In: Filmfonds Wien. Abgerufen am 15. Juli 2017.
  8. Teheran Tabu. In: Filmfonds Wien. Abgerufen am 15. Juli 2017.
  9. Tiroler Tageszeitung: Filmfestspiele Cannes – „Teheran Tabu“: Die zwei Gesichter des Irans. Artikel vom 21. Mai 2017, abgerufen am 15. Juli 2017.
  10. The 2017 Jerusalem Film Festival Winners Announced. Abgerufen am 20. August 2017.